"Jugend braucht eine starke Lobby - heute mehr denn je"

Festakt zum 75. BJR-Jubiläum: BJR-Präsident bedankt sich für ehrenamtliches Engagement junger Menschen in der Corona-Pandemie und fordert mehr Jugendbeteiligung

Im Rahmen eines Sommerevents mit rund 120 Gästen hat der Bayerische Jugendring (BJR) in der Münchner Villa Flora seinen 75. Geburtstag gefeiert. Zum Festakt konnte BJR-Präsident Matthias Fack zahlreiche Ehrengäste und Wegbegleiter:innen begrüßen: neben den Präsidenten des Landkreistags, Thomas Karmasin, sowie des Bezirketags, Franz Löffler, folgten die Landtagsabgeordneten Eva Lettenbauer (Bündnis90/Die Grünen), Julika Sandt (FDP) und Thomas Huber (CSU) der Einladung.

Auch Bayerns Jugendministerin Ulrike Scharf überbrachte Geburtstagsgrüße: „Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten sind essentiell - damals, heute und in Zukunft. Der BJR fördert seit 75 Jahren die  Eigenverantwortung und Selbstverwirklichung junger Menschen. Zum Jubiläum gratuliere ich unserem langjährigen Partner ganz herzlich. Ich freue mich, zusammen mit dem BJR heute auch den offiziellen Auftakt zur bayernweiten Aktivierungskampagne feiern zu können. Damit möchten wir jungen Menschen für ihre Solidarität in der Pandemiezeit danken und sie einladen, sich aktiv in Jugendarbeit und Gesellschaft einzubringen.“

Zukunft junger Menschen im Mittelpunkt
Unter dem Motto #machwasausmorgen lud der BJR beim Sommerevent dazu ein, sich aktiv mit den unterschiedlichen Perspektiven für eine gute und jugendgerechte Zukunft von morgen auseinanderzusetzen. Während Kinder und Jugendliche am Vormittag kreativ mit Graffiti, Poetry Slam, HipHop und Upcycling ihre Zukunftsideen gestalteten, diskutierten Ehrenamtliche und Hauptberufliche am Nachmittag in unterschiedlichen Gesprächsrunden zu Themen wie Psychische Gesundheit, Inklusion, Demokratie-Bildung oder internationale Jugendarbeit im Spiegel des Kriegs in der Ukraine.

Demokratie in Bayern weiter stärken
Zur Eröffnung des Festakts betonte BJR-Präsident Matthias Fack, dass junge Menschen heute mehr denn je eine starke Lobby benötigten. „Wenn wir heute 75 Jahre Jugendarbeit in Bayern feiern, blicken wir einerseits auf Jahrzehnte voller Erfolge zurück und andererseits stehen junge Menschen auch vor Herausforderungen. Durch den demographischen Wandel ist die junge Generation in den vergangenen Jahren zu einer Minderheit in der Gesellschaft geworden, auch in der Corona-Pandemie standen sie hinten an. Daher nutzt der BJR das Jubiläum, um auf die Situation der jungen Menschen aufmerksam zu machen und ein Sprachrohr für ihre Lebenswirklichkeiten zu sein. Insbesondere in Zeiten von Corona sind echte Teilhabe- und Gestaltungsmöglichkeiten für junge Menschen wichtiger denn je, um die Demokratie weiter zu stärken.“ Dazu gehöre, so Fack, die Jugendbeteiligung weiter auszubauen und den Bayerischen Aktionsplan Jugend nachhaltig finanziell auszustatten – damit könnten erfolgreiche und innovative Projekte wie „Digital Streetwork“ oder der Hackathon #ideenfürdiejugend auch nach der Corona-Pandemie weitergeführt werden.

Partizipation: „Ein Herzensanliegen“
Die Stärkung von Partizipation sei für Matthias Fack ein Herzensanliegen. „Seit Jahrzehnten setzt sich der BJR für den Ausbau von Jugendbeteiligungsformaten ein, es gibt leider immer noch viel zu wenig in Bayern davon – vor allem fehlt es häufig an ernstgemeinten Beteiligungsstrukturen, in denen junge Menschen selbstbestimmt gestalten dürfen und die mit systemverändernden Kompetenzen auf der kommunalen Ebene ausgestattet sind“, erläutert Fack, für den auch die Absenkung des Wahlalters dazugehörte, um junge Menschen besser in unserer Gesellschaft einzubinden. „Junge Menschen sind Expert:innen in eigener Sache – sie wissen selbst am besten über ihre Bedürfnisse Bescheid und wollen, dass diese wahrgenommen und gehört werden. Die jüngste Ablehnung der Wahlalter-Absenkung im Bayerischen Landtag ist eine verpasste Chance für den Freistaat, eine ernstgemeinte Vorreiterrolle in Sachen Partizipation einzunehmen. Ich bin mit Blick auf die Landtagswahlen im Herbst 2023 sicher, dass Parteien die Interessen junger Menschen mit einem niedrigeren Wahlalter ernster genommen und besser in ihren Wahlprogrammen berücksichtigt hätten“, appelliert Fack. Der BJR fordert seit 2005 eine Absenkung des aktiven Wahlrechts für Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen auf das 14. Lebensjahr.

Jugendforscher: „Noch mehr Jugendbeteiligung“
Die Forderung nach mehr Jugendbeteiligung unterstützte auch Jugendforscher Simon Schnetzer, der ebenfalls zu den Gästen des Sommerevents gehörte. In seinem Vortrag sagte der Wissenschaftler: „Die Jugend befindet sich aufgrund von Klima, Krieg und Corona in einer Art Dauerkrisen-Modus. Bedürfnisse und Perspektiven der Jugendlichen haben sich durch diese Krisenerfahrungen fundamental verändert.“ Die entstandene Unsicherheit erfordere von Jugendpolitik und Jugendhilfe noch mehr Jugendbeteiligung und einen geschärften Fokus. Schnetzer: „Die junge Generation möchte raus aus der ohnmächtigen Opferrolle und hinein in eine aktive Gestaltung von Lösungen!“ Dem BJR und seinen Mitgliedern komme bei der Bewältigung von Krisen junger Menschen eine zentrale Rolle zu. „Sie greifen diese Bedürfnisse flexibel auf, bieten konkrete Hilfestellungen und schaffen durch Engagement-Erfahrungen Gelegenheiten für Jugendliche, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und ihr angekratztes Selbstwertgefühl wieder zu steigern. Ich gratuliere dem BJR für den innovativen und jugendlichen Geist seiner Projekte und zu den vielen wunderbaren Menschen, die Jugendliche tagtäglich begleiten, fördern und fordern.“

Gründung nach dem zweiten Weltkrieg
Der Bayerische Jugendring wurde im April 1947 durch Initiative der US-Administration am Jugendberghaus Sudelfeld (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) als „Hüter der freiheitlichen, den humanistischen Werten und Völkerverständigung verpflichteten Jugendpolitik“ gegründet. Im Januar 1948 wurden dem BJR die Körperschaftsrechte verliehen.

___ Eventplattform unter https://bjr.de/sommerevent 
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Kontakt
Ellen Daniel
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