European Youth Event 2021

Das European Youth Event bringt jährlich Tausende Jugendliche im Europäischen Parlament zusammen, um ihre Ideen zur Zukunft Europas zu gestalten, sich gegenseitig zu inspirieren und sich mit Expert:innen, Aktivist:innen und Entscheidungsträger:innen auszutauschen. Dabei finden zahlreiche Diskussionsrunden, Workshops sowie Sport- und Musikveranstaltungen zu diversen Themen, wie beispielsweise Partizipation, Demokratie, Covid-19, soziale Ungleichheit, Digitalisierung oder Umweltschutz, statt.

Auch dieses Jahr fand das European Youth Event am 08. und 09. Oktober in Straßburg sowie online statt. Auch der BJR war natürlich vor Ort und hat einen Workshop zum Thema „Making space for young people: Strengthening youth participation” durchgeführt. Das Ziel des Workshops war, Partizipationsmöglichkeiten auf europäischer Ebene zu erarbeiten und zu diskutieren. Die Teilnehmenden sollten ihr Bewusstsein für das Thema Jugendpartizipation in Europa schärfen und konkrete Umsetzungsbeispiele mitnehmen.

Im Rahmen des Workshops wurden fünf Ideen zur Stärkung der Jugendpartizipation auf europäischer Ebene erarbeitet:

1. Einbeziehung der Jugend in die Entscheidungsfindung

Junge Menschen sollten in den politischen Entscheidungsprozess einbezogen werden. Daher werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

(a) Schaffung von nationalen Jugendräten: Diese Räte sollen die Rechte der Jugendlichen stärken, junge Menschen betreuen und unterstützen sowie ein Netzwerk schaffen, um die Bedürfnisse und Wünsche junger Menschen auszutauschen. Die Jugendräte sollten auch finanziell unterstützt werden, um eine Teilnahme für alle zu ermöglichen.

(b) Lokale European Youth Events: junge Menschen sollten so früh wie möglich in die Gesellschaft einbezogen werden, um die Bedürfnisse aller jungen Menschen zu verstehen. Jährliche lokale europäische Jugendveranstaltungen (wie beispielsweise das European Youth Event) sollten organisiert werden, um eine starke Gemeinschaft zu schaffen und Jugendlichen eine Plattform zu bieten, um sich auszutauschen und sich Gehör zu verschaffen.

(c) Senkung des Wahlalters auf 16

(d) Verstärkte Vertretung junger Menschen auf allen institutionellen Ebenen, z.B. durch die Festlegung einer Jugendquote

2. YouTHinks – jung und inklusiv

Auf europäischer Ebene sollte eine Co-Management-Struktur geschaffen werden, damit junge Menschen zu allen Themen als Experten agieren und gleichermaßen an Entscheidungen und Gesetzen mitwirken können. Darüber hinaus würden junge Menschen dauerhaft auf europäischer Ebene vertreten sein, um eine echte Beteiligung zu gewährleisten.

3. Aufbau eines europäischen Gremiums für politische Bildung

Um die politische Bildung junger Menschen in ganz Europa zu stärken, sollte ein europäisches Gremium für politische Bildung eingerichtet werden. Dieses Gremium sollte von nationalen Ämtern unterstützt werden, die den Bildungsprozess an den lokalen Kontext anpassen. Darüber hinaus sollten die nationalen Ämter regelmäßig Berichte an die europäische Stelle senden, um die Bedürfnisse der Jugendlichen zu benennen. Diese Berichte sollten auch dem Europäischen Parlament vorgelegt werden.

4. Politische Bildung als Pflichtfach etablieren

Politische Bildung sollte als Pflichtfach in die Schulen aufgenommen werden. Junge Menschen sollen in die Lage versetzt werden, sich selbstständig eine Meinung zu bilden, fundierte Entscheidungen zu treffen, ihre Rechte in der Gesellschaft einzufordern und eine aktive Rolle in der Gesellschaft einzunehmen. Daher sollte die Organisation von Speak Days, bei denen Politiker:innen, Multiplikator:innen der non-formalen Bildung und andere interessante Gesprächspartner eingeladen sind, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren, gefördert und finanziell unterstützt werden. Ideen, die von Jugendlichen an Speak Days und im Unterricht entwickelt wurden, sollten jährlich bei einem Treffen der Schulen auf nationaler Ebene ausgetauscht werden. Die besten Ideen werden in den europäischen Entscheidungsprozess einbezogen.

5. Stärkung der informellen Bildung

Alle jungen Menschen sollen sich Wissen, Werte und Fähigkeiten aus ihrem Umfeld oder ihren täglichen Erfahrungen aneignen können, z.B. in der Bibliothek, auf Kunstausstellungen oder über die Medien. Zur Stärkung der informellen Bildung wurden verschiedene Ideen vorgeschlagen:

(a) Entwickeln kreativer Prozesse (Kunstwettbewerbe, Musik) als Methode, um mehr über Partizipation zu erfahren und zu lernen, wie Handlungen und Entscheidungen die Gemeinschaft beeinflussen können.

(b) Zugang zu Informationen für alle sozialen Gruppen, um Inklusion zu fördern. Informationen über politisch relevante Informationen müssen gruppenspezifisch zugänglich sein, um das Verständnis zu erleichtern.

Da Jugendliche aus vielen verschiedenen europäischen Ländern an dem Workshop teilnahmen und die Unterschiede der Jugendarbeit in den EU-Mitgliedstaaten sehr groß ist, sind die Ergebnisse allgemein formuliert, sodass sie an den länderspezifischen Kontext angepasst werden können.

Die Durchführung des Workshops wurde vom Europäischen Parlament finanziell unterstützt.