Sinti und Roma – eine europäische Minderheit

Die Geschichte des Lebens von Sinti und Roma in Europa reicht weit ins Mittelalter zurück. Es wird davon ausgegangen, dass die ersten Roma im vierten und fünften Jahrhundert aus Indien, genauer aus dem heutigen Pakistan nach Persien eingewandert sind. Mitte des sieben Jahrhunderts folgte eine Wanderung nach Armenien. Im 13. und 14. gelangten Roma über Griechenland und den Balkan schließlich nach Mittel-, West- und Nordeuropa.

Die Diskriminierung und Verfolgung von Sinti und Roma begann weder erst mit dem Nationalsozialismus, noch endete sie mit ihm. Bis heute grassieren antiziganistische Stereotype und auch nach 1945 gab es staatlicherseits Diskriminierungen von Angehörigen der Minderheit. Doch wer ist überhaupt gemeint, wenn von der Minderheit der Sinti und Roma gesprochen wird?

Die Bezeichnung Sinti und Roma, die zunehmend die in Deutschland herabwürdigend gebrauchte Fremdbenennung »Zigeuner« ablöst, ist bereits eine Vereinfachung der Situation der größten europäischen Minderheit. Sinti und Roma ist eine

»Sammelbezeichnung für verschiedene Romanes sprechende Gruppen, von denen die Gruppen der Sinti und der Roma, die größten sind.« (Fings 2016: 11)

Das Romanes, die gemeinsame Sprache der Angehörigen der Minderheit hat sich im Zuge der Migrationsbewegungen in verschiedene Dialekte gegliedert. Als Sinti werden vor allem in Deutschland lebende Roma bezeichnet. Andere Gruppen und Bezeichnungen sind Manouche in Frankreich, Kalé in Spanien, die russischen Kalderasch oder in Portugal Gitanos.

Sinti und Roma sind häufig katholische Christ_innen, aber auch Muslime, Anhänger_innen von Freikirchen oder der evangelischen Kirche. Auch dies ist ein Zeichen der Heterogenität der Minderheit. Ein gemeinsames kulturelles Moment ist die Überlieferung über Erzählungen. Das Romanes ist also in erster Linie eine Erzählsprache. Das hat zur Folge, dass erst in jüngster Zeit wenige schriftliche Zeugnisse der Roma vorliegen. Das betrifft auch ihre Verfolgung vor dem Völkermord sowie danach. Derzeit leben in Deutschland »70.000 bis 150.000 Sinti und Roma (...). Die genaue Zahl ist nicht bekannt, da es keine offiziellen Erhebungen gibt; die Zahlen beruhen auf Schätzungen der verschiedenen Sinti- und Roma-Verbände.« (Engbring-Romang 2014). Dazu kommen Roma als Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie Asylsuchende, die vor antiziganistisch motivierter Diskriminierung und Verfolgung fliehen und Armutsflüchtlinge aus den Balkanstaaten. In Europa leben circa zwölf Millionen Roma.

Die richtige Genderschreibweise ist in der männlichen Singularform Sinto, in der weiblichen Form Sintez(z)a) und für Roma in der männlichen Form Rom und weiblich Romni.

Antiziganismus – Rassismus gegen Sinti und Roma

Rassistische Bilder von Sinti und Roma als angeblich faule „Sozialschmarotzer“ und Bettler_innen haben eine immer wiederkehrende Konjunktur und der Rassismus gegen Sinti und Roma ist neben dem Antisemitismus eines der langlebigsten und hartnäckigsten Ressentiments. Die rassistischen Stereotype gegen die heute größte Minderheit Europas haben sich in einem sechshundertjährigen Prozess, also seit Ende des 15. Jahrhunderts, als Sinti und Roma erstmals als vogelfrei erklärt wurden (Scholz 2009: 25), herausgebildet. Noch heute werden Sinti und Roma mit dem Begriff „Zigeuner“ bezeichnet, obwohl die meisten Angehörigen der Minderheit diesen Begriff als stigmatisierend und abwertend zurückweisen. Die falsche etymologische Ableitung „Zieh-Gauner“, die als Erklärung für die Herkunft des Wortes noch immer verbreitet ist, wurde im 16. Jahrhundert und in dieser Form nur in Deutschland publik (Wippermann 1997: 50).

Der Studie „Die enthemmte Mitte“ aus dem Jahr 2016 zufolge gaben 57,8% (zum Vergleich: 2014 waren es 55,4%) der Befragten an, dass sie ein Problem damit hätten, wenn in ihrer Nähe Sinti und Roma leben würden. 58,5% (2014: 55,9%) meinten, Angehörige der Minderheit würden zu Kriminalität neigen, und knapp die Hälfte der Befragten, nämlich 49,6% (2014: 47,1%), war der Ansicht, Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden (vgl. Decker/Kiess/Brähler 2016: 50). Damit sind die ohnehin schon hohen Werte innerhalb von zwei Jahren noch einmal leicht angestiegen. Die Zahlen zeigen auch, dass Antiziganismus, also ein spezifischer Rassismus gegen Sinti und Roma, keine Angelegenheit angenommener politischer Ränder ist.

Der Politologe Markus End schlägt die folgende Definition für Antiziganismus vor:

»Mit dem Begriff ‚Antiziganismus’ werden sowohl ‚Zigeuner’-Stereotype oder - Bilder als auch konkrete gesellschaftliche Diskriminierungspraxen, die zumeist Roma, Sinti, Paveee oder Jenische betreffen, in kritischer Absicht beschrieben. Wichtig ist dabei, dass Antiziganismus nichts damit zu tun hat, ob die betroffene Person tatsächlich einer der Gruppen angehört, die regelmäßig mit diesem Rassismus zu kämpfen haben. Die antiziganistisch Eingestellten haben ihr Stereotyp vom „Zigeuner“ im Kopf, ohne sich darum zu kümmern, wie sich die Betroffenen selbst bezeichnen und ob sie Angehörige einer Minderheit sind. (...) Es handelt sich bei den Zuschreibungen um Projektionen.« (End 2014: 7). 

 Antiziganismus beruht, wie der Antisemitismus auch, auf Projektionen des Eigenen oder verdrängter Wünsche auf Andere. Am Beispiel des Vorwurfs, Sinti und Roma würden nicht arbeiten, wollen wir auf dieses Ressentiment kurz eingehen. Roswitha Scholz erklärt Antiziganismus aus »dem neuzeitlichen Disziplinierungsprozess und dem Aufkommen der protestantischen Ethik, zum anderen aus ‚Fremdenfeindlichkeit’« (Scholz 2009: 31) heraus. Zurückführen lässt sich dieser Selbstdisziplinierungsprozess, der am Beginn des aufkommenden Kapitalismus stand, auf Martin Luther. In seiner Bibelübersetzung sprach Luther von Arbeit nicht nur als Berufung statt als Mühsal und Last, sondern er sah sie als gottgefälliges Werk, oder wie es Holger Schatz und Andrea Woeldike formulieren, als eine Aufgabe, die sich »durch die Freude an der Arbeit auszeichne, um diese göttliche Bestimmung erfüllen zu können.« (Schatz/Woeldike 2001: 18). Nach Max Weber schlägt sich diese »protestantische Ethik« vor allem in der Frühphase des Kapitalismus nieder. In der antiziganistischen Projektion gelten Sinti und Roma den oben genannten Autor_innen zufolge als diejenigen, die die unterdrückten Wünsche nach Freiheit von Lohnarbeit und von den Zwängen der Sesshaftigkeit symbolisieren. Es geht also beim Antiziganismus, vergleichbar dem Antisemitismus, nicht um reale Eigenschaften der Minderheit, sondern um die Bilder und Projektionen von Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Ressentiments beruht auf der antijüdischen Zuschreibung von angeblichem Streben nach Weltherrschaft verbunden mit verschwörerischem Handeln. Im Gegensatz dazu wird Sinti und Roma eher ein gesellschaftlicher Pariastatus zugeschrieben, die Minderheit wird also im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft ausschließlich als minderwertig betrachtet.

