Digitalisierung demokratisch bearbeiten

Die Delegierten der 156. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings beschließen zum Schwerpunktthema "Digitalisierung und Jugendarbeit" die Position "Digitalisierung demokratisch bearbeiten".

Die bayerische Jugendarbeit stellt sich der Herausforderungen, welche durch die fortschreitende Digitalisierung entstehen und gestaltet den damit verbundenen Wandel mit.

Das Positionspapier hat das Ziel, den grundsätzlichen epochalen Wandel aus Sicht der Jugendarbeit zu beschreiben und sich damit auseinanderzusetzen und somit eine Positionierung aus Sicht der Jugendarbeit vorzunehmen und Forderungen zu formulieren.

Wir wollen unsere Werte und unser Selbstverständnis als bayerische Jugendarbeit in die Zukunft tragen. Wir sehen uns als konstruktiv gestaltender Akteur, haben jedoch auch Forderungen an Politik und Gesellschaft.

Der Begriff „Digitalisierung“ hat sich von seiner ursprünglichen Bedeutung (die Umwandlung von Daten aus analogen Formaten in digitale Formate) in den letzten Jahren entfernt. Heute dient der Begriff sehr unscharf als Chiffre für die vielfältigen Wandlungsprozesse, die in Folge einer zunehmenden Bedeutung von digitalen Medien und Systemen in nahezu allen gesellschaftlichen Handlungsbereichen zu beobachten oder zu erwarten sind. So wird Digitalisierung auch als Megatrend beschrieben, der alle Bereiche der Gesellschaften durchdringt und transformiert. Oftmals wird in Anlehnung an die industrielle Revolution vor 200 Jahren auch von einer digitalen Revolution gesprochen. All diesen Begriffen ist gemeinsam, dass sie einen schnellen Wandlungs- und Transformationsprozess beschreiben, der durch die Nutzung von vernetzten Geräten auf Basis des Internets vorangetrieben wird.

Eine Gesellschaft im Wandel - neue Optionen und Herausforderungen

Dieser Transformationsprozess bringt neue Chancen und Herausforderungen für die Gesellschaft und damit auch für junge Menschen. Dass die Grenze zwischen Medienkonsument:innen und -produzent:innen immer mehr verschwimmt und neue, gerade bei Jugendlichen verbreitete Nutzungsweisen von Inhalten entstehen, stellt beispielsweise das herkömmliche Urheberrecht vor Herausforderungen, die mit der letzten Reform auf EU-Ebene nur ungenügend und nicht zukunftsweisend beantwortet wurden.

Digitale Medien und ihre Möglichkeiten erweitern einerseits die Vernetzungs- und Kommunikationsoptionen - von der Möglichkeit in autoritären Regimen Proteste über verschlüsselte Messenger zu organisieren bis zur Möglichkeit Urlaubsfotos unmittelbar mit Freunden zu teilen. Andererseits können mit diesen Technologien aber auch demokratische Meinungsbildungsprozesse manipuliert werden. Moderne Software und Computertechnik senkt die Schwelle um echt wirkende Propagandavideos zusammen zu schneiden oder am Green Screen entstehen zu lassen auf eine für fortgeschrittene Hobbyanwender:innen überwindbare Hürde. Insbesondere der Skandal um Cambridge Analytica legt nahe, dass sich beispielsweise mittels großer Datenbanken das Wähler:innenverhalten durch gezielte Werbung beeinflussen lässt, ohne dass die Angesprochenen dies mitbekommen. Solchermaßen, von finanzkräftigen Akteur:innen bezahlte Kampagnen (Brexit-Abstimmung, Präsidentschaftswahl in den USA), umgehen jede nationale Gesetzgebung zum Thema Wahlkampf, Parteienfinanzierung und Transparenz. Die damit einhergehende Infragestellung der Glaubwürdigkeit von Medien und Informationen verunsichert die Gesellschaft insgesamt und raubt die Grundlage für demokratische Diskurse, denn wenn schon über Fakten gestritten wird, spielen die verschiedenen politischen Lösungsansätze im Diskurs keine Rolle mehr.

Hinzu kommt, dass die Schwelle für die Teilhabe an der digitalen Welt zwar relativ niedrig erscheint - ein Smartphone reicht aus, um über soziale Netzwerke potentiell Millionen zu erreichen - aber einerseits setzt dies einen diskriminierungsfreien Zugang zur Infrastruktur voraus und andererseits ist gerade Reichweite sehr abhängig von kommerziellen Interessen bzw. verfügen einige wenige Unternehmen über die Macht, die Reichweite zu steuern und daran zu verdienen.

