Neues aus dem BJR-Europabüro

Der Nachrichtenblog des BJR-Europabüros

Was ist los in Brüssel? Welche Themen werden gerade auf EU-Ebene thematisiert? Welche Rolle spielen aktuelle Diskussionen für die Jugend(-arbeit)?

Das Europabüro des BJR informiert auf dieser Seite über aktuelle Entwicklungen, Neuigkeiten und Ausschreibungen aus Brüssel.

Vorschlag der EU-Kommission zur nächsten Programmgeneration von Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps

Im Juli 2025 stellte die EU-Kommission ihren Vorschlag für die nächste EU-Programmgeneration von Erasmus+ und dem Europäischen Solidaritätskorps vor. Das aktuelle Programm endet 2027, sodass ab 2028 ein Nachfolgeprogramm ausgestaltet werden muss. Der Vorschlag wird nun mit dem EU-Parlament und dem Rat verhandelt, sodass sich Punkte und Details noch ändern werden.

Das Ziel der neuen EU-Jugendprogramme besteht darin, zu einem widerstandsfähigen, wettbewerbsfähigen und solidarischen Europa beizutragen, indem lebenslanges Lernen gefördert, die Fähigkeiten und Kompetenzen für das Leben und die Arbeit aller gestärkt und gleichzeitig die Werte der Union, demokratische und gesellschaftliche Teilhabe, Solidarität, soziale Inklusion und Chancengleichheit gestärkt werden. Das Programm soll ein zentrales Instrument für den Aufbau von Kompetenzen, die Weiterentwicklung des europäischen Bildungsraums und die Unterstützung der Umsetzung der europäischen strategischen Zusammenarbeit in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung werden.

Spezifische Ziele:

  • Verbesserung von Bildung, Fähigkeiten und Kompetenzen für den Arbeitsmarkt
  • Förderung der europäischen Identität, aktiven und demokratischen Bürgerschaft, Solidarität und der demokratischen und gesellschaftlichen Teilhabe
  • Förderung von Qualität, Inklusion, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Kreativität, Innovation, Exzellenz und grenzüberschreitender Zusammenarbeit
  • Motivation und Befähigung junger Menschen, berufliche und persönliche Kompetenzen zu erwerben und zu entwickeln
  • Leicht zugängliche Möglichkeiten für junge Menschen für solidarische und humanitäre Aktivitäten, die einen positiven gesellschaftlichen Wandel bewirken

 

Für den Jugendbereich wird zukünftig insbesondere die neue Säule „Lernmöglichkeiten für alle“ wichtig. Diese fördert die Mobilität junger Menschen, einschließlich DiscoverEU, Aktivitäten zur Förderung der Jugendbeteiligung und Lernmobilität von Fachkräften sowie die Freiwilligentätigkeit im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps. Die zweite Säule „Unterstützung des Kapazitätsaufbaus“ beinhaltet die Zusammenarbeit zwischen Organisationen und Institutionen (u.a. Kooperationspartnerschaften) sowie die Unterstützung der Politikentwicklung.

Offen ist insbesondere noch, wie die einzelnen Förderformate konkret ausgestaltet werden, inwiefern Verfahren vereinfacht werden, inwiefern die Spezifik des Europäischen Solidaritätskorps bewahrt wird und wie die Programmumsetzung gesteuert wird. 

Der BJR hat seine Forderungen für die zukünftige Ausgestaltung von Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps bereits in einem Positionspapier im März 2025 veröffentlicht, indem er keine Arbeitsmarktverzweckung der EU-Jugendprogramme, sondern eine klare Priorisierung auf non-formale politische Bildung, gesellschaftliche Partizipation und die persönliche Entfaltung junger Menschen sowie eine bedarfsgerechte finanzielle Ausstattung, eine Vereinfachung und Entbürokratisierung fordert.

Eurodesk Jugendinformations-Umfrage

Die Umfrage untersuchte die Informationsbedürfnisse junger Menschen in Europa im Kontext internationaler Mobilität. Dafür wurden 7.144 junge Menschen im Alter zwischen 13 und 35 Jahren aus 36 europäischen Ländern im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2024 befragt.