Präsenz in Europa und Verfolgung

Die Migration der Roma vom Balkan nach West-, Mittel – und Nordeuropa begann im 14. Jahrhundert mit der Ausdehnung des Osmanischen Reiches. Die Mehrheit der Roma verblieb in den von den Osmanen eroberten Gebieten, unter anderem wegen des vergleichsweise toleranten Umgangs mit anderen Religionen (Fings 2016: 34f). Die Präsenz von Roma in Europa ist geprägt von widersprüchlichen Verhaltensweisen seitens der Mehrheitsgesellschaften und der jeweiligen Herrschaft. In Ländern, die nördlich an das Osmanische Reich angrenzten war Zuwanderung anfänglich durchaus willkommen, da diese Gebiete besonders von Epidemien, Hungersnöten und Krieg betroffen und in der Folge bevölkerungsarm waren. Daher herrschte ein Mangel an Arbeitskräften und Soldaten (vgl. Bogdal 2011: 31). Der dreifache König Sigismund (seit 1387 König von Ungarn und Kroatien, 1411 römisch-deutscher König, 1419 König von Böhmen) und späterer römisch-deutscher Kaiser (1433) stellte beispielsweise zwei Schutzbriefe für Roma aus: Am 13. März für „Herzog Michael von Agythum“ und am 23. April 1423 im slowakischen Zips für „Ladislaus, Woiwode der Zigeuner“ (vgl. Fings 2016: 37). Derartige Schutzbriefe werden in verschiedenen Chroniken bis in das ausgehende 15. Jahrhundert vermerkt. So stellt »noch 1488 [...] die Burggräfin zu Leißnick in Sachsen einem Grafen Nicolaus Caspar eine Urkunde aus, die zu freiem Geleit, Beherbergung und Almosen auffordert« (Bogdal 2011: 34).

Allerdings stellen die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Chroniken häufig keine sicheren Quellen Dar. Vielmehr repräsentieren sie die Sichtweise der einheimischen Bevölkerung auf die Roma und sind voller Mythen und Legenden. Anfänglich wurden Roma als Pilger_innen wahrgenommen. Diese Sicht entsprach einer Einordnung in die christliche Vorstellungswelt. Damit verbunden wurde die Vorstellung die Roma stammten aus Ägypten und seien aufgrund eines unchristlichen Lebenswandels zu einer siebenjährigen Wanderschaft verpflichtet.
»Diese Erzählungen legen die Zigeuner schon früh auf die nomadische Lebensweise fest. Wenn sie nur für eine kurze Weile auftauchen und danach weiterziehen, erledigt sich jeder Versuch individualisierter Darstellung von selbst. Stattdessen werden grobe, typisierende Merkmale offeriert, die es erleichtern sollen, das entwirklichte und entzeitlichte Kollektiv zu erkennen. [...] Neben Ahasverus, den ‚Ewigen Juden’, tritt der unerlöste, zur Wanderschaft verdammte Zigeuner.« (Bogdal 2011: 38). Die ansässige Bevölkerung reagierte entsprechend ihrer christlichen Lebensart einerseits mit Almosen, andererseits sprossen Fantasien über das angeblich unchristliche Verhalten der Fremden, die in Verachtung und Verfolgung mündeten. Das Motiv Sinti und Roms seien schlechte oder abgefallene Christ_innen gehört zum festen Bestandteil des Kanons vor allem älterer, christlich motivierter, antiziganistischer Ressentiments.

Auf dem Reichstag von Lindau im Jahr 1496 wurde unterstellt, es gäbe als „Zigeuner“ bezeichnete Menschen, die für die Türken spionierten und die das Reich zu verlassen hätten. Ein Jahr später heißt es im Reichstagsabschied schon mit scheinbarer Gewissheit für alle Roma: »Die Zigeuner haben sich in den christlichen Ländern als Ausspäher und Kundschafter erwiesen; es soll überlegt werden, wie man sie aus diesen Ländern fernhalten könne.« (Wiesflecker u.a. 1993: 602). Der Reichstag in Freiburg 1498 erklärt schließlich die Roma für vogelfrei und lieferte sie so der Verfolgung und dem straffreien Morden aus (Wiesflecker u.a. 1993: 733). Vergleichbare Erlasse und Verordnungen zur Vertreibung der Minderheit erfolgten in vielen europäischen und deutschen Ländern: So 1504 in Frankreich, 1514 in den Schweizer Städten, 1525 in Flandern, ab 1530 beginnen Vertreibungen aus England, 1541 in Schottland und 1549 aus Schottland. Auch in Polen werden 1557 durch den Polnischen Reichstag Ausweisungen beschlossen. Die portugiesischen Gitanos werden ab 1583 zur Zwangsarbeit auf Galeeren und in Kolonien gepresst (Bogdal 2011: 44).

Martin Luther forderte sich in seinem berüchtigten Traktat „Von den Juden und ihren Lügen“ aus dem Jahr 1543 nicht nur die Einführung von Zwangsarbeit für Jüdinnen_Juden, die Verbrennung von Synagogen, die Vernichtung jüdischen Schrifttums, einschließlich des Alten Testaments, sondern wollte den Sinti dieselbe Verfolgung angedeihen lassen und umgekehrt. Entsprechend heißt es in der berüchtigten Schrift: »Dafür mag man sie (= die Juden) unter ein Dach oder Stall tun wie die Zigeuner, auf daß sie wissen, sie seien nicht die Herren in unserem Lande, wie sie rühmen, sondern im Elend und gefangen, wie sie ohne Unterlaß vor Gott über uns Zeter schreien und klagen.« (zit. nach Wippermann 2012: 14). Vor dem Hintergrund der Vogelfreierklärung der Sinti kann dieser Satz nur als Drohung oder Aufforderung gefasst werden, den Jüdinnen und Juden möge ähnliches geschehen. Der Historiker Wolfgang Wippermann weist noch auf eine andere judenfeindliche Schrift des Reformators aus dem Jahr 1543 hin, in der dieser seinen Ressentiments gegenüber beiden Minderheiten freien Lauf lässt. Dort äußerte Luther, »daß die Juden seiner Zeit zu einer „grundsuppe aller losen, bösen Buben aus aller Welt zusammen geflossen“ seien, die „wie die Tattern oder Zigeuner“ nur darauf aus seien, „die leute zu beschweren mit wucher, die Lender zu verkundschaften und zu verrathen, wasser zu vergiften, kinder zu stehlen und allerley meuchel schaden zu thun“.« (Ebda.: 16)

Bis zum 18. Jahrhundert und dem Einsetzen der Aufklärung stand die Verfolgung von Angehörigen der Minderheit häufig in einem christlich religiösen Rechtfertigungszusammenhang: »’Zigeunern’ wurde wahlweise vorgeworfen, sie seien keine richtigen Christen, sondern pflegten heidnische Bräuche, sie stünden mit dem Teufel im Bunde, sie stammten von Kain ab, sie hätten die Nägel für die Kreuzigung Jesu gefertigt, sie hätten der heiligen Familie die Herberge verweigert, sie seien auf einer Pilgerreise, um eben diese Verweigerung der Herberge zu sühnen oder sie hätten eben jene Pilgerreise nur vorgetäuscht, um sich den Pilger-Status zu erschleichen. Solche religiösen Deutungen warn dabei untrennbar mit Vorwürfen der Arbeitsscheue, des Nomadentums und der Spionage verbunden.« (End u.a. 2009: 12f). Solche mythisch aufgeladenen „Zigeunerbilder“ schreiben der bezeichneten Gruppierung Unheimlichkeit und Fremdheit zu. Ergänzend dazu tragen romantisierende Bilder Züge der Sehnsucht nach einer fantasierten Vormoderne für die die Minderheit als Projektionsfläche funktioniert.

Aufklärung: Erziehung, Assimilation und Antiziganismus

Die Aufklärung brachte einen Wandel der Zigeunerpolitik, weg von Vertreibung und Ermordung hin zu Formen der Zwangsassimilation, die einem erzieherischen Motiv entsprachen. Unter aufgeklärten Intellektuellen wurde der bisherige Umgang mit den Sinti und Roma teilweise durchaus kritisch diskutiert. Dies veranschaulicht ein Zitat des Sprachwissenschaftlers Johann Rüdiger aus seinem Aufsatz »Sprache und Herkunft der Zigeuner« von 1782: »Aber noch immer dünkt mich, hat man auch in den mit der besten Weisheit regierten Staaten den traurigen Überresten dieses Volkes noch nicht die völlige Genugtuung für das ihren Vorfahren zugefügte Unrecht gegeben. Denn noch nirgends hat man ihnen vollgültigen bürgerlichen Werth, und die natürliche Gleichheit mit anderen Menschenkindern eingeräumt, wie doch die Billigkeit erfordert.« (zit. n. Wippermann 1997: 96f). Dieser emanzipatorische Diskurs wurde jedoch durch einen gegenteiligen überlagert.

