Jugendliche bauen einen Turm aus ihren Händen.

VIEL-Preis Bewerbungen 2018

Insgesamt wurden vier Bewerbungen zum VIEL-Preis eingereicht. Die Einreichungen zeigen, wie vielfältig und kreativ rassismuskritische Jugendarbeit in Bayern ist.

Der VIEL - Preis wurde 2018 zum dritten Mal verliehen. Mit ihm kommt die bayerische  Jugendarbeit ihrem Ziel einer gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund und einer Jugendarbeit ohne Diskriminierung und Rassismus näher. Über die Einsendungen entscheidet der Landesvorstand des BJR auf Empfehlung der Kommission Integration und interkulturelle Arbeit.

Einsendungen 2018

Aschaffenburg is(s)t bunt

Aschaffenburg is(s)t bunt

Aschaffenburg is(s)t bunt bringt wöchentlich Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und Geflüchtete zusammen. Seit 19.01.2016 kommen jeden Dienstag ca. 30 Chefköche und Mitesser ins Jugendhaus. Bis heute haben ca. 100 Aktionen stattgefunden und es wurden ca. 3000 Teilnehmer erreicht.

Aschaffenburg ist eine bunte Stadt, 70.000 Bürger aus über 140 Ländern machen sie vielfältig. Mittlerweile leben dort  auch ca. 1.100 Flüchtlinge. In kurzer Zeit hat sich ein großes Netz von Ehrenamtlichen geknüpft, die sich in unterschiedlichen Belangen für die Belange von Geflüchteten einsetzen. Um die gute Stimmung in der Stadt aufrecht zu erhalten, Ängsten und Ressentiments vorzubeugen braucht es Begegnungen, die einen positiven und wertschätzenden Austausch ermöglichen. Wenn Bürger MIT Geflüchteten reden anstatt ÜBER sie, beugt dies Radikalisierungstendenzen vor.

Essen und Kochen ist in allen Kulturen von besonderer Bedeutung, was liegt also näher als dies gemeinsam zu tun. Positive Erlebnisse sind schließlich der beste Weg, um Vorurteilen entgegen zu wirken. So wird aktiv zur Verbesserung des Zusammenlebens beigetragen, der kulturelle Austausch gefördert und die Gesellschaft nachhaltig mitgestaltet.

Seit Ende 2015 trifft sich ein Team aus 25 ehrenamtlichen und 3 hauptamtlichen Akteuren (Stadtjugendring Aschaffenburg, Jugendhaus im JUKUZ und Berufsschule), die gemeinsam das Projekt „Aschaffenburg is(s)t bunt – Kochen mit Nachbarn aus aller Welt“ umsetzen.

Relevanz:

Durch die Begegnung und den Austausch mit Geflüchteten werden Vorurteile abgebaut. Außerdem kommen Geflüchtete mit Einheimischen in Kontakt und können die bereits gelernte deutsche Sprache einüben. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Teilnehmer die Einrichtungen der Jugendarbeit in Aschaffenburg kennen lernen und Vertrauen zu den Mitarbeitern aufbauen können.

Innovation:

Gemeinsam Kochen und Essen hat in der Jugendarbeit eine lange Tradition, ist also kein innovativer Ansatz. Der innovative Aspekt ist die offene, kreative, inspirierende, respekt- und vertrauensvolle Zusammenarbeit von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern. Jedes Teammitglied kann sich mit seinen Fähigkeiten, Kompetenzen und nach seinen Wünschen einbringen.

 Zukunftsfähigkeit

Das Projekt ist zeitlich unbegrenzt angelegt, so lange der Bedarf und die Nachfrage so groß ist, wird weitergekocht. Das ehrenamtliche Projektteam vergrößert sich ständig und größere Aktionen, wie z. B. ein Grillfest im Garten des Jugendhauses am Wochenende sind bereits in Planung.

Team Challenge - der Freiraum ist zusammen aktiv. Kreisjugendwerk Nürnberg

Team Challenge - der Freiraum ist zusammen aktiv. Kreisjugendwerk Nürnberg

Das Kreisjugendwerk (KJW) Nürnberg e.V. ist ein eigenständiger Kinder- und Jugendverband der Arbeiterwohlfahrt, eingetragener Verein und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Es besteht aus ehrenamtlichen Vorständen, hauptamtlichen Mitarbeiter*innen und engagierten jungen Menschen. Das KJW wurde 1977 gegründet, ist basisdemokratisch und gemeinnützig organisiert und parteipolitisch sowie konfessionell unabngig.

