Grußwort des BJR-Präsidenten Matthias Fack zum Tag der Jugend in Brüssel

Es freut mich sehr, dass ich Sie heute zum Bayerischen Tag der Jugend in Brüssel - neben Straßburg - das politische Herz Europas - begrüßen darf. Für die Initiative und großartige Unterstützung möchte ich mich bereits zu Beginn meines Grußworts bei Ihnen, Herr Hartmuth in Stellvertretung für Frau Schretter, bedanken. Die Zusammenarbeit mit dem Team in der bayerischen Vertretung, auch mit Herr Dr. Edlbaur, war wunderbar. Ebenso möchte ich mich beim Bayerischen Jugendministerium bedanken: durch den Abteilungsleiter Herr John und den Referatsleiter Herr Nitschke haben wir stets eine große Unterstützung erfahren, vielen Dank dafür.

Ganz besonders freut es mich auch, dass Sie und Ihr so zahlreich unserer Einladung in die Vertretung des Freistaats Bayern bei der Europäischen Union gefolgt seid. Nach der erfolgreichen Veranstaltung „Youth on the Radar“ im vergangenen Jahr, wollen wir mit dem heutigen Bayerischen Tag der Jugend einen weiteren Akzent setzen und die Anliegen junger Menschen aus Bayern und Vertreter_innen der Europäischen Union miteinander ins Gespräch zu bringen und die Partizipation und Teilhabe weiter entwickeln.

Um miteinander ins Gespräch zu kommen, braucht es Menschen, die sich einem Dialog stellen und für diesen bereit sind: die eigenen Interessen verbalisieren, zuhören, aufeinander eingehen, argumentieren - all diese Faktoren gehört zu guten Gespräch, die ich heute nachmittag selbst so zahlreich in den fünf thematischen Workshops hier am Gelände wahrnehmen konnte.

Maßgeblich haben dazu auch die Workshop-Paten aus dem Europäischen Parlament beigetragen, die ihre Expertise für die Workshops zur Verfügung gestellt und heute Abend die Ergebnisse diskutieren wollen. Dafür bedanke ich mich herzlich bei

  • Herrn Dess im Workshop 1 zu „Youth mobility und volunteer work“
  • Herrn Händel im Workshop 2 zu „Youth Partizipation and Youth-adequate society“
  • Frau Westphal im Workshop 3 zu „Europe in the media“ und
  • Frau Lochbihler im Workshop 4 zu „Youth active for enviroment“.

Aber nicht nur die Patinnen und Paten sind an dieser Stelle wichtig, weswegen ich alle Teilnehmenden bei der heutigen Veranstaltung begrüßen und mich bedanken möchte:

  • zum einem bei den Mitarbeitenden der Europäischen Kommission und allen, die in den Workshops dabei waren,
  • bei allen Moderatorinnen und Moderatoren der Workshops,
  • bei allen, die in der Vorbereitung und Durchführung geholfen und unterstützt haben, insbesondere ein Dankeschön an die Arbeitsgruppe des Landesvorstands „Europäische Jugendpolitik“ mit der Begleitung von Lea Sedlmayr und Astrid Weber, die seit langem diesen Bayerischen Tag der Jugend planen,
  • und natürlich bei allen jungen Menschen aus Bayern, die sich auf den Weg gemacht haben und all den Gästen, die heute hier sind um den Dialog zwischen jungen Menschen und „Europa“ zu realisieren,

In der Vergangenheit und aktuell wird oft über Filterblasen und Echokammern diskutiert, auch Brüssel ist für seine „European Bubble“ bekannt. Es mag ein Vorurteil sein, aber ganz von der Hand lässt sich nicht weisen, dass wir in der Jugendarbeit auch gelegentlich in „unserer“ eigenen Welt - in unserer eigenen kleinen Blase - leben. Und das ist auch gut so! Allerdings wollen wir mit dem Bayerischen Tag der Jugend genau aus dieser Bubble raus und vielleicht im Sinne gemeinsamer Interessen und Anliegen neue Bubbles schaffen… Symbolisch dafür, haben wir Euch und Ihnen die Seifenblasen mitgebracht.

