Vielfalt mit Stärken: Inklusion von jungen Menschen mit Behinderungen in der Kinder- und Jugendarbeit

Der Begriff „Inklusion“ wird mittlerweile in allen Bereichen des öffentlichen Lebens verwendet. Kindergärten, Schulen, Freizeit- und Arbeitsstätten, das ganze gesellschaftliche Leben soll „inklusiv“ werden.

Was jedoch bedeutet „Inklusion“? In der „inklusiven“ Gesellschaft soll allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich sein, unabhängig von körperlichen, geistigen und seelischen Beeinträchtigungen, aber auch unabhängig von Geschlecht, Alter, sozialer Herkunft, ökonomischen Rahmenbedingungen, Religion, Weltanschauungen, Bildungsgrad, Migrationshintergrund, sexueller Orientierung etc.

Der Bayerische Jugendring (BJR) möchte sich vor allem in einem ersten Schritt in Zukunft verstärkt mit dem Thema „Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit“, d.h. mit der Lebenssituation von jungen Menschen mit Behinderung und jungen Menschen, die von Behinderung bedroht sind, auseinandersetzen. In den Gliederungen des BJR und in den Jugendverbänden sind bereits seit vielen Jahren eine vielfältige Praxis und Diskussionen im Themenfeld der Inklusion vorhanden. Um Inklusion in ihrem Umfang und ihren Dimensionen für die Jugendarbeitspraxis pragmatisch und umsetzbar zu fassen, ist zu klären, was Inklusion bedeutet. In der Unterstützung zur Wahrnehmung der Interessensvertretungsfunktion für junge Menschen mit Behinderung und ihrer Familien ist der BJR daher gefordert, darauf zu achten, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung sowie für Praktiker/-innen Inklusion allgemeinverständlich und praxisnah beschrieben und kommuniziert werden kann. Zudem sind die Zuständigkeiten (Fachkräfte, Förderungen und Qualifizierungen) beim BJR und seinen 103 Gliederungen im Sinne einer Kundenorientierung zu vereinheitlichen, um Verständlichkeit und Transparenz weitestgehend herstellen zu können.

Einführung

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ist seit 26. März 2009 für Deutschland rechtsverbindlich und der Begründungszusammenhang für Inklusion. Damit sind keine neuen Rechte entstanden, sondern die Bedeutung der Rechte von Menschen mit Behinderung im Verhältnis zu bestehenden Gesetzen und Rechtsnormen müssen überdacht und neu gestaltet werden. Schon 1994 wurde der Artikel 3 des Grundgesetzes um den Satz „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ erweitert. Mit Inklusion wird die neue Perspektive bezeichnet, die Behinderungen als gesellschaftliche bzw. soziale Konstruktionen ansieht, die es zu überwinden gilt. Danach hat Behinderung ihren Ausgangspunkt nicht im Individuum, sondern in gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Zur gesellschaftlichen Gruppe der „Menschen mit Behinderung“ gehören sehr unterschiedliche Personen in vielfältigen Lebenslagen und mit unterschiedlichen Arten einer (Mehrfach-)Beeinträchtigung. Körperliche Funktionen oder die kognitive Wahrnehmung können beispielsweise beeinträchtigt sein. Es kann eine psychische Erkrankung vorliegen oder der Antrieb eines Menschen eingeschränkt sein. Zudem gehören potenziell auch chronisch Erkrankte oder Menschen mit Suchterkrankungen zu diesem Personenkreis. „Behinderung“ wird inzwischen auch von der World Health Organization (WHO) als Beeinträchtigung der gesellschaftlichen Teilhabe definiert, die durch eine Analyse sozialer Zustände festgestellt werden kann. Dieser umfassenden Definition wird ebenfalls im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und dem Sozialgesetzbuch SGB IX Rechnung getragen: Die Beschreibung von Behinderung im SGB IX (2001, § 2 Abs. 1) beinhaltet entsprechend zwei Aspekte: a) einen für das Lebensalter untypischen Zustand der jeweiligen Person und als Folge davon b) die Beeinträchtigung der gesellschaftlichen Partizipation. Laut der „Strukturstatistik 2013 – Menschen mit Behinderung“ des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (StMAS) haben von den 6- bis 25-jährigen Menschen in Bayern 95.277 eine Behinderung, davon sind 76.564 schwerbehindert, d.h. der Grad der Behinderung beträgt über 50 bis 100 Prozent.

Das SGB VIII und das Bayerische Ausführungsgesetz (BayAGSG Teil 7) sind nicht inklusiv gestaltet. Die Leistungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind in unterschiedlichen Sozialleistungssystemen geregelt. Bestimmungen für die Eingliederung von Kindern und Jugendlichen mit Lernbehinderung, mit geistiger und körperlicher Behinderung finden sich in §§ 53 ff. SGB XII (Sozialhilfe). § 35a SGB VIII (Kinder - und Jugendhilfe) räumt seelisch behinderten Kindern und Jugendlichen und von einer solchen Behinderung bedrohten Minderjährigen einen Anspruch auf Eingliederungshilfe ein. Aufgrund der geltenden Rechtslage und der unterschiedlichen Zuständigkeiten entstehen in der Praxis Schnittstellenprobleme zwischen den Hilfesystemen. So werden derzeit nur bestimmte junge Menschen mit einer Behinderung bzw. die von einer Behinderung bedrohten durch die öffentliche Jugendhilfe individuell gefördert. Die zahlreichen zuständigen Behörden, auf die die Förderungen von Menschen mit Behinderung verteilt sind, machen es für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Behinderung fast unmöglich, einfach und bürgerfreundlich z. B. Unterstützung für eine Jugendfreizeitmaßnahme o. ä. zu beantragen. Derzeit konkurrieren die Finanzsysteme der offenen Behindertenarbeit und der vollstationären Einrichtungen der Behindertenhilfe mit der Jugendarbeit, wenn junge Menschen mit Behinderung sich für eine gesellschaftliche Teilhabe in der Jugendarbeit entscheiden wollen.

„Die Umsetzung der Idee einer inklusiven Gesellschaft erfordert jedoch weitere Anstrengungen. In diesem Sinne sind die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe auch offen gehalten für junge Menschen mit Behinderungen. „Jugendpolitisch (...) sind behinderte junge Menschen als erstes als Kinder und Jugendliche zu sehen, die Interesse und Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben genauso wie ihre nicht behinderten Alters-genossen“ (Bericht der Enquete-Kommission Jungsein in Bayern, 2009). Damit wird auch ein gemeinsames gesellschaftliches Werteverständnis zum Ausdruck gebracht, das durch die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe mit Leben erfüllt wird“, heißt es im Jugendprogramm der Bayerischen Staatsregierung.

Inklusion = Recht auf Teilhabe von Menschen mit Behinderung

In Wahrnehmung der Interessensvertretungsfunktion für junge Menschen und ihre Familien wird darauf zu achten sein, dass für Fachkräfte und Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung die bestehende Gesetzeslage vereinfacht und allgemeinverständlich gestaltet wird und Zuständigkeiten beim BJR und seinen 103 Gliederungen gebündelt werden, um Orientierung und Transparenz weitestgehend herstellen zu können. Institutionen und Partnerorganisationen sind, neben den Jugendverbänden und Jugendringen, die öffentliche Jugendhilfe, die Kommunen, Städte und Landkreise, deren Spitzenverbände, die Bezirke, der Bezirkstag sowie das StMAS, die Wohlfahrtsverbände und Einrichtungen der Behindertenhilfe. Gegenüber der Landespolitik sind die Rahmenbedingungen zu formulieren und einzufordern, die in Bayern eine inklusive Jugendarbeit finanziell fördern und verwirklichen helfen.

Im 12. Kinder- und Jugendbericht wurde schon 2006 formuliert, dass die vorherrschende nach-frageorientierte Angebotsform der Jugendarbeit von sich aus soziale Ungleichheitsstrukturen nicht korrigiere, sondern diese tendenziell fortsetze. Bei dem Ziel Inklusion, so die Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter in einem Positionspapier 2012, ist die besondere Lernkultur der Kinder- und Jugendarbeit, die „Partizipation, Freiwilligkeit, Selbsttätigkeit im Kontext unmittelbarer Erfahrung und in diesem Sinne auf die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, Selbstachtung, sozialer Eingebundenheit und Verantwortung“, zu sehen. In der Fortschreibung des Kinder- und Jugendprogramms der Bayerischen Staatsregierung 2013 gibt es umfangreiche Empfehlungen für junge Menschen mit Behinderung.