 

Der Offene Kinder- und Jugendtreff Freiraum bietet Kindern und Jugendlichen von 10 bis

18 Jahren viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Fast alle Stammbesucher*innen haben einen Migrationshintergrund. In der Regel handelt es sich um in Deutschland geborene Kinder mit Einwanderungsgeschichte in der zweiten oder dritten Generation. Die meisten Besucher*innen stammen aus einer sozial schwachen Familie mit Unsicherheiten in der deutschen Sprache. Damit verbunden sind auch Schwierigkeiten in der Orientierung in der Kultur, mit der Sprache, in der Freizeit und mit dem Übergangsmanagement von Schule und Beruf.

Das Projekt „Team Challenge Der Freiraum ist zusammen aktiv dauerte 12 Monate und wurde durch den Bayerischen Jugendring und das Fachprogramm Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in die Jugendarbeit gefördert.

Das Projekt setzte sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Zum einen gab es Teamausflüge und teambildende Maßnahmen mit sportlichen und freizeitpädagogischen Aktionen. Diese waren unter anderem die Planung und Organisation von Schwimmbadbesuchen, Kinogängen, selbstgeplanten Turnieren oder einer  Jahresabschlussfeier. Zum  anderen gab  es  auch  Workshops und  Aktionen mit medien- und musikpädagogischem Charakter. Hierzu wurde eine Musikgruppe ins Leben gerufen, die sich noch heute regelmäßig freitags trifft. Auch die Planung von zwei Discos und einem Filmabend im Jugendtreff Freiraum waren Teil des Projekts. Der dritte Baustein der Maßnahme war die Renovierung und Gestaltung der Räume des Jugendtreffs Freiraum im Team. In Kooperation mit den Künstlern der Style Scouts entstand ein Graffiti auf der renovierten Wand.

 

Hauptaugenmerk war es, gemeinsam mit den Besucher*innen des Freiraums Begegnungen zu schaffen und Dialoge zu fördern. Sowohl die Planung des Projektablaufes als auch die der einzelnen Aktionen waren gezeichnet durch eine hohe Partizipation, demokratische Werte wie Teamwork und Mitbestimmung sowie regelmäßige Teilnahme. Durch die Art der Zusammenarbeit sollte auch das Selbstbewusstsein gestärkt, Zivilcourage gefördert und Vorurteile abgebaut werden.  Werte wie Empathie und Toleranz sollten ebenso gefördert wie die Kompromissfähigkeit und die Identifikation mit dem Jugendtreff. Mit dem Projekt wurden neue Erfahrungsräume eröffnet. Gerade  in  der  Koch-  und  in  der  Musikgruppe  wurden oft  über gesellschaftskritische  Themen  wie  Rassismus,  Meinungsfreiheit  oder  Männer- und Frauenbilder gesprochen.

 

Die Verankerung im Stadtteil sprach sich herum. Viele neue Teilnehmer*innen einzelner Aktionen besuchen den Freiraum mittlerweile täglich. Die persönliche Beziehung zwischen den Besucher*innen und dem pädagogischem Personal konnte gestärkt  werden.

h2O multikulti Film AG des Jugendhaus Oberhausen

h2O multikulti Film AG des Jugendhaus Oberhausen

Die Filmprojekte des h2O zu den Themen Migration, Flucht Rassismus, Zivilcourage und Demokratie zeigen, dass die Jugendlichen ideenreich, kreativ und auch unkompliziert diese Themen gestalten. Gleichzeitig fördern die Filmprojekte den Dialog und den gegenseitigen Umgang unter den Besucher*innen des Jugendhauses.

In den vergangenen zwei Jahren enstanden 5 Filmprojekte von insgesamt 44 Jugendlichen, im Alter von 11 - 17 Jahren und aus 18 Nationalitäten kommend.

Der Stadtteil Oberhausen liegt im Norden von Augsburg und hat knapp 24.000 Einwohner, mit einem Anteil von  60% an Menschen mit Migrationshintergrund. Mit einem Anteil von fast 27% an Kindem und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 27 Jahren gilt Oberhausen als sehr junger Stadtteil. Aber Oberhausen gilt auch als problematischer Stadtteil. Es gibt überdurchschnittlich viele Leistungsempfänger   und Jugendliche ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung.