Im Zuge des aufgeklärten Absolutismus der Habsburger Regentin von Österreich und Ungarn Maria Theresia (1717-1780), die erfolgreich auf eine Zentralisierung der Staatsmacht hingearbeitet hatte, wurde 1758 eine Verordnung für das Königreich Ungarn erlassen aufgrund derer sich Roma niederzulassen und ihre vorherigen Gewerbe aufzugeben hatten. Ab 1767 wurde das Romanes als eigene Sprache verboten und die Roma wurden der jeweils örtlichen Gerichtsbarkeit unterstellt. Zudem wurde eine Bevölkerungserhebung unter den Roma durchgeführt. Ab 1733 wurden Ehen von Roma untereinander verboten. Kinder ab dem fünften Lebensjahr sollten von ihren Eltern getrennt werden und in Bauernfamilien eingegliedert werden. Diese Politik wurde von Maria Theresias Sohn Joseph II fortgesetzt und ausweitet (Fings 2016: 49ff). Im letzten Punkt wird der Erziehungsgedanke – verbunden mit staatlichem Zwang – besonders deutlich. Zu dem Erziehungs- und Besserungsgedanken des 18. Jahrhunderts gesellte sich das Versprechen auf Gleichheit und rechtliche Absicherung. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts blieb das Verhältnis der Mehrheitsbevölkerung zur Minderheit der Roma, bzw. Sinti in den Staaten Mitteleuropas ambivalent. Neben unterschiedlichen Formen der Diskriminierung finden sich auch Zeugnisse des Zusammenlebens und der Toleranz bis hin zu Taufpatenschaften, die einen gewissen Schutz beinhalteten. Zudem nutzten männliche Roma die Möglichkeit sich im Militär zu verdingen, was wiederum mit einem gewissen Statusgewinn verbunden war.

Die Aufklärung brachte neben Emanzipationsversprechen mit der Entwicklung des modernen Rassismus auch ihre Kehrseite zum Ausdruck. Einen wesentlichen Impuls in der Entwicklung des modernen Antiziganismus mit rassistischen Motiven lieferte der Historiker Heinrich Moritz Gottlieb Grellmann (1756-1804). Zwar war der Zigeunerforscher Grellmann vom Erziehungsgedanken überzeugt, schrieb aber den Roma eine „orientalische Denkungsart“ zu und bezeichnete sie in moderner rassistischer Manier sogar als „Halbmenschen“. Der Historiker Wolfgang Wippermann bezeichnet Grellmann als den Ersten, »der den Rassegedanken auf die „Zigeuner“ anwandte, die zwar in Europa lebten, aber sich grundlegend von den übrigen europäischen Völkern unterschieden.« (Wippermann 1997: 100). Grellmanns Erziehungsgedanke fußte auf der Disziplinierung, die gleichgesetzt wurde mit Zwang zur Arbeit und Anerkennung nationaler Kategorien. Im Zeitalter der Nationalstaatsbildung und der fortschreitenden Entwicklung kapitalistischer Wirtschaft wurden Sinti, Roma und Juden zum Anderen und Fremden gemacht, dessen reale oder wahrgenommene Lebensform unerwünscht war.

»Mit der Stigmatisierung der vaterlandslosen Müßiggänger will das Zigeunerstereotyp nicht von außen kommende Fremde abwehren, sondern die eigenen Reihen von jenen säubern, die der bürgerlichen Arbeitsmoral unfähig und unwillig zu begegnen scheinen. Dabei bezieht es sich nicht auf einzelne Akte des Ungehorsams oder nachweisbare Vergehen. Es zielt vielmehr auf die Diskriminierung und Ablehnung einer Lebensweise. Behauptet wird, daß Zigeuner nicht aus Not herumziehen und stehlen, sondern aus Passion, daß sie nicht gelegentlich gegen Gesetze verstoßen, sondern außerhalb der Gesetze leben.« (Hund 199: 85). Durch die Wissenschaft wurden die bisherigen Stereotype von Roma und von Juden, wie auch andere rassistische Klischees systematisiert. Den betroffenen, in sich alles andere als homogenen, Gruppen wurden angeblich wesensgemäße Eigenschaften zugeschrieben. Es ist die Zeit der Anthropologen und Ethnologen, die ihre Arbeit auf rassenhygienischen und rassenbiologischen Schriften wie dem Essay “Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen“ (1853−1855) des Diplomaten und Orientalisten Arthur de Gobineau oder auf dem rassistischen und antisemitischen Standardwerk „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“ (1899) von Houston Steward Chamberlain gründeten. Das moderne Zigeunerstereotyp legt Sinti und Roma in der Folge auf die niedrigste Stufe der Menschheitsentwicklung fest.

Erfassung und Kontrolle: Bayern als Vorreiter der systematischen Erfassung von Sinti und Roma

Während Sinti und Roma bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts in den Polizeiakten noch kaum vorkamen, gerieten zunehmend erst alle möglichen reisenden Dienstleistungen in den Blick des weiter ausgebauten Polizeiapparates ab den 1850er-Jahren. Berufsgruppen wie fahrende Musiker_innen, Theatergruppen, Schausteller_innen und andere galten den Behörden als verdächtig. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts mehrten sich die Versuche Sinti und Roma durch Maßnahmen der Zwangserziehung zu assimilieren. Zu den Maßnahmen gehörte das Versagen von Wandergewerbescheinen, womit die Existenzgrundlage der Betroffenen zerstört wurde und die Verelendung vorangetrieben wurde. Aber auch Einreiseverbote, allgemeine Reiseverbote und Abschiebungen oder der Kindesentzug gehörten in den deutschen Ländern, später im Kaiserreich, zu den repressiven behördlichen Maßnahmen der „Zigeunerbekämpfung“. Letztere fand immer mehr unter völkischen Aspekten statt. Sie wurde kriminalbiologisch an angeblich wesensgemäße Eigenschaften von Sinti und Roma geknüpft. »Das Gesetz über die Erwerbung und den Verlust der Eigenschaft als preußischer Untertan von 1842 hatte an die Stelle der Staatsbürgerschaft nach Wohnsitz (ius soli) die nach biologischer ‚Abstammung’ (ius sanguinis) gesetzt. Das wurde von vielen deutschen Staaten übernommen. 1871 wurde es Reichsrecht und ging 1913 in das deutsche Reichs- und Staatsangehörigkeitsrecht ein.« (Opfermann 2016: 61). Für Sinti und Roma bedeutete dies, wie auch für Pol_innen und Juden_Jüdinnen, die Ausgrenzung aus der vermeintlichen deutschen Abstammungsgemeinschaft. Während jedoch Jüdinnen_Juden in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in der der Mehrzahl der europäischen Staaten eine rechtliche Gleichstellung erhalten hatten – die den Antisemitismus nicht verschwinden ließ –  war diese den Sinti und Roma versagt geblieben.

In Bayern regelte eine aus dem Jahr 1885 stammende Entschließung des Innenministeriums die administrativen Maßnahmen der „Zigeunerbekämpfung“. Die Entschließung richtete sich nicht nur gegen Sinti und Roma, sondern zusätzlich gegen alle die nach „Zigeunerart“ herumziehen und zielte auf die Eindämmung von Migration. Festgenommene konnten in Arbeitshäuser eingewiesen werden, Kinder ihren Familien entzogen und in Erziehungsanstalten interniert werden. Mit dem „Nachrichtendienst für die Sicherheitspolizei in Bezug auf Zigeuner“ etablierte Bayern in der Münchner Polizeidirektion im Jahr 1899 eine Erfassungsbehörde für Sinti und Roma. Diese arbeitete zuerst landes-, später unter der Bezeichnung „Reichszentrale zur Zigeunerbekämpfung für ganz Deutschland“ reichsweit. Die auch „Zigeunerzentrale“ genannte Behörde sammelte »zwischen 1899 und 1938 rund 17 000 Akten über insgesamt 30.903 als ’Zigeuner und Landfahrer’ deklarierte Personen« (Zimmermann 1996: 46f). Hierzu wurden ab dem 20. Jahrhundert die zu dieser Zeit modernsten Techniken der Erfassung verwendet: Die Einführung der Daktyloskopie machte ab 1909 die Errichtung einer Fingerabdruck-Registratur möglich. Außerdem kamen Fotografie und anthropometrische Vermessungen zum Einsatz (Opfermann 2016: 62). Ausgehend von Bayern wurde auch die reichsweite Koordinierung angeregt und betrieben. Die Länder sollten auf Basis der „Grundzüge für die Bekämpfung der Zigeunerplage“ »auf ein einheitliches erkennungsdienstliches Verfahren mit Personalblatt, Lichtbild und Fingerabdruck sowie auf die systematische Sammlung und Weitergabe von Personendaten« (Zimmermann 1996: 106), wobei die Münchner Behörde die Funktion einer reichsweiten »Fahndungsauskunftsstelle« einnehmen sollte.

In der Weimarer Republik war es am 16. Juli 1926 wiederum Bayern, welches mit dem „Gesetz zur Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen“ die behördliche antiziganistische Politik zuspitzte und ihr eine neue Qualität verschaffte. Doch auch in anderen Ländern wurde die in der Weimarer Verfassung formulierte Freizügigkeit und Gleichstellung für unterlaufen. Die badische Regierung führte Regierung aus SPD, Deutscher Demokratischer Partei und Zentrum führte 1922 den Ausweiszwang für Sinti und Roma ein. Auf einem sogenannten Personalblatt wurden die persönlichen Daten, ein Foto und Fingerabdrücke vermerkt und mit einem „Z“ markiert (Opfermann 2016: 62f).

Es lohnt sich an dieser Stelle etwas ausführlicher dem Historiker Michael Zimmermann zu folgen, der die Bedeutung der gesetzlichen Maßnahme zusammenfasst.

»Artikel 8 des Gesetzes, dem ein rassistischer Zigeunerbegriff zugrundelag, sah [...] vor, daß Zigeuner und Landfahrer, die vorbestraft seien, ‚aus Gründen der öffentlichen Sicherheit’ gegebenenfalls des Landes oder doch aus bestimmten Gemeinden zu verweisen seien und daß ihnen der Aufenthaltsort oder die Reiserichtung vorgeschrieben werden könne. In Artikel 9 wurde noch weitergehend verfügt, daß Zigeuner und Landfahrer über 16 Jahren, den ‚den Nachweis einer geregelten Arbeit nicht zu erbringen’ vermochten, ‚durch die zuständige Polizeibehörde’ wiederum aus Gründen der öffentlichen Sicherheit’ ‚bis zur Dauer von zwei Jahren in einer Arbeitsanstalt untergebracht’ oder in eine ‚ihren Kräften und Verhältnissen entsprechende Arbeit’ eingewiesen werden konnten. Damit wurden richterliche Funktionen der Polizei überantwortet, die den Betroffenen überdies keinerlei Rechtsschutz gewährte. Den ihrer Freizügigkeit oder gar ihrer Freiheit Beraubten mußte kein Delikt nachgewiesen werden; es reichte, wenn sie vorbestraft waren oder die Polizei von einer ‚geregelten Arbeit’ nicht überzeugt war.« (Zimmermann 1996: 49). Das antiziganistische Gesetz begründete ein neues Element im polizeilichen Selbstverständnis, nämlich dem der »vorbeugenden Tätigkeit« (Zimmermann 1996: 50). So formulierte es Hermann Reich, Regierungsrat im bayerischen Innenministerium. In dem bayerischen Gesetz zeigt sich nicht nur das antiziganistische Stereotyp vom „faulen Zigeuner“, den es angeblich geregelter Arbeit zuzuführen gilt. Es sollte zugleich ein allgemeiner Zwang zur Lohnarbeit gegen alle als unproduktiv geltenden Menschen durchgesetzt werden. Zimmermann konstatiert, dass dies eine »mit rechtsstaatlichen Grundsätzen unvereinbare« (Zimmermann 1996: 50) Vorstellung von polizeilicher Tätigkeit ist.

Der Völkermord an Sinti und Roma mit Schwerpunkt auf dem Deutschen Reich und den besetzten tschechischen Ländern

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma nach 1945 kaum im Bewusstsein der Gesellschaften in beiden deutschen Staaten präsent war. Die Verdrängung deutscher Schuld auch an diesen Massenverbrechen, die ebenfalls vorhandene Kollaboration bis hin zur Mittäterschaft in den besetzten Ländern vor allem Ost- und Südosteuropas sowie die Kontinuitäten auch staatlicher Diskriminierung und antiziganistischer Ideologie haben dazu geführt, dass in Deutschland erst durch die Kämpfe der Bürgerrechtsbewegung von Sinti und Roma ein anfängliches Bewusstsein für den Völkermord an den Sinti und Roma und die Nachkriegsdiskriminierung entstanden ist. Dazu der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose: »Erst seit Beginn der Achtzigerjahre, vorangetrieben von der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma, begannen sich Politik und Gesellschaft ihrer Verantwortung zu stellen. Trotz dieses allmählichen Bewusstseinswandels richtet sich der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit bis heute fast ausschließlich auf die jüdischen Opfer, wird der staatlich organisierte Genozid an den Sinti und Roma im nationalsozialistisch besetzten Europa meist nur als Fußnote zum Völkermord an den europäischen Juden wahrgenommen. Dieses einseitige Deutungsmuster spiegelt sich auf allen Ebenen wider: in offiziellen Gedenkakten oder -ansprachen ebenso wie in TV-Dokumentationen und wissenschaftlichen Darstellungen.« (Rose 2009: 7).

Die Einseitigkeit der Deutungsmuster hatte Folgen für die (Nicht-) Entschädigung der überlebenden Sinti und Roma, führte aber auch dazu, dass die Anerkennung des Massenmordes als Völkermord in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit ausblieb. Viele Quellen sind bis heute nicht ausgewertet und allein die Bestimmung der Anzahl der Opfer gestaltet sich schwierig. Auf den Erschießungslisten der Einsatzgruppen wurden Sinti und Roma nicht immer aufgeführt. Teilweise wurden sie als „Landstreicher“ und „Asoziale“ bezeichnet. Zudem ist die Quantifizierung der Ermordeten unterschiedlichen Interessen unterworfen. »Das hauptsächliche Problem der bisherigen Diskussionsbeträge besteht darin, dass sie sich vornehmlich auf deutsche Überrestquellen und die Ergebnisse der Nürnberger Prozesse stützen, in welchen der Völkermord an den Sinti und Roma nicht sehr eingehend behandelt wurde. Darüber hinaus erschwert die relativ schmale Basis an recherchierten schriftlichen Quellen deren kontextuelle Einordnung. In den Ereignismeldungen der Einsatzgruppen etwa sind „Zigeunererschießungen“ nur spärlich überlieferte und die wenigen Zahlenangaben entziehen sich durch ungenaue und widersprüchliche Kategorisierungen der Opfergruppen einer eindeutigen Interpretation«. (Holler 2009: 13). Was Holler für die Ermordung und Vernichtung der sowjetischen Roma feststellt, gilt auch für den Kenntnisstand über die Opferzahlen zu Ost- und Südosteuropa insgesamt. Gängig ist heute eine Schätzung von mindestens 200.000 ermordeten Sinti und Roma. Die immer noch, auch von der Bundesregierung, genannte Zahl von einer halben Million Ermordeter gilt als wissenschaftlich nicht belegt. Für Deutschland kann von einer Todesrate von circa 70 Prozent ausgegangen werden. In Österreich wurden von 11.000 Roma 9.500 getötet (Fings 2016: 81).

Der Völkermord an Sinti und Roma kann an dieser Stelle aus Gründen der Übersichtlichkeit nur ausschnitthaft behandelt werden. Das hat zur Folge, dass verschiedene wesentliche Tatkomplexe nicht behandelt werden können. Dazu gehören die Ermordung der sowjetischen Roma, der wissenschaftlich bisher nicht in Gänze wurde. Eine vollständige Monographie der Thematik liegt bisher nicht vor. Eine wichtige Arbeit hat Martin Holler mit einem „Gutachten für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma“ vorgelegt. Holler weist für die deutsch besetzten Republiken der Sowjetunion daraufhin, dass »(n)ach den Juden die Roma (waren) die einzige ethnische Bevölkerungsgruppe in der besetzten Sowjetunion, deren systematische Ausrottung bereits im ersten Jahr des deutschsowjetischen Krieges begann, d. h. in einer Zeit, in der die deutschen Okkupanten noch von einem erfolgreichen Feldzug ausgingen. Grundlegendes Motiv war auch im Falle der Roma die rassenideologische Weltanschauung der Nationalsozialisten.« (Holler 2009: 113). Der Massenmord in den besetzten Sowjetrepubliken fand überwiegend in Form von Erschießungen statt. Ebenso wenig eingegangen werden kann auf die Verfolgung und Ermordung von Roma in den besetzen Ländern Südosteuropas. Dort lebte die Mehrzahl der europäischen Roma. Zehntausende Roma wurden in den Bereichen der Einsatzgruppen in Polen, der Sowjetunion und Südosteuropa ermordet. Auf die Mordpolitik den deutschen Vasallenstaaten Rumänien, Kroatien, Bulgarien, Ungarn und die Slowakei, kann hier nur aufmerksam gemacht werden. So wurden im kroatischen Lager Jasenovac bis zum Ende des Krieges 10.000 bis 40.000 Roma ermordet (Scriba 2015).