  • Das Jugendkulturhaus Route 66 in Haar (Landkreis München) bietet seit über 26 Jahren Freizeitangebote für Menschen mit und ohne Behinderung, einen Behinderten- und Nichtbehinderten-Treff und beratende Unterstützung der Eltern der Jugendlichen mit Behinderung.
  • Die oberbayerischen Kultur- und Jugendkulturtage des Bezirksjugendrings Oberbayern finden alle zwei Jahre statt und 2015 in Freising. Die aktive Beteiligung von Menschen mit und ohne Behinderung, unterschiedlicher Generationen und Kulturen ist eines der Grundprinzipien ebenso wie die Zusammenarbeit unterschiedlicher Kooperationspartner/-innen bei der Entwicklung der Programmbeiträge von Musik, Theater, Tanz, Bildender Kunst, Medien, Literatur und Film bis hin zu Heimatpflege- und Umweltthemen. Auf diese Weise möchte der Bezirksjugendring Oberbayern nachhaltig die Inklusion in der Region fördern.
  • Die Jugend des Deutschen Alpenvereins bietet seit 2000 No Limits-Kurse an. Diese richten sich an junge Menschen, egal ob (geistig, körperlich oder sinnes-)behindert oder nicht. Durch Herausforderung, gegenseitige Anerkennung und den Zusammenhalt der Gruppe eröffnen sich häufig ungeahnte Möglichkeiten.

Die Durchführung inklusiver Projekte der Kinder- und Jugendarbeit war bisher Pionierarbeit. Für die Entwicklung von fachlichen Standards und zur Verstetigung von inklusiven Fördergrundlagen und Lebenswelten ist die Vernetzung mit integrativen Institutionen und Behinderteneinrichtungen, Förderschulen etc. notwendig. Die notwendige Ausstattung mit öffentlichen Fördermitteln für eine inklusive Jugendarbeit ist weder in Bayern noch im Bund gegeben. Bei einer gesetzlichen Änderung (z. B. durch die sog. „große Lösung“ mit einem Bundesteilhabegesetz) ist darauf zu achten, dass junge Menschen mit Behinderung an Angeboten der Jugendarbeit teilhaben können.

Inklusion = Barrierefreiheit

Bauliche Barrierefreiheit ist eine wesentliche Voraussetzung für inklusive Jugendarbeit und bereits seit 15 Jahren in den Förderrichtlinien des BJR verankert. Damals war der BJR den gesetzlichen Regelungen weit voraus, inzwischen steht die Verpflichtung zum barrierefreien Bauen auf einer soliden gesetzlichen Grundlage (Bayerische Bauordnung BayBO, Juli 2013 mit DIN 18040 Barrierefreies Bauen). Damit wurde die Position des BJR gestärkt. Die Genehmigungsbehörden prüfen häufig (noch) nicht qualifiziert. Daher prüft der BJR die Förderanträge gründlich und berät bei der Umsetzung. Der erweiterte Begriff von baulicher Barrierefreiheit auch hinsichtlich sensorischer und kognitiver Einschränkungen ist noch nicht im Bewusstsein der Planer/-innen und Nutzer/-innen verankert. Das Problembewusstsein der Einrichtungsträger/-innen und Planer/-innen für die baulichen Anforderungen an Barrierefreiheit sollte unbedingt weiterentwickelt werden. Der BJR hat zu diesem Thema in der Reihe „Nachhaltigkeit bei Einrichtungen der Jugendarbeit“ eine Informationsschrift publiziert. Der BJR fordert, dass gerade die zahlreichen bestehenden Jugendeinrichtungen baulich „fit für Inklusion“ gemacht werden.

