Ein Wegweiser für die Zukunft

Die 3. European Youth Work Convention und der „Bonn-Prozess“

Das Titelbild Abschlusserklärung der 3. European Youth Work Convention.
Titelbild der Abschlusserklärung der 3. European Youth Work Convention.

Die dritte European Youth Work Convention fand von 7. bis 10. Dezember statt – nicht wie geplant in Bonn, sondern digital. An die 1.000 Teilnehmenden aus 46 Europaratsländern schalteten sich der Großveranstaltung zu. Sie fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem die ausgehende EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands und der beginnende Vorsitz im Ministerkomitee des Europarats einander überlappten. 

Die deutsche Delegation bestand aus 45 Teilnehmenden, wie bei allen Delegationen vor allem aus Jugendforschung, Jugendpraxis und Jugendpolitik. Diese sogenannte „Community of Practice“ sollte sich mit Youth Work auseinandersetzen und auf eine gemeinsame Deklaration verständigen. Und es sollte um die Umsetzung dieser Erklärung gehen – ein Prozess, der schon jetzt „Bonn-Prozess“ genannt wird. 

Historische europäische Verständigung

Die Convention und die Deklaration markieren einen historischen Moment der europäischen Verständigung im Bereich Youth Work, die es noch niemals zuvor gegeben hat. Jugendforschung und Jugendpolitik gewannen in den letzten Jahren zunehmend an Gewicht. Nun soll durch den Bonn-Prozess die Praxis involviert und Youth Work europaweit aufgestellt werden. 

Die Deklaration die am Ende der Convention steht, heißt „Signposts for the Future“ LINK. Sie soll auch genau das sein: ein Wegweiser für Youth Work in der Zukunft. Sie dreht sich um die Sicherstellung und die Weiterentwicklung von Youth Work vor Ort, Qualitätsentwicklung und europäische Vernetzung, Anerkennung und Innovation sowie einen strategischen Rahmen für Youth Work in ganz Europa. 

Ein erster Schritt trotz offener Fragen

Nach vier Tagen großer Reden und vieler praktischer Ideen waren viele zufrieden mit der Tiefe und Intensität der virtuell geführten Diskussionen. Es sind aber auch noch viele Fragen offen, zum Beispiel wie und durch wen der Bonn-Prozess in den nächsten fünf Jahren in Deutschland durchgeführt werden soll. Was können dabei in Deutschland die inhaltlichen Prioritäten sein?  Wie können dabei auch die verschiedenen Ebenen der Jugendarbeit miteinbezogen werden? 

Auch europaweit bleiben ein paar Fragezeichen – zeichnet sich Youth Work doch vor allem durch seine Unterschiedlichkeit in den verschiedenen Ländern aus: durch Ehrenamtliche getragen oder professionell organisiert, Youth Work mit dem Schwerunkt auf Jugendarbeit oder eher auf Jugendhilfe, lang tradiert oder gerade neu etabliert. 

Bonn gleich Bologna?

Trotz vieler Fragen ist der erste Schritt gemacht. Nächstes Jahr wird man wahrscheinlich viel vom Bonn-Prozess hören, etwa beim Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag oder beim Bundekongress Kinder- und Jugendarbeit. Aber ob daraus die große europäische Bewegung entsteht, die der Bonn-Prozess verspricht und die die Youth-Work-Landschaft verändert, wie dies der Bologna-Prozess mit dem formalen Bildungsbereich getan hat?

Das wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Und es wird vor allem damit zusammenhängen, ob und wie es gelingt, die Bedarfe der Praktiker:innen und der jungen Menschen selbst mit aufzunehmen.

Homepage der 3. European Youth Work Convention

Abschlusserklärung der 3. European Youth Work Convention

Input von Guy Redig aus Antwerpen