Zwei Frauengesichter in jeweils einem Kreis

Geschlechtergerechte Partizipation in der Jugendarbeit

Das Fachgespräch fand am 24.02.2017 im Anschluss an die 104. Sitzung der Kommission Mädchen- und Frauenarbeit in Nürnberg statt.

Zu unterscheiden ist zwischen der sog. „sozialen Partizipation“, d.h. dem Mitmachen, dem Mitwirken an möglichst konkreten Vorhaben und der „politischen Partizipation“, d. h. der Einflussnahme auf Entscheidungen in Gremien und Strukturen. Die Diskussion zeigte, dass Mädchen und junge Frauen interessiert und engagiert sind, wenn es um soziale Partizipation geht. Diese Form der Partizipation wird rege und interessiert wahrgenommen, z.B. in Projekten der kommunalen Jugendbeteiligung, aber auch in den Gruppen der Jugendverbände. Die politische Partizipation in den Gremien der Jugendarbeit und Jugendbeteiligung vermittelt ein anderes Bild (siehe Diagramm). Dies zeigen zum Beispiel auch die regelmäßig im Arbeitsbericht des BJR veröffentlichten Zahlen zum Frauen- und Männeranteil bei geförderten Maßnahmen, in der Fort- und Weiterbildung, bei den Fachkräften oder in den Gremien der Jugendringe auf Stadt- , Kreis- oder Bezirksebene.

Die Teilhabe an den aus Landesmitteln geförderten Maßnahmen für Jugendarbeit ist seit langem zwischen den Geschlechtern weitgehend ausgeglichen ist, wenngleich der etwas größere Frauenanteil bei den Bildungsmaßnahmen konstant ist. Die Teilnahme am internationalen Jugend- und Schüleraustausch ist bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt als bei Männern, besonders deutlich zeigt sich dies beim individuellen Schüleraustausch. Hier lag der Anteil der Schülerinnen bei 73 Prozent. Demgegenüber besteht eine kontinuierliche Unterrepräsentanz von Frauen in den Gremien der Jugendringe. Insgesamt 38 Prozent (2015: 38 %) der Positionen in Vorständen der Stadt-/Kreis- oder Bezirksebene wurden 2016 von Frauen wahrgenommen. Ihr Anteil unter den Vorsitzenden der Stadt-/Kreis- und Bezirks­jugendringe lag nur noch bei 22 Prozent (2015: 19 %), womit im Vergleich zum Vorjahr wieder eine leichte Steigerung zu verzeichnen ist, Auf Landesebene ist der Vorstand des BJR gemäß Satzung jeweils mit mindestens vier Frauen und Männern bei insgesamt neun Mitgliedern besetzt. Der Anteil der weiblichen Beschäftigten in der Jugendarbeit in Bayern liegt gemäß Jugendhilfestatistik bei ca. 56 Prozent mit steigender Tendenz. Zu beobachten ist, dass in den jüngeren Jahrgängen, die am Anfang der Berufstätigkeit stehen, Frauen deutlich häufiger vertreten sind. In der Berufsgruppe der Kommunalen Jugendpfleger/-innen sind wie im Vorjahr zu 50 Prozent) Frauen tätig. Die Geschäftsführung der Jugendringe wird noch zu 54 Prozent (2015: 56 %) von Männern wahrgenommen, als Verwaltungskräfte sind fast ausschließlich Frauen angestellt. Im Fortbildungsbereich sind Frauen mit 68 Prozent (2015: 69 %) der Teilnehmenden, gemessen an ihrem aktuellen Anteil unter den Beschäftigten, insgesamt überrepräsentiert. 

Vergleichbare Ergebnisse zeigt der 3. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland. Die Daten, die insbesondere als Indikatoren für geschlechtergerechte Partizipation gelten können, sind im bundesweiten Vergleich bis auf die Ebene der Landkreise und Städte und im Vergleich der Bundesländer aufbereitet worden.