Deutlich wird mit diesen ausgewählten Beispielen, dass die Teilhabe an der digitalen Welt ein völlig neues Bewusstsein beim Umgang mit Medien erfordert und damit eine Bildung voraussetzt, die von der Gesellschaft gegenwärtig weder durch das Schulsystem noch durch das Elternhaus umfassend gewährleistet wird. Dabei geht es mit Blick Unterstützung der Entwicklung von gesellschaftlich handlungsfähigen Bürger:innen nicht nur um konkretes Anwendungswissen von heute aktuellen Programmen. Vielmehr geht es um die Fähigkeit, Nutzungsrechte (wie das Urheberrecht) im Hinblick auf deren gesellschaftliche Funktion einschätzen und reflektieren zu können oder um die Kenntnis, wie persönliche Daten zur politischen wie auch kommerziellen Beeinflussung instrumentalisiert werden können und welche Möglichkeiten bestehen, dem zu begegnen. Dies setzt über die Anwendungsebene hinaus die Betrachtung der technologischen Funktionen und Strukturen (Programmiersprachen etc.) wie auch die Reflexion der gesellschaftlich-kulturellen Wechselwirkungen voraus. Da die „digitale Revolution“ aktuelle Schlüsselfragen aufwirft, werden die skizzierten Kompetenzen zur Schlüsselkompetenz.

Die mit der digitalen Revolution verbundenen Veränderungen des Arbeitsmarktes sind ebenfalls vielfältig. Wenn fortschreitende Automatisierung und die vernetzte Industrie 4.0 viele der heutigen Arbeitsplätze sinnvoll ersetzen kann, stellt sich die Frage, wie ein auf Erwerbsarbeit ausgerichtetes Gesellschaftsmodell wie unseres mit den dazugehörigen Sozialsystemen gerecht transformiert werden kann. Dabei geht es beispielsweise um den Zugang zu moderner Medizin, die z.B. mit Hilfe großer Datenbanken viele Diagnosen viel präziser gestellt werden können, als ein einzelner Mensch dazu in der Lage ist, oder mit Hilfe von Präzisionsrobotern ortsunabhängig Operationen von Spezialist:innen ermöglicht werden. Dazu gehört aber auch die Frage nach der Verteilung der Einkommen und Absicherung im Alter und inwieweit die Möglichkeiten von Big Data1 z.B. zur individuellen Analyse von Versicherungsrisiken genutzt werden dürfen.

Ganz generell wirft der Wandel hin zu einer von Digitalisierung geprägten Welt Fragen für das Wirtschaftssystem und die damit verbundene Regulierung auf: Weit über einzelne Aspekte wie das Urheberrecht hinaus betrifft dies auch fundamentale Systeme unserer Gesellschaft wie das Geld- und Währungssystem. So entziehen z.B. digitale Währungen sich nicht nur der Steuerung durch Notenbanken, sondern eröffnen Zahlungsmöglichkeiten abseits von Banken. Dies bringt einerseits Vorteile für infrastrukturschwache Gegenden der Welt, damit wird dort für eine Überweisung nur ein Smartphone und Internet benötigt, andererseits entzieht sich dieser Bereich nicht nur der traditionellen Finanzaufsicht, sondern stellt Ermittlungsbehörden vor völlig neue Herausforderungen. Darüber hinaus macht die Möglichkeit digitale Daten beliebig zu vervielfältigen und in Sekunden weltweit zu verteilen und dann getrennt voneinander zu bearbeiten, ohne dass sie sich verbrauchen, digitale Daten zu einem neuartigen Gut im Wirtschaftskreislauf. Die Regulierung dieser Art von Gütern macht internationale Zusammenarbeit zur notwendigen Bedingung: Daten, die an einem Ort erhoben und dann auf Server in anderen Ländern verteilt werden, wechseln damit auch die Gesetze, denen sie unterliegen, sodass die Kopie einer Originaldatei anderen Gesetzen unterliegen dann ggf. unterschiedlichen Gesetzen und Möglichkeiten der Verarbeitung. Noch ganz am Anfang steht der Diskurs hinsichtlich der Verantwortung bei der Programmierung selbstlernender Algorithmen oder beim Einsatz von KI z. B. bei der Steuerung von Fahrzeugen und Maschinen stellen.

