juna #3.25 Prävention sexualisierter Gewalt
Ein zentrales Anliegen in der Jugendarbeit ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen, insbesondere vor sexualisierter Gewalt.
Keine Angst vor Schutzkonzepten!
Die Vorstellung, „ein Schutzkonzept zu schreiben“, klingt nach einer langwierigen, theoretischen Schreibtischarbeit, mit dem Ziel, ein perfekt formuliertes Papier zu erstellen. Aber darum geht es in Wirklichkeit gar nicht.
Ein zentrales Anliegen in der Jugendarbeit ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen, insbesondere vor sexualisierter Gewalt. Erfreulicherweise engagieren sich viele Organisationen bereits seit Jahren aktiv für den Schutz der jungen Menschen, etwa durch Qualifizierungsmaßnahmen, Verhaltenskodizes oder andere praktische Vorkehrungen. Doch wenn Mitarbeitende der Jugendarbeit darüber hinaus ein umfassendes Schutzkonzept entwickeln möchten, herrscht oft Unsicherheit und manche befürchten, eine komplexe, bürokratische Aufgabe bewältigen zu müssen. Sie fühlen sich von der Aufgabe überfordert oder sind unsicher, wo sie anfangen sollen. Dabei geht es in der Praxis überhaupt nicht darum, ein perfekt ausformuliertes Dokument aufzusetzen.
EIN PROZESS, DER SICH AN DER PRAXIS ORIENTIERT
Ein Schutzkonzept sollte eben genau kein starres Dokument sein, das einmal fertiggestellt in der Schublade verschwindet. Es sollte vielmehr ein Prozess sein, der sich an der Praxis orientiert und an dem Kinder und Jugendliche immer wieder beteiligt werden. Es geht darum, mögliche Risiken bezüglich (sexualisierter) Gewalt zu identifizieren und darauf abgestimmte, praxistaugliche Maßnahmen zu finden, die diese Risiken minimieren und dazu beitragen, den Schutz junger Menschen zu verbessern. Schutzkonzepte sollen die Qualität der Arbeit fördern, indem sie die Prinzipien der Wertschätzung, des Respekts und der Mitbestimmung in den Mittelpunkt stellen. Sie sollen die Organisation dabei unterstützen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Kinder und Jugendliche ernst genommen fühlen, ihre Interessen einbringen können und aktiv an der Gestaltung ihrer Angebote beteiligt sind.
Jede Organisation oder Einrichtung ist einzigartig, hat unterschiedliche Strukturen, Zielgruppen und Risikofaktoren. Deshalb braucht es individuell angepasste Schutzkonzepte. Dabei kann aber auf bereits bestehende Praxis und bewährte Vorgehensweisen zurückgegriffen werden. So bestehen bei allen Jugendverbänden auf der Landesebene Rahmenschutzkonzepte, die Orientierung bieten und an die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort angepasst werden können.
Der Entwicklungsprozess eines Schutzkonzepts ist kein Sprint, sondern ein Marathon. In diesem Lern- und Anpassungsprozess kommt es nicht darauf an, alle möglichen Präventionsmaßnahmen in Angriff zu nehmen, sondern sich bewusst zu machen, was in der jeweiligen Organisation zum jetzigen Zeitpunkt wirklich sinnvoll ist und welche Maßnahmen tatsächlich eine Verbesserung bringen.
EINE WEBSEITE FÜR DEN EINSTIEG
Fachleute und Beratungsstellen können dabei unterstützen, die richtigen Schritte zu gehen und die eigenen Maßnahmen sinnvoll weiterzuentwickeln. Auf der Webseite schutzkonzepte.bjr.de finden sich zahlreiche Ressourcen, die den Einstieg erleichtern und konkrete Anregungen bieten. Das Wichtigste ist jedoch, sich auf den Weg zu machen und den gemeinsamen Prozess zu starten. Denn Schutz entfaltet sich bereits dadurch, dass das Thema sexualisierte Gewalt offen angesprochen und nicht tabuisiert wird.
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