Psychische Gesundheit: Jugendarbeit kann helfen

Angebote für Kinder und Jugendliche müssen inzidenzunabhängig möglich sein

Geschlossene Kindertagesstätten und Schulen, kein Training im Sportverein, keine Jugendtreffs: Die Corona-Pandemie und die strengen Kontaktbeschränkungen stellen eine enorme psychische Belastung für Kinder, Jugendliche und ihre Familien dar. Dass psychische Störungen erst gar nicht entstehen, dafür kann und will die Jugendarbeit mit ihrem vorbeugenden Charakter sorgen. Darin waren sich die Gäste eines vom Bayerischen Jugendring (BJR) ausgerichteten Fachtags zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen einig. 

Der BJR schlägt daher vor, Angebote der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und der Jugendhilfe so bald und so umfassend wie möglich wieder zu erlauben. „Wegen des besorgniserregenden Bildes ihrer psychischen Situation, das Studien immer deutlicher ans Licht bringen, müssen Kinder und Jugendliche jetzt wieder ins Leben zurückgeholt werden“, erklärt BJR-Präsident Matthias Fack. „Für mich heißt das: Angebote müssen inzidenzunabhängig in Präsenz möglich sein.“ Im Moment gilt in Bayern: Wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 liegt, sind Angebote der Jugendarbeit in Präsenz verboten.

Kinder haben laut UN-Kinderrechtskonvention ein Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit. „Der Blick von Gesellschaft und Politik muss sich jetzt noch fokussierter als vor Corona auf Kinder und Jugendliche richten“, fordert Fack. „Insbesondere weil Jugendliche das Gefühl haben müssen, beim Impfen vergessen worden zu sein, da sie wohl je nach Alter frühestens im Sommer mit einem Termin rechnen können. Sie dürfen im weiteren Verlauf und erst recht nach der Pandemie auf keinen Fall vergessen werden.“ 

An dem Online-Fachtag nahmen letzte Woche rund 90 Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Jugendhilfe aus dem ganzen Freistaat teil. Die Statements der Referent:innen: 

  • Christian Rexroth (Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Bayern): „Für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist der lebendige Umgang mit anderen Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung. Neben Familie und Schule stellt für viele Kinder und Jugendlichen die Jugendarbeit einen wichtigen Entwicklungsraum dar. Wir erkennen wichtige Nahtstellen zwischen Jugendarbeit und medizinischer Versorgung, die im Sinne der Versorgung von Kindern und Jugendlichen zukünftig mehr in den Fokus der Netzwerkarbeit für junge Menschen rücken wird.“
  • Daniel Renné (Referatsleiter Psychiatrie im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege): „Wir danken dem Bayerischen Jugendring für den wertvollen und konstruktiven Austausch im Rahmen des gelungenen Fachtags. Es wurden dabei wichtige Impulse gegeben, um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen – insbesondere während der Belastungen im Zuge der Corona-Pandemie – weiter zu schützen und zu fördern. Die Arbeit des Bayerischen Jugendrings ist von herausragender Bedeutung – dafür sprechen wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unsere Anerkennung aus.“
  • Sabine Finster (Stellvertretende Geschäftsführerin der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern): „Es ist wichtig, zusammen an einem Strang zu ziehen, damit eine hoffnungslose Situation gut überbrückt werden kann. Dazu ist Vernetzung das A und O, um auch gegenseitig voneinander zu lernen.“

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Christoph Spöckner
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