Die Möglichkeiten von Big Data eröffnen auch völlig neue Optionen bei der Überwachung und der Sicherheit. Diese in Einklang mit den Grund- und Menschenrechten zu bringen ist eine wichtige Aufgabe für die Gesellschaft damit nicht Dystopien wie 1984 von George Orwell so Realität werden, wie sie es in bestimmten Teilen der Welt schon geworden sind. Während sich dies vor allem zunächst auf staatliche Überwachungsmöglichkeiten bezieht, wird oft übersehen, dass auch private Unternehmen mit großen Datensammlungen und entsprechenden Auswertungen neue Möglichkeiten nicht nur bei der Steuerung des Konsums durch personalisierte Werbung bekommen. Dies alles zeigt nur exemplarisch welches Transformationspotential der Wandel in eine digitale Welt mit sich bringt. Dabei bietet dieser Wandel viele Chancen für neue, passgenauere Lösungen für Probleme, aber er bringt Herausforderungen mit, die es nötig machen, dass der Wandel bewusst demokratisch gestaltet wird und die grundlegenden Werte der Menschenrechte auch in eine zukünftige, von Digitalisierung geprägte Gesellschaft mit transformiert werden sollen.

Wir wollen den Wandel gestalten.

Aus Sicht der bayerischen Jugendarbeit ist es deshalb wichtig, den Wandel in eine digitale Welt auf Basis von Werten in einem gesellschaftlichen Diskurs zu gestalten. Weil junge Menschen in Zukunft in der digitalen Welt leben werden, ist es essentiell, dass sie an der Gestaltung ihrer zukünftigen Welt mitwirken können. Deshalb leiten sich aus dem dargestellten Wandel und unseren Grundpositionen und Werten folgende Grundforderungen ab.

Der digitale Wandel muss mit dem Klimaschutz vereinbar sein und dabei aber auch sozial und ökonomisch nachhaltig umgesetzt werden.

Für digitale Dienste und Systeme sind große Strommengen nötig, die aber so erzeugt werden müssen, dass alle sich dies leisten können und den benötigten Strom zur Verfügung haben. Das gilt aber auch für zukünftige Generationen, sodass eine nachhaltige Energieerzeugung eine Grundlage für eine gelingende Digitalisierung ist.

Die Teilhabe an der digitalen Welt für alle Menschen muss möglich sein, dabei darf aber der Schutz, insbesondere von unerfahrenen, Nutzer:innen nicht vernachlässigt werden.

Die Möglichkeiten des digitalen Wandels selber eröffnen viele Teilhabechancen. Es ist wichtig, dass grundsätzlich alle Menschen diese Chancen und Angebote nutzen können. Um dies zu ermöglichen, dürfen Gefahren und negative Konsequenzen aber nicht vernachlässigt werden. Vielmehr sind neue Ansätze zum Schutz (z. B. hinsichtlich jugendgefährdender Inhalte oder neuer digitaler Betrugsformen) durch Regulierung sowie eine das Schutzniveau steigernde Gestaltung der Technologien zu entwickeln. Dabei dürfen notwendige Regulierungsmaßnahmen nicht als Vorwand zum Abbau bürgerlicher Freiheitsrechte dienen. Ebenso wichtig ist zudem die Ermächtigung der Nutzer:innen zu einem souveränen Umgang mit den Medien und ihren Wirkungsweisen, Konsequenzen und Gefahren.

Demokratische Diskurse dürfen nicht manipulierbar sein.

Durch intransparente Einflussnahme auf demokratische Diskurse, wie z. B. bei der Brexit-Abstimmung durch Cambridge Analytica wird Demokratie ausgehöhlt. Solches Verhalten muss unmöglich gemacht werden bzw. unter Strafe gestellt werden. Transparenz, wer welche Werbung warum sieht und wer dafür bezahlt, ist dafür ein absolutes Minimum.

Der digitale Wandel soll dafür genutzt werden unsere Demokratie partizipativer zu gestalten.

Nicht nur Informationen können einfach und niederschwellig bereitgestellt werden, auch Abstimmungs- und Meinungsäußerungsforen, die klaren, demokratischen Regeln folgen und Transparenz sicherstellen, können dazu beitragen unsere Demokratie weiterzuentwickeln und für alle erreichbarer zu machen. Hier sind die staatlichen und gesellschaftlichen Akteur:innen gefragt Lösungen zu entwickeln, welche die niedrigschwellige Beteiligung aller an allen sie betreffenden Angelegenheiten sicherstellt.

Wir fordern einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs über den Wandel der Arbeitswelt und seiner Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, an dem junge Menschen als gleichberechtigte Akteur:innen teilhaben.