Auch die Slowakei war seit dem 14. März 1939 ein solcher Vasallenstaat des Deutschen Reiches mit der Einparteiendiktatur der Hlinkova slovenská ľudová strana (Hlinkas Slowakische Volkspartei, auch Hlinka-Partei) unter Führung von Staatspräsident Jozef Tiso und Ministerpräsident Vojtech Tuka. Dort lebten geschätzte 100.000 Roma, die verfolgt und diskriminiert wurden. Teilweise liefen die staatlichen Zwangsmaßnahmen wie die systematische Erfassung der Roma ins Leere, weil diese sich entzogen. Dabei handelte es sich um eine Form des Widerstandes gegen die Verfolgung, die vor allem in Osteuropa möglich war, weil dort, im Gegensatz zum NS-Staat oder dem „Protektorat Böhmen und Mähren“ Roma weniger lückenlos erfasst werden konnten. Am 29. August 1944 wurden hunderte Roma in das KZ-ähnliche Arbeitslager Dubnica nad Váhom eingewiesen. Andere Roma aus der Slowakei wurden in deutsche Konzentrationslager deportiert (Zimmermann 1996: 289f).

Angesprochen wird im Folgenden die Entwicklung hin zum Völkermord auf der Grundlage des nationalsozialistischen Rassedenkens. Daran anschließend wird auf die Situation von Sinti und Roma im Konzentrationslager Dachau eingegangen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Mordpolitik an den Roma im „Protektorat Böhmen und Mähren“, die unter tschechischer Mittäterschaft stattfand. In den beiden größeren „Zigeunerlager“ im „Protektorat“, das in Mittelböhmen gelegene Lety u Písku (Lety bei Pisek) und das nahe Brno gelegene Hodonín u Kunštátu (Hodonín), starben nicht nur hunderte Roma, aus den Lagern wurden zudem Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt. Daher und wegen seiner Zentralität als Mordstätte wird das „Zigeunerfamilienlager“ in Auschwitz ebenfalls thematisiert.

Grundzüge der nationalsozialistischen Zigeunerpolitik

In den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft verschärfte sich zwar die bisherige kriminalbiologische staatliche Politik gegenüber den Sinti und Roma. Dennoch blieb die nationalsozialistische Zigeunerpolitik in anfangs der Logik des Antiziganismus aus der Weimarer Republik verbunden und radikalisierte sie. Im Unterschied zu den in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden, die von einem verbreiteten Antisemitismus betroffen waren, in erfuhren in der Demokratie Sinti und Roma bereits eine staatliche antiziganistische Diskriminierungspolitik gegenüber den Sinti und Roma wie oben ausgeführt wurde.

Bereits am 18. März 1933 wurde die „Ländervereinbarung zur Bekämpfung der Zigeunerplage“ verkündet. Die Vereinbarung führte bereits bestehende antiziganistische Regelungen wie das „Gesetz zur Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen“ von 1926 und den „Erlaß über die Ausgabe von ­Bescheinigungen“, mit dem seit 1927 Sinti und Roma durch Sonderausweise stigmatisiert wurden zusammen und »lieferte die Muster für die Synchronisierung und Radikalisierung der zigeunerfeindlichen Maßnahmen ab 1935.« (Milton 1995: 117).

Auf Länderebene wurden nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten neue Gesetze geschaffen, die Ländervereinbarung berücksichtigte (noch) die Länderhoheit; so das am 10. August 1933 erlassene „Bremische Gesetz zum Schutze der Bevölkerung vor Belästigung durch Zigeuner, Landfahrer und Arbeitsscheue“. Solche Gesetze schufen für Sinti und Roma die bedrohliche Situation in eine Arbeitsanstalt eingewiesen zu werden, wenn ihnen Bettelei unterstellt wurde oder sie nicht das nachweisen konnten, was den kommunalen NS-Behörden als eine „geregelte Arbeit“ galt (Zimmermann 1989: 18). Viele Berufe die Sinti oder Roma ausübten galten im Sinne völkischer und nationalsozialistischer Ideologie als unproduktive Arbeit. Berufe wie Händler_in, Musiker_in, Artist_in oder Schausteller_in wurden häufig gemeinsam in der Familie ausgeübt. Sie wurden als betrügerisch oder anderweitig kriminell verleumdet und aufgrund der teilweise fahrenden Berufsausübung in den Verdacht des alten antiziganistischen Ressentiments der Spionage gebracht. In der Praxis unterlagen viele Sinti und Roma im Deutschen Reich Berufsverboten und wurden wiederum dafür als unproduktiv eingestuft (Fings 2016: 66f).

Häufig waren kommunale Behörden der Ansicht, dass die „Zigeuner“ zwar angesiedelt werden müssten, jedoch nicht in der eigenen Gemeinde oder Stadt. Auch diese Haltung bestand schon vor 1933 und wurde »zunächst in gewohnter Weise fortgesetzt: überhöhte Mieten und schlechte Ausstattung von Lagerplätzen (und Wohnungen), Polizeirazzien, plötzliche Auflösung der Plätze und Ausweisung aus dem Stadtgebiet, Restriktionen bei der für die Berufsausübung unerlässlichen Ausstellung von Wandergewerbescheinen. Allmählich entwickelte sich dann unter dem Einfluss der NSDAP eine Tendenz zur Ghettoisierung. Große Städte richteten lagerartige Plätze ein, die teilweise bewacht, mit Stacheldraht umzäunt und immer elend gelegen waren (...)« (Benz 2014: 101). Auf Initiative kommunaler Behörden entstanden bereits ab 1933 Zwangslager für Sinti und Roma. Zur Olympiade 1936 wurde in Berlin das Zwangslager Marzahn in der Nähe des örtlichen Friedhofes und der Rieselfelder eingerichtet. Damit wurden bereits 1934 bestehende Pläne zur Verhaftung von Sinti und Roma realisiert. Offiziell trug das Lager den verharmlosenden Namen „Zigeuner Rastplatz Marzahn“. Sinti und Roma wurden dort zur Zwangsarbeit herangezogen. Zudem wurden die Sinti und Roma durch das Reichsgesundheitsamt genötigt sich anthropologischen Messungen und Registrierungen zu unterwerfen. Die Verschleppungen von Sinti und Roma in das Lager am Stadtrand geschahen in aller Öffentlichkeit und begleitet von hämischen Zeitungsartikeln. Das Lager sollte bis zur Befreiung im Mai 1945 bestehen. Ähnliche Lager bestanden in »Köln, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Magdeburg, Pölitz bei Stettin, und anderen deutschen Städten. Nach 1939 verwandelten sich diese städtischen Internierungslager in Sammellager für die systematische Deportation in Konzentrationslager, Gettos und Tötungszentren.« (Milton 1995: 123). Wie andere Zwangslager diente auch das in Marzahn als Ort für spätere Deportationen in den Osten.

Zwei Säulen der Verfolgung: Polizeiliche und rassenbiologische Erfassung

Sinti und Roma wurden nach der NS-Ideologie aufgrund zweier rassistischer Kategorisierungen verfolgt: Sozial, bzw. rassenhygienisch als „Asoziale“ und gebürtige Kriminelle sowie rassenanthropologisch als „artfremd“ (Wippermann 1997: 143).

In den Nürnberger Rassengesetzen – das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“, das „Reichsbürgergesetz“ und das „Reichsflaggengesetz“ – vom 15. September 1935 wurden Sinti und Roma nicht ausdrücklich erwähnt. Vor allem das „Blutschutzgesetz“ richtet sich ausdrücklich gegen Jüdinnen und Juden. Dass Sinti und Roma jedoch nach der NS-Ideologie keine »Staatsbürger deutschen oder artverwandten Blutes« sind, wie es im Reichsbürgergesetz formuliert wird, machen die „Kommentare zur deutschen Rassengesetzgebung“ zu den Nürnberger Gesetzen deutlich. Sie wurden von Dr. Hans Globke, späterer Kanzleramtschef von Konrad Adenauer, und  SS-Obergruppenführer Wilhelm Stuckart verfasst. Dort heißt es: »Artfremdes Blut ist alles Blut, das nicht deutsches Blut noch dem deutschen Blut verwandt ist. Artfremden Blutes sind in Europa regelmäßig nur die Juden und Zigeuner«. Globke, der vor allem für die Kommentierung verantwortlich war, verwendet hier Formulierung, die ähnlich in einem Schreiben von Reichsinnenminister Wilhelm Frick vom 3. Januar 1936, der sich an Standesbeamte und Gesundheitsämter zu lesen waren (Rose 1999: 34).

Auch im Erlass des Reichsinnenministeriums vom 5. Juni 1936 zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ wurden Sinti und Roma als »dem deutschen Volkstum artfremdes Zigeunervolk« (zit. nach Zimmermann 1989: 24) bezeichnet. Noch unverbindlich, legte der Erlass eine Grundlage, nach dem Vorbild der „Zigeunerpolizeizentrale beim Polizeipräsidenten in München, eine „Reichzentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ einzurichten. Dem ging eine weitere Zentralisierung der Polizei voraus.