Als Bayerischer Jugendring mit seinen nunmehr 103 Stadt-, Kreis- und Bezirksjugendringen sowie einer Vielfalt an Mitgliedsorganisationen - konfessionelle, ökologische oder kulturelle Verbände sind ebenso vertreten wie Sport- oder Pfadfinderverbände - setzen wir uns für die Interessen von mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern ein. Mit den Mitteln der Jugendarbeit und -politik vertreten wir die Belange aller jungen Menschen im Freistaat und darüber hinaus. Unsere Überzeugung dabei: Junge Menschen wollen am politischen Willensbildungsprozess mitwirken und damit ihre Zukunft gestalten und sichern. Das zeigte sich auch am Hauptausschuss des Bayerischen Jugendrings - das obersten beschlussfassende Gremium bayerischer Jugendarbeit - vor zwei Jahre im Oktober 2015, als das europapolitische Grundsatzpapier beschlossen wurde. Vor rund einem Jahr erfolgte dann die Eröffnung des Büros in der Rue de Pascale 4-6 in Brüssel und kürzlich beschloss der BJR-Landesvorstand das EU-Beteiligungsinstrument des Strukturierten Dialogs noch stärker in den Blick zu nehmen.

Diese deutliche Ausrichtung auf europäische Themen ist auch angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen notwendig. Hier wie in Bayern werden dabei die selben Anliegen diskutiert: Integration und interkulturelle Öffnung, Arbeit gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit oder Unterstützung Geflüchteter und Inklusion, um nur einige Beispiele zu nennen. Die zahlreichen Jugendverbände und Jugendringe veranstalten Aktionen, gestalten Projekte und beziehen Positionen: nämlich für eine weltoffene, tolerante, friedliche und demokratische Gesellschaft, in der jedem und jeder, unabhängig von religiöser Weltanschauung oder geschlechtlicher und sexueller Orientierung eine gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht werden soll. Genau daran arbeitet auch der Bayerische Jugendring im 70. Jahr seines Bestehens nachhaltig: als parteiliche Interessenvertretung setzt er seit einer Gründung im Jahr 1947 beispielsweise mit der „Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus - Demokratie leben!“ oder dem Aktionsprogramm wie „Flüchtlinge werden Freunde“ einen gesellschaftlich relevanten Akzent. Genauso wichtig, wie eine aktive und demokratische Zivilgesellschaft ist es meines Erachtens allerdings, für entsprechende politische Rahmenbedingungen einzutreten, damit sich das vielfältige ehrenamtliche und hauptberufliche Engagement der Jugendarbeit wirkungsvoll entfalten kann. In Zeiten „postfaktischer“, populistischer, ausgrenzender Botschaften ist es wichtiger denn je, dass der BJR seine weltoffene Haltung zeigt. Die Herausforderungen wirken dabei angesichts von Fake News, Hassparolen und Rechtsruck so groß, dass sich einige ganz klein vorkommen. Dann hilft: als große und starke Gemeinschaft junger Menschen GEMEINSAM HALTUNG zu ZEIGEN. Mit dieser Kampagne - das Motto sehen Sie auch als Banner an der Vertretung hängen - setzen wir ein deutliches Zeichen gegen rassistisches und nationalistisches Gedankengut. Diese klare Haltung gehört ebenso zu einer europäischen Identität, wie die Grundwerte Solidarität Völkerverständigung, Gerechtigkeit und Partizipation.

Genau diese Werte bilden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene durch Begegnungen im Rahmen von Jugendarbeit in unverzweckten Räumen. Es ist eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder unserer Zeit, sich für die Idee eines gemeinsamen und friedensschaffenden Ortes, Landkreises, Bezirkes, Bundeslandes und Landes und eines Europas zu engagieren. Durch die persönlichen Begegnungen entwickeln und stärken sie Kompetenzen und bilden wichtige Werte für ein gutes und vielfältiges Zusammenleben. Auch eine starke EU-Jugendstrategie ab 2019 trägt dazu bei. Vor drei Monaten beschlossen die Delegierten des Hauptausschusses, sich für eine starke Jugendstrategie einsetzen zu wollen, die an regionale Strukturen anknüpft. „Junge Menschen wollen beteiligt werden, dafür braucht es mehr Geld und weniger Bürokratie!“ lautet das Fazit zum Abschluss des Positionspapiers.

Von diesen Gedanken getragen, möchte ich zum Abschluss meines Grußwortes nochmal auf die Seifenblasen zurück kommen: symbolisch für das Element „Luft“ als eines von vier Elementen möchte ich uns einen ausreichenden Atem für viele Gespräche wünschen. Im vergangenen Jahr haben wir an dieser Stelle Tischlagerfeuer verteilt: das Feuer steht dabei für die Energie, sich für und in Europa für das gemeinsame Zusammenleben vieler Regionen einzusetzen. Tischlagerfeuer und Seifenblasen: bleiben nun noch zwei weitere Elemente, die es bei weiteren Veranstaltung symbolisch zu entdecken gilt. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und das Engagement, mit dem Sie und Ihr genau diese Gedanken weiter in die Welt tragt und damit GEMEINSAM HALTUNG ZEIGT. Ich wünsche uns nun gute Gespräche und bedanke mich für Ihre und Eure Aufmerksamkeit.

Es gilt das gesprochene Wort.