Die Einfache Sprache ist ein unumgängliches Querschnittskriterium der Inklusion. Die gesamte Öffentlichkeitsarbeit (Publikationen, Förderrichtlinien etc.) müsste darauf eingestellt bzw. erweitert werden, allen voran der barrierefreie Internetauftritt. Im Hinblick auf eine möglichst breite Berücksichtigung in der bayerischen Jugendarbeit ist das Thema Einfache Sprache, aber auch die konzeptionelle und strukturelle Weiterentwicklung einer inklusiven Perspektive, als Weiterbildungsangebot für Fachkräfte und Ehrenamtliche sicherzustellen.

Inklusive Perspektive und Verständnis von Inklusion

Alle jungen Menschen in Bayern haben das Recht auf eine aktive gesellschaftliche Teilgabe und Teilhabe und eine Förderung ihrer Persönlichkeit. Der BJR verfolgt in all seinen Belangen eine inklusive Perspektive, die alle jungen Menschen mit ihren Stärken und Schwächen nicht ausgrenzt. Damit ist der Wille verbunden, stets das eigene (pädagogische) Handeln unter einer inklusiven Perspektive zu hinterfragen, um Exklusionsprozessen kontinuierlich entgegen-zuarbeiten. Die inklusive Perspektive hat zwei Dimensionen: ein praktisches und ein theoretisches Verständnis von Inklusion. Beim praktischen Verständnis handelt es sich um die politisch hergestellten Verhältnisse sowie um das professionelle Praxishandeln zur Inklusion von Menschen mit Behinderung. Beim theoretischen Verständnis wird Behinderung nur als eine der denkbaren, wenngleich gesellschaftlich bedeutsam gemachten Benachteiligung gesehen, die zu Diskriminierungen und Ausgrenzungen führen kann. In diesem Verständnis ist das Thema Diversität verortet und zu diskutieren.

Die Strukturen der Jugendarbeit sollen sich den individuellen Bedürfnissen anpassen. Alle An-gebote und Leistungen sind von vornherein so zu denken, dass junge Menschen mit Behinderung teilhaben können. Wir wollen dabei strukturelle, finanzielle, personelle Grenzen wahrnehmen und benennen. Um die Teilhabechancen junger Menschen zu ermöglichen und zu steigern, suchen wir individuelle und kreative Lösungen. Die Bereitstellung dieser Ressourcen ist aus unserer Sicht zu gewährleisten und einzufordern. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, dass von der Unterschiedlichkeit und Vielfalt jedes Menschen die Gemeinschaft und jede und jeder Einzelne gleichermaßen profitieren.

Forderungen

Der BJR wird sich verstärkt mit dem Thema Inklusion als Querschnittsthema auseinandersetzen

