Ein Mann auf einer Leiter skizziert wichtige Erfolgsfaktoren an eine Wand.

Werkzeugkasten: Aktionen und Beteiligung

#junggerecht will zeigen was bayernweit in den Kommunen bereits zu Jugendbeteiligung und Politik passiert. Auf dieser Seite finden sich Praxisbeispiele und Beteiligungsformate, die vor Ort erfolgreich sind. Geeignet zum Nachahmen und Ausprobieren.

Zum Nachmachen

Litfaßsäule aus Kartons

Materialaufwand:
Mehrere Kartons in verschiedenen Größen, wasserfeste Marker, Logos ( ausgedruckt auf festem Papier), Kleber, Teppichmesser, ein Schirmständer (zur Stabilisierung), Steine (zum Beschweren).

Ziel:
Forderungen von Jugendlichen sichtbar machen.        

Anleitung:
Überlegt welche Forderungen ihr Parteien und Wählervereinigungen in eurer Stadt oder Gemeinde mitteilen wollt. Versucht diese Forderungen in wenigen Worten zu formulieren und aufzuschreiben, damit sie besser lesbar und verständlich sind. Beschriftet dann die Seiten der Kartons mit diesen Forderungen. Bitte nicht die Klappdeckel, die sieht man später nämlich nicht. Zum Beispiel könnt ihr die Seiten mit einem Marker beschriften oder ihr druckt die Forderungen aus und klebt sie auf den Karton. Das gleiche macht ihr mit einem Logo, falls ihr eines habt. Alternativ könnt ihr euren Teamnamen schreiben oder einfach "Eure Jugendlichen".

Wenn ihr damit fertig seid, dann könnt ihr den ersten Karton über die Stange des Schirmständers stecken. Wenn sich der Karton zu sehr verformt beim Schließen, dann schneidet einfach eine Öffnung aus. Den zweiten Karton setzt ihr auf den ersten und beschwert ihn mit ein oder zwei Steine. So werden auch alle weiteren Kartons beschwert. Achtet darauf, dass der Turm nicht umfällz. Hierbei helfen euch die Steine und dass auch der oberste Karton im Schirmständer steckt.

Organisatorisch:
Für den Kartonturm benötigt ihr unbedingt eine Genehmigung, um keine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Zum Beispiel könnt ihr den Turm über einen Infotisch beantragen, da er nur eine begrenzte Zeit stehen soll. Einen Infotisch könnt ihr in eurer Gemeinde- oder Stadtverwaltung anmelden. Ihr solltet in der Durchführungszeit ein Auge eure Litfaßsäule haben und achtet darauf, dass er stabil steht.

Quelle: Wolfgang Nafroth PR & Kommunikationsberatung

Plakatserie

Materialaufwand:
Kartons mit Seitenmaßen von ca. 50x100 mm, wasserfeste Marker, Logos (ausgedruckt), Kleber, Teppichmesser, Kabelbinder. Alternativ könnt ihr auch am Rechner ein DinA1-Plakat gestalten und ausdrucken.  Zudem braucht es Tapetenkleister und Pinsel.

Ziel:
Forderungen von Jugendlichen sichtbar machen.

Anleitung:
Zuerst überlegt ihr euch eure Forderung, denn diese steht im Mittelpunkt dieser Aktion und ist am Ende der Plakatreihe zu lesen. Für diese Plakatserie braucht ihr drei bis vier Plakate, die groß genug sind, dass man sie auch beim Vorbeifahren lesen kann. Hierfür schneidet ihr einen Karton auseinander (oder ihr gestaltet das Plakat im Vorhinein und gebt es in den Druck). Zur Unterstützung eurer Forderung müsst ihr euch nun simple Aussagen überlegen, denen man gut zustimmen kann. Danach könnt ihr weitere Personen aus eurem Ort fragen, ob sie diese Forderung mit ihrem Namen unterstützen würden. Achtet darauf, dass ihr verschiedene Menschen auf den Plakaten zeigt, also Frauen und Männern und Personen und auch Personen aus mittlerer und älterer Generation.

Beispiel
Nun ganz praktisch... Wenn eure Forderung ist "Wir wollen einen Jugendtreff", dann könnte eure Plakatreihe so aussehen:
Plakat 1: "Die Jugendlichen sollen sich bei uns im Ort wohlfühlen," Heinz, 68 Jahre.
Plakat 2: "Sie treffen sich immer draußen und wenn es kalt wird, wo gehen Sie dann hin?" Birgit, 35 Jahre.
Plakat 3: "Wir wollen einen Jugendraum, um uns auch ungestört treffen zu können," Eure Jugendlichen.

Die Plakate hängt ihr in einer Reihe auf mit einem Abstand von mindestens 20 Metern. Am besten in einem Bereich, der verkehrsberuhigt ist, also  dass man die ganze Reihe sieht.

Organisatorisch:
Viele Gemeinden bzw. Städte haben Plakatverordnungen, erkundigt euch im Rathaus zuvor, ob ihr das Plakatieren genehmigen lassen müsst und ob es hier Besonderheiten gibt. Wenn ihr eure Serie außerhalb des Ortes aufhängen wollt, müsstet ihr erstmal klären, wer für diese Straße zuständig ist. Bei Staats- und Landstraßen muss man etwa bei der Regierung eines Bezirks nachzufragen, bei Kreisstraßen im Landratsamt. Wichtig ist, dass die Plakate den Verkehr nicht behindern. Die Plakate an Laternenmasten oder an Verkehrsschildern anzubringen kann eine gute Möglichkeit sein, aber sie dürfen nicht in den Straßenbereich ragen oder die Sicht an einer Ausfahrt behindern, erkundigt euch also auch hier vorher was Sinn macht.

Quelle: Wolfgang Nafroth PR & Kommunikationsberatung

Klebenotizzettel

Materialaufwand:
Notizklebeblock, Stifte

Ziel:
Forderungen und Themen von Jugendlichen sichtbar machen.

Anleitung:
Diese Aktion eignet sich perfekt, wenn ihr mehrere Forderungen habt oder viele Argumente für eure Forderung. Eine Methode, die sich sich gut in Gebäuden oder auch an Fußwegen, Bushaltestellen und gut frequentierten Orten einsetzen lässt. Auf jedes Klebeblockblatt kommt ein Satz und der Name eurer Gruppe. Wenn ihr fertig mit euren Beschriftungen seid, könnt ihr euch eine Strecke oder die Plätze aussuchen, auf der ihr die Zettel anklebt. Wunderbar eignen sich unter anderem Sitzmöglichkeiten, gut frequentierte Wege etwa zum Rathaus, Kirche, Wirtshaus oder ähnliches. Auch in Gebäuden z.B. am Tag einer Ratssitzung im Rathaus oder an Elternsprechtagen in Schulen sind dies gute Möglichkeiten eure Themen zu setzen.
 