Wirtschaft ist für Menschen da, nicht umgekehrt. Sozialsysteme müssen angesichts veränderter Wertschöpfungsketten und Beschäftigungsquoten neu gedacht werden. Aufgaben und Organisationsformen bestehender und zukünftiger Formen von Arbeit müssen grundlegende Schutz- und Teilhaberechte umsetzen und verbessern. Es braucht geeignete Maßnahmen die sicherstellen, dass trotzdem allen Menschen die notwendigen Teilhaberessourcen zu Verfügung stehen. Dies meint neben ausreichenden finanziellen Ressourcen auch die notwendige Zeit, sowie Zugang zu relevanter Infrastruktur. Der Diskurs darüber, wie unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen, der erwirtschaftete Reichtum sozial gerecht verteilt werden kann, muss ergebnisoffen auch jenseits der Erwerbsarbeit und der bisherigen sozialen Sicherungssysteme, ohne Vorfestlegungen demokratisch geführt werden.

Die Mobilität der Zukunft soll durch digitale Lösungen erleichtert und sicherer werden.

Über die Vernetzung von verschiedenen Mobilitätskonzepten, z. B. in Form einer Mobilitätsapp, die vom ÖPNV über die Bahn bis zum Car-Sharing verschiedene Konzepte bündelt und vernetzt, kann Mobilität erleichtert und umweltfreundlicher gestaltet werden. Selbstfahrende Automobile bieten die Chance Individualverkehr neu zu denken und nachhaltig weiterzuentwickeln. Der individuelle Besitz von PKWs kann so reduziert werden und trotzdem tragfähige Mobilitätskonzepte für den ländlichen Raum entstehen. Für von KI gesteuerte Fahrzeuge und Maschinen müssen jedoch klare Sicherheitsanforderungen gelten. Darüber hinaus sollen die Potentiale von KI bei der umweltfreundlichen Steuerung von Verkehrsflüssen in einem sicheren Rahmen erprobt, ausgebaut und genutzt werden.

Datenschutz und Transparenz müssen neu ausbalanciert werden.

Einerseits ist das Internet als Raum, in dem z.B. Aktivist:innen aus autoritären Regimen geschützt über die dortigen Probleme berichten können, wichtig. Andererseits darf Anonymität nicht dazu führen, dass demokratische Diskurse verdeckt gelenkt und manipuliert werden. Dazu bedarf es eines ausgewogenen, passgenauen Systems von Datenschutz und Transparenz, das in der Gesellschaft neu diskutiert und beschlossen werden muss.

Die Digitalisierung muss (mindestens) europäisch gedacht und gestaltet werden, auch im Bereich der Förderlandschaft.

Durch die Digitalisierung werden Räume in der digitalen Welt eröffnet, die sich nicht mehr zwingend an nationalen Grenzen orientieren. Die Gestaltung dieser digitalen Räume und ihrer Regeln muss europäisch und global vernetzt unter Einhaltung der Menschen- und Bürgerrechte geschehen. Menschen, darunter viele Jugendliche, bewegen sich in diesen Räumen und sind dort Akteur:innen. Ihre Aktivität darf dort nicht unnötig von nationalen Grenzen beschränkt werden. Auch die Struktur der Förderung von Jugendarbeit muss sich an diese Gegebenheit anpassen.

Den digitalen Wandel geschlechtergerecht gestalten

Gesellschaftliche Strukturen beeinflussen den Digitalisierungsprozess. Ebenso verändert Digitalisierung unsere Gesellschaft. Ohne gezielte Gestaltung reproduziert der digitale Wandel bestehende Geschlechterungerechtigkeiten. Im Sinne einer Teilhabe- und Befähigungsgerechtigkeit fordern wir Mädchen und Frauen2 in schulischen Curricula gezielt zu fördern, um sie für MINT Fächer zu begeistern und sie auf dem Weg zu MINT Berufen begleiten. Für bereits berufstätige Frauen fordern wir digitale zielgruppenspezifischen Fort- und Weiterbildungsangebote sowie digitale Frauen-Mentoringprogramme für Um- und Wiedereinsteigerinnen und Unternehmensgründerinnen. Es ist Aufgabe von Politik und Unternehmen entsprechende Rahmenbedingungen im Dialog mit den Betroffenen zu schaffen, um geschlechtergerechtere Arbeitswelten und Lebensentwürfe zu ermöglichen.

