Vernetzung, Beratung und Information für LSBTIQ*-Personen

Kooperation erstellt eine digitale Plattform für LSBTIQ*-Personen und darüber hinaus

Jugendliche formen mit ihren Fingern in V-Haltung einen Stern

In Bayern setzen sich zahlreiche Vereine und Projekte für Lesben, Schwule, Bisexuelle, transidente, intergeschlechtliche und queere Menschen ein, bieten Beratung an und engagieren sich gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wie Homosexuellenfeindlichkeit und Trans*- oder Inter*feindlichkeit. Obwohl diese Projekte wichtig sind, um die Akzeptanz von LSBTIQ* in Bayern zu fördern, Personen zu empowern und Gewalt- oder Diskriminierungserfahrungen entgegenzuwirken, fehlt es an einer gemeinsamen Plattform mit allen Angeboten in Bayern, einer Vernetzung dieser sowie an einer auskömmlichen und langfristigen finanziellen Absicherung der existierenden Arbeit.

Diese Situation wollen der Bayerische Jugendring (BJR), der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Bayern und die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) nun verbessern. Anlässlich der Kick-off-Veranstaltung des Bayerischen Sozialministeriums am 2. August 2021 stellen sie in Kooperation ein Projekt zum Aufbau einer bayernweiten Plattform für Informationsmöglichkeiten sowie zur Vernetzung landesweiter und regionaler Akteur:innen in der Beratung, Weiterbildung und Arbeit mit LSBTIQ*-Personen vor. Es zielt auf die dringend benötigten nachhaltigen Strukturen und fachlichen Kompetenzen ab, sowohl bei den Beratenden als auch bei den Ansprechpersonen in Behörden, Verwaltung und Gesundheitswesen. Gleichzeitig soll mit der Kommunikations-, Vernetzungs- und Informationsplattform erreicht werden, dass die in vielen ehrenamtlichen Organisationen und Projekten in hohem Maß vorhandene Expertise besser genutzt wird.

Dafür sollen beispielsweise über gemeinsame und von den Kooperationspartner:innen unabhängige Angebote (soziale Netzwerke, Webseiten, Foren) Informationen und Angebote niedrigschwellig und transparent zur Verfügung gestellt werden. Eine LSBTIQ*-Dachplattform soll bestehende und neue Initiativen bei der Bekanntmachung, Vernetzung und Weiterentwicklung der eigenen Arbeit unterstützen. Zudem sollen Mitarbeitende mit ihrer Erfahrung beratend und umsetzend tätig sein.
Das mehrjährige Modellprojekt wird mit insgesamt rund 408.000 Euro für zweieinhalb Jahre bis Dezember 2023 durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales finanziert.

Statement Matthias Fack, BJR-Präsident 
„Der BJR engagiert sich seit seiner Gründung im Jahr 1947 für eine offene, tolerante und vielfältige Gesellschaft, in der sich junge Menschen frei entwickeln und selbst verwirklichen können. Daher übernehmen wir selbstverständlich gemeinsam mit zwei starken Partner:innen aus der queeren Community hier jetzt Verantwortung. Denn es reicht nicht, nur im Pride-Monat Juni die Regenbogenflagge zu schwenken und sich damit nur symbolisch für Vielfalt einzusetzen. Vielmehr muss es nun darum gehen, den vom Bayerischen Landtag beschlossenen Prozess zum Ausbau der Beratungsinfrastrukturen in ländlichen Räumen weiter voranzutreiben – stellt dieser doch eine große Chance dar, die Situation von LSBTIQ*-Personen in Bayern nachhaltig zu verbessern. Die finanzielle Unterstützung des Sozialministeriums ist ein erster Schritt, wenngleich bei besserer Haushaltslage noch deutlich mehr Projekte gefördert werden könnten und dadurch flächendeckend Unterstützung für LSBTIQ*-Personen sowie deren Angehörige in Bayern zur Verfügung stünden.“

Statement Markus Apel, LSVD-Landesvorstand
„Für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche und andere queere Menschen bestehen in Bayern massive strukturelle Probleme. Sowohl die mangelhafte Beratungsinfrastruktur als auch ein fehlender Aktionsplan mit koordinierten Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung und Gewalt machen es Menschen im Freistaat Bayern schwer, sicher und frei zu leben. Der Lesben- und Schwulenverband freut sich gerade deshalb sehr auf die Zusammenarbeit in dieser bayernweit einzigartigen Kooperation. Mit unserer Plattform wollen wir vorhandene Strukturen stärken, neue Initiativen unterstützen und Informationen bündeln. Wir werden uns neben diesem Projekt weiterhin für eine bedarfsgerechte Ausstattung von Beratungsangeboten, insbesondere im ländlichen Raum, einsetzen.“

Statement Petra Weitzel, dgti, 1. Vorsitzende
„Die dgti setzt sich seit 1998 für die Akzeptanz transidenter und intergeschlechtlicher Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen ein. Aufklärung, Beratung, Fortbildung und Vernetzung sind unsere Stärken. Unsere Erfahrung aus vielen Projekten auf Bundes- und Landesebene möchten wir einsetzen, um Beratungs- und Informationssuchende ohne viele Umwege zueinander zu bringen. Das Angebot in Bayern muss noch deutlich ausgebaut werden. Insbesondere trans* Kinder und Jugendliche sowie nicht-binäre Personen werden häufig benachteiligt, in der Schule, im Gesundheitswesen und durch Behörden, meist aus Unwissenheit. Vernetzung und Vermittlung von Fortbildungsangeboten tragen in erheblichem Maße dazu bei, solche Informationsdefizite und damit verbundene Diskriminierungen abzubauen.
Mit unseren Kooperationspartner:innen möchten wir die Community in der Erkenntnis stärken, dass gemeinsam mehr für alle* geht und notwendige Verbesserungen der finanziellen Ausstattung der Beratungs- und Informationsprojekte in Bayern durch gemeinsame Anstrengung erreicht werden können.“

Kontakt
Christoph Spöckner
tel 089 / 51458-20 __ mobil 0151 / 276277-20 __ spoeckner.christoph@bjr.de

Der Bayerische Jugendring K. d. ö. R. ist die Arbeitsgemeinschaft der 36 landesweiten und 36 (über-)regional tätigen Jugendverbände und 321 örtlichen Jugendgruppen in Bayern. Strukturell ist er in sieben Bezirksjugendringe sowie 96 Stadt- und Kreisjugendringe gegliedert. Seine Mitgliedsorganisationen erreichen mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Bayern ist ein ehrenamtlicher Bürger:innenrechtsverband und vertritt seit 1990 die Interessen und Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen und anderen queeren Menschen (LSBTIQ*). Menschenrechte, Vielfalt und Respekt – der Verband und seine Mitglieder wollen, dass LSBTIQ* als selbstverständlicher Teil gesellschaftlicher Normalität akzeptiert und anerkannt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V. (dgti) hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von transidenten, intergeschlechtlichen und non-binären (TIN) Menschen innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Stigmatisierung entgegenzuwirken. Seit 1998 berät und betreut die dgti Betroffene und interessierte Menschen.