Der BJR in Europa

von Lea Sedlmayr

„Europa und die europäische Politik gewinnen immer mehr an Bedeutung. Der Bayerische Jugendring hält an seinem Gestaltungswillen in und für Europa fest und will sich stärker mit europäischer Politik beschäftigen.“

Mit diesen wegweisenden Worten beschloss der BJR vor fünf Jahren, Europa konkret in den Blick zu nehmen und sich europapolitisch zu engagieren. Seit über 70 Jahren ist der BJR mit seinen Jugendverbänden und Stadt-, Kreis- und Bezirksjugendringen die Stimme junger Menschen und der Jugendarbeit in Bayern. Er steht dafür ein, dass junge Menschen gehört werden und die Gesellschaft mitgestalten, in der sie leben. Dazu ist es auch nötig, über die Grenzen Bayerns hinauszuschauen und sich dort einzubringen, wo junge Menschen längst in ihren Lebenswelten angekommen sind: Europa. Die Europäische Union hat in den letzten Dekaden eine enorme Entwicklung durchgemacht und ist auch noch nicht fertig, deshalb sprechen viele vom „Projekt Europa“. Für junge Menschen klingt das manchmal seltsam, kennen sie die Welt doch gar nicht ohne EU. Doch so oder so gilt es, sich für Europa und dessen Weiterentwicklung einzusetzen, auch 2019 im Europawahljahr.

„Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen in allen Politikbereichen nur durch eine Politik der nachhaltigen Entwicklung und eine Fortsetzung des Integrationsprozesses für ein friedliches und demokratisches Europa zu sichern sein werden.“

So steht es im 2015 beschlossenen Positionspapier „Ein Europa der Zukunft“ des BJR, welches als Leitlinienpapier der europäischen Jugendpolitik bis heute aktuell ist. Hier werden viele Themen angesprochen, die Herzensangelegenheiten der Jugendarbeit sind, wie etwa Umwelt- und Klimapolitik, Flucht und Migration, Arbeit und Bildung, Mobilität und Sozialpolitik. Doch natürlich sind dies nicht die einzigen Themen mit jugendpolitischer und europapolitischer Dimension. Auch Medien, Digitalisierung, Inklusion, Gleichstellung und viele weitere Themen werden stark europäisch diskutiert und politisch entschieden. Doch was heißt das nun für den BJR ganz praktisch? 2016 eröffnete der BJR als erster Jugendring in Brüssel ein Vertretungsbüro und überwand damit die räumliche Entfernung zur europäischen Hauptstadt. Einmal angekommen, kam bisher keine Langeweile auf. Immer mehr Delegationen aus der Jugendarbeit treten den Weg nach Brüssel an, um sich über Europapolitik zu informieren. Die vielen Papiere und Entscheidungen in Brüssel werden auf ihre Auswirkungen für junge Menschen hin geprüft. Um dies zu bewältigen, ist die Kooperation mit anderen Organisationen, Institutionen und Interessensverbänden dringend notwendig. Netzwerke müssen gebaut werden. Bei wichtigen Entscheidungen werden viele Gespräche mit Politiker_innen und Entscheidungsträger_ innen geführt, um die Anliegen junger Menschen und die fachliche jugendpolitische Einschätzung einzubringen. er BJR informiert und spricht über das, was er als große Stärke hier einbringen kann: die Erfahrung von vielen Jugendarbeiter_innen, Jugendleiter_innen und jungen Menschen vor Ort.

„Wir stehen zu einem solidarischen Europa, das Garant für Frieden und Zusammenhalt ist. Gemeinsam setzen wir uns aktiv für den Erhalt und die jugendgerechte Weiterentwicklung der Europäischen Union ein.“

Seit der Satzungsreform des BJR im Jahr 2017 stehen Europa und die EU explizit in der Präambel der Satzung des BJR. Während die jungen Menschen in Europa demographisch immer weniger werden, glauben wir, dass nur eine jugendgerechte EU, die jungen Menschen Perspektiven bietet und sie als Potential und nicht als Problem begreift, zukunftsfähig sein kann. Frieden und Zusammenhalt sind die Ziele, nicht nur eine Floskel. Dazu gehört auch Solidarität und der Dialog mit unseren vielen Nachbarn und Mitweltbewohner_innen. Auch dies ist schon immer Teil der Jugendarbeit im Zeichen der internationalen Jugendarbeit und Jugendbegegnung: sich kennen lernen und Vorbehalte abbauen. Doch wo man sich kennenlernt, gemeinsam wächst und reflektiert, wächst auch der Wunsch, zu gestalten.

„Am Anfang war ich kritisch, ob das hier was bringt, mit den Politikern der EU zu reden. Jetzt bin ich überzeugt, dass wir als Verband unbedingt aktiv werden müssen.“

Dies sind die Worte eines jungen Teilnehmers beim Bayerischen Tag der Jugend in Europa 2017. Sie stehen exemplarisch für die vielen Rückmeldungen, die der BJR zur seit 2016 stattfindenden Veranstaltung in der Bayerischen Vertretung erhält. In Europas Hauptstadt bringt der BJR Stakeholder, Entscheidungsträger_innen und Menschen aus der bayerischen Jugendarbeit miteinander ins Gespräch. Jedes Jahr ist diese Veranstaltung ein großes Projekt, das auch 2019 wieder stattfinden wird (allerdings auf Grund der anstehenden Europawahlen diesmal im November). Jedes Mal wieder eine wichtige Erfahrung für beide Seiten: Die Menschen in Brüssel können nämlich auch zuhören und diskutieren, und ja, junge Menschen haben etwas zu sagen und sind bereit, in den Dialog zu gehen. Zentral steht dabei auch die Erkenntnis, dass nicht nur die Menschen in Brüssel Europa sind, sondern wir alle, egal wo wir wohnen oder wie alt wir sind. Es gibt kein „die da“ und „wir hier“ sondern nur eine Europäische Union, zu der wir gehören. Hier braucht es Brücken, die die EU-Institutionen durch Partizipationsmöglichkeiten schlagen müssen, aber auch jeder einzelne von uns, wenn es darum geht, zur Wahl zu gehen, sich mit den europäischen Herausforderungen auseinanderzusetzen und sich für ein friedliches und demokratisches Europa stark zu machen.

Lea Sedlmayr ist Referntin für Europäische Jugendpolitik und baut seit 2015 das Europabüro des BJR in Brüssel auf:
European Office of the Bavarian Youth Council
Rue de Pascale 4-6
B-1040 Brüssel
Tel. +3227256095
sedlmayr.lea@bjr.de