Jeder Unfall ist einer zu viel

Stellungnahme des Bayerischen Jugendrings zum Urteil des Oberlandesgerichts München vom 29.07.2019

Weil sich ein neunjähriges Mädchen 2014 auf einer Freizeit des Stadtjugendrings Ingolstadt beim Schnitzen am Auge verletzt hat, wurde der Bayerische Jugendring (BJR) heute vom Oberlandesgericht (OLG) München in zweiter Instanz verurteilt. „Jeder Unfall ist einer zu viel. Kinder und Jugendliche sollen auf erlebnispädagogischen Freizeiten Spaß haben und verantwortliches und eigenständiges Handeln erleben. Wenn sich ein Kind dabei verletzt, ist das für alle Beteiligten furchtbar. Das hat mich auch persönlich sehr betroffen gemacht“, so Matthias Fack, BJR-Präsident.

2014 hatte der Stadtjugendring Ingolstadt, eine Gliederung des Bayerischen Jugendrings (BJR), die Ferienbetreuung „Abenteuer Winterwald“ angeboten. Das Mädchen verletzte sich, als es mit einem Klappmesser Rinde von einer Birke schälen wollte. Die Eltern des Mädchens hatten 2017 den BJR und den verantwortlichen Betreuer wegen Verletzung der Aufsichtspflicht zur Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld verpflichtet. Heute hat das OLG München im Berufungsverfahren das Urteil des Landgerichts Ingolstadt aufgehoben, das in erster Instanz die Klage abgewiesen hatte.

Jede juristische Einzelfallentscheidung, die Kontrolle und Sicherheit in den Vordergrund stellt, kann Betreuer_innen verunsichern, wenn es darum geht erlebnis- oder naturpädagogische Angebote zukünftig zu gestalten. Erlebnispädagogik, die einen wertschätzenden Umgang mit der Natur vermitteln soll, lebt auch von Freiheiten und Möglichkeitsräumen, wie sie die Jugendarbeit anbietet. Für den Bayerischen Jugendring bleiben diese Angebote wichtige und risikobewusste Erfahrungsfelder für junge Menschen.

Der Stadtjugendring Ingolstadt ist eine Gliederung des BJR, damit besitzt der BJR als Körperschaft des öffentlichen Rechts die Rechtspersönlichkeit.

Der Bayerische Jugendring K.d.ö.R. ist die Arbeitsgemeinschaft der 36 landesweiten und 35 (über-)regional tätigen Jugendverbände und 322 örtlichen Jugendgruppen in Bayern. Strukturell ist er in sieben Bezirksjugendringe sowie 96 Stadt- und Kreisjugendringe gegliedert. Seine Mitgliedsorganisationen erreichen mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern.