Was ist nur los mit EU-ch?

Die Delegierten der 156. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings halten an der Vision eines friedvollen, zukunftsorientierten und gerechten Europas, welches seiner Verantwortung in der Welt nachkommt, fest und fordern alle Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik auf, nach Kräften an der Umsetzung mitzuwirken.

Bereits vor dem weltweiten Ausbruch von Covid-19 waren die Zustände in den Flüchtlingslagern nicht hinnehmbar. Mit der Ausbreitung von Corona sind unter anderem die mangelnde Wasserversorgung und die maßlose Überbelegung zu einer direkten und lebensbedrohlichen Gefahr für die Menschen geworden. 

Argumente und Begründungen, eine ordentliche humanitäre Versorgung schutzsuchender Menschen führe dazu, dass sich noch mehr Flüchtlinge auf den Weg machen, sind aus unserer Sicht menschenverachtend und nicht mit der europäischen Vision von Frieden und Gerechtigkeit vereinbar. Vielmehr scheint die Wahrung der Menschenwürde zu einem Privileg geworden zu sein, welches nicht mehr jedem Menschen gleichsam zusteht. 

Das Feuer im Lager Moria auf Lesbos, das darauf folgende Vorgehen gegen Demonstrant:innen mit Tränengas oder die Zwangsmaßnahmen, mit denen die Menschen in das neue Lager gebracht wurden,π sind der deutliche Hinweis, dass die Situation außer Kontrolle geraten ist. 

Es muss endlich Schluss sein mit einer Politik, die die Verzweiflung, das Elend und den Schmerz von Menschen missbraucht um ihr Nicht- Handeln zu rechtfertigen. 

Es ist höchste Zeit für eine Lösung, die das Wohl der Menschen und nicht das Bestreben der Gleichsetzung von Staaten als Priorität für sich formuliert. Es ist nicht zielführend darauf zu warten, dass alle EU-Staaten ihrer Verantwortung gerecht werden und die Umsetzung der Menschenrechte als oberstes Handlungsziel für sich definieren.  

Wir fordern die Verantwortlichen auf, die überfüllten Lager zu räumen und alternative Unterbringungsformen zu diskutieren. Die Auflösung der Flüchtlingslager muss endlich ein angestrebtes politisches Ziel sein. Entsprechende Finanzierungs- Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten für besonders betroffene Gebiete oder Regionen müssen in einer europäischen Gesamtstrategie eingebettet sein. 

Wir fordern die Bundesregierung auf, die Angebote der Länder, Landkreise, Städte und Kommunen Geflüchtete aufzunehmen ernst zu nehmen und Bürokratiehürden und Zuständigkeitsfragen zugunsten humanitärer Nothilfen hintenanzustellen. 

Wir verstärken unsere Forderung, vor allem fragilen Menschengruppen wie Kindern, Jugendlichen oder schwangeren Frauen schnellstmögliche – auch medizinische – Versorgung zuteil werden zu lassen. Gerade in Zeiten einer weltweiten Bedrohung durch einen Virus ist dies unabdingbar. Die Strategie des „Abwartens“ kostet in diesem Fall Menschenleben.

Wir, die Vertreter:innen der bayerischen Jugendarbeit halten an der Vision eines friedvollen, zukunftsorientierten und gerechten Europas, welches seiner Verantwortung in der Welt nachkommt, fest und fordern alle Verantwortlichen in Gesellschaft und Politik auf, nach Kräften an der Umsetzung mitzuwirken.