Organisatorisch:
Die Aktion muss man nicht genehmigen lassen. Die Klebeblätter sind einfach wieder zu entfernen, falls sie doch mal runterfallen entsteht auch eine relativ geringe Verschmutzung. Aber aus ökologischer und nachhaltiger Sicht, solltet ihr eure Klebezettel einfach am Folgetag aufräumen.

Quelle: Wolfgang Nafroth PR & Kommunikationsberatung

Luthers Thesenschlag

Materialaufwand:
PC, Papier, Drucker und Tesafilm,

Ziel:
Forderungen und Themen von Jugendlichen sichtbar machen.

Anleitung:
Diese Aktion eignet sich perfekt, wenn ihr mehrere Forderungen habt. Man kann sie zum Beispiel an Eingangstüren zentral platzieren. Für die Aktion müsst ihr euch eure Forderungen überlegen und die Formulierungen sehr knapp halten. Die einzelnen Seiten könnt ihr zum Beispiel in einem einheitlichen Design entwerfen, etwa in eine Schriftrolle und dann eure Forderungen reinschreiben.
Die einzelnen Blätter kann man an einer ausgewählten Türe nebeneinander und übereinander hängen, um neugierig zu machen.

 

Flashmob

Materialaufwand:
Accounts in Sozialen Netzwerken

Ziel:
Forderungen und Themen von Jugendlichen sichtbar machen.

Anleitung:

Von einem Flashmob spricht man, wenn sich zu einer bestimmten Zeit und an einem ausgewählten Ort mehr als zehn Personen treffen, die in Aktion treten. Also etwa sind, Musik machen oder tanzen. Hier kann man gut mit Schildern oder durch Sprechgesang die eigenen Forderungen deutlich machen. Ein Flashmob lebt von der Überraschung und der starken Beteiligung, um wahrgenommen zu werden. Deswegen braucht es hier eine gute Organisation und Kommunikation im Vorfeld. Für den Zeitpunkt und den Ort bieten sich zudem besondere Veranstaltungen an, z.B. ein Bürgerfest oder eine Aktion auf einem Marktplatz, der gut frequentiert ist.

Organisatorisch:
Ein Flashmob muss nicht angemeldet werden, da es nur ein kurzes Ereignis ist. Für den Flashmob benötigt ihr mind. eine Gruppe von zehn Personen, die sich im Vorfel in Sozialen Netzwerken verabredet haben und sich ein Thema ausgesucht. Ob das Thema zieht, hängt vor allem von seiner Sog- und Aussagekraft an und kann sich sehr schnell über verschiedene Kommunikationskanäle verbreiten.

Forderungskatalog

Materialaufwand:
PC, Drucker, Papier

Ziel:
Forderungen und Themen von Jugendlichen komprimiert darstellen.

Anleitung:
Diese Aktion eignet sich um euch mit den Inhalten kommunaler Politik und deren Bedeutung für euch auseinanderzusetzen und für euch zu entwickeln was ihr haben wollt. Diese Liste könnt ihr auch dem Gemeinde- oder Stadtrat übergeben oder andere Methoden aus der Toolbox benutzen, um einzelne Themen darzustellen.
Die aufgeführten Kategorien und Punkte sind nur Beispielfragen, es müssen nicht so viele sein, aber ihr müsst natürlich für euch herausfinden was euch wichtig ist.

Mehrere Kategorien sind von besonderer Bedeutung:

  • Öffentlicher Raum

    • Welche Plätze, Parks und Orte werden von jungen Menschen besucht und sind diese attraktiv?
    • Dürft ihr euch überall aufhalten oder versuchen Leute euch zu vertreiben?
    • Welche Spielplätze, öffentlich zugängliche Sportplätze, Dirtbikebahn, Boulder- und Parkourbereiche, gibt es für Kinder und Jugendliche?
    • Gibt es Grillplätze oder Feuerstellen?
    • Sind genügend attraktive Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum vorhanden?
    • Gibt es Wifi und USB-Ladestationen an öffentlichen Bereichen?
       

  • Räume für junge Menschen

    • Gibt es Jugendtreffs, \-zentren und Jugendräume für Jugendverbände, \-vereine für junge Menschen oder werden neue benötigt?
    • Welche Ausstattung ist in den Räumen für Jugendliche und junge Erwachsene vorhanden? Was braucht es?
    • Gibt es WLan in den Räumen für junge Menschen?
       

  • Partizipation

    • Gibt es einen Jugendrat, Jugendparlament, Jugendforum?
    • Gibt es Jugendbefragungen zu Wünschen z.B. bei Neugestaltung von Bereichen und Neubaugebieten?
    • Gibt es Jungbürgerversammlungen oder Zukunftswerkstätten?
       

  • Jugendarbeit

    • Wird die Jugendarbeit bei euch gefördert durch Räume oder finanzielle Mittel?
    • Bekommen Gruppenleiter_innen eine Anerkennung für ihr Engagement?
    • Hat die Kommune eigenes Personal für die Jugendarbeit?
    • Welche Angebote in der Jugendarbeit wünscht ihr euch?
    • Unterstützt die Kommune die Jugendarbeit?
       

  • Verkehr und Mobilität

    • Gibt es gute Bus/Bahnanbindung zu Orten an denen Freizeitangebote sind?
    • Gibt es vergünstigte ÖPNV-Tickets?
    • Gibt es Mitfahrgelegenheiten (Rufbus, Mitfahrbänke, Taxi-Gutscheine)? 
    • Kommt man gut zur Schule und wieder zurück?
    • Fahren Buse bzw. Bahnen oft genug, auch am Abend?
    • Gibt es sichere Radwege?
    • Sind ausreichend Fahrradstellplätze vorhanden?
    • Ist der Bahnhof, falls vorhanden, barrierefrei erreichbar?
       

