Hinsehen und Handeln

BJR-Fachtag in Nürnberg zum Umgang mit Rassismus und Islamfeindlichkeit in der Jugendarbeit

Pinnwand mit handschriftlich skizziertem Programmablauf des Fachtags am 11.5.2019

Rassismus ist ein Angriff auf die Menschenwürde. Er verletzt, grenzt aus und negiert die Gleichwertigkeit von Menschen, somit geht er uns alle an. Wir alle sind aufgerufen, hinzusehen und zu auch selbst aktiv zu werden, wenn uns Rassismus im Alltag begegnet. Das war die Hauptbotschaft des erfolgreichen BJR-Fachtags „Hinsehen und Handeln. Zum Umgang mit Rassismus und Islamfeindlichkeit in der Jugendarbeit" am 11. Mai in Nürnberg. Die Veranstaltung war eine Kooperation der Landeskoordinierungsstelle Demokratie leben! Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS) und der beiden BJR-Projekte Dialog FÜR Demokratie und Flüchtlinge werden Freunde.

Vor mit 40 Teilnehmer_innen gut gefülltem Haus ging es nach der Begrüßung durch Nicola Hieke von der LKS um Definitionen und Dimensionen von Rassismus: Rabia Kökten vom BMFSFJ-Projekt Den Menschen im Blick an der Ludwig-Maximilians-Universität München sensibilisierte in ihrem Vortrag für die bewusste Verwendung von Begrifflichkeiten. Dafür, dass viele sprachliche Bilder oft schon einen Wir-Ihr-Antagonismus enthalten und eine Zuordnung zu verschiedenen Gruppen vornehmen.

Prof. Dr. Mihri Özdoğan von der Hochschule Landshut stellte die Leipziger Autoritarismus-Studie 2018 vor und formulierte den Appell, dass Rassismus alle Mitglieder einer Gesellschaft vor eine unangenehme Aufgabe stellt, für die alle gemeinsam Lösungen finden müssen.

Im Anschluss gab es praktisches Methoden-Handwerkszeug an die Hand: Elisabeth Schindler vom Lidice Haus, Rabia Kökten und Dr. Eva Riedl, Projektkoordinatorin des BJR-Projekts Dialog FÜR Demokratie, stellten in Workshops verschiedene Methoden vor, mit denen Rassismus in der pädagogischen Praxis begegnet werden kann. „Ein Schritt vorwärts“ und „Die Last der Vorurteile – schon mal in einer Schublade gesteckt?“, so hießen u.a. die Methoden, die die Teilnehmenden an Ort und Stelle selbst ausprobieren konnten.

Am Ende des Tages blieb die Gewissheit: Jugendarbeit muss sich noch mehr als bisher kritisch mit Rassismus, dem eigenen Handeln und der eigenen Haltung auseinandersetzen. Das kann weh tun – antimuslimischer Rassismus ist eben nicht nur eine Gefahr für Musliminnen und Muslime, sondern für unsere gesamte demokratische Gesellschaft. Aber es führt kein Weg daran vorbei.