Viel Preis Bewerbungen 2017

Der VIEL-Preis wurde in dieser Form zum zweiten Mal verliehen. Es sind wieder sehr beeindruckende Bewerbungen eingegangen, die von einem hohen Engagement für eine vielfältige und rassismuskritische Jugendarbeit zeugen.

Die Einsendungen werden in der Kommission Integration und interkulturelle Öffnung beraten und es wird ein Preisträger dem Landesvorstand vorgeschlagen, der dann die Entscheidung trifft. Da alle Einsendungen sehr beeindruckend waren, werden sie an dieser Stelle veröffentlicht.

Einsendungen 2017

SJR Augsburg "Zapfenstreich"

Schluß mit Intoleranz

„Zapfenstreich – Schluss mit Intoleranz“ heißt die jüngste Kampagne des Stadtjugendring Augsburg (SJR). Ziel der Aktion ist es, diskriminierende Äußerungen gegenüber Minderheiten zu demaskieren und Kneipengänger*innen zu animieren, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Zur Information und Sensibilisierung der Bürger*innen ging der SJR an den Ursprungsort der Stammtischparole – direkt in die Kneipen.

Zeichen setzen gegen Diskriminierung

Mit Tür-Aufkleber, Bierdeckel und Tresenplakaten sowie einer für die Kampagne gestaltete City-Card machte der SJR im Februar auf die aus seiner Sicht fehlende Auseinandersetzung in der Gesellschaft aufmerksam und versuchte so den Diskurs über den demokratischen und friedlichen Umgang mit Unterschiedlichkeiten anzuregen. Dem Vorsitzenden des SJR, Franz Schenck, geht es bei der Kampagne insbesondere darum, dass wieder ein echter Dialog und eine ehrliche Auseinandersetzung mit Andersdenkenden stattfinden.

Über 65 Kneipen und Wirtshäuser unterstützten die Mission des SJR durch Auslegen und hängen der Botschaft in ihren Gasträumen. Es ging vor allem darum, ein Zeichen gegen jede Form von Diskriminierung zu setzen.

Unterhaltung und Information 

Eine vierteilige Veranstaltungsreihe vermittelte parallel die ideellen Inhalte des SJR durch Unterhaltung und Information. Die Veranstaltungen reichten von einem Poetry Slam mit DJ über ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen bis hin zu einem Multikulti-Theater und einem Live-Bericht eines Aussteigers aus der Neonaziszene. Die ungewöhnlichen Veranstaltungsformate, nämlich eine ernste Thematik von Experten im normalen Kneipenbetrieb vermitteln zu lassen, fand großen Anklang bei den Besuchern der Veranstaltungen. So wurde das Argumentationstraining gegen Stammtischparolen beispielsweise von einer Band eröffnet und der Poetry Slam von einem DJ begleitet. Der Titel „Zapfenstreich“ bezieht sich sowohl auf den Zapfhahn in den Kneipen als auch auf das Augsburger Wahrzeichen, die Zirbelnuss. „Streich“ steht für einen „neuen Anstrich und neue Denkweisen“.  

Der Kampagne ein Gesicht geben

 Mit provokanten Sprüchen (z. B.: „Zapfenstreich für „zurück an den Herd!“ – Schluss mit Sexismus in Augsburg) auf den Citycards rief der SJR dazu auf, sich mit Freunden zu fotografieren und die Selfies mit einem eigenen Statement auf die Facebookseite der Kampagne zu posten. Unter dem Motto „Flagge bekennen!“ war der SJR zusätzlich bei zwei Eishockey-Heimspielen der Augsburger Panther mit einer Selfie-Stage vertreten und gewann so über 300 Leute, die sich mit einem Selfie-Post der Kampagne anschlossen. Vor einem Fußballspiel des FCA wurde die Kampagne zusätzlich vor einer fast ausverkauften Arena vorgestellt.

Ausblick

Unter dem Label „Zapfenstreich“ wird der SJR im Laufe des Jahres und darüber hinaus immer wieder Veranstaltungen durchführen und damit um Redebereitschaft bei den  Bürger/-innen werben. Weiter geplant ist auch die Einbeziehung der Augsburger Vereine. Gefördert wurde die Kampagne durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und von der Tür an Tür - Integrationsprojekte gGmbH.

Weitere Informationen zur Kampagne gibt es hier:

www.sjr-a.de/projekte/zapfenstreich

www.facebook.com/zapfenstreichaugsburg/

http://www.facebook.com/zapfenstreichaugsburg/

Ev.Jugendarbeit St. Martin "Streetsoccer-Cup"

Für VIELfalt und Toleranz

Die evangelische Jugend St. Martin plant, den Streetsoccer Cup einmal im Jahr stattfinden zu lassen. Er ist ein ganztägiges Fußballevent, der von jugendlichen Ehrenamtlichen für Jugendliche unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Glaube organisiert wird. Ziel ist es, diese als Person willkommen zu heißen, im Stadtteil zu integrieren und ihnen die Möglichkeit der Mitsprache zu geben.

Unter dem diesjährigen Motto: "Doppelpass zwischen Vielfalt und Gemeinschaft" wurden gezielt junge Menschen unterschiedlicher Herkunft auch in die Organisation und Gestaltung des Events mit einbezogen. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass ehrenamtliche Mitarbeit eine persönliche Bereicherung sein kann. Die Begeisterung für Fußball wurde aufgegriffen und zum Medium gemacht. Im Sport wirken die festgelegten Regeln der Fairness und des Teamplay sofort. Das ist die Basis von Wertevermittlung von Toleranz, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Dadurch wird ein Miteinander in Vielfalt möglich. Gemeinsam sollen Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen unterstützt werden, indem mit der Einladung zum Event ein Raum zur gleichberechtigten Teilhabe ermöglicht wird. Dies bekräftigen alle Teilnehmer durch die Unterschrift zur Kampagne "Die Welt ist bunt. Gott sei Dank." der Evang. Jugend Bayern.

Interkulturelle Begegnungsstätte

Das Event ist mit einem internationalen Buffet und Spielemöglichkeiten eine interkulturelle Begegnungstätte. Fußball ist das Medium für ein tolerantes und faires miteinander leben. Alle Teilnehmer setzen schriftlich ein Zeichen gegen Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus.

Fußball als Medium gegen Rassismus

Der Streetsoccer-Cup entstand 2013 aus ehrenamtlicher Initiative. Aus der Lust am Fußball und von viel Sportsgeist getrieben wurde das Projekt ursprünglich als Event VON Jugendlichen FÜR Jugendliche geplant. Mit der hohen Teilnehmerzahl zeigte sich, dass der Streetsoccer-Cup zu einem Fest wurde und mit seinem Fairness-Charakter ein ideales Medium ist, um auf die Missstände in unserer Gesellschaft, insbesondere den Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit und Angst vor Andersartigkeit hinzuweisen und um das Positive der Vielfalt unter Jugendlichen aufzuzeigen.

Von Teilnehmern zu Mitarbeitern

Mit den durch den Flüchtlingszustrom aufkommenden Herausforderungen der Gesellschaft, haben sich die Mottos der Cups weiterentwickelt. Von "Zeig Rassismus die ROTE Karte" 2015 über "Anstoß für Toleranz, Vielfalt und Gemeinschaft" 2016 zu einem "Doppelpass zwischen Vielfalt und Gemeinschaft". Wo einst das gemeinsame Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung und Antisemitismus im Sport m Mittelpunkt stand, sollen heute Vielfalt und Gemeinschaft über das Spiel hinaus zusammen bringen und Angst, Vorurteile und Grenzen abbauen.

Mittlerweile planen und organisieren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die einmal Teilnehmer waren, das Event im Ganzen mit. Sie wurden, getreu dem Motto der Jugendarbeit der evangelischen Jugend St. Martin: "von Teilnehmern zu Mitarbeitern". Sie erhalten mit dem Event eine verantwortungsvolle Rolle und haben Freude an den gewonnenen Kontakten. Am wöchentlichen Offenen Jugendtreff und Fußballtreff der Jugendarbeit nehmen viele gerade nach dem Event gerne teil.

Partizipation von jungen Geflüchteten

Es organisieren hauptsächlich 5 Ehrenamtliche der Jugend St. Martin. Sie machen den Cup zu einem Fußballfest mit Musik und großem Buffet. Dazu gehören alle Aufgaben von Öffentlichkeitsarbeit, über das Anwerben von Sponsoren und Prominenten, bis zur Materialbeschaffung und Moderation des Tages. Zur Seite stehen dabei zwei Hauptamtliche der Gemeinde, die vor allem für die nötige Büroarbeit zuständig sind.