  • Nachhaltigkeit

    • Wie sieht die Mülltrennung, Plastikeinsatz der Gemeinde und Fair Trade aus?
    • Gibt es Elektroladestationen für Fahrräder und andere Fahrzeuge?
    •  Gibt es Blühwiesen und geschützte Bereiche für Tiere?
    • Gibt es Streuobst und Ernterecht für Bürger oder sind Bäume und Sträucher bei www.mundraub.org registriert?
       

  • Bildung

    • Gibt es internationale Jugendaustauschprogramme?
    • Gibt es Workshopangebote für Kinder und Jugendliche?
       

  • Wohnen

    • Gibt es Wohnraum für junge Menschen (Singlewohnungen)?
    • Gibt es Bauplätze für junge Familien?
       

  • Kultur

    • Gibt es Graffitiwände?
    • Gibt es Jugendveranstaltung (Poetry Slam, Konzerte, Livemusik)?
    • Gibt es Kunst-, Tanz-, Bastel- und Kreativangebote?
    • Gibt es Bandübungsräume?
    • Gibt es Jugendkultureinrichtungen?
       

  • Soziale Themen

    • Gibt es Fördermittel für inklusive Umgestaltung von Bars bis Einkaufsmöglichkeiten?
    • Gibt es Bezuschussung von Jugendfreizeiten für Teilnehmer mit besonderen Bedarfen(z.B. Menschen mit Behinderung)?
    • Braucht es besondere Hilfestellungen/Unterstützungsangebote für junge Menschen in der Kommune?

Organisatorisch:
Wenn ihr es dem Gemeinde- oder Stadtrat übergeben wollt. Hierfür gibt es am Ende einer Ratssitzung in vielen Orten eine Runde in der die Bürger_innen sprechen dürfen. Dort könntet ihr es vorlesen und dann die Liste abgeben.

Demokratie-Bildung üben

Das eigene Parteiprogramm

Materialaufwand:

Schreibmaterial, große Plakate, Pinnwände oder Tafel

Ziel:

Ursprung und Konzept von politischen Parteien nachvollziehen, Kompromisse zwischen verschiedenen Interessen finden.

Anleitung:

Im Vorfeld muss eine inhaltliche oder geschichtliche Einführung zum Parteibegriff erfolgen. Definition einer Partei, demokratische Grundprinzipien, was muss eine Partei erfüllen um zur Wahl stehen zu dürfen, wie viele Gründungsmitglieder muss es mindestens geben?

Einleitende Fragestellung in der Gruppe: Welches Thema ist mir sehr wichtig oder meiner Meinung nach in der derzeitigen Parteienlandschaft nicht oder unzureichend abgebildet? Es kann auch um ausgedachte Themen gehen, die nicht ernsthaft wichtig sind. Wofür würde ich mich mit meiner Partei einsetzen, was sind meine Ziele, meine Vision der Gesellschaft, meine ersten Schritte und meine Forderungen? Die Ergebnisse werden auf großen Plakaten oder der Tafel zusammengefasst. Wichtig ist, dass am Ende mindestens zwei Parteien entstehen.

Besprechung: In der großen Gruppe wird noch gemeinsam entwickelt, was in ein Parteiprogramm hineingehört (Ziel, Werte, Grundsätze, Hauptmaßnahmen). Ergebnisse der Methoden „Stammtisch“ und „Traumstadt“ können gegebenenfalls mit verwendet werden, jede_r Teilnehmer_in macht sich Gedanken zu eigenen Träumen und Kritikpunkten, zu Dingen die im Programm stehen sollen und welche auf gar kein Fall.

Die Teilnehmer_innen finden sich selbstständig in Interessensgruppen zusammen, um Parteien gründen zu können. Dort stellen sie sich gegenseitig ihre Kritikpunkte und Wünsche vor. Es wird überlegt, wie die verschiedenen Ziele und Wünsche in einem gemeinsamen Parteiprogramm eingebaut werden können, so dass alle Beteiligten dahinter stehen. Stichpunktartig werden die Hauptforderungen, Ziele, Werte, Grundsätze und Maßnahmen festgehalten und unterschrieben.

Quelle: U18 Methodensammlung

Der eigene Wahlkampf

Materialaufwand:

Schreib- und Bastelmaterial, große blanko Plakate, Bilder aus Zeitungen/Katalogen, dicke Filzstifte, Auswahl von aktuellen und ggf. alten Kampagnenmaterialien politischer Parteien, PC

Ziel:

Einzelne Etappen des Wahlkampfes und der Wahl nachvollziehen.

Anleitung:

Diese Methode kann als Fortsetzung der Methode „das eigene Wahlprogramm“ verstanden werden, die Gruppen bleiben ggf. bestehen. Sie sind das Wahlkampfteam für ihre fiktive Partei. Jede Kleingruppe hat nun folgende Aufgaben:

Schritt 1 – öffentlicher Auftritt. Dabei sollten folgende Fragen in der Kleingruppe bearbeitet werden: Name der Partei (darf ruhig lustig sein), Name der Spitzenkandidatin/des Spitzenkandidaten, wichtigste drei Ziele, Motto der Partei, Parteilogo

Schritt 2 – Wahlversprechen. Wahlversprechen sind große Ankündigungen, die an die Wähler_innen adressiert werden. Sie sollen auch Wähler_innen, die sich nicht mit dem Parteiprogramm beschäftigen, überzeugen können. Die Kleingruppen denken sich Wahlversprechen aus. (z.B. Wenn Sie uns wählen, bekommt jedes Kind von uns ein großes Eis!)

Schritt 3 – Das Wahlplakat. Ein gutes Wahlplakat ist wichtig, denn nicht jede_r Wähler_in liest das Wahlprogramm. Das vorher erarbeitete Wahlversprechen muss auch auf dem Plakat wieder zu erkennen sein. Wie wichtig ist das Aussehen und die Wirkung der/des Kandidatin_en? Was spricht dafür oder dagegen, die Person zu zeigen? Was muss man ausstrahlen? In der Gruppe wird ein Plakat gestaltet. Mit ihm soll die Idee der Partei rübergebracht werden. Als Vorlagen und zum Verständnis können echte Wahlplakate dienen.

Schritt 4 – Wahlkampf. Zu Wahlkampfzeiten sind sie nicht wegzudenken: die ständige Präsenz der Kandidierenden auf allen Social Media Kanälen und die Infostände der Parteien in Fußgängerzonen. Jede Partei wirbt lautstark für ihre Ideen. Dies soll nun auch im Klassenraum und im Schulgebäude geschehen. Die Parteigruppen richten sich einen kleinen Stand ein. Ist alles aufgebaut, können die Schüler_innen umhergehen und sich die Stände der anderen Parteien anschauen. Immer ein_e Schüler_in bleibt am Stand und versucht, die Passanten zu überzeugen.