Junge Menschen betrachten Mobilitätserfahrungen nach wie vor als unschätzbar wertvoll für ihre persönliche und berufliche Entwicklung. Dabei bevorzugen Jugendliche informelle und nicht-formale Mobilitätserfahrungen (bsp. Jugendaustausch). Die meisten erfahren über soziale Medien, Bildungseinrichtungen, Gleichaltrige, Familien oder spezialisierte Websites von Mobilitätsmöglichkeiten.

Die Umfrage unterstreicht jedoch auch die Herausforderungen, vor denen bestimmte Gruppen stehen, insbesondere Minderheiten, nichtbinäre Jugendliche oder Jugendliche aus wirtschaftlich schwächeren Verhältnissen. Sie stoßen oft auf systemische Barrieren, die ihren Zugang zu Mobilitätsmöglichkeiten einschränken. Dazu gehören finanzielle und administrative Hürden, die Angst, im Ausland neue Freunde zu finden, und mangelnde Sprachkenntnisse. Der Mangel an maßgeschneiderten Informationen und Unterstützungsangeboten verschärft diese Herausforderungen zusätzlich. Daher ist es für Jugendinformationsdienste unerlässlich, ihre Strategien anzupassen, um diese Gruppen besser zu unterstützen.

Veröffentlichung des EU-Jugendberichts

Der EU-Jugendbericht 2022-2024 stellt dar, welche Fortschritte bei der Umsetzung der EU-Jugendstrategie erzielt wurden und vor welchen Herausforderungen junge Menschen derzeit stehen. Der Bericht stellt ganz klar fest, dass junge Menschen in der EU sich an der Politik und Gesellschaft beteiligen wollen. 70% der Jugendlichen geben an, wählen zu gehen und Vertrauen in die EU zu haben. Allerdings wird auch betont, dass 10% der jungen Menschen arbeitslos ist, ein Viertel von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht ist und die Hälfte der Jugendlichen letztes Jahr emotionale oder psychosoziale Probleme hatten. Die Jugendarbeitslosigkeit und Armut führt zu  finanzieller Unsicherheit und beeinträchtigt den Zugang zu Bildung, Wohnraum und zur Gesundheitsversorgung. Der Druck von Arbeitslosigkeit, geringerer Bildung und sozialer Ausgrenzung wirkt sich wiederum auf die psychische Gesundheit aus. Auch aufgrund des demografischen Wandels werden Bedenken hinsichtlich der Generationengerechtigkeit und der Nachhaltigkeit der sozialen Systeme geäußert.

Besonderer Fokus lag auf den drei Kernbereichen der EU-Jugendstrategie: Beteiligung, Begegnung und Befähigung. Zudem bekräftigt die EU-Kommission ihr Engagement, die dringenden Herausforderungen von jungen Menschen zu bewältigen. Dafür stellt sie verschiedene Maßnahmen in den Vordergrund, bsp. den EU-Jugendcheck, den Jugendbeirat der Präsidentin sowie die jugendpolitischen Dialoge.

2025-2026 wird die EU-Kommission junge Menschen und Interessenträger:innen bei der Ausgestaltung der EU-Jugendstrategie nach 2027 einbinden. 

Konsultation zum EU-Haushalt

Der langfristige Haushaltsplan der EU gilt aktuell von 2021-2027. Deswegen schlägt die EU-Kommission nun einen neuen Haushaltsplan ab 2028 vor und möchte dafür allen Bürger:innen der EU die Möglichkeit bieten, ihre Anliegen einbringen zu können.

Wie können Bürger:innen mitmachen?
Von Februar bis Mai 2025 findet eine online Diskussion auf der Plattform für Bürgerbeteiligung statt. Bürger:innen schreiben, kommentieren und liken Beiträge auf der Plattform, wobei es sich um Einzelbeiträge oder das Ergebnis von Gruppenarbeit handeln kann, etwa auf einer gemeinsamen Veranstaltung. 
Von März bis Mai 2025 finden dann Bürgerforen statt. Die Online-Beiträge fließen in die Forumsdiskussionen und letztlich in die europäische Politikgestaltung ein.

