Erkundungsfahrt nach Wien

Jobshadowing und Schulpartnerschaften für bayerische Förderschulen

Die drei Teilnehmerinnen der Erkundungsfahrt stehen auf einer Brücke

 

„Internationale Kooperation inspiriert, verbindet und eröffnet neue Wege für eine inklusive Bildungspraxis.“ (Romina Matzel)  „Wenn wir solche Austausche nicht ermöglichen – wer dann?“ (Irma Kasimi)

Warum tauchen Förderschulen so selten in der Berichterstattung zu internationalem Schulaustausch auf? Im BJR beantragen Förderschulen in den Förderprogrammen für internationalen Schulaustausch eher selten. Abgesehen von einzelnen großartigen Leuchtturmprojekten stellen Förderschulen insgesamt im Feld des Schulaustauschs in Bayern eine unterrepräsentierte Schulart dar. Dabei können gerade auch Förderschüler:innen besonders von einem internationalen Schulaustausch profitieren.

Auf Grund der Erhebung zum Schulaustausch an Förderschulen 2023 wurde die Suche nach einem geeigneten Partner und die Partnerschafts-Anbahnung als eine der größten Herausforderungen im Förderschulaustausch erkannt. Nach Erstellung der Unterseite Internationaler Austausch für junge Menschen mit Behinderung auf der BJR-Website und der Pressemeldung Als Schüler:in ins Ausland – das geht auch mit Behinderung zeigten sich einige Schulen interessiert, denen es aber an Partnern im Ausland fehlte. Mit einer 3-tägigen Erkundungsfahrt ins deutschsprachige Ausland zielt der BJR darauf ab, beim ersten Schritt zur Anbahnung von Förderschulpartnerschaften zu unterstützen und fand im Europabüro der Bildungsdirektion Wien einen enthusiastischen Partner. Dieses passgenaue und kleine Format gab nun erstmals drei Lehrkräften aus Bayern die Möglichkeit, bei Förderschulen in Wien durch ein Jobshadowing die Arbeit kennenzulernen, sich fachlich auszutauschen und Partner für Schüler:innenaustausche 2026 zu finden.

Die Fahrt war ein großer Erfolg und die drei Schulen, aus Mittelfranken, Oberpfalz und Oberbayern planen schon die Schüler:innenaustausche mit Wiener Förderschulen 2026 durchführen. Finanziert werden die Projekte im kommenden Jahr über Erasmus+Schule durch die Aufnahme in die Konsortien des PI München und des ISB. Die teilnehmenden Lehrkräfte lassen sich damit auf etwas Neues und Aufregendes ein und sind überzeugt: Das wird eine wunderbare Erfahrung für unsere Schüler:innen!

Im Gespräch mit den Teilnehmer:innen an der Erkundungsfahrt

BJR: Warum ist ein internationaler Austausch für dein Förderzentrum interessant?

Irma Kasimi (Lehrerin an Ernst-Barlach-Schulen in München): Für unser Förderzentrum Ernst-Barlach-Schulen (Grund- und Mittelschulstufe) der Pfennigparade ist ein internationaler Austausch sehr wertvoll, weil wir als Schule für soziale, demokratische und inklusive Werte stehen. Diese Werte gehören schon lange zu unserem Alltag. Ein Blick in ein anderes Land eröffnet unseren Schülerinnen und Schülern jedoch ganz neue Perspektiven. Ich möchte, dass sie erleben, wie andere leben und lernen. Dadurch stärken sie ihre sozialen Fähigkeiten und werden mutiger, offener und selbstbewusster. Genau diese Entwicklung brauchen viele für ihren weiteren Lebensweg. Wir sind da, um diese Werte zu stärken – und ein internationaler Austausch trägt entscheidend dazu bei.

Romina Matzel (Altmühlfranken-Schule): Der internationale Austausch ist für unser Förderzentrum besonders wertvoll, weil er neue Perspektiven auf sonderpädagogische Förderung eröffnet und den Blick über das eigene System hinaus schärft. Gerade im Hinblick auf inklusive Entwicklungen und lebenspraktische Förderung können wir voneinander lernen und profitieren.

BJR: Wie hast du die Sonderschulen in Wien erlebt?

Irma Kasimi: Ich war tief beeindruckt. Die Vielfalt der Stadt spiegelt sich in den Schulen wider. In den drei Sonderschulen, die ich besuchen durfte, habe ich erlebt, wie stark ein diverses Team wirken kann. Die unterschiedlichen Förderkonzepte haben mir viele neue Impulse gegeben und gezeigt, wie inspirierend der Austausch und eine zukünftige Zusammenarbeit sein können.

BJR: Warum hast du an der Erkundungsfahrt teilgenommen und was nimmst du mit?

Romina Matzel: Ich habe an der Erkundungsfahrt teilgenommen, weil ich neugierig auf andere sonderpädagogische Konzepte war und den Austausch mit den Kolleg:innen aus Österreich als große Bereicherung empfinde.

Irma Kasimi: Mein Ziel war es, einen passenden Ort für ein zukünftiges Erasmus-Projekt für unsere Schülerinnen und Schüler zu finden. Mir war wichtig, dass sie sich dort wohlfühlen und gleichzeitig Herausforderungen erleben und neue Sichtweisen einnehmen können. Die Fahrt hat mir gezeigt, dass ein Austauschprojekt eine große Chance für unsere Schülerinnen und Schüler ist. Für mich war diese Reise sowohl persönlich als auch beruflich sehr bereichernd.

BJR: Was erhoffst du dir konkret für deine Schülerinnen und Schüler?

Romina Matzel: Dabei erhoffe ich mir durch einen internationalen Austausch jungen Menschen mit Förderbedarf neue Lernräume zu eröffnen, interkulturelle Erfahrungen zu ermöglichen und ihre sozialen, kommunikativen und lebenspraktischen Kompetenzen in einem realen, motivierenden Kontext zu stärken. Zumal die Möglichkeiten und Chancen den eigenen Horizont zu erweitern, oftmals, begrenzter sind.

Irma Kasimi: Ich wünsche mir, dass sie die Möglichkeit bekommen, ihren Horizont im wahrsten Sinne des Wortes zu erweitern. Sie können eine neue Stadt entdecken, neue Menschen kennenlernen und erleben, dass sie trotz ihrer Einschränkungen viel erreichen können. Ein Austausch kann ihnen zeigen, wie stark, selbstständig und mutig sie sind. Diese Erfahrung kann ihr Selbstbild und ihr Leben langfristig positiv beeinflussen.

Ein Plakat mit dem österreichischen Gebärdensprache-Alphabet

BJR: Wie geht es für dich nach der Erkundungsfahrt weiter?

Romina Matzel: Nach der Erkundungsfahrt möchte ich die Impulse in mein Kollegium tragen, konkrete Austauschformate mitentwickeln und Austauschprojekte mitgestalten. Ich sehe großes Potenzial in einer langfristigen Kooperation.

Irma Kasimi: Ich möchte den Austausch auf jeden Fall weiter vorantreiben. Der internationale Blick motiviert mich, neue Ideen auszuprobieren und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen in Wien Wege zu finden, die unseren Schülerinnen und Schülern zugutekommen. Ich werde mich dafür einsetzen, diese Chance weiterhin zu nutzen.

BJR: Was gefällt dir an der Zusammenarbeit mit den österreichischen Kolleginnen und Kollegen?

Romina Matzel: Die Zusammenarbeit mit den österreichischen Kolleg:innen ist geprägt von Offenheit, gegenseitigem Respekt und einem gemeinsamen Ziel: Voneinander lernen, innovative sonderpädagogische Ansätze teilen und gemeinsam inklusive Bildungsprozesse weiterentwickeln – über Ländergrenzen hinweg.

Irma Kasimi: Ihre Herzlichkeit hat mich tief berührt. Ich fühlte mich sofort willkommen. Der offene Austausch und ihr echtes Interesse haben mir gezeigt, wie viel Wärme und Engagement in unserer Arbeit steckt.

Weitere Links:

Romina Matzels Bericht auf der Schulwebsite der Altmühlfranken-Schule