Ein Mann auf einer Leiter skizziert wichtige Erfolgsfaktoren an eine Wand.

Werkzeugkasten: Aktionen und Beteiligung

#junggerecht will zeigen was bayernweit in den Kommunen bereits zu Jugendbeteiligung und Politik passiert. Auf dieser Seite finden sich Praxisbeispiele und Beteiligungsformate, die vor Ort erfolgreich sind. Geeignet zum Nachahmen und Ausprobieren.

Zum Nachmachen

Litfaßsäule aus Kartons

Materialaufwand:
Mehrere Kartons in verschiedenen Größen, wasserfeste Marker, Logos ( ausgedruckt auf festem Papier), Kleber, Teppichmesser, ein Schirmständer (zur Stabilisierung), Steine (zum Beschweren).

Ziel:
Forderungen von Jugendlichen sichtbar machen.        

Anleitung:
Überlegt welche Forderungen ihr Parteien und Wählervereinigungen in eurer Stadt oder Gemeinde mitteilen wollt. Versucht diese Forderungen in wenigen Worten zu formulieren und aufzuschreiben, damit sie besser lesbar und verständlich sind. Beschriftet dann die Seiten der Kartons mit diesen Forderungen. Bitte nicht die Klappdeckel, die sieht man später nämlich nicht. Zum Beispiel könnt ihr die Seiten mit einem Marker beschriften oder ihr druckt die Forderungen aus und klebt sie auf den Karton. Das gleiche macht ihr mit einem Logo, falls ihr eines habt. Alternativ könnt ihr euren Teamnamen schreiben oder einfach "Eure Jugendlichen".

Wenn ihr damit fertig seid, dann könnt ihr den ersten Karton über die Stange des Schirmständers stecken. Wenn sich der Karton zu sehr verformt beim Schließen, dann schneidet einfach eine Öffnung aus. Den zweiten Karton setzt ihr auf den ersten und beschwert ihn mit ein oder zwei Steine. So werden auch alle weiteren Kartons beschwert. Achtet darauf, dass der Turm nicht umfällz. Hierbei helfen euch die Steine und dass auch der oberste Karton im Schirmständer steckt.

Organisatorisch:
Für den Kartonturm benötigt ihr unbedingt eine Genehmigung, um keine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Zum Beispiel könnt ihr den Turm über einen Infotisch beantragen, da er nur eine begrenzte Zeit stehen soll. Einen Infotisch könnt ihr in eurer Gemeinde- oder Stadtverwaltung anmelden. Ihr solltet in der Durchführungszeit ein Auge eure Litfaßsäule haben und achtet darauf, dass er stabil steht.

Quelle: Wolfgang Nafroth PR & Kommunikationsberatung

Plakatserie

Materialaufwand:
Kartons mit Seitenmaßen von ca. 50x100 mm, wasserfeste Marker, Logos (ausgedruckt), Kleber, Teppichmesser, Kabelbinder. Alternativ könnt ihr auch am Rechner ein DinA1-Plakat gestalten und ausdrucken.  Zudem braucht es Tapetenkleister und Pinsel.

Ziel:
Forderungen von Jugendlichen sichtbar machen.

Anleitung:
Zuerst überlegt ihr euch eure Forderung, denn diese steht im Mittelpunkt dieser Aktion und ist am Ende der Plakatreihe zu lesen. Für diese Plakatserie braucht ihr drei bis vier Plakate, die groß genug sind, dass man sie auch beim Vorbeifahren lesen kann. Hierfür schneidet ihr einen Karton auseinander (oder ihr gestaltet das Plakat im Vorhinein und gebt es in den Druck). Zur Unterstützung eurer Forderung müsst ihr euch nun simple Aussagen überlegen, denen man gut zustimmen kann. Danach könnt ihr weitere Personen aus eurem Ort fragen, ob sie diese Forderung mit ihrem Namen unterstützen würden. Achtet darauf, dass ihr verschiedene Menschen auf den Plakaten zeigt, also Frauen und Männern und Personen und auch Personen aus mittlerer und älterer Generation.

Beispiel
Nun ganz praktisch... Wenn eure Forderung ist "Wir wollen einen Jugendtreff", dann könnte eure Plakatreihe so aussehen:
Plakat 1: "Die Jugendlichen sollen sich bei uns im Ort wohlfühlen," Heinz, 68 Jahre.
Plakat 2: "Sie treffen sich immer draußen und wenn es kalt wird, wo gehen Sie dann hin?" Birgit, 35 Jahre.
Plakat 3: "Wir wollen einen Jugendraum, um uns auch ungestört treffen zu können," Eure Jugendlichen.

