Jung & Engagiert: Ideenwerkstatt Landshut

Wie Fachkräfte junge Menschen auf dem Weg ins Ehrenamt begleiten können - Ideenwerkstatt Landshut "Jung & Engagiert" am 24. Juni 2025.

Bei der Ideenwerkstatt in Landshut dieskutierten Fachkräfte gemeinsam mit der Referentin Perdita Wingerter, Geschäftsführerin des Vereins „Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V.“, wie Engagement-Erfahrungen für Jugendliche zugänglich gemacht und wie Fachkräfte dazu beitragen können, Potenziale zu erkennen und Engagementwege zu öffnen – auch im Kontext der Jugendverbandsarbeit.

Zugleich ging es um die Frage, wie Jugendverbandsarbeit selbst als attraktives Berufsfeld sichtbarer und erlebbarer werden kann.

Zentrale Ergebnisse

1. Jugendzentren & Jugendarbeit der Zukunft

  • Zentrale Vision: Offene, einladende Räume, in denen junge Menschen sie selbst sein, sich ausprobieren und ihre Fähigkeiten einbringen können – ohne Leistungsdruck.

  • Wichtige Elemente: Vertrautheit, verschiedene „Ecken“ und Nutzungsmöglichkeiten, Begegnungsorte wie Theke, Gemeinschaftsgefühl, Technik und Natur.

  • Vielfalt an Angeboten ist Chance und Risiko zugleich – zu viel Auswahl kann auch überfordern und braucht Ressourcen.

2. Future Skills & „Future Me“

  • Modernes Ehrenamt und Jugendarbeit brauchen Kompetenzen wie: Zukunftsplanung, kritisches & kreatives Denken, Resilienz, emotionale Intelligenz, Motivation, Neugier, Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Team- und Leitungskompetenz sowie Unabhängigkeit von Technik.

  • Diese „Future Skills“ sollen an realen Projekten erprobt werden – mit Methoden, die junge Menschen in ihrer Lebenswelt abholen (z. B. Planspiele zu Finanzen und Zukunft).

  • Offene Frage: Sind diese Formate eher Training für junge Menschen allgemein oder konkret eine Einstiegsrampe ins Ehrenamt?

3. Kurzfristiges vs. langfristiges Engagement

  • Kurzfristige, gut überschaubare Aktionen (z. B. 72-Stunden-Aktionen, einmalige Projekte) sind für junge Menschen attraktiv und gut machbar.

  • Problematisch ist vor allem langfristige Bindung an Organisationen und Ämter – heute eher Wunsch nach befristeten, unverbindlicheren Formen.

  • Positives, selbstwirksames Tun und wertschätzende Erfahrungen hinterlassen Spuren und positive Erinnerungen – auch wenn das Engagement zeitlich begrenzt ist.

4. Motivation, Zugehörigkeit & erste Erfahrung

  • Engagement entsteht selten, weil man „für andere etwas tun will“; oft stehen eigene Themen im Vordergrund: Orientierung, Kontakte, Einsamkeit, Langeweile, Sinnsuche.

  • Schlüssel sind: Gemeinschaftserfahrungen, Zugehörigkeit (Team-Shirts, „mein“ Team), Bleibendes erleben, Freiheit im Gestalten und Erfolgserlebnisse.

  • Viele junge Menschen müssen Engagement überhaupt erst kennenlernen – besonders wenn es in den Familien kein Vorbild gibt. Es braucht eine gute erste Erfahrung, die zeigt: „Auf mich kommt es an – und das fühlt sich gut an.“

5. Beziehungsarbeit als Grundlage

  • Persönliche Beziehungen sind zentral: Vertrauen, echte Zuwendung und ein Rahmen, der Ausprobieren, Scheitern ohne Blamage und Wachstum ermöglicht.

  • Balanceakt: Zu wenig Verantwortung ist langweilig, zu viel Verantwortung überfordert – der Rahmen muss „genau passen“.

  • Beziehungsarbeit ist zeit- und ressourcenintensiv und braucht fachliche Kompetenz – dafür werden Hauptamtliche als entscheidend gesehen.

6. Strukturen, Hauptamt & Informationswege

  • Anforderungen an Fachkräfte steigen: psychische Belastungen der Jugendlichen, hohe Dynamik (Social Media, Trends) und wachsender Kompetenzerwartung.

  • Hierarchien sind nicht per se ein Problem – aber sie müssen transparent und verständlich sein.

  • Es gibt bereits Möglichkeiten für kurzfristiges bis langfristiges Engagement (z. B. Ferienfreizeiten, Teamer:innenrollen) – die Info kommt aber zu wenig bei Jugendlichen an.

  • Klassische Kanäle (Verteiler, Social Media, Website, Zeitung) reichen nicht aus; Mitgliedsorganisationen werben ungern „für andere“ um Ehrenamtliche.

  • Fazit: Ehrenamt braucht starke Hauptamtliche, die wissen, wie Jugendarbeit, Ansprache und Beziehungsarbeit funktionieren.

7. Ansprache & Rolle von Anreizen

  • Konsens: Menschen fürs Ehrenamt gewinnt man über persönliche Ansprache und authentische Begegnung, nicht über abstrakte Kampagnen allein.

  • Skepsis gegenüber rein instrumentellen Anreizen (Abi-Notenverbesserung, Lebenslauf-Optimierung): Bescheinigungen können Türöffner sein, dürfen aber nicht das Hauptmotiv sein.

  • Zentrales Ziel ist, das intrinsische Interesse und die eigenen Themen der Jugendlichen zu finden und darauf Angebote aufzubauen.

  • Leitsatz aus der Diskussion:
    „Wir müssen Ehrenamts-Anwerbung genauso gestalten wie Jugendarbeit selbst – mit echter Beteiligung, Selbstwirksamkeit und Emotionen.“