Drei Paar Beine sitzen auf einem Ast

Überlegungen zur Interkulturellen Öffnung der Jugendarbeit

Kultur ist kein statisches Element. Vielmehr ist sie das Ergebnis eines Aushandelns von menschlichem Tun. Damit steht auch die Jugendarbeit vor der Herausforderung mit Kultur umzugehen. Der Versuch einer Annäherung.

Kultur ist nicht statisch, sondern Kultur ist das momentane Resultat eines Entwicklungsprozesses. Die Kultur in einem Pfadfinderstamm heute, also zum Beispiel die Lieder, die Bräuche, die Umgangsformen, unterscheiden sich von denen des Pfadfinderstammes im Nachbarort. Sie unterscheidet sich auch von der Kultur des Stammes vor 20 Jahren. Denn es haben neue Lieder, Bräuche, Regeln und  Umgangsformen Einzug in die Stammeskultur gehalten. Plötzlich sind sie ein Bestandteil einer "neuen" ,"alten" Kultur.

Grundlegende Werte – über das Eigene und das Andere

Zentrale Werte und Traditionen, die lange Zeiten überdauern sind für das Grundverständnis einer Organisation wichtig. So hat jeder Jugendverband über Jahrzehnte seine eigene Kultur entwickelt und sich auch darüber von anderen Jugendverbänden abgegrenzt. Das ist wichtig für die Identifikation der Mitglieder mit "ihrem" Verband. Identifikation findet dann auch über die jeweils geltenden Werte und die spezifische Verbandskultur statt, die eben "eigen" und "anders" ist. Dass der Verband zur "Heimat" wird, hat damit auch mit Abgrenzung zutun.

Reflexion versus Abgrenzung

Zunächst geht es darum, sich die eigene Kultur bewusst zu machen, zu reflektieren. Was macht die eigene Gruppe, den Verein zu etwas Besonderem? Was ist wertvoll und bewahrenswert? Im zweiten Schritt geht es dann darum, die eigene Organisation von außen zu betrachten. Wo und wann finden – vielleicht unbewußt – Ausgrenzungsmechanismen statt. Wie transparent und nachvollziehbar wird kommuniziert? Wie werden Werte und Anliegen transportiert? Die eigene Organisation zu hinterfragen bietet die Chance, sie für neue Mitglieder zu öffnen. Dazu müssen auch grundlegende Fragen diskutiert werden, etwa:

  • Ist die Organisation attraktiv für neue Mitglieder?
  • Wie sieht es mit der Bereitschaft aus,  neue Kinder und Jugendliche in unseren Kreis aufzunehmen?

Vielfalt der Jugendorganisationen pflegen

Nicht jede Jugendorganisation muss attraktiv für jedes Kind, jeden Jugendlichen sein. Die Vielfalt der Interessen junger Menschen ist ebenso groß wie die Vielfalt der Jugendverbandslandschaft. Dennoch müssen sich an dieser Stelle die Jugendverbände (und auch die Jugendringe) die Frage stellen, ob sie offen genug sind in ihren Haltungen und in ihrer Struktur, um alle Kinder und Jugendlichen in ihrem Umfeld auch erreichen zu können. Interkulturelle Öffnung heißt in diesem Zusammenhang, die eigenen Strukturen und Haltungen zu überprüfen.

  • Gibt es  Gruppen Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien?
  • Gibt es Jugendleiter/-innen mit Migrationshintergrund?
  • Kontakte zu VJM-Gruppen in unserer Nachbarschaft?

Integration heißt nicht Assimiliere – es geht nicht darum, dass sich neue Mitglieder an eine vorhandene rigide Kultur anpassen. Es geht darum, dass sie die Möglichkeit haben, in einem demokratischen Prozess an der Entwicklung dieser Kultur teilhaben können. Erst wenn jeder Verband die eigenen Strukturen hinterfragt hat, können Kinder und Jugendliche mit eigenen Angeboten, Werten, Traditionen kommen und sich über die Verbandskultur auch ein Stück Heimat entwerfen.