Zukunftsperspektive für Freundschaften

Jugendpolitischer Jahresauftakt des BJR „Flüchtlinge werden Freunde“

Mit einer Podiumsdiskussion hat der Bayerische Jugendring (BJR) am 06.02.2015 im Rahmen des Jugendpolitischen Jahresauftakts sein Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ gestartet. Jugendarbeit beschäftigt sich jugendpolitisch und inhaltlich/fachlich mit dem Thema junge Flüchtlinge. Der BJR will die Lebenssituation junger Flüchtlinge verbessern, indem er Position zu politischen Debatten bezieht und seine Rolle als Interessenvertretung für junge Menschen wahrnimmt. In der Praxis der Jugendarbeit unterstützt der BJR Angebote von Jugendringen und -verbänden für und mit jungen Flüchtlingen.

„Wir alle müssen aufrechte Botschafterinnen und Botschafter der Mitmenschlichkeit sein. Viele Engagierte in der Jugendarbeit gehen bereits jetzt auf Flüchtlinge zu und schließen Freundschaften fürs Leben. Um das Potenzial, das junge Flüchtlinge mitbringen, heben zu können, bedarf es jedoch dringend weiterer Möglichkeiten und Mittel“, sagte BJR-Präsident Matthias Fack.

Auf die Frage von Moderatorin Özlem Sarikaya, welche Herausforderungen momentan von zentraler Bedeutung sind, erklärte Patrick Wolf, der Vorsitzende der Evangelischen Jugend Bayern, dass ein Obdach essenziell sei, das ein Ankommen möglich mache. Derzeit seien junge Flüchtlinge zu lange in Clearingstellen untergebracht. Die Umverteilung sei ein weiteres Thema: „Ich würde mir wünschen, dass nicht nach Quote, sondern z.B. unter Berücksichtigung von Familienanbindungen verteilt wird. Jugendverbände und -ringe können noch eine Menge tun, um die Situation kurzfristig zu verbessern, und zwar letztlich genau das, was jungen Menschen Spaß macht und was Jugendarbeit ausmacht.“

Wilhelm Dräxler, Referent für Migration und Integration beim Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V., ergänzte: „Freunde werden ist das Stichwort: Ich bin ein „bayerischer Indianer“ mit Freunden auf der ganzen Welt, und wenn man sich vorstellt, wo die Bajuwaren herkommen, und die globalen Zusammenhänge sieht, sollten wir Flüchtlingen das Wichtigste bieten, das es gibt: menschliche Wärme.“ Freunde, Bildung, Arbeit, Wohnung, Spaß ‑ diese Faktoren müssen stimmen, so Dräxler, um jungen Flüchtlingen eine Zukunftsperspektive bieten zu können.

Dr. Markus Gruber, Ministerialdirektor des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, appellierte an die Solidarität. In Zukunft seien Verteilungsdiskussionen zu erwarten, beispielsweise wenn es um die Zuweisung staatlicher Mittel gehe. Es sei deshalb eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, Engagement einzubringen und zu teilen. Eine große Gemeinschaftsaktion sei notwendig, um mehr Sicherheit für Flüchtlinge zu schaffen.

„Freunde werden – dafür braucht es vor allem Gelegenheiten“, sagte Marianne Seiler, Vorstand heimaten e.V. Ihr Verein ist Mitglied beim Kreisjugendring München-Stadt und kooperiert gern mit anderen Jugendverbänden, wenn es um Angebote für junge Flüchtlinge geht. Beispielsweise arbeitet sie mit der Jugend des Deutschen Alpenvereins, um jungen Flüchtlingen die Berge ihrer neuen Heimat zu zeigen. Der Verein hat derzeit viele Projektanfragen von Jugendverbänden, es fehlen jedoch Haupt- und Ehrenamtliche, die unterstützend und organisierend wirken. Seit rund einem Jahr entwickle sich dank der Initiative des BJR viel in der Jugendarbeit. Jugendorganisationen sollten sich jetzt auf den Weg machen, Freundschaften mit Flüchtlingen zu schließen, am besten gemeinsam mit Brückenbauer/-innen aus dem Asylbereich. „Daraus erwächst Vertrauen, daraus entstehen Freundschaften“, so Seiler.

Eindrucksvoll bestätigten Aissatou Ndiaye und Mohammad Hasani, Mitglieder von heimaten e.V., das Engagement der Jugendarbeit. Die beiden Flüchtlinge aus Senegal und Afghanistan kamen nach Deutschland, um ihr Leben zu retten. Für sie kann jetzt– trotz aller Schwierigkeiten und Sorgen – die Zukunft beginnen.

Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ und jugendpolitische Forderungen
www.bjr.de/themen/integration-und-inklusion/fluechtlinge.html

Der Bayerische Jugendring K.d.ö.R. ist die Arbeitsgemeinschaft der 32 landesweiten und 40 regional tätigen Jugendverbände und 351 örtlichen Jugendorganisationen in Bayern. Strukturell ist er in sieben Bezirksjugendringe sowie 96 Stadt- und Kreisjugendringe gegliedert. Seine Mitgliedsorganisationen erreichen mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern.

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