„Erinnerungskultur gehört zu unserem Selbstverständnis“

Vor der Berufungsverhandlung gegen den selbst ernannten „Volkslehrer“ verurteilt der BJR Übergriffe auf Einrichtungen der Erinnerungsarbeit und der politischen Bildung

Das Tor der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Am kommenden Donnerstag überprüft das Landgericht München II die bisher noch nicht rechtskräftige Verurteilung des selbst ernannten „Volkslehrers“ Nikolai Nerling. Vor der Berufungsverhandlung verurteilt der Bayerische Jugendring (BJR) rechtsextreme Übergriffe auf Einrichtungen der historischen Erinnerungsarbeit und der außerschulischen politischen Bildung deutlich. BJR-Präsident Matthias Fack betont die große Bedeutung von Erinnerungsarbeit: „Historisch-politische Bildung macht gesellschaftliche Prozesse und ihre möglichen Konsequenzen verständlich und nachvollziehbar. Sie fördert die Entwicklung eines kritischen Umgangs mit Geschichte und Politik.“

Einrichtungen, die diese wichtige Arbeit leisten, sind immer wieder Ziel rechtsextremer Übergriffe und Diffamierungen. „Davon lassen wir uns nicht einschüchtern. Der Vorfall mit dem sogenannten Volkslehrer bestärkt uns sogar noch“, erklärt Fack. Die Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur gehöre seit jeher zum Selbstverständnis der Jugendverbände und Jugendringe in Bayern. Der Vorfall zeige, wie wichtig das sei. „Mein Dank geht an alle Mitarbeiter:innen, die sich tagtäglich und mitunter unter Angriffen der extremen Rechten dieser wichtigen Arbeit mit vollem Einsatz widmen.“

„Bei der Erinnerungsarbeit geht es um mehr als Daten und Fakten. Sie ist auch immer Erinnern mit dem Herzen“, erläutert Fack. Der BJR engagiert sich in verschiedenen Bereichen für eine lebendige Erinnerungsarbeit bei jungen Menschen. Aus diesem Grund hat sich der BJR auch intensiv dafür eingesetzt, das Jugendgästehaus im Max Mannheimer Haus Dachau einzurichten. Seit dessen Gründung ist der BJR Mitglied im Beirat der Stiftung Jugendgästehaus Dachau. Seit 2015 verantwortet der BJR zudem die Geschäftsführung der Stiftung.

Der rechtsextreme Aktivist Nerling soll für sein Youtube-Format „Volkslehrer“ im Februar 2019 zur KZ-Gedenkstätte Dachau gereist sein. Er soll einer Gruppe Schüler:innen auf das Gelände gefolgt sein, die sich zu einem historisch-politischen Bildungsseminar trafen. In einem selbst gedrehten Video habe Nerling nach Auffassung der Staatsanwaltschaft „die Art und das Ausmaß der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bagatellisiert“, was als Volksverhetzung strafbar sei. Er wurde in einem ersten Gerichtsverfahren im Dezember 2019 wegen Volksverhetzung und Hausfriedensbruch zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kontakt
Christoph Spöckner
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Der Bayerische Jugendring K.d.ö.R. ist die Arbeitsgemeinschaft der 36 landesweiten und 35 (über-) regional tätigen Jugendverbände und 320 örtlichen Jugendgruppen in Bayern. Strukturell ist er in sieben Bezirksjugendringe sowie 96 Stadt- und Kreisjugendringe gegliedert. Seine Mitgliedsorganisationen erreichen mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern.

Die Stiftung Jugendgästehaus Dachau ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Sie wurde vom Freistaat Bayern sowie dem Landkreis und der Stadt Dachau gegründet. Die Stiftung ist Träger des Max Mannheimer Hauses mit dem Internationalen Jugendgästehaus und dem Max-Mannheimer-Studienzentrum.