Quelle: U18 Methodensammlung

Umgang mit Printmedien

Materialaufwand:

verschiedene Zeitungen (politische Ausrichtungen/ Themen/ Zielgruppen), Scheren, Kleber, Plakate

Ziel:

Die Teilnehmer_innen machen sich Gedanken zur Vermittlung und Wirkung von Nachrichten.

Anleitung:

Es werden große Überschriften in einzelne Worte zerschnitten und aus den Wort- oder Satzelementen werden neue Überschriften zusammengestückelt. Welche Ideen zu Geschichten kommen durch die neuen Überschriften zustande? Es können ggf. auch Fantasiegeschichten erfunden werden.

Zur Diskussion: Welche Wirkung hat die Wortwahl und Form auf die Leser_innen? Mit welchem Ziel formuliert man etwas eher auf die eine oder andere Art? Gibt es in unterschiedlichen Zeitungen Artikel zu demselben Thema/Ereignis? Wie unterschiedlich wurden die Gegebenheiten beschrieben?

Schlüsselfragen: Welche Artikel lassen sich leichter lesen, sind interessanter, was passiert bei den Leser_innen emotional? Was bedeutet das für die Meinungsbildung? Warum ist es so anstrengend, einen Artikel zu lesen mit dem ich nicht einer Meinung bin? Wie informiert man sich am besten/neutralsten?

Quelle: U18 Methodensammlung

Argumentationsübung

Materialaufwand: -

Ziel:

Logische Zusammenhänge zwischen politischen Äußerungen, Thesen, Mottos und dem dahinterstehenden alltäglichen Leben nachvollziehen. Nach Schlüsselargumenten suchen, die die Meinung und Entscheidung der Anderen beeinflussen.

Anleitung:

In Gruppenarbeit oder als Einzelkandidat_in auf der Suche nach Followern werden Begründungsschemen entwickelt, die auf eine schmissige These hinauslaufen. Die Begründung sollte fünf Sätze lang sein, die Idee hinter der These logisch abbilden und einer Publikumsgruppe vorgestellt werden. Das Publikum (oder eine „gegnerischen Position“) hinterfragt die Begründung auf ihre Stichhaltigkeit. Anschließend kann (wenn gewollt) eine Entscheidung für oder gegen die These getroffen werden.

Beispiel Arbeitsauftrag:

Bildet zu dem Satz: "Wählen gehen!" ein aus insgesamt fünf Sätzen bestehendes Begründungsschema. Warum sollten alle wählen gehen? Probiert eure Begründungen aus. Welche Argumente sind am überzeugendsten?

Mögliche Lösung: Der Jugendtreff in unserem Stadtviertel soll geschlossen werden. Das Freizeitangebot nimmt ab, die Kinder und Jugendlichen sind auf sich gestellt oder müssen von den Eltern in den weiter entfernt liegenden gebracht werden. Risiken: Langeweile, keine eigenen selbstbestimmten Orte für die Freizeit, Freundschaften werden auseinander gerissen, Jugendliche finden ihre eigene Stadt doof. Eine Abgeordnete der Partei XY setzt will sich für den Erhalt des Jugendtreffs einsetzen. Also bei der nächsten Kommunalwahl: Wählen gehen!

Für Übungen und Material zu Debatten, Argumentation und Struktur.

Quelle: U18 Methodensammlung

Meine Traumstadt

Materialaufwand:

Schreibmaterial, Pinnwand, Moderationskarten

Ziel:

Sich der eigenen Ideen, Wünsche, Visionen und Themen bewusst werden. Mitgestaltung als greifbare Idee angehen, wenn auch anfangs eher fantasievoll

Anleitung:

Ausgangsfrage: Wenn du Bürgermeister in deiner Stadt oder deinem Ort wärst, was würdest du alles für die Kinder tun? Du hast so viel Geld wie du brauchst, darfst alles bauen. Nichts ist unmöglich.

Die Entwicklung einer Traumstadt erfordert viel Kreativität und freies Denken. Miesmacherische Hintergedanken stören nur und sollten ausgeklammert werden: „Das geht doch eh nicht! Da macht sowieso keiner mit! Das wird doch nie erlaubt! Das ist zu teuer! Das ist viel zu viel Arbeit!“ Wenn sich bewusst in eine Fantasiewelt begeben wird, ist es leichter, die Gedanken fließen zu lassen. Dafür kann es helfen, einen verrückten Hintergrund als Ausgangspunkt zu geben. So könnte die Traumstadt z.B. für einen verrückten Professor aus der Zukunft gestaltet werden. Je verrückter, desto besser.

Traumreisen können in Verbindung mit der Traumstadt auch eine Hilfestellung sein, sind allerdings nicht in jedem Klassenverband möglich. Lehrer, die bereits Erfahrungen mit Traumreisen haben, können mit den Kindern zusammen eine Reise in ein fernes Land machen. Einem Land, wo z.B. die Kinder an der Macht sind. Dort können ebenfalls Ideen für die Traumstadt gesammelt werden.

Anstelle einer Traumreise lässt sich aber auch gut ein Einstieg mit klassischem Brainstorming finden. Dazu können die Kinder Fragen beantworten wie

Was machst du am liebsten in deiner Freizeit? Was sollte es zu Essen geben? Welches neue Unterrichtsfach würdest du erfinden? Welche Tiere gehören in die Stadt und wie und wo leben diese?

Die Träume und Wünsche werden stichpunktartig dokumentiert und an einer Pinnwand gesammelt. Im Transfer zur Realität kann gemeinsam reflektiert werden, welche Traumstadt-Themen am Wichtigsten wären.

Quelle: U18 Methodensammlung

Stiller Dialog

Materialaufwand: Papier, Stifte, Klebeband

Ziele:

Inhaltliche Vorbereitung auf das Zusammentreffen mit Politiker_innen. Alle Beteiligten können sich zu vorgegebenen Themen ohne gesprochene Sprache austauschen. Vorwissen, Assoziationen und Fragen der Gruppe werden gesammelt, Dauer 20 bis 30 Minuten, Mindestens 10 Teilnehmende, ab 12 Jahren

Anleitung:

Tische in der Anzahl der Themen werden mit jeweils einem großen Blatt Papier, auf dem in der Mitte ein Begriff oder ein Zitat steht bzw. eine Karikatur gemalt ist, belegt.

