Wahlrede

des BJR-Präsidenten Matthias Fack beim 150. Hauptausschuss

Sehr geehrte Vorsitzende, liebe Ivonne, liebe Delegierte des 150. Hauptausschusses, sehr geehrte Gäste und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bayerischen Jugendrings,

ich stelle mich heute zum dritten Mal zur Wiederwahl. In der Vorbereitung, auf das, was ich sagen möchte, kam mir eine Karte in die Hand, die mir vor ein paar Tagen eine liebe Kollegin mit den besten Aufmunterungswünschen zur Wahl geschenkt hat:

Sinngemäß war dort, wohl auf einem Kneipenschild auf eine der Tafeln mit Kreide geschrieben, zu lesen, dass den Versprechungen von Betrunkenen, Verliebten, Verwirrten und Präsidenten nicht viel beizumessen ist.

Ich fühlte mich aufgemuntert und ich musste sehr lachen. Und ich fühlte und fühle mich angespornt. Denn eines unter vielen, was ich in der Jugendarbeit gelernt habe, ist, das zu halten, was man verspricht. Oder es zumindest wirklich zu versuchen.

Das ist mein Anspruch an mich. Und so wollte ich mein Amt in den letzten Jahren führen. Und so möchte ich es auch weiterführen, wenn Ihr mir heute Euer Vertrauen schenkt. Und für dieses Vertrauen, für Eure Unterstützung, für den Rat, den ich in den hinter uns liegenden Jahre erhielt, für die Reibungsflächen, die wir miteinander hatten und aushielten, will ich heute danke sagen. Danke für das, was damit möglich wurde.

Denn das, was in den letzten Jahren gelungen ist, was wir heute im Arbeitsbericht miteinander bereits besprochen haben, wären ohne Vertrauen nicht möglich. In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam den Bayerischen Jugendring wieder dort positioniert, wo er sein muss: Als Sprachrohr für Kinder und Jugendliche, als Streiter für ihre Interessen und Anliegen und als Fachstelle und Beratungsinstanz. Es ist gelungen, den Haushalt zu steigern, denn die Staatsregierung weiß:

Dieser BJR mag nicht immer mit uns einer Meinung sein, aber er ist echt, er überzieht nicht, ihm liegt an der Lebenswirklichkeit von jungen Menschen.

Und er ist professionell und geht verantwortlich mit den Mitteln um, die ihm zur Verfügung gestellt werden. Wir müssen uns nicht mehr entschuldigen, dass wir halt auch da sind und was möchten. Wir sind da.

Unser Haushalt, den wir an diesem Wochenende besprechen werden, weist eine Summe aus, die uns tatsächlich noch vor die Kürzungen in 2003 bringt. Dabei laufen wir jetzt nicht überzogen durch das Land, sondern können endlich wieder gestalten, bewährtes behalten und ausbauen und auch neue Impulse setzen.

Wir haben Prätect verstetigt und ausgebaut und werden auch bundesweit für unsere Expertise geschätzt, die ein wesentliches und inhaltliches Mehr ist, als der unsägliche 72a, der nur Scheinlösungen bietet.

Das Jugenarbeitsfreistellungsgesetz wurde letzte Woche nach über 30 Jahren modernisiert und wenn wir uns auch nicht zu 100% durchgesetzt haben, es ist im Kern das, was wir wollten, flexiblere Lösungen für Ehrenamtliche.

Die LKS wurde durch Beschluss des Landesvorstandes zu einer Einrichtung des Bayerischen Jugendrings. Damit werden wir in einem leider nie kleiner und leiser sondern wieder lauter werdenden Thema, deutlich machen, wofür dieser Jugendring steht. Mit knapp 900 Tsd Euro haben wir in 10 Jahren die Summe vervielfacht und wir werden auch hier für unsere Expertise geschätzt. Integration, das zentrale gesellschaftliche Thema schlechthin, wird von uns in so vielen verschiedenen Zugängen bearbeitet, dass damit klar wird:

Wir zeigen gemeinsam Haltung, im Jahr 70 des Bayerischen Jugendrings für Offenheit, für Dialog und für Demokratie.