Die Plakate hängt ihr in einer Reihe auf mit einem Abstand von mindestens 20 Metern. Am besten in einem Bereich, der verkehrsberuhigt ist, also  dass man die ganze Reihe sieht.

Organisatorisch:
Viele Gemeinden bzw. Städte haben Plakatverordnungen, erkundigt euch im Rathaus zuvor, ob ihr das Plakatieren genehmigen lassen müsst und ob es hier Besonderheiten gibt. Wenn ihr eure Serie außerhalb des Ortes aufhängen wollt, müsstet ihr erstmal klären, wer für diese Straße zuständig ist. Bei Staats- und Landstraßen muss man etwa bei der Regierung eines Bezirks nachzufragen, bei Kreisstraßen im Landratsamt. Wichtig ist, dass die Plakate den Verkehr nicht behindern. Die Plakate an Laternenmasten oder an Verkehrsschildern anzubringen kann eine gute Möglichkeit sein, aber sie dürfen nicht in den Straßenbereich ragen oder die Sicht an einer Ausfahrt behindern, erkundigt euch also auch hier vorher was Sinn macht.

Quelle: Wolfgang Nafroth PR & Kommunikationsberatung

Klebenotizzettel

Materialaufwand:
Notizklebeblock, Stifte

Ziel:
Forderungen und Themen von Jugendlichen sichtbar machen.

Anleitung:
Diese Aktion eignet sich perfekt, wenn ihr mehrere Forderungen habt oder viele Argumente für eure Forderung. Eine Methoe, die sich sich gut in Gebäuden oder auch an Fußwegen, Bushaltestellen und gut frequentierten Orten einsetzen lässt. Auf jedes Klebeblockblatt kommt ein Satz und der Name eurer Gruppe. Wenn ihr fertig mit euren Beschriftungen seid, könnt ihr euch eine Strecke oder die Plätze aussuchen, auf der ihr die Zettel anklebt. Wunderbar eignen sich unter anderem Sitzmöglichkeiten, gut frequentierte Wege etwa zum Rathaus, Kirche, Wirtshaus oder ähnliches. Auch in Gebäuden z.B. am Tag einer Ratssitzung im Rathaus oder an Elternsprechtagen in Schulen sind dies gute Möglichkeiten eure Themen zu setzen.
 

Organisatorisch:
Die Aktion muss man nicht genehmigen lassen. Die Klebeblätter sind einfach wieder zu entfernen, falls sie doch mal runterfallen entsteht auch eine relativ geringe Verschmutzung. Aber aus ökologischer und nachhaltiger Sicht, solltet ihr eure Klebezettel einfach am Folgetag aufräumen.

Quelle: Wolfgang Nafroth PR & Kommunikationsberatung

Luthers Thesenschlag

Materialaufwand:
PC, Papier, Drucker und Tesafilm,

Ziel:
Forderungen und Themen von Jugendlichen sichtbar machen.

Anleitung:
Diese Aktion eignet sich perfekt, wenn ihr mehrere Forderungen habt. Man kann sie zum Beispiel an Eingangstüren zentral platzieren. Für die Aktion müsst ihr euch eure Forderungen überlegen und die Formulierungen sehr knapp halten. Die einzelnen Seiten könnt ihr zum Beispiel in einem einheitlichen Design entwerfen, etwa in eine Schriftrolle und dann eure Forderungen reinschreiben.
Die einzelnen Blätter kann man an einer ausgewählten Türe nebeneinander und übereinander hängen, um neugierig zu machen.

 

Flashmob

Materialaufwand:
Accounts in Sozialen Netzwerken

Ziel:
Forderungen und Themen von Jugendlichen sichtbar machen.

Anleitung:

Von einem Flashmob spricht man, wenn sich zu einer bestimmten Zeit und an einem ausgewählten Ort mehr als zehn Personen treffen, die in Aktion treten. Also etwa sind, Musik machen oder tanzen. Hier kann man gut mit Schildern oder durch Sprechgesang die eigenen Forderungen deutlich machen. Ein Flashmob lebt von der Überraschung und der starken Beteiligung, um wahrgenommen zu werden. Deswegen braucht es hier eine gute Organisation und Kommunikation im Vorfeld. Für den Zeitpunkt und den Ort bieten sich zudem besondere Veranstaltungen an, z.B. ein Bürgerfest oder eine Aktion auf einem Marktplatz, der gut frequentiert ist.