Die Teilnehmer_innen bewegen sich nun frei im Raum und erkunden die Plakate. Sie sollen sich die Texte, Zitate, Karikaturen durchlesen bzw. anschauen und die Gedanken, die ihnen dabei durch den Kopf gehen, auf das Papier schreiben oder zeichnen. Natürlich kann und soll auf diese Gedanken mit weiteren Assoziationen reagiert werden. So entstehen in kürzester Zeit Gedankenketten. Es sollte unabhängig von der Größe der Gruppe darauf geachtet werden, dass alle die Möglichkeit haben, dem Dialog zu folgen und sich einzubringen.

Anschließend werden die Plakate für alle gut sichtbar aufgehängt und die Teilnehmenden haben nochmals die Möglichkeit herumzugehen und die Ergebnisse durchzulesen.

Anmerkungen: Die Moderation sollte darauf hinweisen, dass auf die Eintragungen der anderen reagiert werden soll, nur Weglöschen oder Unkenntlichmachen einer Äußerung ist nicht erlaubt.

Quelle: Bundes Jugend Vertretung Österreich, Toolbox "Jugend Europa Politik"

Die Insel - Wir entwerfen eine Verfassung

Materialaufwand: Stifte, (Flipchart)Papier

Ziele:

Gesellschaftliche Entscheidungsmechanismen, Ressourcenverteilung und Arbeitsteilung in einer fiktiven Situation thematisieren und konkret gestalten, Dauer 60 bis 85 Minuten, 9 bis 30 Personen, ab 12 Jahren

Anleitung:

Die Teilnehmenden werden in etwa gleich große Kleingruppen aufgeteilt (3-6 Personen). Jede Gruppe erhält ein Arbeitsblatt, das die Ausgangssituation beschreibt (Schiffbruch, Beschaffenheit der Insel, vorhandene Ressourcen) sowie drei Fragen beinhaltet, die im Rahmen der Verfassung beantwortet werden sollen (Entscheidungsfindungsmechanismus, Ressourcenverteilung, Aufgabenteilung, Sanktionen bei Regelverstoß).

Die Gruppen haben nun die Aufgabe, die auf dem Arbeitsblatt gestellten Fragen gruppenintern zu thematisieren und die Ergebnisse als Verfassung auf einem Flipchart festzuhalten. Danach präsentieren die einzelnen Gruppen ihre Inselverfassung. Die Verfassungen werden sich merkbar voneinander unterscheiden. In der einen Gruppe gilt womöglich der Konsens als Entscheidungsmechanismus, in einer anderen wird die Mehrheit entscheiden und in einer weiteren Gruppe gibt es womöglich eine/einen Anführer_in, die/der alle Entscheidungen trifft. Die Sanktionen können von Wiedergutmachung über abgestufte Strafen bis hin zum Gruppenausschluss bzw. der Inselverbannung reichen. Ähnlich große Unterschiede wird es bei der Aufgaben- und Ressourcenaufteilung geben.

Den Abschluss der Übung bildet eine ausführliche Reflexion in der Gesamtgruppe. Bei der Reflexion geht es darum, die grundlegenden Elemente des Zusammenlebens (Mechanismus zur Entscheidungsfindung bzw. Herrschaftsform inkl. Sanktionen, Ressourcenverteilung und Aufgabenteilung) in einer Gesellschaft herauszuarbeiten und zu analysieren, wie diese zustande kommen und welche Vor- und Nachteile sie bergen. Dabei können stets die Erfahrungen der Teilnehmenden auf ihrer Insel mit der realen Gesellschaft verglichen werden bzw. Anknüpfungspunkte genutzt werden.

Leitfragen zur Reflexion: Entspricht der Mechanismus zur Entscheidungsfindung, der in eurer Verfassung steht, der Art, wie ihr während der Übung tatsächlich Entscheidungen getroffen habt?; Wie nennt man diese Formen der Entscheidungsfindung bzw. wo finden sie sich in der realen Welt wieder? Z.B. Basisdemokratie, repräsentative Demokratie etc.; Welche Vor- und Nachteile bergen diesen Mechanismen?; Wie sind sie zustande gekommen?; Welche Art von Arbeitsteilung bzw. welche Elemente davon, die ihr auf euren Inseln anwendet, lassen sich in der Gesellschaft tatsächlich verorten? Z.B. Spezialisierung, Arbeit, die dem Überleben und Arbeit, die dem Zusammenleben dient; geschlechtsbezogene Arbeitsteilung, Abwechslung der Aufgaben etc.; Welche Vor- und Nachteile hat welche Art von Arbeitsteilung?; Wie kommen Arbeitsteilungen in einer Gesellschaft zustande?); Welchen Einfluss hatte die besondere Herausforderung auf die Entstehung und den Inhalt eurer Verfassung?; Welche Elemente eurer Sanktionsregime finden sich im deutschen System wieder?

Quelle: Bundes Jugend Vertretung Österreich, Toolbox "Jugend Europa Politik"

Zielscheibe

Materialaufwand:

Plakate, Filzstifte, Klebepunkte

Ziel:

Visualisierte Überprüfung von Versprechen und Zielvorgaben mittels einer Zielscheibe. Gut geeignet als Diskussionsgrundlage und zur Reflexion der Wahrnehmung einer Aktion oder einer Situation durch die Teilnehmenden.

Anleitung:

Auf verschiedenen Plakaten werden Zielscheiben aufgemalt. In der Mitte ist 100% getroffen, je weiter es an den Rand geht, umso schlechter ist das Ziel erfüllt. Auf jedem Plakat steht noch einmal das Thema bzw. die Fragestellung. Die Jugendlichen gehen umher und kleben mit Klebepunkten ihre Meinung zu jedem Ziel auf die Scheiben. Möglich ist es auch, dass sich bereits hier die Politiker_innen beteiligen und ebenfalls kleben, dann aber am besten erst im Anschluss an die Jugendlichen. Anschließend werden die einzelnen Zielscheiben besprochen. "Ausreißer" sind besonders interessant.

