Zum Stellenwert der Jugendkulturarbeit und der kulturellen Jugendbildung in der bayerischen Jugendarbeit

1. Leitlinien: Jugendkulturarbeit und kulturelle Jugendbildung sind wesentliche Aufgabenbereiche und Angebotsformen zeitgemäßer und bedürfnisorientierter Jugendarbeit.

1. Leitlinien

  • Jugendkulturarbeit und kulturelle Jugendbildung sind wesentliche Aufgabenbereiche und Angebotsformen zeitgemäßer und bedürfnisorientierter Jugendarbeit.
  • In verschiedenen kulturellen Handlungsfeldern wie u.a. Theater, Musik, Spiel verfügt die Jugendarbeit über eine reichhaltige Tradition, vielfältige Erfahrungen und ein umfangreiches Methodenspektrum. Als Ausdruck der jeweiligen verbandlichen Identität und typischen Jugendverbandspraxis besitzen traditionelle Aktivitäten kultureller Jugendbildung und Praxisweiterhin ihre Bedeutung und ihren Stellenwert. In der Umsetzung traditioneller Inhalte mit jugendkulturellen zeitgemäßen Methoden wird häufig die Spannung zwischen Tradition und Moderne, zwischen Altem und Neuem, zwischen Eigenen und Fremden produktiv gelöst. 
  • Heute geht es auch darum, neuartige jugendkulturelle Ausdrucks- und Gesellungsformen verstärkt wahrzunehmen, in die Praxis der Jugendarbeit einzubeziehen sowie sie in ihrer eigenständigen Bedeutung für das Aufwachsen junger Menschen heute zu unterstützen. Denn Jugendkulturen sind selbstverständlicher Teil des Alltags moderner Gesellschaften geworden, wobei keine einzige mehr einen Anspruch auf Deutungshoheit beansprucht. Im Sinne von „Schock und Schöpfung“ sind Jugendkulturen ein wesentlicher Motor kultureller Modernisierung in westlichen Gesellschaften geworden. 
  • Jugendkulturarbeit geschieht sehr häufig in Gleichaltrigenbezügen oder Peer-Groups. Diese sind nicht nur als Gesellungsformen zu verstehen, sondern sie dienen heute als wichtige Orte des Lernens, der Kompetenzaneignung, der Ausbildung der eigenen Identität. 
  • Jugendkulturelle Aktivitäten sind in besonderer Weise geeignet, geschlechtsspezifische und interkulturelle Aspekte und Auseinandersetzungen zum Ausdruck zu bringen 
  • Gerade im aktiven Umgang mit Kultur und Medien erwerben Heranwachsende beiläufig oder gezielt technische Fertigkeiten, kulturelles Wissen sowie Orientierung zur Entwicklung von Persönlichkeits- und Lebenskonzepten. Jugendkulturelle Szenen, Gruppierungen und Aktivitätsformen können deshalb als eine Form selbstorganisierter Jugendarbeit angesehen werden, die im Rahmen der Jugendarbeit unterstützt und gefördert werden sollen. Als Gegenpart zur Kommerzialisierung von jugendkulturellen Strömungen ist die Herausbildung von eigenen kulturellen und ästhetischen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen wesentliches Anliegen der Jugendarbeit.Desweiteren geht es darum, den Auswirkungen der Kommerzialisierung, konkret der Schaffung weiterer sozialer Ungleichheiten zu begegnen. 
  • Kulturelles Agieren spricht bei Jugendlichen vor allem die Seiten von Spass und Geselligkeit an im Ausdruck von symbolischen Formen, im Erleben von Gemeinsinn, im Lernen und Ausprobieren kultureller Techniken, im Schlüpfen in neue und unbekannte Rollen, im Ausleben ihrer kreativen Möglichkeiten.

2. Jugendkulturarbeit und kulturelle Jugendbildung in der Jugendarbeit entwickeln und fördern.

Entwicklung und Förderung von kultureller Jugendbildung/Jugendkulturarbeit verfolgt die Ziele, Angebote und Aktivitäten zu ermöglichen und zu verbreitern, eine Öffentlichkeit für diese Aktivitäten zu schaffen sowie die jugendkulturellen Gruppierungen und Szenen zur Verstärkung ihres Selbstorganisationspotentials in die Strukturen der Jugendarbeit einzubeziehen.

