Wo Jugend Raum hat, wächst Zukunft: Jugendbeteiligung verbindlich verankern
Die Delegierten der bayerischen Jugendarbeit fordern einen verbindlichen Neustart für jugendgerechte Kommunen. Im Mittelpunkt stehen Beteiligung, soziale Sicherheit, Räume für junge Menschen sowie der Erhalt verlässlicher Strukturen der Jugendarbeit.
Die Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings (BJR) hat auf ihrer 168. Sitzung in Herrsching am Ammersee eine jugendgerechte Kommunalpolitik eingefordert und unter dem Motto „Wo Jugend Raum hat, wächst Zukunft!“ ein umfassendes Positionspapier verabschiedet. Ausgangspunkt ist der gesetzliche Auftrag der Kommunen, Angebote der Jugendarbeit rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung zu stellen. Die Vollversammlung des BJR stellt klar: Jugendarbeit ist eine Pflichtaufgabe aller Ebenen und darf nicht als freiwillige Leistung verstanden werden. BJR-Präsident Philipp Seitz betonte: „Jugendarbeit ist gesetzlicher Auftrag und Grundlage für ein funktionierendes Gemeinwesen vor Ort. Kommunen müssen die erforderlichen Strukturen schaffen und dauerhaft sichern!
Nach Ansicht des BJR stellt Kinder- und Jugendbeteiligung einen zentralen Bestandteil jugendgerechter Kommunalpolitik dar. BJR-Präsident Seitz unterstreicht: "Beteiligung muss strukturell abgesichert werden: Durch klare Zuständigkeiten, verlässliche Verfahren und ausreichende Ressourcen." Gefordert wird, Beteiligung verbindlich in der Bayerischen Gemeindeordnung sowie in kommunalen Satzungen und Geschäftsordnungen zu verankern. Darüber hinaus sollen in allen Kommunen regelmäßig altersgerechte Beteiligungsformate angeboten werden. „Beteiligung ist ein Recht junger Menschen. Sie muss verbindlich geregelt und in allen Kommunen umgesetzt werden“, so Seitz. Zudem fordert die Vollversammlung die Einführung eines kommunalen Wahlrechts in Bayern für junge Menschen ab 14 Jahren.
Soziale Sicherheit und Wohnraum sichern
Die Vollversammlung betont, dass soziale Sicherheit Voraussetzung für Teilhabe ist. Insbesondere der Zugang zu angemessenem und bezahlbarem Wohnraum stellt eine zentrale Herausforderung für junge Menschen dar. Kommunale Wohnungspolitik soll dazu beitragen, Wohnungslosigkeit zu beenden und ausreichend Wohnraum für junge Menschen – auch in kleineren Gemeinden – bereitzustellen. „Ohne soziale Sicherheit ist gesellschaftliche Teilhabe nicht möglich. Kommunale Politik muss hier mehr Verantwortung übernehmen“, betont Seitz.
Junge Menschen benötigen Räume zur Begegnung, zur Entwicklung und zur Teilhabe am öffentlichen Leben. Die Vollversammlung fordert daher, Frei- und Rückzugsräume sowie Räume für Jugendkultur zu schaffen und zu erhalten. Diese sollen am Besten gemeinsam mit jungen Menschen geplant werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Schaffung barrierefreier Räume sowie dem Abbau von Zugangsbarrieren in der Jugendarbeit. „Jugendgerechte Kommunen stellen sicher, dass alle jungen Menschen Zugang zu Angeboten und Räumen haben – unabhängig von individuellen Voraussetzungen“, so Seitz.
Die Vollversammlung betont die Bedeutung diskriminierungsfreier Räume für junge Menschen. Jugendarbeit schafft Orte, an denen junge Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht oder Lebensweise teilnehmen können. Vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Spannungen wird die Jugendarbeit als wichtiger Ort für Demokratiebildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervorgehoben. „Jugendarbeit bietet Räume für demokratisches Lernen und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Arbeit muss unterstützt und geschützt werden“, erklärt Seitz.
Rahmenbedingungen für Jugendarbeit verbessern
Die Vollversammlung fordert, die Umsetzung des Ganztagsförderungsgesetzes so zu gestalten, dass bestehende Strukturen der Jugendarbeit nicht geschwächt werden. Zudem werden Verbesserungen in der Mobilität junger Menschen, insbesondere im ländlichen Raum, gefordert, ebenso wie der Ausbau von Unterstützungsangeboten im Bereich der psychischen Gesundheit. Abschließend betont die Vollversammlung die Notwendigkeit verlässlicher und gut ausgestatteter Infrastrukturen der Jugendarbeit in allen Kommunen „Dauerhaft finanzierte Einrichtungen und Fachkräfte sind die Grundlage für gelingende Jugendarbeit und ehrenamtliches Engagement“, so Seitz.
Die Vollversammlung will sich darüber hinaus für Maßnahmen für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzen, insbesondere für junge Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte. Die Vollversammlung macht auf strukturelle Benachteiligungen im Bildungssystem aufmerksam und spricht sich für umfassende Reformen aus. Dazu gehören der gleichberechtigte Zugang zu Bildung unabhängig vom Aufenthaltsstatus, bessere Sprachförderung sowie verlässliche Übergänge in Ausbildung und Beruf. Zugleich setzt sich der BJR für einen deutlichen Ausbau politischer Bildung und eine stärkere Förderung von Teilhabeangeboten für junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ein.
Zudem spricht sich die BJR-Vollversammlung gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie gegen verpflichtende Dienste aus und fordert stattdessen die Stärkung freiwilligen Engagements. Für den BJR ist klar: Engagement entsteht aus Überzeugung – nicht durch Zwang. BJR-Präsident Philipp Seitz erklärt: "Junge Menschen wollen sich einbringen, aber freiwillig und selbstbestimmt. Das ist der Kern unserer Demokratie.“ Es sollte nicht über, sondern bei allen politischen Entscheidungen mit jungen Menschen gesprochen werden. Die Delegierten unterstreichen damit die Grundprinzipien der Jugendarbeit: Freiwilligkeit, Selbstorganisation und demokratische Bildung.
Die BJR-Vollversammlung ist das höchste beschlussfassende Gremium der bayerischen Jugendarbeit. Die Delegierten der bayerischen Jugendverbände, Jugendringe und Arbeitsfelder treffen sich hierbei, um die landesweiten Leitlinien, Ziele und Aufgaben der Tätigkeiten des Bayerischen Jugendrings sowie Schwerpunkte der Tätigkeiten auf Landesebene zu bestimmen. Sie entscheidet über alle den Bayerischen Jugendring als Gesamtorganisation betreffenden grundlegenden Fragen und Belange als oberstes Organ.
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Maximilian Härtwig
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