Am 17. Juni 1936 wurde der „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler zum „Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern“ ernannt. Damit waren Partei und Staat in Himmlers Person auf das Engste verknüpft. Ihm fiel mit der Ernennung auch die Zuständigkeit für die NS-Zigeunerpolitik zu. Zur Einrichtung der Zigeunerpolizeizentrale fehlte es noch an der Zentralisierung und Umstrukturierung der Polizei, die als »selbständige Säule der Sicherheitspolizei« (zit. nach Zimmermann 1996: 108), so Arthur Nebe, Direktor des 1937 frisch ernannten Reichskriminalpolizeiamtes, fungiert. 1938 begann schließlich die Einrichtung der Reichszentrale. Damit entstand eine »gesamtstaatliche Datenbank zu Sinti und Roma unter der Jurisdiktion des Reichskriminalpolizeiamts (RKPA) und des Innenministeriums (...)« (Milton 1995: 117), die sich auf Erfahrungen in der Erfassung und Diskriminierung in deutschen Großstädten berufen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war nach dem „Anschluss“ Österreichs dessen Erfassung und Identifizierung von Sinti und Roma bereits derjenigen im Deutschen Reich“ angeglichen.

Himmlers Runderlass zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ vom 8. Dezember 1938 basierte auf der Zusammenarbeit des RKPA mit der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“ unter Leitung von Dr. Robert Ritter. Auf diese wesentliche Institution zur Erfassung von Sinti und Roma im Sinne und mit Methoden der nationalsozialistischen Rasseforschung wird noch einzugehen sein. In dem Erlass heißt es entsprechend: »Die bisher bei der Bekämpfung der Zigeunerplage gesammelten Erfahrungen und die durch die rassenbiologischen Forschungen gewonnenen Erkenntnisse lassen es angezeigt erscheinen, die Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen der Rasse heraus in Angriff zu nehmen.« Letztlich auf dieser Basis und zudem gegründet auf dem Verbot von Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechsel für Sinti und Roma wurden mit dem Beginn des Krieges „Zigeunergemeinschaftslager“ geschaffen. Sie befanden sich vor allem im Deutschen Reich, aber auch in von Deutschen besetzten Ländern, so auch in „Protektorat Böhmen und Mähren“. Bereits vor dem Erlass wurden Sinti und Roma seit dem Frühjahr 1938 in den Konzentrationslagern Dachau, Buchenwald, Mauthausen und Bergen-Belsen inhaftiert. Als Haftvorwände für diese „Schutzhaft“ diente der Vorwurf der „Asozialität“ und das angebliche Fehlen einer „geregelten Arbeit“  (Benz: 2014: 113).

Mit der Gründung der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“ (RHF) beim Reichsgesundheitsamt im Jahr 1936 wurden die pseudowissenschaftlichen Grundlagen der Verfolgung von Sinti und Roma staatlicherseits weiter institutionalisiert. Leiter der „Forschungsstelle“ wurde der 1901 geborene Arzt Dr. Robert Ritter. Ritter hatte am 1. August 1932 die Stelle eines Assistenzarztes als ärztlicher Betreuer des Klinischen Jugendheims der Tübinger Universitätsnervenklinik.  Aufgrund seines ausgeprägten Karrierismus, der sich mit Intrigen gegenüber seinem Vorgesetzten verband, wurde Ritter bereits im November 1934 Oberarzt (Schmidt-Degenhard 2008: 61ff). Ritter engagierte sich zudem in der 1934 institutionalisierten „Rassenhygienischen Eheberatungsstelle“, die »in den Räumen des Klinischen Jugendheims untergebracht war« Schmidt-Degenhard 2008: 70). Als ärztlicher Vorstand, gemeinsam mit dem »Privatdozenten am Hygiene-Institut Walter Saleck, der auch Ortsgruppenleiter der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene in Tübingen war« (Ebda.), stand er der Beratungsstelle als Leiter vor. Deren Credo benannte Saleck wie folgt: »Wir wollen mit dieser Einrichtung im Sinne unseres Führers und der nationalsozialistischen Auffassung von Familie und Staat am Neuaufbau unseres Volkskörpers mitarbeiten.« (zit. nach ebd.).

Ritter, der nie NSDAP-Mitglied war, teilte Sinti und Roma pseudowissenschaftlich in „stammechte Zigeuner“ und in „Mischlingszigeuner“  ein und behauptete letztere würden 90% der „Zigeuner“ in Deutschland ausmachen. Zudem wären „Mischlingszigeuner“ deutlich krimineller als die andere von ihm konstruierte Gruppe (Opfermann 2016: 107). Ritter und seine Mitarbeiter_innen, darunter Eva Justin, der Rassentheoretiker Dr. Adolf Würth, Ruth Kellermann, Sophie Ehrhardt und andere, das Reichsgebiet um die genealogische und rassenhygienische Erfassung mit anthropometrischen Methoden von Sinti und Roma zu betreiben. Wer sich den Untersuchungen verweigerte wurde geschlagen, mit Haft im Konzentrationslager bedroht oder anderweitig schikaniert. Auch in den Konzentrationslagern Ravensbrück, Auschwitz und Mauthausen führten die »Fliegenden Arbeitsgruppen« ihre rassebiologischen Untersuchungen durch. Selbst die Sprache der Minderheit, das Romanes, erlernten sie in Grundzügen um sich leichter Zugang und Vertrauen der Sinti und Roma zu erschleichen.

Ritters erbbiologisches Gedankengut, das von der Existenz geborener Verbrecher ausging, deckten sich mit den kriminal- und rassebiologischen Auffassungen über „vorbeugende Verbrechensbekämpfung des Chefs der Kriminalpolizei Arthur Nebe und seines Stellvertreters Paul Werner. Ritters Kontakte zur Kriminalpolizei gehen auf das Jahr 1936 zurück. Auf der Grundlage der Daten der RHF wurden ab Dezember 1939 polizeilich sogenannte Zigeunerausweise ausgegeben, die die rassistischen Kategorien „reinrassige Zigeuner“, „Mischlinge“ und „Nichtzigeuner, aber nach Zigeunerart umherziehende Personen“ trugen (Zimmermann 1996: 140ff). In der Verbindung zu Ritters RHF sah die Kriminalpolizei »die günstige Gelegenheit, die Personenfeststellung von Sinti und Roma zu perfektionieren und damit die Grundlage für rassenbiologisch konzipierte polizeiliche Präventivmaßnahmen zu schaffen.« (Wildt 2008: 319).

Für Bayern beziffert Karola Fings die Zahl der „Gutachten des RHF bis April 1942 auf 888. In diesem Rahmen wurden 64 Menschen als „Zigeuner“ und 484 als „Zigeunermischlinge“ eingeordnet. So machte man »damit mehr Menschen zu „Zigeunern“, als noch 1940 geschätzt worden waren.« (Fings 2015: 109). Die Kombination von polizeilicher Erfassung nach kriminalbiologischen Prinzipien mit der rassenbiologischen Kategorisierung erhöhte nicht nur in Bayern die Zahlen der Verfolgten.

Mit dem von Deutschland begonnenen Krieg radikalisierte sich die Verfolgung der Sinti und Roma, ebenso wie die von Jüdinnen_Juden bis hin zur Vernichtungspolitik. Aufgrund eines von Ritter entwickelten Verfahrens der Massenuntersuchung wurden ab 1941 reichsweit gültige Kriterien zur Begutachtung von Sinti und Roma geschaffen (Ebda.: 108). In der Folge wurden nicht nur  zahlreiche neue Verordnungen zur Bedrückung der Minderheit geschaffen: »Die Verschränkung der kriminalpolizeilichen Erfassung mit der rassistischen Stigmatisierung brachte nicht nur immer neue Verfolgungsmaßnahmen, sondern führte auch zu einer Ausweitung der Anzahl der Opfer [...] Vor allem aber waren die „Gutachten“ eine Voraussetzung für die späteren Deportationen nach Auschwitz.« (Ebda.: 109).

Für die besetzen Länder der Sowjetunion stellt Martin Holler fest, dass teilweise »angenommene Differenzierung zwischen sesshaften und „wandernden“ Roma lediglich auf dem Papier existierte und keinen Einfluss auf die praktische „Zigeunerpolitik“ vor Ort hatte. Die „Lebensweise“ spielte für die Verfolger keine Rolle; die Roma gerieten vielmehr [...] in ihrer Gesamtheit als Volksgruppe in das Visier der Einsatzgruppen und Militärverbände.« Holler 2009: 112).