Quelle: Landesjugendring Niedersachsen

Cook & Talk

Materialaufwand:

Lebensmittel fürs Kochen, Getränke, Sitzmöglichkeiten

Ziel:

Im eigenen Umfeld und in lockerer Atmosphäre kommt ihr mit Politiker_innen ins Gespräch. Es geht darum eigene Interessen zu vertreten und Politiker_innen für Jugendthemen zu sensibilisieren.

Anleitung:

Zuerst überlegt Ihr Euch, wen Ihr schon immer mal einladen oder kennen lernen wolltet. Am besten natürlich ein Politiker oder eine Politikerin aus Eurer Region, die auch für Euch zuständig ist. Dann könnt Ihr nämlich ganz konkret Fragen und Wünsche an die richtige Stelle bringen. Überlegt Euch, wo Ihr kochen wollt und vor allem was. Ein Tipp: nehmt ein einfaches Gericht, denn schließlich soll der Talk im Vordergrund stehen und nicht das Füllen des Truthahns. Nun geht’s an die Einladung. Nur Mut, die Erfahrung zeigt, dass Entscheidungsträger_innen durchaus bereit sind, an solchen ungewöhnlichen Aktionen teilzunehmen. Zumal, wenn sie sich im Wahlkampf befinden. Kauft alle Lebensmittel ein und macht Eure Aktion publik, denn nicht nur die Köche sollen miteinander reden, sondern auch das hoffentlich zahlreiche Publikum. Ladet ruhig auch die regionale Presse ein, der Bürgermeister am Kochtopf oder die Bundestagsabgeordnete mit dem Nudelsieb sind immer gern gesehene Bilder.


Sonstiges:

Es kann schwierig sein, einen passenden Raum zu finden, wo man in einer Gruppe zusammen kochen kann. Keine Sorge, ihr könnt auch einfach zusammen grillen oder ein Picknick vorbereiten. Seid kreativ!

Quelle: Cook & Talk

Come in contract

Materialaufwand: Papier, Stifte

Ziele:

Gespräche mit Politiker_innen sind schön und gut und auch nicht wirklich ungewöhnlich. Die Methode Come in Contract knüpft da an, wo "normale" Aktionen aufhören. Eine gemeinsame Vertragsunterzeichnung bringt mehr Verbindlichkeit in die getroffenen Absprachen. Die Inhalte und Orte der Vereinbarungen sind dabei ganz unterschiedlich - Eurer Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt.

Anleitung:

Überlegt Euch zuerst, wo der Schuh drückt: wollt Ihr mehr Mitspracherecht an Eurer Schule oder mehr Ausbildungsplätze in Eurer Region? Alle Themen und Wünsche sind vorstellbar. Nun geht’s daran, einen netten Rahmen für die Vertragsunterzeichnung zu schaffen. Ladet die Bürgermeisterin, den Wahlkreiskandidaten, die Schulleiterin oder den Wirtschaftsboss zu Euch ein. Wichtig ist, von Eurem Gegenüber etwas zu fordern. Überlegt Euch auch, was Ihr quasi als Gegenleistung erbringen wollt. Gerade in Wahlkämpfen sind viele Politiker_innen bereit, sich auf solche Aktionen "einzulassen", denn auch Jugendliche sind (potenzielle) Wähler_innen und somit eine interessante Zielgruppe. Vergesst auch hier nicht, Eure Aktion in der Presse bekannt zu machen und durch Aktionen (z.B. einen Stand in der Stadt) auf Eure Vertragsunterzeichnung aufmerksam zu machen. So könnte die Vertragsunterzeichnung z.B. das Highlight Eurer Polittour sein - Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Quelle: Deutscher Bundesjugendring

Durch unsere Augen sehen

Materialaufwand:

Digitalkamera, evtl. Laptop, Beamer und Leinwand, Fotos groß ausgedruckt

Ziele:

Sensibilisierung von Politikern oder Angestellten für die Belange von Kindern und Jugendlichen über Visualisierung über Fotos und Diskussion der Lebenswelten und Problematiken.

Anleitung:

Kinder und Jugendliche gehen umher und fotografieren in ihrer Augenhöhe und "in ihrem Blick" die Plätze und Orte, an denen sie sich aufhalten, bzw. "Missstände", die sie aufzeigen wollen.

Diese Bilder werden bei einem Treffen mit den Politiker_innen oder Stadtangestellten gezeigt und diskutiert. Einige Meinungen und Äußerungen der Gäste werden auf Plakaten mitgeschrieben. Die Politiker_innen oder Stadtangestellten sollten sich konkret zu einigen Problemen positionieren und Lösungsansätze nennen. Die Gäste sollen so für die Belange der Jugendlichen und deren Wahrnehmungen sensibilisiert werden.

Quelle: Landesjugendring Niedersachsen

Bauplanungscheck

Materialaufwand:

Präsentationsmaterial
 

Ziel:
Kinder und insbesondere Jugendliche bringen ihre Ideen beim Entwickeln von Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen ein. Einfache Form der Beteiligung im Rahmen der Bauleitplanung.
 

Anleitung:
Die Jugendlichen (ggf. die Grundschulkinder) erhalten eine Einführung in Planungen durch Fachleute. Dabei werden z.B. Pläne sorgfältig, aber auch jugendgerecht erläutert. Was Kinder und Jugendliche besonders interessiert (z. B. Freiflächen, Spielplätze, Streetball-Anlagen, Sportplätze, Fahrradwege, Schulen und Jugendzentren, Plätze und Treffpunkte) muss ohne "Fachchinesisch" erläutert werden. Farbige Pläne und plastische Modelle sind für diesen Teil besonders geeignet. Fotos oder Dias von vergleichbaren Planungsvorhaben können nützlich sein. Fragen der Kinder und Jugendlichen müssen präzise beantwortet werden.

Offene Sammlung auf Wandzeitungen oder auf Pinnwänden (ggf. in Kleingruppen)
"Der neue Stadtteil wäre perfekt, wenn es hier ... gäbe!" Die Stichworte werden geordnet und die zusammengehörigen Punkte mit einem dicken Stift umkreist. Diese "Cluster" werden bepunktet: "Was uns davon am wichtigsten ist ...!" Es wird dann ausgezählt und mit einem dicken Stift die Rangfolge vermerkt: "Das sind unsere Hits ...!".

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Kinderstammtisch: Einmal meckern!

Materialaufwand:

Schreibmaterial, Moderationskarten, ggf. Briefumschläge

Ziel:

Sich eigener politische Wünsche, Prioritäten und Toleranzgrenzen bewusst werden.

