Ein Münchner Projekt macht Schule

Als Ende Februar die ersten Familien vor dem Krieg aus der Ukraine flüchteten und auch in Bayern ankamen, war beim bayerischen Landesverband des Vereins JunOst e.V. klar, dass man Hilfe organisieren wird: Schnell, ehrenamtlich und mit Herzblut.

JunOst e.V. ist ein Zusammenschluss der russischsprachigen Jugend in Deutschland. Die Münchner Geschäftsstelle leitet mit Maria Klimovskich eine russischstämmige Deutsche, die noch in der damaligen Sowjetunion geboren wurde und zur Schule gegangen ist. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Förderung und Integration von Kindern und Jugendlichen aus dem russischen bzw. ehemals sowjetischen Raum.  

So wie JunOst versteht Maria Klimovskich ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion als Einladung und Integrationshilfe in ein offenes, pluralistisches und demokratisches Deutschland. „Uns geht es um Völkerverständigung, auch um die russische Sprache, mit der wir aufgewachsen sind“, sagt sie. „Schon immer hatten wir Mitglieder aus der Ukraine und aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Wir sprechen untereinander Ukrainisch, Russisch und andere Sprachen. Nationalismus, ob russisch, deutsch oder anderer Art, hat bei JunOst keinen Platz.“

Unter dem Motto „Drusi“ – dem ukrainischen Wort für „Freunde“ wurde durch JunOst bereits ab 14. März 2022 in München eine Unterstützung für geflüchtete Menschen angeboten: Eine Betreuung für bis zu 190 Kinder und Jugendliche, die Spiel und Gemeinschaft erleben können und sogar ein improvisiertes und nach Altersstufen gegliedertes Bildungsangebot erhalten. Ein warmes Mittagessen gibt es auch. Außerdem haben Mütter und andere erwachsene Begleitpersonen mit „Drusi“ eine Anlaufstelle, wo sie Informationen über weitere Hilfe erhalten, sich vernetzen und Kraft tanken können. Die Hilfe wird hauptsächlich ehrenamtlich organisiert und geleistet und richtet sich an Geflüchtete, die noch keine dauerhafte Unterkunft gefunden haben und/oder deren Kinder noch nicht in den bayerischen Schulen angekommen sind. „Drusi“ in München war zunächst bis Ende April geplant, läuft wegen des großen Erfolgs aber weiter. 

Ebenfalls bereits im März startete ein Bildungsangebot in Nürnberg, bei dem sich JunOst-Ehrenamtliche engagieren. Dort finden bis zu 40 Kinder und Jugendliche sowie deren Mütter Unterstützung. Auch in Passau bietet der Verein der russischsprachigen Jugend in Deutschland Workshops mit viel Bewegung, Spiel, Basteln und anderen kreativen Tätigkeiten an. Wegen des großen Erfolgs gibt es seit Kurzem auch ein "Drusi"-Projekt in Pfaffenhofen, bei dem sich nicht JunOst selbst, sondern der Kreisjugendring ehrenamtlich engagiert. 

Ob Pfaffenhofen, München oder Nürnberg: „Drusi“ ist ein großer Erfolg, und der wächst über die bayerischen Landesgrenzen hinaus. So gibt es inzwischen Projekte in Berlin und Zürich. JunOst-Geschäftsführerin Maria Klimovskich: „Dieser bis zum 24. Februar nicht vorstellbare, grausame und völkerrechtswidrige Krieg von Präsident Putin gegen die Ukraine macht uns wütend, aber nicht sprachlos - und schon gar nicht tatenlos. Dieser Krieg muss aufhören, dafür setzen wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln ein.

Klimovskich weiter: "Mit unserem Engagement für geflüchtete Menschen wollen wir mithelfen, dass aus der großen Not auch etwas Gutes entsteht: Dass aus geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern und Deutschen Freunde werden. Ich würde mich freuen, wenn in Bayern noch mehr Drusi-Projekte entstehen, wir geben unserer Erfahrungen und unser Know-how gerne weiter in neue Angebote der Jugendarbeit.“