Jugend und Jugendarbeit ermöglichen

Freiräume in der Jugendarbeit nicht instrumentalisieren!

Teilnehmende der Tagung

Jugend und Jugendarbeit muss um Freiräume ringen, so eine Quintessenz aus dem 15. Kinder- und  Jugendbericht, der bei der Tagung "Jugend und Jugendarbeit ermöglichen" des BJR und des Instituts für Jugendarbeit am 11. Juli 2017 diskutiert wurde. Die Kernherausforderungen daraus, den "gleichrangigen Dreiklang" - Qualifizierung, Verselbstständigung und Selbstpositionierung - erläuterte Dr. Christian Lüders vom Deutschen Jugendinstitut. Seine Kollegin Dr. Liane Pluto stellte die Spannungsfelder für das Themenfeld Jugendarbeit vor: Offenheit - Zielgruppenbezug, Ehrenamtlichkeit - Verberuflichung, Interessen der Jugendlichen - Erwartungen der Gesellschaft, Selbstorganisation - von Erwachsenen geprägte Strukturen.

Zu Freiräumen hier ein Auszug aus der "Jugendbroschüre zum 15. Kinder- und Jugendbericht":
„Wie sich junge Menschen von Stress und Druck freimachen“ – das neunte Kapitel greift die jugendpolitische Diskussion um mehr Freiräume noch einmal unter einem anderen Blickwinkel auf. In Zeiten von Schulzeitverkürzung und Leistungsdruck, Optionenvielfalt und Selbstoptimierung wünschen sich junge Menschen Räume und Orte, die sie selbst gestalten können und in denen Entscheidungen keine unabsehbaren Folgen in der Zukunft haben. Es geht um selbstgestaltete Spiel- und Erprobungsräume, Gegenwelten und Rückzugsorte. Dabei steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Fähigkeit der jungen Generation, durch Innovation und Hinterfragen unsere Gesellschaft zu erneuern. Insbesondere Jugendarbeit kann solche Freiräume ermöglichen.

Offene Fragen, Perspektiven un Impulse erläuterte Lüders nach Gruppendiskussionen zu den Themen Jugendarbeit, Qualifizierung, Offene und Kommunale Kinder- und Jugendarbeit. Das relativ neue Sozialisierungsfeld Ganztagsschule beispielsweise stelle an die Jugendarbeit ganz eigene Herausforderungen. Im Konzert vieler Akteurinnen und Akteure rund um politische Bildung und zunehmende gesellschaftliche Erwartungen an die Jugendarbeit machen es notwendig, ein gemeinsames Verständnis, eine klarere Aufgabenstellung und den spezifischen Beitrag der Jugendarbeit herauszuarbeiten. Kritisch sah Lüders auch die Ungleichbehandlung junger Geflüchteter nach dem Jugendhilfegesetz. "Die Integration junger Geflüchteter darf nicht aufgeteilt werden in die, die eine Chance auf Integration haben, und jenen, bei denen sie planmäßig scheitert."