Und wir zeigen dies in einem neuen Outfit und Webauftritt, das unser Innerstes noch besser, bunter und frischer zum Ausdruck bringt.

Die Förderungen wurden ausgebaut und endlich, endlich gibt es Zusagen für neue Fachprogramme.

Die Satzung ist runderneuert, das weiß ich, auch wenn sie noch nicht beschlossen ist. Denn in einem langen und gründlichen aber auch zügigen Weg des Miteinanders haben wir sie gedreht, gewendet, untersucht, Lösungen erarbeitet, verworfen, neu überlegt und ich weiß, dass die Entscheidungen an diesem Hauptausschuss die richtigen sein werden und wir das haben, was ich mir vor zwei Jahren gewünscht habe. Eine neue Satzung, ausgerichtet an den Bedürfnissen der Jugendarbeit von heute, subsidiär gedacht und gestaltet und im Miteinander entwickelt.

Und die Geschäftsstelle des BJR entwickelt sich weiter. Neue Formen des Miteinanders wurden erprobt, Leitsätze erarbeitet und der Servicecharakter wird groß geschrieben.

Das alles ist geschafft worden, weil Vertrauen da war, Skepsis da war, Lobt und Unterstützung da war, Kritik da war, und wir wieder gelernt haben, miteinander stärker zu reden und uns als etwas Gemeinsames zu verstehen. Deswegen will ich danke sagen für die Zeit hinter uns, bei euch den Delegierten, beim Landesvorstand, bei den Verbänden und Gliederungen, ehren- wie hauptamtlichen und bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Wir haben gemeinsam viel erreicht.

Und keine Angst. Es ist keine Abschiedsrede. Denn ich stelle mich ja zur Wiederwahl. Es ist nicht die Zeit die Hände in den Schoss zu legen. Vieles möchte ich noch angehen, wenn ihr mir euer Vertrauen schenkt. Das, was geschafft wurde, gilt es zu etablieren. Fachprogramme im Bereich Medienarbeit, BNE, Demographie gilt es zu installieren. Die Förderung an sich will ich gemeinsam mit euch auf solche Füsse stellen, dass wir uns nicht alle vier Jahre, wenn sie zur erneuten Genehmigung kommen muss im Kleinklein von Richtlinien befinden.

Ich will weiter daran arbeiten, dass die Geschäftsstelle als eure Servicestelle verstanden wird und sich versteht. Hier gilt es nach den Abläufen, die Aufbaustruktur kritisch zu hinterfragen, um das Arbeiten für euch und für die Anliegen von Kindern und Jugendlichen noch besser gelingen zu lassen. Gauting als einmalige Einrichtung in Deutschland für die Fort- und Weiterbildung in der Jugendarbeit muss dabei mitgedacht werden, bewährte Angebote weiter beibehalten und neue Entwicklungen aufgenommen werden.

Wir müssen uns mit unserer Expertise verstärkt einbringen und die Anliegen von Kindern und Jugendlichen vertreten, denn selbst wenn wir momentan durchaus auch davon profitieren, dass Jugend wieder in den Fokus gerät, im positiven, in der Hinwendung, so gilt es in einer immer starrer und ängstlicher älter werdenden Welt, deutlich zu machen, wofür wir stehen. Was unsere gemeinsame Haltung ist. Was Kinder und Jugendliche brauchen, um nach wie vor in Freiheit und Demokratie aufwachsen zu dürfen.

Deshalb weiter das Engagement in Rundfunk- und Medienrat, den hier werden Ressourcen verteilt genauso wie Stimmungen transportiert.

Unsere Expertise möchte ich auch in den Landesjugendhilfeausschuss im Vorstand einbringen, in der gut eingeübten und erfolgreichen Aufteilung von Landesjugendamt für Jugendhilfe und BJR in seiner Zuständigkeit für Jugendarbeit.

