Methoden und Materialien für politische Bildungsarbeit

Maßnahmen zur politischen Bildung lassen sich vielfältig und fantasievoll gestalten. Hier finden sich Methodensammlungen, Aktionsideen, inhaltliches Material und vieles mehr.

Methodensammlungen

Die U18-Methodensammlungen enthalten kurze und längere Methoden und Einheiten, die begleitend zur U18-Wahl oder einfach so in der politischen Bildungsarbeit mit verschiedenen Altersgruppen durchgeführt werden können. Dabei geht es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern vor allem darum, eigene Ideen und Meinungen zu politischen Fragestellungen zu entwickeln.

Weitere Methoden, die nicht speziell für die politische Bildung konzipiert sind, aber trotzdem kreativ eingesetzt werden können:

Webtools, Apps und Co.

  • Plickers kann beispielsweise genutzt werden, um sich bei  Podiumsdiskussionen schnell und anonym einen Überblick über Meinungen im Publikum zu verschaffen und die Auswertung in Echtzeit anzeigen zu lassen.  
  • Das Quiztool Kahoot! eignet sich für selbst erstellte Quizfragen, Abstimmungen oder Diskussionen, wenn alle Teilnehmenden über ein mobiles Endgerät verfügen. 
  • Mit Actionbound können interaktive Rallyes für Mobilgeräte selbst erstellt und durchgeführt werden. Solche Rallyes lassen sich beispielsweise auch als politischen Stadtrundgang oder als Suche nach verschiedenen Wahlplakaten konzipieren und damit für politische Bildungsarbeit nutzen. 
  • Tweedback und Mentimeter sind Beispiele für Live-Feedback-Systeme, die auf verschiedenen Wegen für den Austausch zwischen Zuhörern und Rednern auch bei größeren Veranstaltungen genutzt werden können. 

Online- und Computerspiele

Online-Spiel zum Thema Fake News (ua. bpb, Waza-Games)
Fake It To Make It ist ein online-Spiel, das sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von Fake-News beschäftigt. Die Spieler_innen werden animiert, selbst erfolgreiche Fake News zu produzieren. Sie werden dadurch für die Mechanismen von Fake News sensibilisiert.

Das Spiel Mein Kind Lebensborn ist eine Lebenssimulation und erzählt eine bewegende Geschichte über unschuldige „Opfer“ in der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs in Norwegen. Das Spiel verlangt Reflektion und historische Einordnung. Ein Mindestalter von 12 Jahren und eine pädagogische Begleitung wird empfohlen.

Bei dem Computer-Spiel Democracy 3 können die Spieler_innen alle Facetten der Politik steuern. Democracy 3 ist kein perfektes Abbild von Politik, aber ein Anstoß zum Nachdenken.

Bei Attentat 1942 beschäftigen sich die Spieler_innen mit dem Schicksal ihres Großvaters Jindrich Jelinek, der 1942 in Prag lebt und beschuldigt wurde, einen Anschlag auf einen hohen Nazi-Funktionär verübt zu haben. Aufgabe der Spieler_inen ist es, mit Hilfe von Zeitzeugen-Gesprächen und Recherche herauszufinden, warum ihr Großvater deportiert wurde und was er mit der Ermordung zu tun hatte.

Refugee-Challenge – Can you Break into Fortress Europe? Bei diesem Computer-Spiel der britischen Zeitung The Guardian übernehmen die Spieler_innen die Rolle einer jungen Mutter aus Aleppo, die mit ihren Kindern aus dem kriegsgeplagten Syrien fliehen will. Das Spiel besteht aus kurzen Textabschnitten, die die einzelnen Stationen der Flucht beschreiben, die Spieler_innen müssen versuchen, die jeweils beste Option zu wählen. Auf diese Weise lernen sie durch Versuch und Irrtum über die unterschiedlichen Routen der Kriegsflüchtlinge und die dortigen Hindernisse und Gefahren. Eine kleine Landkarte sowie reale Fotografien und Videointerviews mit Flüchtlingen illustrieren dabei die gefährlichen Bedingungen, unter denen diese Reise angetreten.

Moderate Cuddlefish Während die meisten Spiele zum Themenbereich „Flucht und Vertreibung“ die Erfahrung von Flüchtlingen nachstellen, wählte das Entwicklerteam von Moderate Cuddlefish einen anderen Ansatz. So thematisiert das Spiel die zunehmende Verrohung der Flüchtlingsdebatte im Netz. In Moderate Cuddlefish moderieren die Spieler_innen ein Forum, in dem verschiedene polarisierende Themen mit Bezug zur Flüchtlingszuwanderung diskutiert werden. Ihre Aufgabe ist es Kommentare zu löschen, die nicht dem gewünschten Umgangston entsprechen. Hierbei wird die schmale Gradwanderung zwischen Hate Speech und Meinungsfreiheit sowie die Schwierigkeit, einen fairen und respektvollen Meinungsaustausch im Netz zu bewahren, verdeutlicht.

Against all Odds In Against All Odds, herausgegeben vom UNHCR, müssen die Spieler_innen als Flüchtlinge verschiedenste Herausforderungen bestehen. Sie sind dabei mit schwierigen moralischen Entscheidungen und emotionalen Situationen konfrontiert. Die Situationen spielen sowohl vor, als auch während und nach der Flucht. So thenmatisiert das Spiel auch Schwierigkeiten und Herausforderungen nach der Ankunft in Europa.