Organisatorisch:
Ein Flashmob muss nicht angemeldet werden, da es nur ein kurzes Ereignis ist. Für den Flashmob benötigt ihr mind. eine Gruppe von zehn Personen, die sich im Vorfel in Sozialen Netzwerken verabredet haben und sich ein Thema ausgesucht. Ob das Thema zieht, hängt vor allem von seiner Sog- und Aussagekraft an und kann sich sehr schnell über verschiedene Kommunikationskanäle verbreiten.

Demokratie-Bildung üben

Das eigene Parteiprogramm

Materialaufwand: Schreibmaterial, große Plakate, Pinnwände oder Tafel

Ziel: Ursprung und Konzept von politischen Parteien nachvollziehen, Kompromisse zwischen verschiedenen Interessen finden.

             

Im Vorfeld muss eine inhaltliche oder geschichtliche Einführung zum Parteibegriff erfolgen. Definition einer Partei, demokratische Grundprinzipien, was muss eine Partei erfüllen um zur Wahl stehen zu dürfen, wie viele Gründungsmitglieder muss es mindestens geben?

Einleitende Fragestellung in der Gruppe: Welches Thema ist mir sehr wichtig oder meiner Meinung nach in der derzeitigen Parteienlandschaft nicht oder unzureichend abgebildet? Es kann auch um ausgedachte Themen gehen, die nicht ernsthaft wichtig sind. Wofür würde ich mich mit meiner Partei einsetzen, was sind meine Ziele, meine Vision der Gesellschaft, meine ersten Schritte und meine Forderungen? Die Ergebnisse werden auf großen Plakaten oder der Tafel zusammengefasst. Wichtig ist, dass am Ende mindestens zwei Parteien entstehen.

Besprechung: In der großen Gruppe wird noch gemeinsam entwickelt, was in ein Parteiprogramm hineingehört (Ziel, Werte, Grundsätze, Hauptmaßnahmen). Ergebnisse der Methoden „Stammtisch“ und „Traumstadt“ können gegebenenfalls mit verwendet werden, jede_r Teilnehmer_in macht sich Gedanken zu eigenen Träumen und Kritikpunkten, zu Dingen die im Programm stehen sollen und welche auf gar kein Fall.

Die Teilnehmer_innen finden sich selbstständig in Interessensgruppen zusammen, um Parteien gründen zu können. Dort stellen sie sich gegenseitig ihre Kritikpunkte und Wünsche vor. Es wird überlegt, wie die verschiedenen Ziele und Wünsche in einem gemeinsamen Parteiprogramm eingebaut werden können, so dass alle Beteiligten dahinter stehen. Stichpunktartig werden die Hauptforderungen, Ziele, Werte, Grundsätze und Maßnahmen festgehalten und unterschrieben.

Quelle: Deutsches Kinderhilfswerk (Methodischer Leitfaden)

Argumentationsübung

Ziel: Logische Zusammenhänge zwischen politischen Äußerungen, Thesen, Mottos und dem dahinterstehenden alltäglichen Leben nachvollziehen. Nach Schlüsselargumenten suchen, die die Meinung und Entscheidung der Anderen beeinflussen.

In Gruppenarbeit oder als Einzelkandidat_in auf der Suche nach Followern werden Begründungsschemen entwickelt, die auf eine schmissige These hinauslaufen. Die Begründung sollte fünf Sätze lang sein, die Idee hinter der These logisch abbilden und einer Publikumsgruppe vorgestellt werden. Das Publikum (oder eine „gegnerischen Position“) hinterfragt die Begründung auf ihre Stichhaltigkeit. Anschließend kann (wenn gewollt) eine Entscheidung für oder gegen die These getroffen werden.

Beispiel Arbeitsauftrag: Bildet zu dem Satz: "Wählen gehen!" ein aus insgesamt fünf Sätzen bestehendes Begründungsschema. Warum sollten alle wählen gehen? Probiert eure Begründungen aus. Welche Argumente sind am überzeugendsten?

Mögliche Lösung: Der Jugendtreff in unserem Stadtviertel soll geschlossen werden. Das Freizeitangebot nimmt ab, die Kinder und Jugendlichen sind auf sich gestellt oder müssen von den Eltern in den weiter entfernt liegenden gebracht werden. Risiken: Langeweile, keine eigenen selbstbestimmten Orte für die Freizeit, Freundschaften werden auseinander gerissen, Jugendliche finden ihre eigene Stadt doof. Eine Abgeordnete der Partei XY setzt will sich für den Erhalt des Jugendtreffs einsetzen. Also bei der nächsten Kommunalwahl: Wählen gehen!

Für Übungen und Material zu Debatten, Argumentation und Struktur.

Quelle: U18-Netzwerk Berlin