Vielfalt in digitalen Medien abbilden

Wir brauchen eine digitale Sphäre, die die Wirklichkeit in all Ihrer Vielfalt abbildet, um junge Menschen vor unrealistischen und stereotypen Rollen- und Körperbildern zu bewahren. Wir fordern eine gesellschaftliche Debatte zur achtsamen Gestaltung des digitalen Raums.

Digitalisierung muss Inklusion befördern

Digitale Technologien bieten für Menschen mit besonderen Bedarfen immense Möglichkeiten3, damit sie Barrieren überwinden und an der Gesellschaft teilhaben können. Wir fordern verbindliche technische Standards, zum Beispiel bei Websites, die eine barrierearme Nutzung sicherstellen, insbesondere bei Angeboten von Behörden. Es muss außerdem sichergestellt werden, dass bei der Betreuung von Menschen mit besonderen Bedarfen Technik niemals menschliche Nähe ersetzt und digitale Unterstützung nicht zur Fremdbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen führt. Gerade im Bereich Inklusion fordern wir daher ein Empowerment für die digitale Gesellschaft und die Einbindung von Menschen mit besonderen Bedarfen in den Prozess der Digitalisierung.

Junge Menschen sind als mitgestaltende Akteur:innen am Diskurs über den digitalen Wandel im Geld- und Wirtschaftssystem, seine Folgen und Regulierung zu beteiligen.

Digitale Daten als neuartiges Gut im Wirtschaftsleben und Grundlage für neue, global erbringbare Dienstleistungen oder die umfassende Nutzung von digitalen Währungen und selbstlernenden Algorithmen und KI haben ein gewaltiges Transformationspotential für die gesamte Weltgesellschaft. Beim Diskurs über die Chancen und Risiken und deren Regulierung sind junge Menschen als von den Folgen dieser Prozesse wesentlich Betroffene auf allen Ebenen mit einzubeziehen und zu beteiligen.

Der medizinische Fortschritt, den die Digitalisierung ermöglicht, muss allen Menschen zur Verfügung stehen und auch von jungen Menschen mitbestimmt werden.

Digitale Twins4 können die Lebensqualität von Menschen konkret verbessern. Die Entwicklungen in der Medizin in Hinblick auf Digitalisierung birgt jedoch auch die Gefahr, dass gesammelte Daten über Gesundheitszustand oder Lebensführung der Personen, ihrer Eltern oder ihr Umfeld, dazu führen, dass medizinische Leistungen Personen nicht oder zu schlechteren Bedingungen zur Verfügung gestellt werden. Diese Entwicklung bedroht insbesondere junge Menschen, die aufgrund von Parametern z.B. dem Verhalten der eigenen Eltern, auf die sie keinen Einfluss haben, Nachteile erfahren. Wir fordern daher, dass die möglichen Fortschritte, die die Digitalisierung im medizinischen Bereich ermöglicht5, allen Menschen unter Wahrung des Datenschutzes zu Gute kommen.


1 Der aus dem englischen Sprachraum stammende Begriff Big Data [ˈbɪɡ ˈdeɪtə] (von englisch big ‚groß‘ und data ‚Daten‘, deutsch auch Massendaten) bezeichnet Datenmengen, welche beispielsweise zu groß, zu komplex, zu schnelllebig oder zu schwach strukturiert sind, um sie mit manuellen und herkömmlichen Methoden der Datenverarbeitung auszuwerten. (https://de.wikipedia.org/wiki/Big_Data)
2 Mit dieser Begrifflichkeit meinen wir alle Menschen, die sich als Mädchen oder Frauen sehen oder gelesen werden.
3 z.B. Spracherkennung, Apps wie „Seeing All“ oder „Be my eyes“, die Sehbeeinträchtigten hilft, ihre Umgebung wahrzunehmen, Mobilitätsplattformen, Eye Gaze Technologien oder „Emma Watch“, ein Armband das bei Parkinson Patienten typisches Zittern ausgleicht, Robotiksysteme und Datenbrillen in der Arbeitswelt bis hin zur rasanten Entwicklung von intelligenten Prothesen, die sich durch Machine Learning dem Menschen anpassen.
4 Digitaler Zwilling (engl. digital twin) ist eine digitale Repräsentanz eines materiellen oder immateriellen Objekts oder Prozesses aus der realen Welt in der digitalen Welt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Digitaler_Zwilling)
5 z.B. Roboterunterstützte Operationen, Implantate aus dem 3 D Drucker, intelligente Prothesen, KI zur Krebsfrüherkennung, Medikamentendosierung aufgrund individueller sensorgestützter Diagnostik