Nie aufgeben -

Griechenlands junge Generation

von Stephan Rinke-Mokay

Acht Vereine, fünf davon zur Jugendförderung, und selbst ein kleines Amphitheater findet man in Krioneri im Südwesten Griechenlands, einem Ort, der nicht einmal 1.000 Einwohner zählt. „Hier leben fast alle von der Landwirtschaft. Anfangs war es schwer, die Menschen von neuen Strukturen und Ideen zu überzeugen“, erklärt Panos Poulos, 57-jähriger griechischer Jugendarbeiter und schon immer ein Kämpfer. Erst seit Kurzem gibt es im Land Jugendherbergen und einen entsprechenden Verein. Auch der Verband der Jugendarbeiter_innen wurde erst vor einem Jahr gegründet. Organisierte Jugend- und Sozialarbeit gibt es in Griechenland bisher nicht. Seit 15 Jahren hat der griechische Staat keinen Euro mehr in diesen Bereich investiert. Alle Angebote gehen auf ehrenamtliches Engagement oder NGOs, die wiederum durch Mittel der EU finanziert werden, zurück.

„Seit dem Krisenbeginn wurden bei uns alle sozialen Strukturen zerstört“, hadert Panos. „Auf der einen Seite wurden Löhne und Renten um bis zu 50 Prozent gekürzt, auf der anderen Seite stiegen die Steuern und die Preise.“ Über 300.000 Firmen wurden in den letzten Jahren geschlossen. 35 Prozent aller Griechen sind von Armut bedroht. Zwei von drei Jugendlichen sind arbeitslos, da selbst die, die nicht in der Statistik auftauchen, endlos studieren oder Jobs ausüben, für die sie völlig überqualifiziert sind, nur um über die Runden zu kommen.

Statt zu resignieren, nehmen viele Griech_innen ihr Schicksal aber selbst in die Hand und zeigen beeindruckendes Engagement. Menschen wie Marilena, die zusammen mit ihrem Bruder und zwei Freunden sechs Monate lang durch verschiedene afrikanische Länder reiste und soziale Projekte initiierte. Oder wie Sotiris, der sich mit der Artfarm einen Kindheitstraum erfüllte, eine Baumhaussiedlung baute und dort nun junge Menschen in Kontakt mit der Natur und Kunst bringen möchte. Menschen wie Filaretos, Vorsitzender des neuen Griechischen Nationalen Jugendarbeiterverbands, der in Kalamata zusammen mit Freund_innen ein breites Beschäftigungsangebot aus dem Boden stampfte, das heute durch 50 ehrenamtliche Kursleiter_innen umgesetzt wird und jährlich 800 Menschen erreicht. Und natürlich Menschen wie Panos, der seit Jahrzehnten für eine bessere Jugendarbeit in Griechenland kämpft. •

Stephan Rinke-Mokay ist Sozialarbeiter aus Würzburg. Im Rahmen des Projekts Fachkräfteaustausch hielt er seine Erlebnisse der grichischen Bildungsfahrt im Sommer 2018 fest und veröffentliche diese im "Flüchtling Magazin". Die Vollversion der hier abgeduckten Kurzfassung kann unter https://www.fluechtling-magazin.de/2018/12/22/nach-der-troika-vor-der-katastrophe-griechenlands-verlorene-generation/ abgerufen werden.