  • Alle öffentlichen und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe tragen die Verantwortung, dass inklusive Praxisansätze umgesetzt und pragmatische Lösungen gefunden werden, um junge Menschen mit Behinderung an den Angeboten teilhaben zu lassen.
  • Die öffentlichen Träger aller Ebenen sind im Rahmen ihrer Planungsverantwortung gefordert, Prozesse zu initiieren, Rahmenbedingungen zu schaffen und Maßnah­men zur Veränderung anzuregen, damit der Weg zur Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit nachhaltig beschritten werden kann.
  • Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen freien und öffentlichen Trägern der Jugendarbeit und den Trägern der Behindertenhilfe ist gefordert. Der BJR will Kooperationen auf den Weg bringen, um jungen Menschen mit Behinderung mehr gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.
  • Die bauliche Barrierefreiheit ist für den BJR selbstverständlich. Der BJR will dies einerseits für seine Geschäftsstelle und Einrichtungen verwirklichen; andererseits will der BJR, dass auch die zahlreichen bestehenden Jugendeinrichtungen baulich umgestaltet werden können, um inklusive Jugendarbeit zu ermöglichen.
Der BJR unterstützt eine Jugendhilfeplanung zum Thema Inklusion
  • Die Kinder- und Jugendarbeit ist eingebettet in einen Gesamtprozess der Umorientierung hin zur Inklusion in der Kinder- und Jugendhilfe. Eine grundlegende Jugendhilfeplanung zum Thema Inklusion ist gefordert.
  • Es liegt in der Gesamtverantwortung des öffentlichen Jugendhilfeträgers, zusam­men mit den freien Trägern für eine bedarfsgerechte Infrastruktur und entspre­chende Angebote der Freizeit, Bildung und Teilhabe für alle Kinder und Jugendli­chen zu sorgen.
  • Sinnvoll ist es, wenn beide Institutionen zusammenarbeiten, um von den jeweiligen Kompetenzen zu profitieren und Synergien zu gestalten. Es bedarf einer für die Ju­gendarbeit praxistauglichen Inklusion.
  • Durch Vernetzung und Wissenstransfer wird ein Rahmenkonzept, das Möglichkei­ten, Grenzen und Standards aufzeigt, erarbeitet werden. Eine bayernweite Befra­gung aller Jugendverbände und Jugendringe zu laufenden und bisherigen Aktivitäten sowie zum Verständnis von Inklusion wird durchgeführt werden.
Der BJR unterstützt eine stärkere Teilhabe und Selbstorganisation von jungen  Menschen mit Behinderung
  • Kinder- und Jugendarbeit unterstützt in besonderer Weise den Einzelnen dabei, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, und fördert die Einbeziehung in die Gemein­schaft bzw. eröffnet Möglichkeiten und Zugänge, um am kulturellen Leben sowie an Lern-, Spiel-, Erholungs-, Freizeit und Sportaktivitäten teilhaben zu können.
  • In der Kinder- und Jugendarbeit bietet die Gruppe einen Bezugsrahmen des Han­delns der Beteiligten für Aushandlungsprozesse zwischen unterschiedlichen Be­dürfnissen. Jugendarbeit ist Interessensvertretung und Mitverantwortung gegenüber Dritten.
  • Die Förderung eigener Angebote und die Selbstorganisationen junger Menschen mit und ohne Behinderung ist notwendig, um eine inklusive Gesellschaft zu verwirklichen. Selbstorganisation ist eine wichtige und unterstützenwerte Form, sich für die eigenen Belange einzusetzen.
Der BJR unterstützt Kooperation und Vernetzung
  • Damit die Entwicklung einer inklusiven Praxis (rechtliche, finanzielle und fachliche Rahmenbedingungen) gelingen kann, sind Gründung und Integration von selbst organisierten Zusammenschlüssen von Jugendlichen mit Behinderung in die Strukturen der Jugendarbeit, insbesondere der Jugendringe und Jugendverbände, anzuregen und zu unterstützen.
  • Damit die Entwicklung einer inklusiven Praxis gelingen kann, sind die Träger der Behindertenhilfe in die Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII einzubeziehen sowie die Vernetzung und Zusammenarbeit mit Facheinrichtungen und Beratungs­stellen der Behindertenhilfe umzusetzen und zu entwickeln.
  • Damit die Entwicklung einer inklusiven Praxis gelingen kann, sind Zugänge durch Begegnungs-, Freizeit- und Lernorte im Sozialraum zu schaffen und kommunaleBeteiligungsformen in der Jugendarbeit anzubieten, die gezielt junge Menschen mit Behinderung und ihre Einrichtungen einbeziehen.
Der BJR unterstützt und initiiert Fort- und Weiterbildungsangebote
  • Die erforderliche Fort- und Weiterbildung für Ehrenamtliche und Hauptberufliche wird unterstützt und angeboten.
  • Jugendverbände, Jugendringe und Jugendbildungsstätten werden ein ansprechendes Fort- und Weiterbildungsangebot zum Thema Inklusion anbieten.
