AfD greift Jugendarbeit in Bayern an
Jugendarbeit steht für Freiheit, Demokratie und ein wertebasiertes Menschenbild. Der Bayerische Jugendring (BJR) weist Angriffe auf Projekte und Strukturen entschieden zurück.
In ihrem Programm zur Kommunalwahl 2026 greift die AfD Bayern Projekte, Strukturen und Einrichtungen der Jugendarbeit in Bayern an. In ihrem online veröffentlichten Programm behauptet die Partei beispielsweise wie schon 2020, das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Trägerschaft des Bayerischen Jugendrings sei eine Initiative, die Schüler:innen durch „linksradikale Organisationen“ beeinflusse. Sie sei deshalb „sofort zu beenden."
Neu hinzu kommen Angriffe auf die Personalstruktur der Kreis- und Stadtjugendringe sowie auf außerschulische Veranstaltungen und Projekte zur Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Dazu erklärt der Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), Philipp Seitz: „Der gemeinsame Kern dieser Vorwürfe ist der immer gleiche: Der Jugendarbeit wird eine ideologische Beeinflussung, Überwältigung oder gar Umerziehung unterstellt. Worin diese angebliche Ideologie bestehen soll, bleibt offen. Stattdessen fordert das AfD-Programm eine ebenso vage ‚politisch neutrale Weise‘, an der sich die Jugendarbeit orientieren solle.
Angriff auf eine gewachsene demokratische Tradition
Mit diesen Positionen richtet sich die AfD gegen eine Tradition, die in Bayern seit 1947 gewachsen ist. Jugendarbeit folgt hier klaren Grundsätzen: Sie ist freiwillig, ehrenamtlich, selbstorganisiert und demokratisch.
BJR-Präsident Philipp Seitz weist die Angriffe deshalb scharf zurück: „Die Strategie dahinter ist seit Jahren bekannt und vielfach analysiert. Projekte, Einrichtungen und Themen werden gezielt herausgepickt und diskreditiert. Es geht um Linksextremismus-Verdacht, um endlose Neutralitätsdebatten und um persönliche Angriffe auf Engagierte. Das Ziel ist klar: die Jugendarbeit in Bayern stören und sie durch den Entzug finanzieller Mittel lahmlegen.“
Mit Blick auf die Kommunalwahlen am kommenden Sonntag sieht Seitz eine besondere Gefahr: „Über Jugend- und Kulturausschüsse haben gewählte Parteien erheblichen Einfluss auf die kommunale Jugendarbeit. Parlamentarische Möglichkeiten könnten genutzt werden, um diese Arbeit von innen auszuhöhlen.“
Der BJR und seine Mitgliedsorganisationen stellten sich dem entschieden entgegen. „Wir stehen gemeinsam mit den Jugendverbänden und Jugendringen für eine Jugendarbeit, die Freiräume schafft, damit junge Menschen sich selbst organisieren können“, betont Seitz. „Jugendarbeit in Bayern steht für Freiheit, Demokratie und ein wertebasiertes Menschenbild. Sie ist ein Leuchtturm in stürmischen Zeiten – sie gibt Orientierung, Gemeinschaft und Halt. Wer die Jugendarbeit stärkt, stärkt die Demokratie.“
„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ im Visier
Das bundesweite Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gerät immer wieder bundesweit ins Visier der AfD. Seit 2012 liegt die Trägerschaft in Bayern beim Bayerischen Jugendring. Inzwischen beteiligen sich fast 1000 Schulen im Freistaat.
Das Netzwerk lebt von der Beteiligung der Schulfamilien. Erst nach einer Abstimmung entscheidet jede Schule selbst, ob sie Teil des Netzwerks sein möchte. Wie das Engagement gegen Rassismus konkret aussieht, bestimmen die Beteiligten vor Ort. So ermöglicht das Projekt jungen Menschen, ihre Schulkultur aktiv mitzugestalten.
Seit Jahren versucht die AfD, das Netzwerk und seine Aktivitäten an den Pranger zu stellen und Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte zu verunsichern – etwa durch Meldeportale oder durch verbreitete Fehlinformationen zum Thema Neutralität an öffentlichen Schulen.
Demokratiebildung bleibt Auftrag
Der Bayerische Jugendring (BJR) vertritt als Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände und Jugendgruppen die Interessen aller jungen Menschen in Bayern. Ihm gehören aktuell 35 landesweite Jugendverbände, 38 überregionale Verbände sowie 289 örtliche Jugendgruppen an. Mit 103 Stadt-, Kreis- und Bezirksjugendringen ist der BJR in ganz Bayern vertreten.
2024 bekräftigte die Vollversammlung des BJR, das höchste beschlussfassende Gremium der Jugendarbeit in Bayern, den Gründungsauftrag aus dem Jahr 1947: Jugendarbeit zu gestalten im Geist von Freiheit und Demokratie. Dazu gehört auch die Verpflichtung, junge Menschen zur aktiven Mitwirkung an einer offenen, friedlichen und inklusiven Gesellschaft zu ermutigen.
Philipp Seitz: „Das Parteiprogramm der AfD ignoriert die Lebensrealität junger Menschen. Es nennt vor allem Verbote, die ihre gesellschaftliche Teilhabe einschränken sollen. Ihnen wird nicht zugetraut, sich mit gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinanderzusetzen. Es ist höchste Zeit, zu erkennen, mit welcher Vehemenz und in welchem Umfang von dieser Partei versucht wird, Jugendarbeit in Bayern zu behindern und auch zu verhindern. Wir appellieren an alle demokratischen Parteien, sich für uns einzusetzen und dabei zu unterstützen, Raum für Jugendarbeit zu schaffen."
Kontakt:
Ellen Daniel
Pressesprecherin
Mobil: 0151 / 276277-20
E-Mail: daniel.ellen(at)bjr.de