2016 konnten vier jugendliche Flüchtlinge für die Beteiligung an der Planung und Durchführung begeistert werden. Dabei ist eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Gemeinde St. Martin und der Schutzstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge entstanden.

Am Tag selbst sind weitere 30 Ehrenamtliche der gesamten Kirchengemeinde tatkräftig mit dabei. Von Küche, Moderation und Übersetzer über Fairness-Schiedsrichter bis zur Betreuung der Spielemöglichkeiten wie Kicker, Billard und Tischtennis im Haus während des Turniers.

Unter der Schirmherrschaft vom Fürther Bürgermeister Markus Braun spielen nicht nur Jugendliche sondern auch Vertreter unterschiedlicher Parteien und Kirchen im "Promi-Cup" gegeneinander und für Vielfalt und Toleranz.

SJR Augsburg "Zweite Heimat"

Geschichten aus nah und fern

„Zweite Heimat“ – Geschichten aus nah und fern ist ein interkulturelles Filmprojekt des Jugendhauses h2o, Augsburg Oberhausen.

Die Idee

Das Jugendhaus h2o, des SJR Augsburg ist seit annähernd 30 Jahren ein fester Anlaufpunkt für die Jugendlichen in Augsburg/Oberhausen. 

Die meisten Besucher haben Migrationshintergrund. Viele Familien haben ihre Wurzeln in der Türkei, in Mazedonien, Albanien, Italien, Griechenland, Tschechien und weiteren Ländern. Seit Herbst 2015 entdeckten Flüchtlinge aus Somalia, Syrien, Afghanistan und dem Irak die Angebote des Jugendhauses für sich.  Aber auch eine große Gruppe junger Menschen aus EU-Ländern, die über den europäischen Freizug nach Augsburg Nord kamen, kommen regelmäßig in die Einrichtung. Diese neue Besucherstruktur führt im Jugendhausalltag häufig zu kulturellen Missverständnissen und Konflikten.

So entstand die Idee zum interkulturellen Filmprojekt „Zweite Heimat“ – Geschichten aus nah und fern.

Ziele

Ziel des Projektes war, die unterschiedlichen Gruppierungen im Jugendhausalltag, Flüchtlinge, Neubesucher durch die offenen EU Grenzen und die regelmäßigen Altbesucher miteinander etwas unternehmen zu lassen und sich gegenseitig näher kennenzulernen. Die Jugendlichen sollten von sich erzählen, sich gegenseitig interviewen und ins Gespräch kommen. Und tatsächlich, vor und abseits der Kamera wurde viel miteinander gesprochen, die Jugendlichen haben sich gegenseitig befragt und ein gegenseitiges Verständnis

Themen
  • Woher kommst Du
  • Seit wann bist Du in Deutschland
  • Wie bist Du nach Deutschland gekommen
  • Erzähl mir etwas von Deiner Heimat
  • Erlebnisse
Die Durchführung

22 Jugendliche aus elf Nationen, zwischen 11-20 Jahre, haben an den Drehtagen teilgenommen. Für den Schnitt standen am Ende der Drehtage 5 Stunden Filmmaterial zur Verfügung. Aus diesem Filmmaterial ist sowohl ein 30 minütiger, Jugendhaus interner Film, als auch ein öffentlicher, 11 minütiger Film entstanden. 

Verständnis und Verbundenheit

Um den unterschiedlichen Jugendgruppe Gelegenheit zu bieten, sich gegenseitig annähern zu können, bietet das Jugendhaus in regelmäßigen Abständen integrative und jugendkulturelle Angebote an. So fanden unter anderem bereits mehrere Fotoprojekte und ein kleiner Filmworkshop zum Thema „unser Jugendhaus“ statt.

Das gemeinsame Arbeiten an einem Projekt sorgte für gegenseitiges Verständnis und Verbundenheit. An diesem Erfolg wollten wir gerne anschließen und führten ein weiteres Filmprojekt, unter dem Titel „Zweite Heimat“ durch. Erfahrungen im neuen Heimatland sollten ebenso thematisiert werden wie Erinnerungen an das Herkunftsland und die Flucht.

