Fachtag "Mädchen und Alkohol"
Kurzbericht
Fachtag zum Thema Mädchen und Alkohol am 15.11. 2011
Was wissen wir über den Alkoholkonsum junger Menschen, insbesondere von Mädchen und jungen Frauen, was motiviert zum Rauschtrinken und welche Gefahren sind damit verbunden, waren die Fragen, mit denen sich die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Veranstaltung in München beschäftigten. Zusätzlichen zu den Ergebnissen der Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Tübinger Instituts für frauenpolitische Sozialforschung, tifs e.V. wurden Erfahrungen und Praxisbeispiele zur Prävention von Alkoholmissbrauch insbesondere durch Mädchen und junge Frauen vorstellt. Insgesamt leitend war die Frage, worauf muss eine präventive ausgerichtete Jugendarbeit achten, wenn sie insbesondere auf die Interessens- und Bedürfnisse von Mädchen achten will. Einiges zeigte sich deutlich: Bei beiden Geschlechtern sinkt die durchschnittliche Konsummenge und –häufigkeit stetig, Mädchen trinken wesentlich weniger und seltener. Aber Anlässe und Motive sind sehr ähnlich. Im Vordergrund steht der Spaß in der Clique. Folgen und Gefährdungen, die durch Alkoholmissbrauch entstehen können, sind allerdings unterschiedlich. So gelten bei Frauen deutlich geringere Mengen Alkohol als gesundheitsschädlich, Mädchen und Frauen erfahren bei geringeren Konsummengen Rausch und Kontrollverlust. Das passiert insbesondere dann, wenn vor einer Party bewusst auf Nahrungszunahme verzichtet wird, um der alkoholbedingten Kalorienaufnahme „vorzubeugen“. Diese Strategie verfolgen gar nicht so wenige, so Erfahrungen von Beratungsstellen, sie führt aber häufig zu Zusammenbrüchen und zur Einlieferung ins Krankenhaus. Der wesentliche Ort und Bezugsrahmen für das Trinken ist für Mädchen wie für Jungen die gleichaltrige Freundesclique. Diese bietet sowohl den Anlass, entwickelt aber auch informelle Regeln zum Umgang mit Alkohol. Das Motiv sich in dieser Gruppe durch Alkoholtrinken als erwachsen und cool darstellen zu wollen, ist bei Mädchen und Jungen gleich. Allerdings sind die Folgen des Betrunkenseins geschlechtsspezifisch sehr verschieden. Während der Status der Jungen „als Kerle, die etwas vertragen“ steigen kann, gelten betrunkene Mädchen eher als abstoßend. Sie erreichen mit dem eigentlich „gruppenkonformen“ Verhalten so das Gegenteil von dem, was sie sich evtl. erhoffen. Zusätzlich sind sie im betrunkenen Zustand sexuellen Übergriffen verstärkt ausgesetzt. Deutlich wurde insgesamt, präventive Aktionen und Programme werden ohne eine reflektierte genderspezifische Beschäftigung mit Motiven und Folgen des Alkoholkonsum nicht auskommen.
Link zu den Studien, die Grundlage der Vorträge waren:
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2011). Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschlang 2010. Kurzbericht zu Ergebnissen einer aktuellen Repräsentativbefragung und Trends. Köln. www.bzga.de/studien
- Bundesministerium für Gesundheit (2009). JuR Einflussfaktoren, Motivation und Anreize zum Rauschtrinken bei Jugendlichen. Endbericht www.bmg.de
Weiteres Material:
http://www.imma.de



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