Lehren aus Hambach: Den europäischen Kohleausstieg andenken

Die Delegierten der 153. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings positionieren sich zum europäischen Kohleausstieg in den nächsten zwölf Jahren.

Für die junge Generation hat der Klimawandel höchste Relevanz. Für uns und auch für nachkommende Generationen sind die Folgen der globalen Erderwärmung längst keine theoretische Problematik mehr, sondern zu einer Überlebensfrage geworden: Im gesamtgesellschaftlichen Sinne, dass Klimakatastrophen und globale Ungerechtigkeiten in Folge des Klimawandels das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben bedrohen, doch auch in dem noch existentielleren Sinne, dass das Fortbestehen unserer natürlichen Lebensgrundlagen nicht länger selbstverständlich vorauszusetzen ist: Die Lösung der Klimafrage wird also ganz grundsätzlich über unsere Zukunft entscheiden.

Als junge Menschen aus Bayern, Deutschland und Europa kommt uns eine Sonderrolle bei der Beantwortung dieser elementaren Zukunftsfrage zu. Die westlichen Industrienationen müssen sich ihrer historischen Verantwortung als Hauptverursacher der klimaschädlichen Emissionen in der Vergangenheit stellen. Mit dem Pariser Klima-Abkommen bewegten wir uns einen entscheidenden Schritt und nahmen diese globalen Herausforderung an. Gemeinsam mit der Weltgemeinschaft einigten wir uns 2015 auf ein Ziel: unsere natürlichen Lebensgrundlagen für uns und kommende Generationen zu bewahren und die globale Erderwärmung auf unter 2°C (wenn möglich 1,5°C) im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten zu begrenzen.

Die Delegierten der 153. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings sehen vor diesem Hintergrund die Geschehnisse im Hambacher Wald mit Erstaunen und Sorge. Noch während die „Kohle-Kommission“ Szenarien entwirft, wie der deutsche Kohleausstieg sozial, ökologisch und ökonomisch verträglich gestaltet werden kann, will RWE die Rodung des Walds durchsetzen. Der gerichtlich verordnete Rodungsstopp gibt nun die Zeit, den Politisierungsprozess junger Menschen in Bezug auf den Hambacher Wald nachzuvollziehen. Denn wir sehen, dass junge Menschen in Deutschland auf die unterschiedlichsten Arten politisch aktiv werden, um die Rodung des Hambacher Walds zum Zwecke der Braunkohleförderung zu verhindern – sei es, indem sie zu zehntausenden an Großdemonstrationen teilnehmen, oder sogar zu Formen zivilen Ungehorsams greifen.

Der Protest gegen die Rodung des Hambacher Wald hat nicht das alleinige Ziel, einen ökologisch wertvollen Naturraum zu schützen, der seltenen Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum bietet. Vielen Demonstrierenden geht es in erster Linie um die Verhinderung des Abbaus von klimaschädlicher Braunkohle auf diesem Gebiet, denn sie sehen, dass seit dem Abkommen von Paris zwar viel geredet wurde, doch wenig passiert ist: Nun ist die Zeit zum Handeln gekommen. Um in Bayern, Deutschland und Europa unseren Teil zu diesem globalen Ziel beizutragen, ist der Kohleausstieg schnellstmöglich zu vollziehen.

Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe muss bald der Vergangenheit angehören – konkret bedeutet dies: Wir müssen in Europa in den nächsten zwölf Jahren aus der Kohle aussteigen.