Spannende, traurige und lustige Geschichten über das Leben

Schon bei den Dreharbeiten und während der Interviews wurden den Jugendlichen bewusst, dass, obwohl sie aus unterschiedlichsten Kulturen kommen, viele Parallelen vorhanden sind. Bei den Themen Flucht, Erfahrungen im neuen Heimatland und aufwachsen in Deutschland wurden spannende, traurige und auch lustige Geschichten erzählt und über das Leben zwischen den zwei Kulturen eifrig diskutiert.

 Einen Eindruck gibt es hier:

https://www.youtube.com/watch?v=pkYtkyv59Wc&t=1s

JRK und Helferkreis Löhr "Ausflug Bad Mergentheim"

Ferienausflug in den Tierpark

Gemeinsam mit dem der Caritas und dem Jugendzentrum organisierten der Helferkreis Lohr und das örtliche  Jugendrotkreuz einen gelungenen Ausflug mit einem buntgemischten Teilnehmerkreis.

Die Idee

Bei einem Treffen des Helferkreis Asyl Lohr im Mai 2016 kam die Idee, mit den Flüchtlingskindern aus den lohrern Unterkünften, einen Ferienausflug in den Tierpark nach Bad Mergentheim zu gestalten. Schnell war auch der Entschluss gefasst, dies im Sinne der Integration nicht nur Flüchtlingskindern anzubieten. Das Jugendrotkreuz war sofort begeistert von der Idee und stellte sich gerne bereit, für ein Betreuerteam zu sorgen.

Die Durchführung

Ein Doppelstock-Bus eines örtlichen Busunternehmens wurde geordert und die zur Verfügung stehenden Teilnehmerplätze aufgeteilt auf die Flüchtlingskinder, Jugendrotkreuzler, Kinder aus Familien die bei Caritas und Diakonie Unterstützung suchen, sowie Kinder vom Jugendzentrum. So wurde bewirkt ,dass der Teilnehmerkreis buntgemischt aus allen sozialen und kulturellen Schichten bestand.

Am Ausflugstag, wurden die Kinder zwischen 6-13 Jahren, in kleinen gemischten Gruppen von jeweils 6 Kindern und einem Betreuer aufgeteilt. Jede Gruppe hatte ihr eigenen Tierbutton, den jedes Kind an der Kleidung zu tragen hatte. So war es für die Betreuer übersichtlicher, ihre Schützlinge im Auge zu behalten.

Immer zwei Gruppen erforschten und besuchten zusammen dann die Tiere im Park. Für das leibliche Wohl gab es zu Mittag für jeden Teilnehmer eine Tüte Pommes am Kiosk gesponsert. Für Unterwegs wurden Kekse und Süßigkeiten, sowie genügend Trinken auf Bollerwagen verfrachtet.

Zum Abschluss wurde noch viel Zeit an der parkeigenen, großen Kletter-„Trollburg“ verbracht, in der man sich auch schon mal verlaufen konnte. Trotzdem kamen aber alle wieder heil zurück und alle hatten zusammen einen riesen Spaß. Auf den eigentlich geplanten Überraschungsbesuch beim Nachhauseweg, in der „Verkehrten Welt“ in Wertheim, wurde aus Zeitgründen verzichtet. Das war den Kindern aber auch nicht wichtig. Diese waren glücklich über das Erlebte und den neu geknüpften Freundschaften. 

Eine Wiederholung im kommenden Jahr ist nicht ausgeschlossen. Finanziert wurde dieser Ausflug komplett durch großzügige Spenden des Helferkreis Asyl.

Zeitungsberichte siehe link: http://jrk.bereitschaft-lohr.de/ausflug-nach-bad-mergentheim/

Fazit: Vielfalt gewinnt

Diese Ferienfreizeit zeigt, dass Integration und Inklusion bei Kindern ohne Hemmungen und Schwierigkeiten funktioniert. So konnte man beobachten, wie einheimische Kinder sich um einen, im Rollstuhl sitzender Flüchtlingsjungen kontinuierlich sorgten, obwohl dieser wohl durch sein Handycap noch nicht richtig die deutsche Sprache beherrscht. Auch die Mischung und Vielfalt der Kinder, die aus den verschiedensten sozialen Situationen kamen, stellte für keinem ein Problem dar und bereicherte sogar die Aktion.

http://www.facebook.com/zapfenstreichaugsburg/