Themen Europäischer Jugendpolitik

Deutschland übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft ab 1. Juli 2020

Aktuelles:

„COVID-19 wirbelt deutsche EU-Ratspräsidentschaft zunehmend durcheinander“ (EURACTIV, 29. April 2020) ist wohl eine passende Überschrift über die aktuellen Planungen zur EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands ab dem 1. Juli 2020. Klar ist bisher, dass es sich vorrangig um die Haushaltsdebatten rund um en Mehrjährigen Finanzrahmen 2021-2027 drehen wird. Was im Jugendbereich geplant ist, oder zumindest vor Corona geplant war, steht auch in der aktuellen JUNA-Ausgabe 02/2020:

Deutschland nimmt die europäische Jugendarbeit ins Visier

2020 wird ein europäisches Jahr für Deutschland. Am 1. Juli 2020 übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft für ein halbes Jahr. Dies bedeutet vor allem die Leitung aller Treffen des Rates der Europäischen Union sowie die der ca. 200 Arbeitsgruppen und Ausschüsse. Deutschland vertritt dann außerdem die Mitgliedstaaten gegenüber dem Europäische Parlament sowie der Kommission und repräsentiert die EU auch auf internationaler Ebene. Es gibt also viel zu tun. Unter anderem fällt vor allem der wichtige Beschluss des Haushaltsrahmens für die Jahre 2021 bis 2027 in diese Zeit. Doch auch jugendpolitisch setzen die jeweiligen Ratspräsidentschaften Schwerpunkte, wie zum Beispiel gerade Kroatien mit dem Schwerpunkt „Jugend im ländlichen Raum“. Deutschland plant für seine Präsidentschaft Beschlüsse in den Bereichen Jugendpartizipation, der Freiwilligenmobilität sowie eine European Youth Work Agenda.

Was ist das Besondere an so einer Agenda? Zum einen auf jeden Fall, dass es so etwas in Europa noch nie gegeben hat. Jugendarbeit wird in jedem der Mitgliedsstaaten anders definiert. So schaut zum Beispiel Deutschland auf eine außerschulische Jugendarbeitstradition zurück. In anderen Ländern ist Jugendarbeit dagegen viel mehr mit Schule verwoben oder aber mit Sozialarbeit bzw. Beratungsangeboten verbunden. Wie in so vielen Bereichen ist Jugendarbeit in Europa sehr bunt und vielfältig in seinen Strukturen, Inhalten und Angeboten. Um das alles unter einen Hut zu bringen spricht man von „Youth Work“ und grenzt damit die Definition von der deutschen „Jugendarbeit“ ab.

Was macht nun aber ein Youth Worker? Wie wird Youth Work gefördert und welche Zielgruppe wird damit erreicht? Was kann Politik tun, um Youth Work zu unterstützen, und zwar vor Ort aber auch in der Europäischen Vernetzung? Es stellen sich viele Fragen und deshalb ist es gut, sich erst einmal grundsätzlich auf eine gemeinsame Agenda zu verständigen. Diese wird dann aber nicht nur auf der EU-Jugendkonferenz diskutiert, die im Juli in Berlin stattfindet, sondern vor allem auch auf der Youth Work Convention im Dezember. Hier überlappt sich die deutsche Ratspräsidentschaft mit der zweiten europäischen Aufgabe Deutschlands 2020: dem Vorsitz des Ministerkomitees des Europarats, der im November beginnt. Deswegen werden zur Youth Work Convention auch Delegationen aus allen 47 Mitgliedsstaaten des Europarats nach Bonn reisen und sich über Youth Work verständigen.

Wer zum Bundeskongress Kinder- und Jugendarbeit 2020 im September nach Nürnberg reist, kann auf jeden Fall dort schon ein wenig Youth Work Luft schnuppern, mit vielen europäischen Gästen über Youth Work ins Gespräch kommen und gemeinsam diskutieren, wie wir uns europäisch weiterentwickeln können. Denn eines bleibt klar: Europa ist das, was wir daraus machen. Der Bayerische Jugendring bleibt deshalb am Ball, wenn es um europäische Youth Work geht und wenn Deutschland 2020 in der EU und im Europarat den Vorsitz übernimmt.

Zum Weiterlesen:

Positionspapier der AGJ zur European Youth Work Agenda

Stellungnahme des DBJR zur European Youth Work Agenda

Jugendkonferenz zur deutschen Ratspräsidentschaft auf Bundesebene

Publikation: Europäische Jugendarbeit in Bayern

Was ist der Europarat im Vergleich zum Europäischen Rat und zum Rat der Europäischen Union?

Quiz der Bundesregierung zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft

Graphik der EBD zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft

Erklärvideo des DBJR zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft

 

Auswirkungen der Pandemie auf junge Menschen

Ein Überblick europäischer Studien und Umfragen:

Auch interessant: Demokratiebildung in Zeiten von Corona

Europäischer Solidaritätskorps

Ein viel diskutiertes Thema der Europäischen Jugendpolitik in Brüssel ist derzeit der neue Europäische Solidaritätskorps. Am 14. September 2016 kündigte ihn der Präsident der Europäischen Kommission Juncker in seine Rede zur Union an:

"Die Solidarität ist der Kitt, der unsere Union zusammenhält."

