11.08.2011

Gegen die Privatisierung des Ehrenamts

Tag der Jugend: BJR fordert bessere Bedingungen für ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit – im EU-Jahr der Freiwilligentätigkeit auch an junge Engagierte denken

Zum Tag der Jugend am 12. August mahnt der Bayerische Jugendring (BJR) eine deutliche Verbesserung der Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement an. Junge Menschen sind die gesellschaftliche Gruppe mit der größten Bereitschaft dazu. Damit sie diese auch in die Tat umsetzen können, sollen gesetzliche Regelungen Steine aus dem Weg räumen. Doch wie so oft klaffen politische Wunschvorstellung und Realität auseinander. „Das ‚Gesetz zur Freistellung von Arbeitnehmern zum Zwecke der Jugendarbeit’ enthält unflexible Regelungen, die Engagement erschweren statt befördern. Die Belastung durch ein Ehrenamt muss immer häufiger im Privaten aufgefangen werden. Gerade jetzt, im Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit, wären statt Symbolpolitik echte Verbesserungen angezeigt“, fordert BJR-Präsident Matthias Fack.

Flexiblere zeitliche Lösungen gut für Jugendarbeit und Betriebe

Derzeit kann sich ein Jugendlicher, der sich z.B. in einem Jugendverband engagiert, für höchstens 15 Arbeitstage und für nicht mehr als vier Veranstaltungen im Jahr freistellen lassen. Das ist zu wenig, vor allem die begrenzte Zahl der Veranstaltungen. Der BJR fordert stattdessen eine flexiblere Regelung durch Freistellungskonten von 120 Stunden im Jahr, die eine stundenweise Befreiung ermöglichen – etwa für Schulungen oder Gremiensitzungen, die erst am Nachmittag beginnen. Das würde sowohl den Bedürfnissen in der Jugendarbeit als auch in den Betrieben besser gerecht.

Semesterabschluss-Klausur oder Ferienfreizeit?

Ehrenamtliche Jugendleiter/-innen gehen oft noch zur Schule oder studieren. Im Bildungssystem aber werden die zeitlichen Daumenschrauben immer enger angezogen. Immer weniger junge Menschen haben bei achtjährigem Gymnasium und Bologna-Hochschulbetrieb noch genügend Energie und Muße übrig, um etwa Ferienfreizeiten ehrenamtlich zu betreuen. „Um nicht die letzten Freiwilligen zu vergraulen, muss Schluss sein damit, dass Prüfungszeiträume an Universitäten und Hochschulen immer kurzfristiger bekannt gegeben werden und sich teilweise über den gesamten Ferien-zeitraum erstrecken“, so Matthias Fack. Zudem fordert der BJR eine Lockerung von oft restriktiv gehandhabten Anwesenheitspflichten für engagierte Schüler/-innen und Studierende.

Der Bayerische Jugendring K.d.ö.R. ist die Arbeitsgemeinschaft der 31 landesweiten und 42 regional tätigen Jugendverbände und der mehr als 350 örtlichen Jugendorganisationen in Bayern. Strukturell ist er in sieben Bezirksjugendringe sowie 96 Stadt- und Kreisjugendringe gegliedert. Seine Mitgliedsorganisationen erreichen mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern.

Ansprechpartnerin

Cornelia Freund
freund.cornelia©bjr,de
tel 089/514 58 20

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