Jugendarbeit gegen Rassismus und Diskriminierung

Rassistische Gewalttaten wie die Morde in Hanau und Halle, aber auch Studien wie der Afrozensus oder die sogenannte Mitte-Studie zeigen, dass Rassismus und Diskriminierung ernstzunehmende und leider auch weit verbreitete Phänomene in Deutschland sind. Wer durch das Äußere, die Sprache oder den Namen als nicht weiß, als muslimisch, jüdisch oder einfach fremd wahrgenommen wird, ist immer wieder Stichen, Benachteiligungen und Ausgrenzungen ausgesetzt, selbst wenn der Rassismus nicht offen gewalttätig ausgelebt wird. Sei es, dass man eine Wohnung nicht bekommt, dass einem die Gymnasialempfehlung verwehrt bleibt oder man ständig auf Englisch angesprochen wird.

Für Kinder und Jugendliche können sich rassistische Erfahrungen negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken und Gefühle wie innere Anspannung, Stress, Wut, Hilflosigkeit oder Angst auslösen. Längerfristig kann das sowohl auf dem Körper als auch auf der Psyche Spuren hinterlassen. Zumal struktureller Rassismus auch ganz praktisch negative Auswirkungen haben kann, wenn z.B. die Bewerbung auf einen Job schon aufgrund des Nachnamens abgelehnt wird.

Jugendarbeit kann hier eine wichtige Rolle spielen, z.B. indem sie geschützte Räume bietet und Selbstorganisation fördert, aber auch indem Jugendleiter:innen und pädagogische Fachkräfte bewusst für Rassismus sensibilisieren, Betroffene unterstützen und rassistische Vorfälle aufarbeiten.

Rassismus hat in Deutschland eine lange historische Tradition und hat sich deshalb fest in die Denk- und Handelsmuster der Menschen eingeprägt. Diese Muster müssen in der Regel daher erst wieder „verlernt“ und rassistisch geprägte Strukturen aufgebrochen werden.

Vor diesem Hintergrund bietet das Projekt ju&mi u.a. folgende Angebote:

  • Beratung und Begleitung bei der rassismuskritischen Organisationsentwicklung
  • Organisation von Bildungsformaten rund um die Themen Rassismus, Critical Whiteness und Empowerment
  • Organisation von Safe(r) Spaces für von Rassismus betroffene junge Menschen
  • Unterstützung von rassismuskritischen Forderungen und Anliegen aus der Jugendarbeit
  • Organisation von Kampagnen und Aktionen gegen Rassismus und Diskriminierung
  • Beratung zu Fördermöglichkeiten
  • Vermittlung von Referent:innen und Kooperationspartner:innen
  • Verweisberatung bei rassistischen Vorfällen

Die Fachstellen „Jugendarbeit in der Migrationsgesellschaft“ und Ansprechpersonen beim BJR unterstützen gerne bei allen Anliegen rund um die Themen Rassismus und Diskriminierung.

Veranstaltungen

Weitere Anlaufstellen

Fachliteratur

Studien:

  • Each One Teach One (EOTO) e.V.: Afrozensus 2020. Berlin, 2021 Download
  • Oliver Decker, Elmar Brähler (Hg.): Autoritäre Dynamiken. Alte Ressentiments – neue Radikalität. Leipziger Autoritarismus Studie 2020. Heinrich-Böll-Stiftung, 2020 Download
  • Andreas Zick, Beate Küpper (Hg.): Die geforderte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2020/21. Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
  • Andreas Zick, Nora Krott: Einstellungen zur Integration in der deutschen Bevölkerung von 2014 bis 2020. Studienbericht der vierten Erhebung im Projekt ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit. Universität Bielefeld, 2021 Download
  • Sachverständigenrat für Integration und Migration: Jahresgutachten 2021: Normalfall Diversität?  Wie das Einwanderungsland Deutschland mit Vielfalt umgeht. Berlin, 2021 Download
  • Yonca Dege, Jan Eichhorn, Sascha Nicke, Tobias Spöri (2021): Wer kann mitmachen? Politische Beteiligung, Selbstidentifikation und Rassismus-Erfahrungen von Menschen mit Migrationsgeschichten in Deutschland. d|part, 2021 Download
  • Susanne Lochner, Alexandra Jähnert (Hg.): Kinder- und Jugendmigrationsreport 2020. Datenanalyse zur Situation junger Menschen in Deutschland. Deutsches Jugendinstitut (DJI), 2020 Download
  • Deutscher Bundestag: Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus. 2021 Download

Bücher:

  • Mohamed Amjahid: „Unter Weißen“. Wie Alltagsrassismus ein Leben prägt. 2017
  • Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah: Eure Heimat ist unser Albtraum. 2019
  • Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten. 2019
  • Robin J. DiAngelo: Wir müssen über Rassismus sprechen. 2020
  • Emilia Roig: Why we matter. Das Ende der Unterdrückung. 2021
  • Natasha A. Kelly: Rassismus. Strukturelle Probleme brauchen strukturelle Lösungen. 2021
  • Aladin El Mafaalani: Wozu Rassismus? 2021

Sonstige Publikationen:  

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