Junge Welle: Unterstützung der Pläne des Bayerischen Rundunks für ein eigenständiges öffentlich-rechtliches Hörfunkprogramm für junge Menschen in Bayern

Junge Menschen haben ein Recht darauf, aus einer Vielfalt unterschiedlicher Programme und Anbieter wählen zu können, die speziell auf Jugendliche ausgerichtet sind!

Deshalb begrüßt der 128. Hauptausschuss des Bayerischen Jugendrings die – in einem Interview mit dem Rheinischen Merkur Ende Januar – erstmals öffentlich geäußerten Überlegungen des BR Intendanten Prof. Gruber, ein eigenständiges öffentlich-rechtliches Hörfunkangebot für junge Menschen von 14 bis 29 Jahren im Bayerischen Rundfunk zu etablieren.

Dieses Vorhaben ist aus Sicht des Bayerischen Jugendrings längst überfällig, schließlich gilt der im Rundfunkstaatsvertrag festgelegte Informations- und Bildungsauftrag für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen. Hinsichtlich seiner Umsetzung insbesondere für junge Menschen gibt es allerdings in Bayern noch große Defizite, denn der Bayerische Rundfunk ist die letzte ARD-Rundfunkanstalt, die noch nicht über ein eigenes öffentlich-rechtliches Hörfunkprogramm für junge Menschen verfügt.

Ein solches auf die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen zugeschnittenes Unterhaltungs-, Informations- und Bildungsprogramm, das kulturelle und politische Fragen und Entwicklungen jugendgemäß aufgreift und beleuchtet, muss allerdings für möglichst viele junge Menschen sowohl finanziell als auch technisch in Bayern zugänglich sein. Dies ist zur Zeit aber nur bei einer Verbreitung über UKW gewährleistet. Durch die derzeitigen Überlegungen, eine öffentlich-rechtliche junge Welle nur digital zu senden, wird die Zielgruppe kaum erreicht und diese sind daher nicht sinnvoll. Ziel ist aus diesem grund eine eigenständige UKW Frequenz für junge Hörerinnen und Hörer in Bayern.

Zudem fordert der Bayerische Jugendring, dass bis zur Verbreitung der jungen Welle über UKW die bisherigen Hörfunk-Angebote für junge Menschen, wie z.B. der Zündfunk, erhalten bleiben müssen, da sich ansonsten das öffentlich-rechtliche Hörfunkangebot für die meisten jungen Menschen deutlich verschlechtern würde.

Als Arbeitsgemeinschaft aller Jugendverbände und Jugendinitiativen in Bayern bietet der Bayerische Jugendring dem Bayerischen Rundfunk bei der Konzeption einer jungen Welle seine Unterstützung an. Gerade die vielfältigen medienpädagogischen Erfahrungen der Jugendarbeit können reichhaltige Impulse für die Entwicklung eines anspruchsvollen und gleichermaßen jugendgemäßen Hörfunkprogramms bieten.

Der öffentlich-rechtliche Auftrag besteht allerdings nicht allein darin, junge Menschen als Konsumentinnen und Konsumenten anzusprechen. Vielmehr stehen angesichts der alltäglichen Präsenz von Medien aller Art auch die öffentlich-rechtlichen Sender verstärkt in der Pflicht, die Förderung von Medienkompetenz gerade junger Menschen zu unterstützen.

Hierzu gehören sowohl eine kontinuierliche Förderung von Projekten aktiver Jugendmedienarbeit als auch die feste Einplanung von Sendeplätzen für Produktionen junger Menschen und die partizipative Einbeziehung junger Menschen in die Gestaltung des Programmangebotsn einer jungen Welle. Positio-nierungen jugendlicher InteressenvertreterInnen zu politischen und kulturellen Themen müssen fester Bestandteil des Informations- und Bildungsprogramm sein. Es gibt schon jetzt in der Jugendarbeit eine wachsende Zahl junger Radiomacher/-innen, die ihre Erfahrungen in die Konzeption einer jungen Welle einbringen können.

Die bisherigen Erfahrungen in der Praxis der Jugendarbeit zeigen allerdings, dass sich private Hörfunk-Anbieter und die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) den medienpädagogischen Angeboten der Jugendarbeit gegenüber als wesentlich interessierter und unterstützender erwiesen haben. Dies belegt nicht zuletzt die zunehmende Zahl von Jugendradioprojekten im lokalen Hörfunkbereich, die sich außerdem steigender Beliebtheit bei ihrer Zielgruppe erfreuen.

Daher fordert der Bayerische Jugendring den Bayerischen Rundfunk auf, sich angesichts der geplanten stärkeren Öffnung für junge Menschen auch verstärkt in diesem wichtigen medienpädagogischen Feld zu engagieren. Beide Seiten: Junge Medienmacher/innen in der Jugendarbeit, aber auch die geplante Junge Welle des BR würden auf diese Weise von einander in hohem Maße profitieren.

Beschlossen vom 128. Hauptausschuss des Bayerischen Jugendrings vom 23. bis 25. März 2006