The Migrant Trail Das Spiel The Migrant Trail des Entwicklerstudios Gigantic Mechanic thematisiert die illegale und sehr gefährliche Zuwanderung von Mexikanern in die USA durch die Wüste Arizonas. Die Spieler*innen übernehmen hier entweder die Rolle mexikanischer Migrant*innen oder amerikanischer Grenzschützer*innen. Zu den Spielcharakteren auf beiden Seiten werden immer auch persönliche Hintergrundgeschichten erzählt. Auf diese Weise erfahren die Spieler*innen über Ursachen, wie z.B. die Flucht vor Armut und Gewalt, die die mexikanische Migrant*innen zu der gefährlichen Reise motivieren.

Methoden "Parteipositionen"

Welche Parteien gibt es? Welche Positionen vertreten diese? Und wie stehe ich selbst dazu? Mit solchen Fragen kann man sich gemeinsam spielerisch und kreativ auseinandersetzen.

  • "Politik punkten" - Die Aussagen verschiedener Parteien zu einem Thema stehen nebeneinander. Die Teilnehmenden kennzeichnen die Positionen, denen sie am ehesten zustimmen, mit einem Klebepunkt. So entsteht ein anonymes Meinungsbild. Anschließend werden beispielsweise die beliebtesten Statements der jeweiligen Partei zugeordnet oder Pro und Contra der politischen Forderungen diskutiert.
  • "Abstandnehmen. Das ist meine Position!" - Die Teilnehmenden positionieren sich im Raum zu Aussagen verschiedener Parteien. Sie werden sich ihrer eigenen Meinung bewusst und nehmen Stellung, gleichzeitig entsteht ein anschauliches Meinungsbild. (Tipp: Jede_r überlegt erst für sich, wie er zu dieser Aussage steht. Wer mit Nachdenken fertig ist, hebt die Hand. Erst wenn alle die Hand gehoben haben, stellen die Teilnehmenden sich auf.)
  • "Parteimemory" - In einem Memory kann die Zuordnung von Kandidat_innen oder politischen Positionen zur entsprechenden Partei spielerisch erlernt, wiederholt und diskutiert werden. Das Material muss dabei nicht unbedingt vorher vorbereitet werden, sondern kann auch in Kleingruppen von den Teilnehmer_innen selbst recherchiert und gestaltet werden.
  • Die Parteienlandschaft lässt sich auch als Quiz erarbeiten - eine Aussage wird vorgelesen, mehrere Parteien stehen zur Auswahl. Wenn Kleingruppen gegeneinander spielen, muss erst innerhalb der Gruppe diskutiert werden, welche Antwort die richtige ist und warum. Natürlich geht das ganze auch mit Wissensfragen zum politischen System, Anregung dafür bietet das Quizheft Politik der BPB.

Inhaltliche Materialien zum Politischen System

Bei der Bundeszentrale für Politische Bildung findet man Wissensspiele, Lexika, Arbeits- und Themenhefte, die bestellt oder kostenlos heruntergeladen werden können.

Die Reihe einfach POLITIK erklärt Politik für alle verständlich in einfacher Sprache. 

Materialien zum Unterrichtsthema 'Politisches System der BRD'

Ideen für Veranstaltungen mit Politiker_innen

Nicht alle jungen Menschen sind von sich aus zur Beteiligung an Veranstaltungen mit Politiker_innen motiviert oder besitzen die Selbstsicherheit, in großen Runden ihre Meinung einzubringen oder Fragen zu stellen. Darauf kann auf unterschiedliche Weise reagiert werden, um möglichst viele junge Menschen mitzunehmen. Die folgenden Methoden können dafür Orientierung bieten und zu eigenen kreativen Ideen anregen.

  • Ein Speeddating mit Politiker_innen bietet allen Teilnehmenden die Möglichkeit, mit Kandidat_innen verschiedener Parteien direkt ins Gespräch zu kommen, ihnen gezielt Fragen zu stellen und diese auch wirklich beantwortet zu bekommen. Umgekehrt haben auch die Kandidat_innen eine Chance, sich nach Themen und Ideen zu erkundigen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Politiker_innen sich nicht direkt in einer Konkurrenzsituation gegenüber stehen, was sich erfahrungsgemäß positiv auf die Gesprächskultur auswirkt.
  • Das World Café kann zum Beispiel genutzt werden, um Themen und Fragen zunächst in kleinen (am besten auch moderierten) Runden zu sammeln und zu diskutieren, in denen alle Teilnehmenden eine Chance haben, zu Wort zu kommen. Die erarbeiteten Fragen können dann wiederum Grundlage für eine Podiumsdiskussion sein.
  • Aufwertung von Podiumsdiskussionen durch Einbeziehung des Publikums: Smileykarten für schnelle Stimmungsbilder, Einsatz von Apps wie Plickers, Kahoot!, Tweedback und Co.
  • Themenwahl: vorhergehende Online-Themenabfrage, Jugendpolitische Forderungen des BJR (und die entsprechenden Positionen aus der Parteiensynopse) als Diskussionsgrundlage

Ausführliche Beschreibungen weiterer Methoden mit hilfreichen Hinweisen finden sich in der Methodensammlung des U18-Netzwerks.