Der „Auschwitz-Erlaß“ – Grundlage für den Völkermord

Mit Himmlers sogenanntem Auschwitz-Erlaß vom 16. Dezember 1942 wurde die Deportation von Sinti und Roma aus dem Deutschen Reich angeordnet. In den Ausführungsbestimmungen, in Form eines Schnellbriefs des Reichskriminalpolizeiamtes vom 29. Januar 1943, heißt es mit Bezugnahme auf den nicht in Schriftform erhaltenen Erlass:

»Auf Befehl des Reichsführers SS vom 16.12.42 – Tgb. Nr. I 2652/42 Ad./RF/V. sind Zigeunermischlinge, Rom-Zigeuner und nicht-deutschblütige Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft auszuwählen und in einer Aktion von wenigen Wochen in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dieser Personenkreis wird im nachstehenden kurz als ‚zigeunerische Personen‘ bezeichnet. Die Einweisung erfolgt ohne Rücksicht auf den Mischlingsgrad familienweise in das Konzentrationslager (Zigeunerlager) Auschwitz.«

Im Zuge der Inhaftierung der Sinti und Roma wurde auch deren Vermögen, Tiere, Fahrzeuge, Schmuck, Grundstücke etc. beschlagnahmt und zugunsten des Staates verkauft (Nerdinger 2016: 166).

Ab Februar 1943 begannen die systematischen Deportationen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dort wurde im Lagerabschnitt B II e das sogenannte Zigeunerlager (auch: „Zigeuner-Familienlager“) eingerichtet, dessen Gelände vom Rest des Lagers durch elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun abgetrennt war. Bis 1944 wurden über 12.000 deutsche Sinti und Roma in Auschwitz eingewiesen. Insgesamt wurden 22.000 Menschen in das „Zigeunerlager“ deportiert. Davon kamen 85 Prozent, ca. 19.000 Sinti und Roma, um oder wurden ermordet (Nerdinger 2016: 170).

Am 16. Mai 1943 wollte die SS das „Zigeunerlager“ auflösen und die noch lebenden Sinti und Roma in den Gaskammern ermorden. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 70 Prozent der inhaftierten Sinti und Roma aufgrund schlechter Ernährung, Seuchen und Krankheiten gestorben oder ermordet worden. Dieser erste Versuch scheiterte am Widerstand mehrerer Sinti und Roma, die sich mit selbst gefertigten Waffen, Spaten, Brecheisen und Steinen in den Baracken des Lagers verbarrikadierten. Zur Schwächung des Widerstandes wurden vor allem noch kräftige und jüngere Sinti und Roma in andere Konzentrationslager verschleppt, unter anderem auch nach Dachau. Die zurückbleibenden 2.897 Sinti und Roma waren vor allem Alte, Kranke und Kinder. Sie wurden in der Nacht vom 2. Auf den 3. August 1943 durch von der SS in den Gaskammern von Birkenau ermordet (Nerdinger 2016: 180; Zimmermann 1996: 140ff).

Sinti und Roma im Konzentrationslager Dachau

Die Gesamtzahlen derjenigen Sinti und Roma, die in Konzentrationslagern im Deutschen Reich unter dem sozialrassistischen Stigma „asozial“ inhaftiert waren, lässt sich schwer beziffern. Für das bei München gelegene 1933 eingerichtete Konzentrationslager Dachau schreibt Stanislav Zámečnik, Historiker und von 1941 bis 1945 dort selbst Häftling, schreibt in seiner Monographie über das Lager vage, dass seit 1936 Sinti und Roma in größerer Zahl eingetroffen wären, »nachdem die bayerische politische Polizei Richtlinien zur Verhängung der Schutzhaft für so genannte Volksschädlinge erlassen hatte.« (Zámečnik 2013: 231).

Im Rahmen der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ wurden Sinti und Roma auch in Dachau interniert. Die Verhaftungsaktion war Teil einer »Kampagne gegen vermeintlich „Arbeitsscheue“, die sich vor allem gegen fahrende Händler, Straßen- und Wandermusikanten richtete.« (Zimmermann 1996: 115). Hier kam ebenfalls das fragwürdige Kriterium einer angeblich geregelten Arbeit zur Geltung. Zimmermann vermerkt, dass am 15. Juni 1938 »pfälzische Sinti aus Gräfenhausen, Stein und Eußertal zunächst im Polizeigefängnis Landau festgehalten und dann nach Dachau transportiert« (Ebda.) wurden. Die Verschleppten waren jung und alleinstehend. Opfer einer großen Verhaftungsaktion vom Juni 1939 wurden Roma aus dem österreichischen Burgenland. In das KZ Dachau wurden 553 von ihnen deportiert. Sie kamen in der Mehrheit in das Arbeitskommando Plantage, wo sie zusammen mit Juden unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten (Zámečnik 2013: 231). Die Arbeit in der Plantage war ein Todeskommando.

1939 verschärfte sich die Verfolgung der Sinti und Roma. Mit dem „Festsetzungserlass“ des Reichssicherheitshauptamtes (RHSA) vom 17. Oktober 1939 wurde unter der Drohung von KZ-Haft das Verlassen ihrer Wohnorte verboten. Ein Sinto aus Nürnberg wurde 1940 in Anwendung dieses Erlasses verhaftet, weil er auswärtige Verwandte besuchen wollte und dazu mit der Bahn unterwegs war. Er wurde erst nach Dachau, von dort aus in das Konzentrationslager Mauthausen verschleppt (Zimmermann 1996: 169). Darüber hinaus  »entstanden Pläne, die gesamten etwa 30 000 im Reich ansässigen Angehörigen der Minderheit in das besetzte Polen „umzusiedeln“.« (Nerdinger 2016: 134f).

Für Menschenversuche wurden 40 Sinti und Roma im August 1944 aus dem Konzentrationslager Buchenwald nach Dachau gebracht. Himmler wollte ein Verfahren zur Trinkbarmachung von Meerwasser für die militärische Nutzung entwickeln lassen. Dieses sollte an Angehörigen der Minderheit getestet werden. Die hierfür in Buchenwald ausgesuchten Häftlinge wurden über den Zweck ihrer Verlegung getäuscht. In der eigens eingerichteten „Forschungsstation“ war der Wiener Professor Eppinger für die Experimente zuständig. Die Durchführung lag bei seinem Oberarzt Dr. Wilhelm Beiglböck. (Zámečnik 2013: 232; Zimmermann 1996: 354ff). Über die Experimente ist im Katalog zur Dauerausstellung in der KZ Gedenkstätte Dachau zu lesen: »Der Münchner Sinto Karl H. wurde im März 1943 Er gehörte zu den wenigen Sinti, die Auschwitz überlebten. Dort wählte man ihn mit anderen Sinti für die Meerwasserversuche im KZ Dachau aus. Die Sinti wurden in vier Gruppen aufgeteilt: Eine sollte hungern und dürsten, eine bekam nur reines Meerwasser zu trinken, eine dritte erhielt Meerwasser mit einem Geschmackszusatz und eine vierte chemisch entsalztes Wasser. Karls H., der zur dritten Gruppe gehörte, überlebte die bis zu zwölf Tage dauernden qualvollen Versuche. Beim Nürnberger Ärzteprozess sagte er über dieses Verbrechen aus.« (Distel 2005: 185). An gleicher Stelle ist die eidesstattliche Erklärung des Häftlingspflegers Ignaz Bauer im selben Prozess zu lesen in der die Auswirkungen der Versuche auf die Häftlinge beschrieben wird: »Subjektiv litten die Patienten an nagendem Hunger und vor allem an entsetzlichem Durst., der durch das Trinken von Salzwasser nur ärger wurde. Dieses Durstgefühl war so arg, daß Manche Patienten sich nicht scheuten , vom Bodenaufwaschen schmutziges Wasser zu trinken! Einen dieser armen Teufel sah ich auf den Knien rutschend vergebens um Wasser bitten. Der Arzt Beiglböck war unerbittlich.« (Ebda.)

Das „Zigeunerlager“ Hodonín im „Protektorat Böhmen und Mähren“

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten auf dem Gebiet des „Protektorats Böhmen und Mähren“ 6.500 Roma. Von ihnen überlebten nur knapp zehn Prozent den Völkermord.