Anleitung:

Zu Beginn sollte je nach Altersgruppe eine provokante Aussage zum Thema Politik oder Parteiprogramme stehen: „Was die sich in Berlin alle ausdenken, das ist doch alles Quatsch! Hier tropft das Regenwasser durch die Decken in unsere Schule, keiner kann mehr im See schwimmen weil der so dreckig ist – und vor der Stadt bauen sie eine riesige Autobahn. Schlechte Luft statt gute Noten!“

Es gibt viel zu meckern und vieles, was Kinder stört. In einem ersten Schritt können diese Mängel gesammelt werden.

Dies kann auf mehr oder weniger einfache oder komplexe Art und Weise gestaltet werden, am einfachsten steht im Zentrum die Auseinandersetzung mit dem eigenen Umfeld: Schule, Familie, Freizeitmöglichkeiten, usw. In Einzelarbeit kann erst einmal von jedem in sich gegangen und alles gesammelt werden, was den Kindern einfällt – alles, was stört ist wichtig. Pro Problem wird eine Karte beschrieben.

Beim Stammtisch können die Kinder dann in kleinen Gruppen ihren Dampf ablassen und miteinander besprechen. Jede Gruppe gibt dann ein oder zwei Probleme an die „Bürgerversammlung“ (den Klassenverband) weiter. Neue Einfälle werden hierbei festgehalten.

Anschließend sollte die Bürgerversammlung (oder jeder Stammtisch für sich) einen salzigen Brief an den Bürgermeister verfassen. Je nach Ernsthaftigkeit der Gruppenarbeit kann dieser Brief anschließend symbolisch oder wirklich abgeschickt werden.

Quelle: U18 Methodensammlung

Das Politik-Quiz

Materialaufwand:

Papp- oder Karteikarten, Schreibmaterial, Pinnwand oder Tafel

Ziel:

Erlerntes wiederholen, offene Fragen und Wissenslücken oder Verständnisprobleme identifizieren bzw. schließen.

Anleitung:      

Die meisten Jugendlichen hören im Alltag einen Haufen politischer Begriffe. Aber kennen sie die Bedeutung und können sie erklären? Oder können sie die Namen der Verantwortlichen in der Regierung oder in den Parteien nennen?

In kleinen Gruppen bis zu fünf Personen werden Fragen (und Antworten) zu politischen Begriffen recherchiert, um die jeweils anderen Gruppen in einem gegenseitigen klassischen Fragequiz auszustechen. Die Fragestellungen wären „Was ist…?“ oder „Nenne mir zwei Beispiele für…“, à la Trivial Pursuit. Denkbare Begriffe: Kabinett, Legislaturperiode, drei Minister nennen, Überhangsmandat, Bundestag, etc.

Spielbar ist das Quiz auch als eine „Tabu“-Variante: Dafür müssen die Begriffe erraten werden. Die erklärende Person bekommt aber zu jedem Begriff fünf Wörter, die in ihrer Erklärung nicht verwendet werden dürfen.

Es sollte in beiden Fällen Raum für Fragen sein und größere Ungereimtheiten geklärt werden können.

Quelle: U18 Methodensammlung

WahlZirkus

Materialaufwand: abhängig von der Durchführung

Ziel:

Für eine große Gruppe interessierter Kinder und Jugendlicher (Schule oder mehrere Schulen; Zusammenschluss Jugendtreffs) können für eine dynamische Wahlveranstaltung oft Verteter_innen verschiedener Parteien gewonnen werden, die sich den Fragen der Kinder und Jugendlichen stellen und auch untereinander diskutieren. Der Prozess der Meinungsbildung wird ernst genommen und Eindrücke unterschiedlicher Perspektiven werden gewonnen. Die Veranstaltung sollte von Kindern und Jugendlichen selbst (ggf. mit Unterstützung) moderiert werden.

Anleitung:

Vertreter_innen der Parteien werden eingeladen, müssen sich ihre Redezeit und die Aufmerksamkeit des jungen Publikums aber erst verdienen: Der WahlZirkus beginnt mit kleinen Spielen, bei denen der zu gewinnende Preis Redezeit ist.

Welche Spiele ausgewählt werden und mit wieviel Redezeit sie belohnt werden, sollte vorher genau von den Kindern und Jugendlichen überlegt und geplant worden sein. Wichtig ist, dass sie Spaß machen, lustig aussehen und vor allem nicht zu lange dauern, da das Thema immer noch bei politischen Inhalten liegen sollte. Denkbare Beispiele: Hula-Hoop, Dosenwerfen, Jugendquiz.

Die Politiker_innen können einzeln oder in einer Diskussionsrunde mit Fragen der Kinder und Jugendlichen konfrontiert werden, bei denen sie ihre Redezeit einsetzen dürfen. Auch diese Fragen wollen gut vorbereitet sein und müssen vorab abgestimmt werden. Welche Fragen sind die dringendsten? Wieviel Zeit plant man wofür ein? Wie verhält sich der/die Moderator_in, wenn vom Thema abgekommen oder Redezeit massiv überschritten wird?

Die Eingeladenen sollten vorab auch informiert werden, wer noch eingeladen ist und mit welchem Ablauf (Zeitplan) zu rechnen sein wird. Oft muss bei den Parteibüros mehrfach nachgehakt werden, die Einladungen sollten also sehr frühzeitig verschickt werden. Falls der/die Wunschkandidat_innen verhindert sind, kann eine Stellvertretung geschickt werden. Falls Publikum zum Zirkus kommen soll, muss Werbung gemacht werden.

Falls Ihr mit Zeitungen und Reportern zusammenarbeiten möchtet, sprecht Euch auch mit diesen sorgfältig ab, damit sich jeder seiner Aufgaben und Möglichkeiten bewusst ist. Darf ein Reporter auch Fragen stellen? Wer macht die Technik? Woher bekommt man Getränke? Wo veranstaltet man den Zirkus? All dies muss überlegt werden – aber es lohnt sich.

Hinweis: Lokale Medien (Zeitungen, Radiosender) haben eventuell Interesse an einer Unterstützung der Veranstaltung, auch die Prüfung vorhandener Förderungsmöglichkeiten kann sinnvoll sein.

Quelle: U18 Methodensammlung

Politiker_innen im Interview

Materialaufwand:

Schreibmaterial, Ringordner, Kampagnenmaterial der Parteien, Klebstoff, ggf. PC, ggf. ein geeigneter Raum und je nach Besucher_innenzahl auch eine entsprechende Technik. Wasser während des Interviews.

