Rassismus

Definition

Rassismus negiert die Gleichwertigkeit der Menschen. Rassismus ist eine Ideologie, die auf der Konstruktion vermeintlicher Rassen basiert. Ihre historischen Bezüge finden sich in der Unterdrückungspraxis des Kolonialismus und der Versklavung. Bei Rassenkonstruktionen werden Gruppen Eigenschaften zugeschrieben, die vermeintlich „naturgegeben“ (biologistisch) und damit unveränderbar sind. Diese zugeschriebenen Eigenschaften dienen der Auf- bzw. Abwertung der eigenen bzw. fremden Gruppe.

Dabei hat die privilegierte Gruppe, die eine andere Gruppe als „Rasse“ definiert, die Macht, ihre Definition und Zuschreibung als legitim durchzusetzen. Die Konstruktion eines „Wir“ gegen die „Anderen“ sichert denen, die zum „Wir“ gehören, Privilegien und den Ausschluss gleichberechtigter Partizipation der „Anderen“. In erster Linie dient Rassismus also der  Legitimation einer gesellschaftlichen Machtposition einer Gruppe.

Damit sind beim Rassismus unterschiedliche Handlungsebenen relevant:

•    Ideologie oder Weltanschauung, die Ungleichwertigkeit legitimiert. Rassismus etabliert ein Deutungs- und Erklärungssystem, das die Höherwertigkeit der eigenen Gruppe der Abwertung der „Anderen“ (Minderwertigen/Feinde) gegenüberstellt.

•    Individuelle oder kollektive Strategie und Praxis für rassistisches Handeln, um „die Anderen“ zu bekämpfen. Die Folgen für Betroffene sind auf der individuellen Ebene ebenso wie auf der Ebene der gesellschaftlichen Strukturen weitreichend. Sie reichen von Diskriminierung, institutionellen und strukturellen Benachteiligungen, der Vorenthaltung von Rechten bis hin zur Unterdrückung.

•    Machtsystem (eine Herrschaftsform), das rassistische Praxis durchsetzt. Ziel des Systems ist die Absicherung von Privilegien, der Machtausübung und Kontrolle sowie des Ausschlusses der „Anderen“ von Teilhabe und Ressourcen.

Diese Ebenen spielen ineinander und beeinflussen sich wechselseitig.

Allgemeines Verständnis/Kritik

Auch wenn es erwiesenermaßen keine Rassen gibt, so gibt es dennoch einen weit verbreiteten Rassismus – und dies sowohl im Alltag als auch im strukturellen und institutionellen Bereich. Er funktioniert auch ohne den Begriff „Rassen“ und findet oft verdeckt statt, ohne dass der Begriff Rassismus fällt.

Während sich der klassische Rassismus vor allem auf die Dichotomie von „Schwarz-Weiß“  bezogen hat, wird er heute von einem „Modernen Rassismus“ abgelöst, bei dem z. B. der Begriff der „Kulturen“ den der „Rassen“ ersetzt. Kultur wird in dieser Verwendung als statisch, vererbt und unveränderbar gedacht. Hier wird in der Argumentation mit kulturellen, nationalen, ethnischen und religiösen Differenzen als quasi-natürlich operiert. Die Differenzen werden als derart umfassend und wesentlich konstruiert, dass sie wie eine „Rassen“-Konstruktion funktionieren.

Auch der Begriff des „Ethnopluralismus“, der vor allem in den Kreisen der Neuen Rechten Verwendung findet, betont, dass es eine scheinbar natürliche Differenz der Kulturen gebe – gemeint sind Nationen. Diese sollten am besten dort leben, woher sie „stammen“, nicht zuletzt um eine Vermischung der vermeintlichen „Ethnien“ zu vermeiden. Ethnopluralismus legitimiert die Benachteiligung und befürwortet Segregation.

Empfehlungen für die Jugendarbeit

Der Begriff des Rassismus darf nicht auf die Frage eines „Schwarz-“ oder „Weißseins“ verkürzt werden. Zentral ist die Sensibilisierung für die Mechanismen rassistischer Praxis auch in modernen Ausprägungen. Rassismus hat eine lange Tradition und es finden sich viele Spuren im Alltag wie auf struktureller Ebene, die es zu reflektieren gilt: Alltagsrassismus in der Sprache, Darstellungen in (Schul-)Büchern und in den Medien, rassistische Diskriminierung im Wohn- und Arbeitsmarkt, das Schüren von populistischen Feindbildern etc.

Wichtig ist es, die Perspektive der Betroffenen zu berücksichtigen. Wenn jemand etwas als rassistisch empfindet, dann sollte dies zunächst reflektiert und nicht vorschnell infrage gestellt werden. Menschen mit Rassismuserfahrungen erleben Rassismus anders als Außenstehende. Es gibt viele Formen und Spielarten von Rassismus, die subtil und verdeckt geäußert und nicht gleich auf Anhieb erkannt werden. Rassistisches Handeln gegenüber einer Person hat immer auch eine Signal- und Drohfunktion. Diese richtet sich an alle anderen Personen, die dieser Gruppe zugeschrieben werden (schwarze Menschen, geflüchtete Menschen …) nach dem Motto: „… es hätte auch Dich treffen können“.

Ein zentraler Ansatz für die pädagogische Praxis ist die rassismuskritische Bildungs- und Jugendarbeit. Dabei sind u.a. Konzepte wie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) und „Critical Whiteness“ hilfreich. GMF ermöglicht die Betrachtung des Rassismus als Gesamtphänomen mit mehreren Dimensionen. Rassismus steht hier u.a. in engem Zusammenhang mit weiteren Phänomenen wie „Fremdenfeindlichkeit“, Antisemitismus, Homophobie oder Islamfeindlichkeit. Das Konzept der „Critical Whiteness“ ermöglicht den Mitgliedern der privilegierten Mehrheitsgesellschaft, von der die rassistische Praxis ausgehen kann, eine Selbstflexion ihres eigenen „Weißseins“.

Internationaler Kontext

Der Begriff Rassismus wird in Deutschland häufig anders verstanden als im internationalen Diskurs, eher als theoretische Position denn als Ausgrenzungspraxis oder Diskriminierung. Paradoxerweise macht die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit das Reden über Rassismus mitunter sogar schwieriger. Die Verbindung von Rassismus als zentrales Moment der nationalsozialistischen Ideologie reduziert den Rassismus auf eine „bewältigte“ Vergangenheit und tabuisiert den Begriff für den aktuellen Diskurs. Rassistische Phänomene, wie Pegida, der NSU, Hetze gegen geflüchtete Menschen werden hierzulande lieber als Einzelphänomene diskutiert, aber selten als Erscheinungsformen eines gesamtgesellschaftlichen Problems. International ist vor allem ein weiter Begriff von Rassismus Diskussionsgrundlage, der sich auf jegliche Formen der Anfeindung von Gruppen, die sich durch bestimmte reale oder imaginierte Merkmale auszeichnen, bezieht.

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