Wie kann es weitergehen nach einem ungeklärten Verdacht?

Prätect-Fachtagung zu nicht aufklärbaren Vermutungsfällen sexueller Gewalt in der Jugendarbeit

Holzstück mit Astabgangsstelle

Ungeklärte Vermutungsfälle von sexueller Gewalt sind in der Praxis der Jugendarbeit leider nicht selten. Oft gibt es kein Ja oder Nein, sondern die Beteiligten finden sich in einer im „Jein“ feststeckenden Situation wieder –  eine Belastung für die gesamte Organisation.

Vergangene Woche diskutierten 15 Teilnehmer_innen der Austauschtagung „Nicht vorwärts und nicht zurück? - Nicht aufklärbare Vermutungsfälle sexueller Gewalt in der Jugendarbeit“ der BJR-Fachberatung Prätect über Möglichkeiten, mit solchen Situationen umzugehen. Alle waren erfahrene und mit dem Thema Prävention sexueller Gewalt in der Jugendarbeit befasste Mitarbeitende aus verschiedenen Arbeitsfeldern der Jugendarbeit (Jugendverbände, Jugendringe, kommunale Jugendarbeit). Unter der Anleitung von Bärbl Meier, langjähriger Mitarbeiterin der Fachberatungsstelle „Wildwasser e.V.“ in Nürnberg, wurden Erfahrungen ausgetauscht und gemeinsam nach Handlungsoptionen gesucht, einen offiziell nicht-aufklärbaren Fall sexueller Gewalt in der eigenen Organisation zu bearbeiten. Wie kann man zu einer Entscheidung zu kommen, ob dem Verdacht weiterhin nachgegangen werden soll oder ob er fallen gelassen werden kann? Einer Entscheidung, die alle mittragen können?

Wie hilfreich es ist, wenn – partizipativ erarbeitete – klare Regeln in der Organisation vorhanden sind, die den Verdachtsfall mit einschließen, war ein Ergebnis der Tagung. Wenn also ein Präventionskonzept bereits vorhanden ist, das auch die Reaktion der Organisation bei bestimmten Regelverstößen beinhaltet. So werden die Verantwortlichen handlungsfähig und können Spaltungsprozessen vorbeugen. Denn auch wenn man sich manchmal damit abfinden muss, dass bestimmte Fälle nicht oder nicht sofort geklärt werden können, ist es möglich, eine Lösung für den aktuellen Stand der Dinge finden, die für alle gangbar ist und die trägt. Das war eine für alle Teilnehmenden wertvolle Erkenntnis.

Mehr zum Präventionskonzept des BJR: https://www.bjr.de/themen/praevention/praevention-sexueller-gewalt.html