An den Aufbruch glauben

von Juliane Niklas und Katrin Stockheim

Armenien gilt als demokratisch. Mit der friedvollen „samtenen“ Revolution im April 2018 hat ein über 20 Jahre andauernder Prozess aus demokratischen Errungenschaften, durch Korruption und Menschenrechtsverletzungen hervorgerufenen Rückschlägen und erneuten Protestbewegungen eines willensstarken Volkes einen erneuten Höhepunkt erreicht. Die Entstehung einer demokratisch-freien Wirtschaft-, Kultur- und Sozialpolitik ist spürbar. Trotz des Fortschritts haben sich in den vergangenen Monaten oppositionelle rechte Gruppen zunehmend radikalisiert.

Unter dem Motto „Take heart, I have overcome the world!“ plante New Generation NGO gemeinsam mit LGBT Christians of Eastern Europe and Central Asia (EECA) im November 2018 eine Konferenz für queere Christ_innen aus Osteuropa und Zentralasien in der armenischen Hauptstadt. Das Forum findet seit 2004 jährlich in verschiedenen früheren kommunistischen Ländern statt. Tagungsort und Agenda sind aus Sicherheitsgründen nur den Teilnehmenden bekannt. Aus Angst vor rechten Übergriffen wurde die Konferenz jedoch kurzfristig abgesagt. Eine Welle homophober Angriffe, Morddrohungen und Gewalt machte diese Entscheidung notwendig. Vom Staat wurde Hilfe zum Schutz der Teilnehmenden nicht in Aussicht gestellt.

Trotz und gerade wegen dieser Konstellation aus motivierter Aufbruchstimmung und rechtspopulistischer Stimmungsmache ließ sich eine BJR-Delegation bei ihrem Besuch in Armenien im Juli 2018 vom beiderseitigen Nutzen einer Kooperation überzeugen und wurde in ihrer Absicht gestärkt, Armenien zu einem Schwerpunktland in der Zusammenarbeit mit Mittel- und Osteuropa sowie den postsowjetischen Ländern zu machen.