Schneller helfen – aber nicht zu Lasten junger Menschen

BJR-Präsident Matthias Fack: Kinder und Jugendliche auf der Flucht brauchen besonders unsere Hilfe

Der Bayerische Jugendring (BJR) kritisiert die aktuellen Pläne zur Änderung des Asylverfahrensgesetzes und des Asylbewerberleistungsgesetzes. Sie beinhalten das Risiko, das hohe Schutzniveau für Menschen auf der Flucht unnötig zu beschränken. Den aktuellen, schon längere Zeit absehbaren Herausforderungen darf jetzt nicht mit übereilten Gesetzesänderungen entgegengetreten werden, die das Schutzniveau der Flüchtenden senken. Gerade Kinder und Jugendliche drohen dabei in ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit nicht entsprechend berücksichtigt zu werden. Vielmehr liegt es jetzt an uns, Verantwortung zu übernehmen und die Menschen nicht im Stich zu lassen, die ihr Leben auf der Suche nach Frieden, Freiheit und einer Perspektive riskieren. Deutschland ist zu weitaus mehr in der Lage als zur bürokratischen und formalisierten Verwaltung von Menschen auf der Flucht. Das beweist das enorme gesellschaftliche Engagement, das Geflüchteten jeden Tag aufs Neue Hilfe leistet. Darunter sind auch viele Ehrenamtliche in der Jugendarbeit, die Willkommenskultur leben, sagte BJR-Präsident Matthias Fack.

Die aktuellen Pläne zur Veränderung des Asylbewerberleistungsgesetzes und anderer Asylgesetze enthalten Widersprüche zu einem Gesetzesentwurf, der flüchtenden Kindern und Jugendlichen mehr Schutz durch die Standards des SGB VIII gewähren soll. Flüchtende Kinder und Jugendliche wären damit dem Risiko ausgesetzt, durch vereinfachte und beschleunigte Verfahren den Schutz im Sinne der Jugendhilfe gar nicht erst zu erhalten.

Auch die im Gesetzesentwurf vorgesehenen Sach- statt Geldleistungen und der beschränkte Zugang zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten widersprechen den Positionen der bayerischen Jugendarbeit, die der 145. BJR-Hauptausschuss im Oktober 2014 beschlossen hat (vgl. www.bjr.de/bjr/hauptausschuss/beschluesse.html). Die geplanten Änderungen würden zwangsläufig dazu führen, dass gerade Kinder und Jugendliche Benachteiligungen erfahren.

Der BJR fordert, die Integration von Flüchtenden zu verbessern. Die Jugendarbeit in Bayern ist seit langem dabei unterstützend tätig und trägt längst das ihre zu einer gelingenden Integration bei. Voraussetzung für eine bessere Integration von Flüchtenden ist unter anderem die Möglichkeit, binnen kurzer Zeit eine Ausbildung oder Arbeit aufnehmen zu können. Auf diese Weise können Flüchtende, insbesondere junge Menschen, schnell einen Weg in ein selbstbestimmtes Leben im Sinne des § 1 Abs.1 SGB VIII finden. Es gilt, sich den logistischen Herausforderungen zu stellen. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen darf jedoch nicht zu Lasten der notwendigen schnelleren bedarfsgerechten Bearbeitung von Asylanträgen geopfert werden.

Weitere Informationen
www.bjr.de
www.fluechtlingewerdenfreunde.de

Der Bayerische Jugendring K.d.ö.R. ist die Arbeitsgemeinschaft der 32 landesweiten und 39 regional tätigen Jugendverbände und 347 örtlichen Jugendorganisationen in Bayern. Strukturell ist er in sieben Bezirksjugendringe sowie 96 Stadt- und Kreisjugendringe gegliedert. Seine Mitgliedsorganisationen erreichen mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern.