Stellungnahme zum Free-Interrail-Ticket

Am 2. Mai 2018 hat die Europäische Kommission ihren neuen Mehrjährigen Finanzrahmen für die Förderperiode 2021 bis 2027 vorgestellt.

Hintergrund

Am 2. Mai 2018 hat die Europäische Kommission ihren neuen Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) für die  Förderperiode 2021 bis 2027 vorgestellt. Darin wird die Initiative „Free Interrail“, mit der perspektivisch jedem 18-jährigen Jugendlichen in der EU ein Interrail-Ticket kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll, mit 700 Millionen Euro, in einen Rahmen mit ERASMUS+ gestellt. Außerdem stellt die Europäische Kommission ab Juni erstmals 15.000 Reisepässe, für Jugendliche ab 18 Jahren, über eine Verlosung zur Verfügung: http://europa.eu/youth/discovereu_en

Stellungnahme

Der Bayerische Jugendring (BJR) begrüßt den Vorschlag der EU-Kommission ausdrücklich, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, die EU per Interrail-Ticket zu erleben. Wir sind überzeugt davon, dass Reisen bildet und junge Menschen, die EU erleben und bereisen wollen.  Das Interrail-Ticket steht für größtmögliche Freiheit in der Reisegestaltung. Und genau das macht es für junge Menschen attraktiv. Daher lehnen wir jede Form von Bedingungen und Einschränkungen, wie z.B.  den verpflichtenden Besuch von Museen, ab.

Um das Free-Interrail-Ticket auch für die Jugendarbeit interessant und nutzbar zu machen, fordern wir eine Ausweitung der Altersbegrenzung für Jugendliche ab 14 Jahren und bis 30 Jahren. Dies fördert die Möglichkeit, in der Jugendgruppe gemeinsam die EU zu entdecken. Ein Geburtstagsgeschenk zum 18. Lebensjahr spiegelt des Weiteren nicht die komplexe Lebenswirklichkeit von jungen Menschen wieder. Schließlich soll das Ticket nicht nur für Abiturient_innen, sondern auch für Absolvent_innen von Mittelschulen, für Auszubildende usw. nutzbar sein, für die ggf. gerade im 18. Lebensjahr nicht die Möglichkeit zu einer längeren Reise besteht. Wir fordern die EU-Kommission außerdem auf, das Ticket inklusiv weiterzudenken. Hierzu bedarf es die Möglichkeit, eine_n Reisebegleiter_in kostenfrei mitreisen zu lassen, um junge Menschen mit Unterstützungsbedarf ebenfalls teilhaben zu lassen. 
 
Im aktuellen Interrail-Ticket sind die Angebote des regionalen Fernverkehrs (Regional-Express/Regionalbahn etc.) miteingeschlossen. Da sich junge Menschen aber auch in den Städten frei bewegen wollen, benötigt das Ticket eine Ausweitung auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) der Städte. Nur wenn dieser ebenfalls  im Ticket inkludiert ist, kann es gelingen, dass tatsächlich auch finanzschwache Jugendliche das Ticket nutzen können. Das Interrail-Ticket darf nicht zum Geschenk für Jugendliche mit wohlhabenden Eltern werden.
 
Wir rufen die EU-Kommission dazu auf, eine Plattform für flankierende Angebote zu schaffen. Diese sollen nicht verpflichtend sein, aber auch die Teilnahme am Ticket für junge Menschen ohne große finanzielle Möglichkeiten ermöglichen. So wünschen wir uns eine Plattform, auf der Jugendherbergen, Jugendeinrichtungen, Jugendverbänden etc. Angebote eintragen können.

Das können Angebote zur Mithilfe sein, etwa Hausmeistertätigkeiten, die gegen Kost und/oder Logis verrichtet werden. Auch Begegnungsmöglichkeiten mit jungen Menschen vor Ort müssen mitgedacht werden. Der Einbezug örtlicher und regionaler Jugendstrukturen und –initiativen ist wünschenswert. Kostengünstige Übernachtungen für Interrail-Reisende in Einrichtungen der Jugendarbeit bzw. des Jugendherbergswerks zu ermöglichen, wären eine deutliche Erleichterung. Neben dem finanziellen Anreiz kann so Europas kulturelle Vielfalt leichter erlebt werden. 

Als ersten Schritt begrüßen wird die Einführung des Modellprojekts „DiscoverEU“, im Sommer 2018, damit erste Erfahrungen gesammelt werden können und wir davon ausgehen, dass die bürokratischen Hürden für die Bewerbung in Zukunft minimiert werden. Für die Integration in den neuen Finanzrahmen ab 2021, und damit die angedachte Integration in ERASMUS+ , müssen Kontinuität, Evaluation und Weiterentwicklung gewährleistet werden.