Ziel:

Realitätsnahe Erfahrung des politischen Geschehens, Einblicke in die Perspektive von Politiker_innen, Beantwortung offener Fragen.

Anleitung:

Hier sollen die Parteien direkt eingeladen und befragt werden. Jemand vom Ortsverein oder Kandidierende des Wahlkreises haben trotz Wahlkampf vielleicht Zeit, vorbeizuschauen oder eine Gruppe Gäste zu begrüßen und Fragen zu beantworten. Im Vorfeld müssten in der Klasse geeignete Fragen formuliert werden:

Die Kinder und Jugendlichen sollten sich vorab in Einzel- und Gruppenarbeit überlegen, welche Fragen sie zur Partei und deren Wahlprogramm haben. Alle Fragen werden auf Karten geschrieben und gruppiert (ähnliche Fragen) und von der Gruppe nach Dringlichkeit eingestuft. Die Fragenstellenden müssen nicht unbedingt immer die Fragenerfinder_innen sein.

Die Zeit für das Interview sollte so geplant sein, dass alle Fragen Platz haben. Die Antworten werden entweder aufgenommen oder direkt notiert.

Achtung: Politiker_innen neigen dazu, ausschweifende und lange Antworten zu geben, die dann nur noch wenig mit der Frage zu tun haben. Darauf können Kinder und Jugendliche aber vorbereitet werden, damit sie sich trauen notfalls auch nachzuhaken. Und immer wenn etwas nicht verstanden wurde, unbedingt nachfragen.

Wenn die Interviewsituation vorbei ist, können die Kinder und Jugendlichen ihre Gedanken zu den Antworten und Gesprächen miteinander austauschen. Hat sie etwas überrascht? Wo hätten sie sich mehr erhofft? Was waren neue Aspekte für sie?

Quelle: U18 Methodensammlung

Polit-Tour

Materialaufwand:

ggf. Pappe (Kartons), Papier, Stifte/Farben, Bastelutensilien, um eigene Plakate, Wegweiser, Schilder oder Sprechblasen mit Wünschen/ Forderungen zu erstellen.

Ziel:

Politik am und im eigenen Ort erfahren und verständlich diskutieren.

Anleitung:

Politische Entscheidungen stecken den Rahmen für das tägliche Leben und sind deshalb für jeden von unmittelbarer Bedeutung. Auf der Polit-Tour wird im Spaziergang mit Kandidierenden eine Situation geschaffen, wo Politik, politisches Handeln, Visionen, Pläne und Auswirkungen deutlich gemacht und diskutiert werden können.

Stimmt erstmal gemeinsam ab, welche Orte für Euch eine Rolle spielen / was Euch bewegt. Welche Themen wollt Ihr den Politiker_innen mit auf den Weg geben? Denkbare Beispiele: Barrierefreiheit, Spielplätze, Sportplätze, Bibliotheken, saubere Parks, marode Schulen, Jugendtreffs, Sportvereine, etc. Findet einen Termin für einen Spaziergang und überlegt Euch die Route. Soll der Spaziergang öffentlich sein? Sind alle Beteiligten gut zu Fuß oder bedarf es besonderer Maßnahmen für ältere Teilnehmende, Rollstuhlfahrer_innen o.ä.? Wollt Ihr weitere Kinder/Jugendliche oder auch Erwachsene einladen? Soll die Presse dabei sein? Macht jemand Notizen oder Fotos?

Bei den Einladungen an die Politiker_innen Eures Wahlkreises und die Vertreter_innen der Bezirksverordnetenversammlung muss gut recherchiert werden, wer Eure zuständigen Ansprechpartner_innen sind und genug Zeit für Antworten gelassen werden. Politiker_innen sind viel unterwegs und brauchen manchmal etwas, um zu antworten. Es kann Sinn machen zu überlegen, wer als alternativer Gast infrage kommt, sollten die entsprechenden Personen keine Zeit haben.

Wir empfehlen für den Spaziergang eine Maximaldauer von 45min Gehzeit, vielleicht mit anschließender Diskussionsrunde im Sitzen. Bedenkt auch, dass man unterwegs zwischendurch mal durchatmen kann. Wenn es Fragen zu einer lauten Kreuzung gibt, sollte der nächste Ort auf jeden Fall etwas ruhiger sein.

Quelle: U18 Methodensammlung

Speed Dating

Materialaufwand:

Je nach Anzahl der Teilnehmenden kann diese Veranstaltung klein/günstig sein, sofern Raum, Tische und Stühle vorhanden sind. Für Grundverpflegung (Wasser, Kaffee und Snacks) sollte dennoch gesorgt sein.

Ziel:

Weiterführende Fragen persönlich stellen, knappe und direkte Antworten erhalten, Meinung bilden.

Anleitung:

Oh lala, ein politisches Rendezvous? Mit dem Politiker_innen Speed-Dating sollen in gewisser Weise Pärchen gebildet werden. Wie gut passen wir zusammen; Partei, Kandidat_in und ich als potenzielle_r Wähler_in? Mit meiner Haltung, meinen Werten, meinen Themen? Um dies herauszufinden, ist kein Eindruck stärker als der Erste. Am besten im persönlichen Gespräch.

Die Kandidaten_innen oder Vertreter_innen der Jugendfraktionen der Parteien werden eingeladen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sitzen sie immer mit jeweils maximal vier oder fünf Teilnehmer_innen an einem Tisch, um sich von diesen ausfragen zu lassen. Viel Zeit bleibt den Kandidaten_innen aber nicht, um die Herzen zu gewinnen – nach einer kurzen Zeitspanne (die vorher festgelegt werden sollte, maximal 10min) wechseln die Politiker_innen die Tische. Dann stellen sie sich direkt der nächsten Fragerunde.

Diese Methode eignet sich besonders, nachdem die Teilnehmer_innen sich bereits mit den Wahlprogrammen, Inhalten und ihren eigenen Meinungen auseinandergesetzt haben. Entsprechend können persönliche Fragen vorbereitet werden, die einen echten Mehrwert an Informationen für die Wähler_innen und ihre Anliegen liefern, während der Zeitdruck den Politiker_innen oder Fraktionsvertreter_innen auferlegt, schnell auf den Punkt kommen zu müssen.

Quelle: U18 Methodensammlung

Zukunftswerkstatt