  • Innerhalb der Juleica-Ausbildung wird ein Baustein „Inklusion in der Kinder- und Ju­gendarbeit“ entwickelt und eingesetzt, der bei der Juleica-Ausbildung eingesetzt werden kann.
  • Die Ausbildung und Finanzierung von Gebärdendolmetscher/-innen soll innerhalb der Jugendarbeit gefördert werden. Ehrenamtliche Jugendleiter/-innen sollen in die Lage versetzt werden, durch Vermittlung von Grundkenntnissen die Gebärdensprache bei Freizeitangeboten anzuwenden.
Der BJR wird sich mit Situationen von jungen Menschen mit Behinderung auseinandersetzen
  • Der BJR wird sich mit der Situation und den unterschiedlichen Bedürfnissen von differenzierten Beeinträchtigungen und Behinderungen auseinandersetzen.
  • Der BJR wird die Situation von weiblichen und männlichen Kindern und Jugendlichen mit Behinderung auch in der Kommission Mädchen- und Frauenarbeit und der Kommission Jungen- und Männerarbeit thematisieren und im Hauptausschuss berichten. Insbesondere sind wichtige Themen, etwa Gewalt- und Missbrauchserfahrungen von behinderten Mädchen und jungen Frauen, zu verfolgen.Der BJR wird die  Situation von jungen Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund auch in der Kommission Integration thematisieren und dem Hauptausschuss berichten.
  • Der BJR wird die Situation von jungen Menschen mit Behinderung in unterschiedlichen Regionen in Bayern thematisieren.
Der BJR wird ein Modellprojekt zur Inklusion durchführen
  • Die Geschäftsstelle wird beauftragt, ein drittmittelfinanziertes Modellprojekt (z.B. über die Aktion Mensch) zur Inklusion in der Jugendarbeit unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Fachgesprächs vom 2. Dezember 2014 der Kommission Mädchen- und Frauenarbeit durchzuführen.
  • Ein Modellprojekt kann eine Leitfunktion zur Sensibilisierung für die Inklusion ha­ben, das zum einen das Praxiswissen der Jugendverbände, Jugendringe und Jugendbildungsstätten in Projektregionen auf Bezirksebene zusammenfasst und systematisiert und zum anderen dem Aufbau eines Netzwerks „Inklusion in der Jugendarbeit“ mittels Arbeitskreisen und Veranstaltungen dient.
  • Darüber hinaus wird ein Transfer für ein Modul Inklusion in der Jugendleiterausbildung erarbeitet werden können. Die Projektergebnisse können als Transfer bayernweit weiterentwickelt werden. Für die Entwicklung fachlicher Standards können die Projektergebnisse hilfreich sein und durch Praxis, Hochschule und Forschung (z.B. das Deutsche Jugendinstitut DJI) begleitet und evaluiert werden. Gerade die Verzahnung mit Einrichtungen der Behindertenhilfe wird wichtige Erkenntnisse hervorbringen.
  • Zur Förderung der praktischen Umsetzung der Inklusion in der Jugendarbeit soll ein Fachprogramm Inklusion zur Projektförderung entwickelt und umgesetzt werden.
  • Die „Einfache Sprache“ wird als Querschnittskriterium beispielgebend im Projekt  zielgerichtet umgesetzt.
Der BJR fordert Voraussetzungen für eine inklusive Gesellschaft
  • Der BJR fordert innerhalb der Strukturen der Jugendarbeit einen kontinuierlichen  Diskurs über Inklusion.
  • Der BJR fordert ein inklusives Kinder- und Jugendhilferecht: eine Zusammenführung der Eingliederungshilfe für junge Menschen mit Behinderung unter dem Dach eines Sozialgesetzbuchs und einer Zuständigkeit für alle jungen Menschen.Der BJR fordert die Bayerische Staatsregierung auf, inklusive Schulformen zu verwirklichen, und die Wirtschaft, mehr Inklusion in Unternehmen zu fördern und damit eine inklusive Arbeitsmarktpolitik zu gestalten. Der BJR fordert die Umsetzung der Empfehlungen der Enquete-Kommission „Jungsein in Bayern“ von 2009 für junge Menschen mit Behinderung, wie z.B. die Förderung von Assistenzen im außerschulischen Bildungsbereich. Diese Empfehlungen gilt es, aufzugreifen und für die Jugendarbeit in Bayern die finanziellen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen und umzusetzen.
  • Darüber hinaus unterstützt der BJR die weiteren Empfehlungen der Enquete-Kommission, diese sind u.a. die integrative Förderung an Regelschulen, insbesondere der Ausbau der „Mobilen Sonderpädagogischen Dienste“, eine bessere Integration von jungen Menschen mit Behinderung in die Berufswelt durch „Patenschaften in der Wirtschaft“, die Förderung von Modellprojekten durch die Bundesagentur für Arbeit und dem StMAS.

Beschlossen vom 146. Hauptausschuss des Bayerischen Jugendrings vom 20. bis 22. März 2015