Start der multikulti Film AG des Jugendhaus Oberhausen:

Je nach Jahreszeit besuchen durchschnittlich 80 - 100 Jugendliche täglich das Jugendhaus h2o Oberhausen. Aktuell kommen die jungen Besucher*innen aus 31 Nationen, der Mädchenanteilliegt dabei bei ca. 40 %. In den letzten 2 Jahren hat sich der Alltag im Jugendhaus verändert. Durch Flucht und offene EU Grenzen haben viele neue  Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturkreisen das Jugendhaus für sich entdeckt. Diese neue Besucherstruktur war sich gegenseitig fremd und manches führte im Jugendhausalltag  zu kulturellen Missverständnissen  und Konflikten.

Um den unterschiedlichen  Jugendgruppen Gelegenheit zu bieten, sich gegenseitig kennenzulemen, bot und bietet das Jugendhaus in regelmäßigen Abständen integrative und jugendkulturelle Angebote an. So fand vor zwei Jahren der erste Filmworkshop zum Thema "unser Jugendhaus" statt.

Ziel bei diesem Filmprojekt war, dass die Jugendlichen zusammen an einem Workshop teilnahmen. Aber ebenso sollten sie mit dem Projekt die Vielfalt der Kulturen im Jugendhaus selbst erfahren und die neuen Besucher*innen eine Identifikation mit dem h2o entwickeln. Tatsächlich sorgte die gemeinsame Arbeit an diesem Projekt für gegenseitiges Kennenlernen und ersten Dialog und im Laufe der Drehtage war das komplette Jugendhaus involviert.

An dieses erfolgreiche Projekt wollten wir gerne anschließen und führten ein weiteres Filmprojekt, unter dem Titel "Zweite Heimat" durch. Erfahrungen im neuen Heimatland sollten ebenso thematisiert werden wie Erinnerungen an das Herkunftsland oder/und die Flucht.

Die Veränderung im Jugendhausalltag  sollten aufgegriffen und die unterschiedlichen Besuchergruppen  weiter zusammengeführt werden. Austausch, gegenseitiges Verständnis und Dialog wurden gefördert, damit Integration und Gemeinsamkeit entstehen konnte. Bei den Themen Flucht, Erfahrung im neuen Heimatland und aufwachsen in Deutschland wurden spannende, traurige und auch lustige Geschichten erzählt und über das Leben zwischen den zwei Kulturen eifrig diskutiert. Drei Tage lang wurden die Interviews vor der Kamera geführt und am Ende der Drehtage standen 5 Stunden Filmmaterial zur Verfügung. Daraus entstand ein 11 minütiger Film.

Nach der Bundestagswahl  im September sprachen die jugendlichen Besucher*innen über das Wahlergebnis und die neue rechte Partei. Sie diskutierten über Rassismus im Alltag und persönliche Erlebnisse auf der Straße in Oberhausen. Die Jugendlichen schilderten Situationen, bei denen sie selbst durch Hautfarbe, Sprache und weitere Äußerlichkeiten  mit den Themen Rassismus und Vorurteile konfrontiert waren.

So entstand bei den Mädchen und Jungen die Idee, das Thema Rassismus im neu gegründeten h2o TV darzustellen und zu thematisieren.

Im ersten Film drehten vier Jugendliche, anhand von Legofiguren, einen sogenannten Stop Motion Film. Die Geschichte wurde von den Jugendlichen selbst ausgedacht und entwickelt. Es enstand ein einminütiger Film.  

In einem weiteren Film entschlossen sich fünf Jugendliche aus 5 Nationen das Thema anhand einer Talkrunde, wie im Fernsehen, zu diskutieren. In jeder Pause wurde untereinander diskutiert und es zeigte sich, dass es den Jugendlichen sehr wichtig war, diesen Film zu drehen und damit eine Haltung gegen Rassismus aufzeigen zu können. Entstanden ist ein 5 minütiges Video.

Angeregt von dem Wettbewerb "Demokratie in einer Minute" haben sich sechs Jugendliche aus fünf Nationen mit dem Thema Demokratie auseinandergesetzt Was ist Demokratie? Was bedeutet es für ihre Zukunft? Was ist die Stärke von Demokratie? Wie kann man Demokratie in einer Minute zeigen? Entstanden ist ein 1 minütiges Video, das sie auf der beiliegenden DVD unter "H20 TV - Demokratie" ansehen können.