Während der deutschen Besatzung. Bereits im August 1940 wurden die Lager Lety, im südböhmischen Distrikt Písek, und Hodonín, im mittelmährischen Distrikt Blansko, eröffnet. Die Lager waren als Arbeitslager für „Arbeitsscheue“ gedacht, in denen Roma anfangs nur ein Viertel der Inhaftierten ausmachten. Beide Lager bestanden bereits vor der deutschen Besatzung. Ab August 1942 wurden Lety  und Hodonín zu „Zigeunerlagern“. In Hodonín waren gesamt 1.317 und in Lety 1.308 Roma inhaftiert. Auf der Grundlage der Verordnung zur „Bekämpfung der Zigeunerplage“ vom 10. Juli 1942, wurden die tschechischen Roma am 2. August 1942 erkennungsdienstlich erfasst (vgl. Zimmermann 2008: 12). Die Verordnung 1942 bildet Michael Zimmermann zufolge »den Übergang von einer Zigeunerpolitik, die sich als Teilbereich einer rassenhygienisch motivierten Bekämpfung der „Asozialen“ verstand, zu einer Verfolgung sui generis, die derjenigen des Reiches entsprechen und der dortigen rassistischen Klassifikation angepasst werden sollte.« (Zimmermann 2008: 12)

In den Jahren 1942/43 wurden zahlreiche Roma aus den beiden Lagern in das Stammlager Auschwitz I deportiert. Später im Jahr 1944 kamen Deportierte direkt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Die Kommandanten und das Wachpersonal der „Zigeunerlager“ Hodonín und Lety bestand aus Tschechen. Der Kommandant in Hodonín war seit 1940 Stefan Blahynka, sein Stellvertreter war Jan Sokl (Nečas 1999: 103). Sie  führten ein hartes und grausames Regime. Der Überlebende Edvard Daniel erinnert

sich an seine Ankunft in Hodonín: »We were awaited by Czech guards, no SS men, they were really mean bastards, though. I’ve been through Auschwitz and other camps but was beaten only  once and moreover it was because of some Pole. But our gendarmes beat me so many times you have no idea.« (Ebda.: 107) Die Roma mussten in den Lagern Zwangsarbeit unter

härtesten Bedingungen verrichten. Dabei starben Hunderte. In Hodonín wurden zudem 1945/46 Sudetendeutsche interniert und in den 1949/50 diente das Lager zur „Umerziehung“ von Regimegegnern.

Eine Erinnerung an den Völkermord an Roma war in der Nachkriegszeit wenig vorhanden. Noch weniger spielten die tschechischen Verstrickungen und die Mittäterschaft mindestens in den „Zigeunerlagern“ sicherlich ebenso eine Rolle wie das fortbestehende antiziganistische Ressentiment gegen Roma. Vor dem Hintergrund der universalistischen antifaschistischen Narrative blieb die Erinnerung an die deutsche Vernichtungspolitik an den Juden, und in noch stärkerem Maß an die Ermordung der Sinti und Roma, in der ČSSR marginal.

Erinnern und Kämpfe um Entschädigung in der postnationalsozialistischen Gesellschaft

Wie andere Ressentiments verschwand auch der Antiziganismus nach 1945 nicht einfach aus den Köpfen. Die Ermordung und Vernichtung von bis zu einer halben Million Sinti und Roma ist bis heute – trotz vielfältiger Bemühungen von Angehörigen der Minderheit sowie seitens verschiedener Stiftungen – ein randständiges Thema der deutschen, aber auch anderer Geschichtskulturen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde die berüchtigte Münchner „Zigeunerpolizeistelle“ in „Landfahrerzentrale“ umbenannt. Das Aufgabengebiet blieb, ohne den offen rassistischen Sprachgebrauch weiterhin gegen Sinti und Roma gerichtet. Sinti und Roma wurden bis 1970 weiterhin mit rassistischem Hintergrund erfasst. Zudem wurden Gutachten über die Einzelschicksale verfolgter Sinti und Roma nicht selten von ehemaligen NS-Beamten geschrieben deren Einstellungen gegenüber „Zigeunern“ sich kaum geändert hatten und die kein Interesse an einer Aufarbeitung des Völkermords hatten.

Im Januar 1956 fällte der Bundesgerichtshof (BGH) als Berufungsinstanz in einem Entschädigungsfall einer bis 1945 in Konzentrationslagern inhaftierten Frau ein abschlägiges Urteil, dessen Begründung passagenweise eine Ansammlung von Ressentiments und eine Verharmlosung des NS-Terrors gegen Sinti und Roma darstellt. So heißt es dort unter anderem: »Da die Zigeuner sich in weitem Maße einer Seßhaftmachung und damit der Anpassung an die seßhafte Bevölkerung widersetzt haben, gelten sie als asozial. Sie neigen, wie die Erfahrung zeigt, zur Kriminalität, besonders zu Diebstählen und Betrügereien, es fehlen ihnen vielfach die sittlichen Antriebe der Achtung vor fremdem Eigentum, weil ihnen wie primitiven Urmenschen ein ungehemmter Okkupationstrieb eigen ist.« (Bundesgerichtshof: 1956). Konsequent die NS-Verfolgung verharmlosend heißt es im Weiteren, »daß die Behandlung der Zigeuner trotz der auch rassenideologischen Begründung lediglich die durch die Zigeuner hervorgerufenen Mißstände auf einer einheitlichen Basis bekämpfen will.« (ebd.). Anders gesagt sollen die Opfer für ihre Verfolgung und Ermordung selbst verantwortlich sein. Es sollte rund 60 Jahre dauern, bis sich der BGH mit diesem Urteil kritisch auseinandersetzt.

Es ist vor allem Sinti und Roma- Aktivist_innen zu verdanken, dass im NS als „Zigeuner“ rassistisch Verfolgte überhaupt Entschädigungen erhielten. So traten am 4. April 1980 überwiegend ehemalige KZ-Gefangene Sinti in der Gedenkstätte Dachau in einen Hungerstreik. Unter ihnen befand sich der 1946 geborene heutige Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Die Sinti forderten ein Ende der fortgesetzten, auch staatlichen, Diskriminierungen und unter anderem die Offenlegung von Akten des RSHA um sie für die Entschädigungsarbeit nutzen zu können.

Anerkannt wurde der Völkermord erst 1982 durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Astrid Messerschmidt stellt in diesem Zusammenhang fest, dass die späte Anerkennung vor allem für deutsche Sinti eine fortgesetzte Festschreibung des Status der Nicht-Zugehörigkeit zur hiesigen Gesellschaft darstellt. Daher sei beim antiziganismuskritischen Engagement die „Bedeutung von Erinnerung, Aufarbeitung und Gedenken zu reflektieren“. (Messerschmidt 2016: 99) Sinnbildlich für den Ist-Zustand der Auseinandersetzung mit dem Völkermord scheint der Standort des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma. Es steht zwar in der Nähe zum Brandenburger Tor, doch verhältnismäßig versteckt innerhalb des Tiergartens. Das Denkmal wurde am 24. Oktober 2012 eingeweiht, sieben Jahre nach der Eröffnung des prominenter gelegenen und ungleich größeren Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Zudem fehlt dem Denkmal für Sinti und Roma ein Ort der Information, der über die Verfolgungsgeschichte informiert.

Literatur

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Oliver Decker/Johannes Kiess/Elmar Brähler (Hg.): Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Gießen 2016.

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Roswitha Scholz: Antiziganismus und Ausnahmezustand. Der »Zigeuner« in der Arbeitsgesellschaft. In: Markus End/Kathrin Herold/Yvonne Robel (Hg.): Antiziganistische Zustände. Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments. Münster 2009. S. 24-40.

Arnulf Scriba: Lebendiges Museum Online (Lemo). Der Völkermord an Sinti und Roma. Berlin 2015. Online unter: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/voelkermord/voelkermord-an-sinti-und-roma.html (eingesehen 13.03.2018)

Wiesflecker, Hermann; Hollegger, Manfred; Riedl, Kurt; Wiesflecker-Friedhuber, Ingeborg (Hrsg.): Regesta Imperii! Wien, Köln, Weimar 1993, Online unter: regesta-imperii.digitale-sammlungen.de/seite/ri14_wie1993_0626. (eingesehen 23.01.2018)

Wolfgang Wippermann: Wie die Zigeuner. Antisemitismus und Antiziganismus im Vergleich. Berlin 1997.

Wolfgang Wippermann: „Auserwählte Opfer?“ Shoah und Porrajmos im Vergleich. Eine Kontroverse. Berlin 2012 (2002).

Michael Wildt: Generation der Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes. Hamburg 2008.

Stanislav Zámečnik: Das war Dachau. Frankfurt am Main 2013.

Michael Zimmermann: Verfolgt, vertrieben, vernichtet. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gegen Sinti und Roma. Essen 1989.

Michael Zimmermann: Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische »Lösung der Zigeunerfrage«. Hamburg 1996.

Michael Zimmermann: Die nationalsozialistische Zigeunerverfolgung in Ost- und Südosteuropa – ein Überblick. In: Felicitas Fischer von Weikersthal, Christoph Garstka, Urs Heftrich, Heinz-Dietrich Löwe (Hg.): Der nationalsozialistische Genozid an den Roma Osteuropas. Geschichte und künstlerische Verarbeitung. Köln Weimar Wien 2008. S. 3-28.

Ingolf Seidel

Das bayerisch-tschechische Seminar zum Thema Roma-Holocaust vom 05.-08.10.2017 wurde aus Mitteln des KJP über das Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch Tandem gefördert.

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