Wieso betrifft der EU-Haushaltsplan die Jugendarbeit in Bayern?
Im langfristigen EU-Haushaltsplan wird für mehrere Jahre festgelegt, wieviel Geld in den EU-Haushalt fließt und wofür es ausgegeben wird. Es werden u.a. die soziale Entwicklung von Regionen, Jugendaustausch in der EU, Fachkräftebegegnungen oder Solidaritätsprojekte der Jugend gefördert. 2021-2027 umfasste das Budget von Erasmus+ Jugend 2,53 Mrd. Euro. Davon profitieren Jugendliche, Jugendorganisationen, Fachkräfte der Jugendarbeit, Träger der freien Jugendhilfe, Organisationen und Einrichtungen im Jugendbereich und lokale, kommunale sowie regionale Behörden.

EU-Strategie zu Generationengerechtigkeit

Die EU-Kommission arbeitet derzeit eine Strategie zu Generationengerechtigkeit aus und möchte dabei alle Bürger:innen und insbesondere Jugendliche beteiligen. Deswegen startete sie eine online Konsultation von Februar bis Dezember 2025 und fordert alle auf, ihre Ideen und Meinungen einzubringen. Neben der Konsultation finden eine Reihe strategischer Dialoge mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Institutionen und der Zivilgesellschaft statt, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse in die künftige Strategie einfließen zu lassen und sicherzustellen, dass alle Gehör finden.

Warum ist eine EU-Strategie zu Generationengerechtigkeit notwendig?
Die zahlreichen Krisen der letzten Jahre, von wirtschaftlichen Herausforderungen bis hin zu geopolitischen Spannungen, haben zu einer zunehmenden Unzufriedenheit und Spaltung geführt. Zudem verstärkt der demografische Wandel die Krise der Repräsentation. 2023 betrug der Anteil der 15-24-Jährigen an der Gesamtbevölkerung der EU 10,6%. Immer weniger junge Menschen haben die Möglichkeit, sich aktiv an politischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen und ältere Generationen dominieren die politischen Diskurse.

EU-weite Jugendumfrage

Die EU-Jugendumfrage 2024 untersuchte die Ansichten junger Menschen (im Alter von 16 bis 30 Jahren) in der gesamten EU und konzentrierte sich dabei auf ihre politischen Prioritäten, Einstellungen gegenüber der Europäischen Union, Informationsquellen, Gefährdung durch Desinformation, politisches Engagement und Wahlverhalten bei den Europawahlen 2024. Die Umfrage wurde im September und Oktober 2024 durchgeführt und die Ergebnisse nun im Februar 2025 veröffentlicht.

Die Bekämpfung steigender Preise sollte für die EU oberste Priorität haben
Steigende Preise und steigende Lebenshaltungskosten bereiten 40 % der 16- bis 30-Jährigen Sorgen. Ein Drittel der Befragten meinte, dass die EU ihre Aufmerksamkeit in den nächsten fünf Jahren auf die Umwelt und den Klimawandel richten sollte, während 31 % der Meinung sind, dass die Wirtschaftslage und die Schaffung von Arbeitsplätzen Priorität haben sollten. 

Soziale Medien sind die Hauptinformationsquelle
Soziale Medien sind für 42 % der Befragten im Alter von 16 bis 30 Jahren die wichtigste Quelle für politische und soziale Themen, gefolgt vom Fernsehen (39 %). Besonders ausgeprägt ist die Vorliebe für das Fernsehen bei den 25- bis 30-Jährigen, die auch häufiger Online-Nachrichtenplattformen und Radio nutzen (30 % bzw. 19 %) als die 16- bis 18-Jährigen (21 % bzw. 13 %). 

Junge Menschen sind sich ihrer Gefährdung durch Desinformation bewusst
Eine deutliche Mehrheit (76 %) der jungen Menschen glaubte, in den sieben Tagen vor der Umfrage Desinformation und Fake News ausgesetzt gewesen zu sein, während 70 % der Umfrageteilnehmer zuversichtlich waren, Desinformation erkennen zu können.

Junge Menschen sind pro-europäisch
Rund drei von fünf Befragten sind generell für die EU: 31 % befürworten die EU und ihrer derzeitigen Funktionsweise, 32% sind für die EU sind, aber nicht für die Art und Weise, wie sie derzeit funktioniert. 21 % der Befragten stehen der EU eher skeptisch gegenüber, könnten aber ihre Meinung ändern, wenn die EU sich verändern würde und nur 6 % lehnen die Idee der EU im Allgemeinen ab.