Unsere Expertise in gelingender Integrationsarbeit gilt es genauso deutlich zu machen, wie die Fragen, die sich zwingend notwendig mit Integration stellen. Und gerade hier dürfen wir uns nicht ausruhen, sondern müssen uns selbst noch stärken, um wirklich als Sprachrohr aller Jugendlichen in Bayern agieren zu können. Unser Engagement für junge Geflüchtete ist dabei ein zentrales Kernthema, denn an der Fragestellung „Wie gehen wir mit dem vermeintlich Fremden um?“ entscheidet sich die Gesellschaft, in der wir leben. In Angst. Oder in Freiheit. Und dass wir dabei genau das Gegenteil dessen tun, was wir gerade im letzten Jahr in der internationalen Politik erleben mussten, dafür stehe ich und werbe ich und möchte unser Engagement ausbauen und verstetigen:

Ich glaube wir sind erst am Anfang, wenn auch erfolgreiche Zeiten hinter uns liegen mögen, von internationaler Arbeit. Sowohl internationaler Jugend- als auch Schüleraustausch muss verstärkt werden, sowohl in unserer Einrichtung Tandem, als auch in den Austauschen mit Mittel- und Osteuropa, mit Israel, europäischen und transkontinentalen Ländern. Damit wir zum einen den Anliegen junger Menschen Rechnung tragen, die das wollen, als auch eben für Weltoffenheit einzutreten. Neue Länder können dabei genauso eine Rolle spielen, wie die Vertiefung unserer Beziehungen oder vielleicht auch das Neuentdecken von Partnerschaften.

Unser Büro in Europa in Brüssel ist bereits akzeptiert, auch wenn sich noch der ein oder die andere die Augen reibt. Wir stehen für ein friedliches Europa und nicht für Kleinstaaterei. Und wir haben den Anspruch, nicht nur von strukturiertem Dialog zu reden, sondern ihn auch zu leben.

Und wir stehen für ein buntes und vielfältiges und achtsames und respektvolles Miteinander. Unser Wertehorizont ist an dieser Stelle unverrückbar durch all die Verrücktheiten, die wir gerade um uns herum wahrnehmen müssen. Deswegen müssen wir auch konkret dafür eintreten, in Projekten der Integration, der Inklusion der Diversität überhaupt.

Es gilt, im Erinnern nicht stehen zu bleiben, sondern aus der Vergangenheit für heute und morgen zu lernen. Deshalb will daran bauen, dass die LKS als Einrichtung etabliert wird und das Max Mannheimer Jugendhaus, dessen Geschäftsführung wir innehaben dürfen, weiter zu stärken.

Diese Themen geht es dabei auch in den kommenden Jahren in die Wahlen einzubringen und dabei die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Politik zu stärken. Und nach wie vor bekenne ich mich zur Absenkung des Wahlalters.

Diese Bausteine der letzten Jahre und die Bausteine des kommenden fügt sich zu einem Bild zusammen, von dem ich träume: Dass der BJR - und damit meine ich uns alle in diesem BJR - dazu massgeblich beiträgt, dass Bayern ein jugendfreundliches Land wird. Ein Land, das von der Zukunft spricht, wohlwissend, woher es kommt. Dass wir in unserer gemeinsamen Haltung dazu beitragen, dass dies in Bayern und aus Bayern heraus gelingt. Dass wir im Kleinen und vielleicht manchmal im Großen dazu beitragen, dass diese Welt zusammenhält und ein klein wenig besser wird.

Wir haben bereits gezeigt, was wir zu leisten im Stande sind. Und wir können noch mehr.

Dafür bitte ich euch auch weiter um euer Vertrauen, dass ich weiter mit euch, mit den Kolleginnen und Kollegen im Landesvorstand, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch in den nächsten beiden Jahren an diesem Bild arbeiten darf.

Vielen Dank.