Schon am 7. Dezember 2016 wurde der Europäische Solidaritätskorps in Brüssel gelauncht und für junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren die Registrierung  frei geschaltet. Ab Mitte 2017 sollen die ersten Einsätze laufen - ein straffer Zeitplan also, doch viele Fragen sind noch offen. So ist zum Beispiel bisher unklar, wie der Korps mit dem schon seit 20 Jahren existierenden Europäische Freiwilligendienst (EVS) verknüpft wird.

Factsheet der Europäischen Kommission zum Europäischen Solidaritätskorps

Website der Europäischen Kommission zum European Solidarity Corps und Infos im Jugendportal

Partizipation von Kindern und Jugendlichen

Wie kann Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Europäischen Politik funktionieren? Unser Netzwerk EUROCHILD hat sich dazu Gedanken gemacht und dies im Rahmen der europäischen Budgetverhandlungen zum Thema gemacht, bei seiner Konferenz im Juli 2016 : "Children´s Rights Matter: Why Europe Needs to Invest in Children". Hier geht´s zur Declaration der Konferenz.

Vom BJR war eine Delegation Jugendlicher dabei. Hier der Bericht von matzTV:

Förderpolitik - Die Zwischenauswertung von "Erasmus +"

Seit Beginn des neuen EU-Bildungsprogramms „Erasmus+“ im Januar 2014 hat der Bayerische Jugendring die Umsetzung im Förderbereich „Jugend in Aktion“ kritisch verfolgt und Rückmeldungen aus den Jugendverbänden und Jugendringen gesammelt, die hier Förderanträge stellen. In Brüssel läuft derzeit die Zwischenauswertung zu Erasmus+, deshalb hat der BJR-Landesvorstand eine Stellungnahme dazu verabschiedet. Sie enthält wichtige Forderungen und konkrete Problemanzeigen, die zu einer konstruktiven Zwischenauswertung beitragen sollen.

Bildungspolitik

Einen Überblick über ein Vierteljahrhundert Non-formale Bildung gibt die Publikation der Europäischen Kommission: "Youth work and non-formal learning "in Europe’s education landscape"

 Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Die AEJ und andere Träger haben einen Überblick erstellt für Informationen zur Jugendarbeitlosigkeit und der Jugendgarantie in Europa: "Jung. Talentiert. Joblos."

Europäische Umweltpolitik

Das 7. Umweltaktionsprogramm der Europäischen Union heißt "Gut leben innerhalb der Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten" und beschreibt neun prioritäre Ziele, die die EU bis 2020 erreichen möchte.

Kinderarmut in Europa

Jeder vierte junge Mensch in Europa ist von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Kinderarmut ist ein nicht zu vernachlässigendes Thema in unserer Staatengemeinschaft.

Die EU Alliance for investing in children hat ein sogenanntes Toolkit, einen "Werkzeugkasten", veröffentlicht, um die Empfehlungen der EU gegen Kinderarmut in nationalen und sub-nationalen Strukturen umzusetzen: "Investing in Children: Breaking the cycle of disadvantage"

Europäischer Jugendbericht erschienen

Am 15. September 2015 ist der Europäische Jugendbericht erschienen und zieht Bilanz aus dem Arbeitszeitraum 2013 bis 2015. Auf Basis von Berichten der Nationalstaaten und der Europäischen Kommission wird über die Situation von 90 Millionen jungen Menschen in Europa berichtet und darüber, wie die EU-Jugendstrategie umgesetzt wird.

Der Jugendbericht zeigt gute Entwicklungen auf, sind doch die jungen Menschen in Europa so gebildet wie niemals zuvor, 50 Prozent sind Mitglied in einer Organisation und 25 Prozent leisten freiwillige Arbeit. Allerdings gibt es auch Grund zur Sorge: „Insgesamt haben 13,7 Millionen junge Menschen weder eine Arbeit noch absolvieren sie eine schulische oder berufliche Ausbildung. Fast 27 Millionen sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Die Armutsquoten sind für junge Menschen höher als für die Gesamtbevölkerung (…). Bei im Inland geborenen Jugendlichen mit zugewanderten Eltern ist die Arbeitslosigkeit fast 50 Prozent höher als bei anderen jungen Menschen in der EU.“

Der Appell im Jugendbericht zur Querschnittspolitik ist deutlich: Nicht ein einzelner Politikbereich allein kann die Situation der jungen Menschen in Europa verbessern, „doch alle Politikbereiche können einen Beitrag leisten.“
Nachzulesen im Europäischen Jugendbericht 2015.

Trioratspräsidentschaft Italien-Lettland-Luxemburg, 2014/2015

Die Präsidentschaft des Europäischen Rats wechselt jedes halbe Jahr. Drei Ratspräsidentschaften sind zu einen Trioratspräsidentschaft zusammengefasst. Jedes Land, das die Präsidentschaft innehat, veranstaltet auch eine Jugendkonferenz. Ergebnisse der Jugendkonferenzen in Rom, Riga und Luxemburg waren unter anderem Empfehlungen und Umsetzungsmöglichkeiten für die Jugendminister Europas. Hier findest Du die Empfehlungen auf deutsch und weitere Informationen.

Weiterführende Informationen

  • "Schengen", Was bedeutet Schengen eigentlich und warum diskutieren derzeit alle darüber? Der Europäische Rat hat in einer kleinen Broschüre alle Fakten zusammengefasst.

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