Mehrfähriger Finanzrahmen der EU

Der Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) ist der mittelfristige Finanzrahmen der EU. Er legt die maximale Gesamtsumme der zur Verfügung stehenden Finanzmittel in den nächsten Jahren fest. Zugleich werden im MFR das maximale Haushaltsvolumen der EU-Jahresbudgets sowie die Obergrenzen der einzelnen Ausgabenrubriken und somit die Struktur und die Gewichtung der EU-Ausgaben festgelegt.

Kurz: Der MFR legt fest, in welche Bereiche die EU über einen längeren Zeitraum wie viel investieren wird.

Der mehrjährigen Finanzrahmen stellt sicher, dass die Ausgaben der EU vorhersehbar sind, innerhalb der vereinbarten Grenzen bleiben und gemeinsame Politiken über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden können. Da er festlegt, in welchen Politikfeldern wie viel Geld ausgegeben werden soll, ist er auch Ausdruck politischer Prioritäten.

Der derzeitige MFR gilt von 2021-2027. Aktuell wird nun der Finanzrahmen von 2028-2034 festlgelegt. Für die Jugendarbeit ist dies relevant, weil die finanziellen Prioritäten der EU für einen relativ langen Zeitraum, die Rolle der Jugend für die EU in den nächsten Jahren und letztendlich auch das Budget für Jugend und Jugendarbeit festgelegt werden.

Das Europabüro des BJR führt dazu bilaterale Gespräche und positioniert sich in Gremien gemeinsam mit jugendpolitischen Akteuren (u.a. AGJ Zwischenruf "Für eine politikfeldübergreifende und multidimensionale EU-Kinder- und Jugendpolitik – auch angesichts politisch und finanziell veränderter Bedingungen!")

EU-Jugendprogramme post-2027

Die EU-Jugendprogramme Erasmus+ Jugend und Europäisches Solidaritätskorps (ESK) sind für die Jugendarbeit essentielle Instrumente, um Europa erlebbar zu machen, Austausch finanziell zu ermöglichen und europäische Projekte umzusetzen. Die aktuelle Programmphase läuft von 2021-2027. Deswegen wird nun über die nächste Programmgeneration ab 2028 diskutiert. Wichtige Fragen sind gerade: "Wie werden die Programme zukünftig ausgestattet?", "welche Struktur und welche Prioritäten haben die Programme?", "Wie können die Programme zugänglicher, unbürokratischer und jugendfreundlicher werden?", "Wie kann das Programm zielgerichteter für die Jugendarbeit gestaltet werden?"
Eine erste Veröffentlichung der Programmvorschlag von der EU-Kommission ist im Herbst 2025 geplant.

Der BJR hat sich bereits zu den EU-Jugendprogrammen positioniert und fordert u.a. eine bedarfsgerechte finanzielle Ausstattung, eine Vereinfachung und Entbürokratisierung sowie eine klare Priorisierung auf non-formale politische Bildung, gesellschaftliche Partizipation und die persönliche Entfaltung junger Menschen.
Link zum Positionspapier

Die Prioritäten der Europäischen Kommission 2024-29

Zu Beginn einer neuen Amtszeit der Europäischen Kommission, legt die Präsidentin bzw. der Präsident die politischen Prioritäten der Kommission fest. Nach der Europawahl im Juni 2024 hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ebenfalls ihre politischen Leitlinien für die Jahre 2024-2029 vorgestellt.
Der Fokus liegt dabei darauf, nachhaltigen Wohlstand und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen und die europäische Verteidigung und Sicherheit zu stärken. Für Jugend und Jugendarbeit besonders relevant ist die Strategie zur Generationengerechtigkeit, die geplante EU-Strategie zur Bekämpfung der Armut und der Plan für erschwinglichen Wohnraum. Bürgerbeteiligung soll in der gesamten EU verankert werden. Erasmus+ soll gestärkt werden, sodass mehr Personen teilnehmen können, und jungen Menschen soll mehr Freiheit und Verantwortung in unseren Gesellschaften und Demokratien gegeben werden. Dafür werden alle EU-Kommissar:innen aufgefordert, innerhalb der ersten 100 Tage der neuen Amtszeit einen Jugenddialog durchzuführen und es wird ein Jugendbeirat der Präsidentin gegründet.

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