„Jugendarbeit ist kommunale Pflichtaufgabe – gerade in Zeiten knapper Ressourcen“
BJR-Präsident Philipp Seitz ermutigt Fachkräfte der Kommunalen Jugendarbeit in Bayern, die Kommunalwahl 2026 gemeinsam mit Ehrenamtlichen für ihre Anliegen zu nutzen
„Jugendarbeit ist und bleibt in allen Kommunen Zukunftsthema“, betonte der Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), Philipp Seitz, auf der Landestagung Kommunale Jugendarbeit in Bayern am 26. und 27. Juni 2025 in Nürnberg. Während des jugendpolitischen Austauschs forderte er die teilnehmenden Fachkräfte auf, die Kommunalwahl im März 2026 zu nutzen, um gezielt zu informieren und Jugendarbeit als kommunale Pflichtaufgabe im Bewusstsein aller neu zu besetzenden kommunalen Gremien zu verankern: „Gerade in Zeiten klammer Kassen dürfen sich die Kommunen nicht aus der Jugendarbeit herausziehen. Denn sie ist ganz klar eine Investition in die Zukunft.“
Daher gelte es, auch in kleineren Kommunen – angepasst an die jeweiligen Gegebenheiten – im guten Miteinander von Fachkräften und Ehrenamt eine sichere Grundstruktur für eine lebendige Jugendarbeit zu schaffen. Philipp Seitz ergänzt: „Wir freuen uns, dass hierfür bereits die wichtigen koordinierenden Aufgaben in vielen Gebietskörperschaften mit solide ausgebildeten Fachkräften hauptamtlich besetzt werden konnten. Im Schulterschluss mit Ehrenamtlichen aus Jugendverbänden und Jugendringen werden sie die brennenden Themen der Zeit auf die kommunalpolitische Tagesordnung bringen.“
Fachkräftemangel, Ganztag, Messbarkeit: Kommunale Jugendarbeit gezielt stärken
Die Tagung informierte über den Status-quo der Jugendarbeit in Bayern und gab den Teilnehmenden Gelegenheit, sich über die aktuellen praktischen Herausforderungen der Kommunalen Jugendarbeit auszutauschen. Prof. Dr. Jens Pothmann vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) beleuchtete das Berufsfeld der Jugendarbeit aus wissenschaftlicher Sicht. Anhand aktueller Daten bestätigte er die Einschätzung vieler Fachkräfte, dass der Bedarf an Angeboten der Jugendarbeit die derzeit vorhandene Infrastruktur deutlich übersteigt. Während der Bereich der Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren stark ausgebaut wurde, stagniert die Entwicklung in der hauptberuflichen Jugendarbeit – sowohl hinsichtlich der personellen Ausstattung als auch der finanziellen Ressourcen, die damit Inflation ud Tariferhöhungen nicht ausgleichen können.
In dem Zusammenhang erörterte Julia Schötz, Referentin für Jugendhilfeplanung beim Bayerischen Landesjugendamt, im Rahmen der Landestagung, wie sich der Bedarf für Kommunale Jugendarbeit objektiv erfassen und bewerten lässt und welche Kriterien für eine fundierte Bedarfsanalyse herangezogen werden können.
Aktuelle Entwicklungen rund um die Stellung der Jugendarbeit innerhalb der Jugendämter beleuchteten Thorsten Schubert, Jugendamtsleiter der Stadt Schweinfurt, und Markus Schön, Beigeordneter der Stadt Krefeld und ehemaliger Jugendamtsleiter in München. Dabei erwies sich insbesondere die Ausweitung der Ganztagsbetreuung als drängendes Thema. Beide betonten, dass Finanzierungs- und Koordinierungsaufgaben im Zusammenhang mit dem Ausbau des Ganztags nicht zulasten der etablierten Aufgaben der Jugendarbeit gehen dürfen. Vor allem die Prinzipien der Freiwilligkeit, Offenheit und Partizipation müssten auch künftig gewahrt bleiben.
Besonderes Interesse fand in der kommunalen Jugendpflege ein Gast aus Südtirol: Karlheinz Malojer gelang es als Geschäftsführer der Südtiroler Jugenddienste, Einblicke in die für Bayern sehr interessante Struktur der Jugendarbeit mit Fachkräften bis in kleine ländliche Gemeinden hinein zu geben. Für 2026 ist aus diesen Kontakten eine internationale Fachkräftekonferenz geplant, die Weichen für weitere internationale Jugendangebote schaffen soll.
ABJ-Landesvorstand: KOJA-Berufsvertretung neu gewählt
Im Rahmen der Tagung in Nürnberg wählte die Kommunale Jugendarbeit in Bayern auch den neuen Landesvorstand ihrer vom BJR anerkannten Berufsvertretung neu: An der Spitze der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Jugendpflegerinnen und Jugendpfleger (ABJ) steht jetzt Alexander Angermann von der Kommunalen Jugendarbeit der Stadt Ingolstadt. Er folgt auf Dieter Edenharter (KOJA Ingolstadt), der nach sieben Jahren als ABJ-Landesvorsitzender von Präsident Philipp Seitz mit einem großen persönlichen Dank für die gute Zusammenarbeit im BJR verabschiedet wurde. Die weiteren fünf Mitglieder des ABJ-Landesvorstands sind: Jasmin Nimar (Stadt Augburg) sowie als Neugewählte Luisa Hofmann (Neumarkt/OPf.), Johanna Michels (Pfaffenhofen), Sebastian Wehner (Stadt Bamberg) und Sebastian Fischer (Stadt Fürth).
Die jährliche Landestagung ist die zentrale Veranstaltung der Kommunalen Jugendarbeit (KOJA) in Bayern. Mehr als 90 Jugendpfleger:innen sowie Fachkräfte sind der Einladung des BJR gefolgt, um die aktuellen Perspektiven der KOJA zu diskutieren und sich über drängende Fragen der kommunalen Jugendpflege auszutauschen. Der BJR übernimmt für die 96 Dienststellen der KOJA in Bayern die Aufgaben des überörtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe im Bereich der Jugendarbeit – darunter die Aus- und Fortbildung der Fachkräfte etwa in Form einer Zusatzausbildung im Institut für Jugendarbeit. Im Rahmen der Landestagung wurde auch der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Jugendpfleger und Jugendpflegerinnen (ABJ) neu gewählt.
Weitere Informationen zur KOJA in Bayern:
https://www.bjr.de/strukturen/kommunale-jugendarbeit
Kontakt
Franz Wacker, Leiter Kommunikation
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wacker.franz(at)bjr.de