Wesentliches Anliegen der Förderung und Unterstützung muss es sein, aktives kulturelles Handeln sowohl als kultureller Aneignungsprozess als auch als Teil der Identitätsbildung und Ausdruck gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen.
Einer Jugendkulturarbeit innerhalb der Jugendarbeit kann es gelingen, eine Brücke zu schlagen zwischen den jugendkulturellen Realitäten und den gesellschaftlichen Anforderungen eines gelingenden Alltags. Die Unterstützung und Förderung kulturelle Jugendbildung/Jugendkulturarbeit, die diesen Anforde-rungen entsprechen kann, ist in einem besonderen Maße der Nachhaltigkeit verpflichtet. Außerdem ist es eine zentrale Aufgabe, Öffentlichkeit für Produkte der Jugendkulturarbeit durch Festivals, Kulturtage oder andere sogenannte „Leuchtturmprojekte“ zu schaffen. Dies ist umso notwendiger als die Mechanismen des Kulturbetriebs und die Kommerzialisierung der Popmusik immer gezielter und früher Einfluss nehmen auf die kulturelle Entfaltung Jugendlicher.

3. Aufgaben und Möglichkeiten der Jugendringe und Jugendverbände

  • Die Entwicklung eines Netzwerkes mit Dienstleistungscharakter jungerMenschen und diese zur Mitgliedschaft im Jugendring zu motivieren: Auf örtlicher Ebene sind die Bemühungen zu aktivieren, mit den dortigen Initiativen zusammenzuarbeiten und sie aufzunehmen. 
  • Die Jugendarbeit verfügt bereits bisher über vielfältige Formen der Vernetzung und Unterstützung jugendkultureller Aktionsformen. Diese Möglichkeiten zur Vernetzung sind überörtlich (Bezirk) oder handlungsfeldbezogen (Musik, Tanz, u.a.) zu fördern und innerhalb der Kreis- und Stadtjugendringe sowie auf bezirklicher Ebene mit unterschiedlichen Schwerpunkten anzustreben. Die bezirkliche Ebene bietet sich wegen der Zuständigkeit der Bezirksregierungen für Kultur in besonderer Weise als Arbeitsebene an 
  • Auf örtlicher und überörtlicher Ebene soll die Jugendarbeit verstärkt die Möglichkeiten im Event-Bereich nutzen, z.T. auf der Basis der schon vorhandenen erprobten Strukturen. Beispiele hierfür sind das alle zwei Jahre stattfindende JuFinale, das Breakdance-Festival in Nürnberg, die oberbayerischen Jugendkulturtage, x-large in Augsburg und viele andere auf regionaler Ebene. Damit können Jugendliche erreicht werden, die aus unterschiedlichen Gründen die Angebote der Jugendarbeit nicht wahrnehmen. Insbesondere wird es möglich sein, mit einer verstärkten Angebotstätigkeit Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu erreichen und zu Aktivitäten zu motivieren. 
  • Jugendkulturell ausgerichtete Events eignen sich in besonderer Weise dafür, eine externe Öffentlichkeit zu erreichen und gleichzeitig aufmerksam zu machen auf die besonderen Anliegen von Kindern und Jugendlichen. Auf diesem Feld kann auch eine Verbindung mit Ansätzen der politischen Bildung hergestellt werden. 
  • Aktive Unterstützung jugendkultureller Aktivitäten und jugendkultureller Szenen v.a. in der Offenen Arbeit, in der aufsuchenden und mobilen Arbeit und in der Zusammenarbeit mit Schüler und Schülerinnen an der Schule
  • Initiierung und Förderung weiterer bayernweiter oder regionaler Wettbewerbe und Festivals entsprechend den verschiedenen Ausdrucksformen wie Tanz, Schauspiel usw.

4. Aufgaben auf Landesebene

  • Einrichtung eines langfristigen Förderprogramms v.a. für Aktivitäten mit dem Ziel, sowohl Einzelmaßnahmen, Projekte wie Wettbewerbe zu unterstützen. Des weiteren soll ein solches Programm von seiner Gesamtfördersumme so ausgestattet sein, dass eine landesweite „Marke“ mit Wiedererkennungseffekt entstehen kann. 
  • Unterstützung bei Vernetzung der Initiativen und Akteure. Dies schließt eine personelle und fachliche Verortung dieser Aufgabe im BJR, die Organisation eines übergreifenden Austausches sowie die Entwicklung fachlicher Standards mit ein.

Weiterentwicklung und Profilierung der kulturpädagogischen Angebote an Fortbildungen, Seminaren und Zusatzausbildung am Institut für Jugendarbeit und in Kooperation mit den Jugendbildungsstätten

Beschlossen vom 128. Hauptausschuss des Bayerischen Jugendrings vom 23. bis 25. März 2006